Scheinschwanger

Ich bin schwanger. Mit einer Idee, einem Gedanken.

Schon seit vielen Monaten trage ich die Idee zu meinem nächsten Buch mit mir herum. Wie viele es genau sind, weiß ich nicht, aber wäre es ein Mensch, so rückte der Geburtstermin in greifbare Nähe. Geschrieben habe ich noch nichts, bloß ein paar Notizen und Gedanken bedecken das virtuelle Papier. Doch im Kopf, da gärt es.

Darin besteht wahrscheinlich das Problem. Um eine Geburt zu erleben, bedarf es einer Zeugung. Solange ich nicht mit dem Schreiben anfange, wird nichts geboren. Schon gar nicht ein Buch. Daher die Scheinschwangerschaft (wenigstens nehme ich nicht zu).

Dabei hat das Kind schon einen Namen. Noch nicht einmal gezeugt, weiß ich jetzt schon, wie es heißen wird. Das genaue Aussehen jedoch liegt noch im Dunkeln. Die Aufnahmen mit dem Ultraschall sind verschwommen, wie die Buchstaben in einer Buchstabensuppe. Sie haben sich noch nicht zu einem Ganzen, einem Text zusammengefügt. Ich muss also nicht nur zum Erzeuger werden, sondern auch den Job der Hebamme übernehmen (Selbstverleger, Sie verstehen?).

Was mir fehlt sind Zeit und Muße, vielleicht auch eine Muse. Zeit ist neben Job und Familie dünn gesät, und dass mich die Muse küsst … undenkbar. Meine Frau wird leicht eifersüchtig. Schon vor einer nackten Wand senke ich verlegen den Blick, um keinen Anlass zu liefern. Also warte ich auf kommende, dunkle Wintertage, wo die Natur nicht lockt und die Tage lang werden (eigentlich werden sie ja kürzer, aber Zeit ist eben relativ).

Das Schreiben wie am Fließband geht ohnehin nicht. Nach spätestens 1,5 bis 2 Stunden versiegt der Strom der Kreativität, der Blick wird stier und die Zeilen füllen sich im Zeitlupentempo. Nach dem totalen geistigen Stromausfall sitze ich da in völliger Finsternis (in Hanoi war das öfters auch physisch so). Die Festplatte raucht. Der Kopf auch.

Was tun also? Den ersten Schritt setzen. Natürlich! Den Laptop öffnen, den Browser ignorieren und eine Textdatei öffnen. Die ersten Worte auf der Tastatur formulieren, die ersten Sätze, das erste Kapitel. Welch vortrefflicher Plan.

Morgen.

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Eine Antwort auf Scheinschwanger

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