Volkskundliches

Was macht man an einem grauen, kühlen Nationalfeiertag, wenn man der Bundesheer-Show nichts abgewinnen kann (weg mit ihnen!) und man dem Bundespräsidenten und seiner Frau nicht schon wieder die Hand schütteln will (und den Regierungsmitgliedern ohnehin nicht, die Gauner)? Man kann die Gunst der Stunde und den damit verbundenen Gratis-Eintritt in ein paar Museen nutzen. Und das waren am heutigen Tag das Historische Museum der Stadt Wien und das Volkskunde Museum, wobei das erste mit einer neuen Sonderausstellung aufwarten kann (zum Thema historische Spiele), und das zweite … nun ja, sehen Sie selbst.

Das Volkskunde Museum darf man nicht mit dem Museum für Völkerkunde verwechseln. Während das Wort „Volk“ bei ersterem in der Einzahl steht, und damit ein Volk (nämlich das österreichische) präsentiert, beschäftigt sich letzteres (bei dem das „Volk“ im Plural steht) mit „den anderen“ (Kulturen in erster Linie). Ich glaube nicht, dass das volkskundliche Museum allzu viele Besucher abbekommt (das merkt man schon an seiner etwas abseits gelegenen Lokalität – allerdings überhaupt kein Vergleich, was die Abgelegenheit betrifft, mit dem Ho Chi Minh Pfad Museum in Hanoi, das man nicht ansteuern sollte, wenn man ein straffes Sightseeing-Programm hat), aber wenn’s nichts kostet? Im Inneren stapeln sich überwiegend alte Möbel und Gegenstände, die mich in ihrer Rustikalität sehr an das Gartenhaus meiner Familie erinnerten, denn auch dort befanden sich (und tlw. tun sie es immer noch) ähnliche Gegenstände, weswegen mich das Haus stets mehr an ein Museum, als ein gemütliches Zuhause erinnert hat. Bemalte Bauernschränke und -truhen, hölzerne Heugabeln und Butterfässer, und sogar Degen und Hellebarden begleiteten mich durch meine Kindheit, wobei ich mich im Nachhinein frage, ob man den Ort nicht über die Grenzen Maria Guggings hinweg bekannt machen und ein stattliches Eintrittsgeld verlangen hätte können? Mit der sonntäglichen Ruhe wäre es dann aber vermutlich vorbei gewesen.

 
 

Trotzdem findet man auch unter dem ganzen Plunder (Verzeihung) ein paar interessante Parallelen zum „Völkerkundlichen“. Im Foto unten links finden sich drachenkopfartige Motive, die mich an China erinnern, und das Foto unten Mitte mit Kaiser Franz Josef in einem mysteriösen … Ding? weist verblüffende Ähnlichkeit mit dem weiblichen Buddha-Bild auf, welches ich aus Vietnam mitgebracht habe (Foto rechts).

Um es kurz zusammenzufassen: Wenn Sie an rustikalen Gegenständen „in situ“ (also an Ort und Stelle) interessiert sind, dann kontaktieren Sie mich wegen der Lage unseres Gartens. Meine Tante wird sich über Ihren Besuch sicher sehr freuen.

Die zweite Ausstellung „Spiele der Stadt“ zeigte diverse Gesellschaftsspiele, Kartenspiele und dergleichen aus den vergangenen 150 Jahren. Neben einigen Kindheitserinnerungen (zB. DKT) entdeckte ich auch Spiele aus der Zeit des Nationalsozialismus, bei denen die Landkarte Österreichs (bzw. der Ostmark) irgendwie ganz anders aussah, als man das heute so gewöhnt ist. Spiele als Propagandamaterial zu nutzen, ist eine äußerst perfide Sache, aber wenn man sich heutige PC-Spiele wie zB. Command and Conquer und dgl. ansieht, dann könnte man auch glauben, dass Pentagon hätte sie selbst produziert.

 

A propos Militär: gerade sind auch meine Frau und meine Tochter nach Hause gekommen, die sehr wohl das Bundesheer besucht haben. Stolz zeigten sie mir ein Foto, auf dem sie in einem der BH-Hubschrauber sitzen. Wenn unser Verteidungsminister wüsste, dass vietnamesische Überläufer unsere militärische Hardware ausspionieren. Der Schaden für die nationale Sicherheit bleibt allerdings gering. Weiß doch eh keiner in SOA, was Österreich ist. Und sollte es – wider Erwarten – dem neutralen Austria an den Kragen gehen, so müssen es eh die Australier büßen …

Beinahe hätt‘ ich es vergessen:
Seien Sie kreativ und eröffnen Sie Ihre eigene Ausstellung. Ebenfalls im Volkskunde-Museum für kurze Zeit: die Stoffmuster-Sammlung. Wenn Sie also alte Hosengummi oder selbst gestickte Kaffee-Untersetzer in beträchtlicher Zahl Ihr Eigen nennen, rufen Sie das nächste Museum an! Sie werden es Ihnen danken.

 

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