Gehypte Marillen

Schenkt man der Wachauer Tourismuswerbung Glauben, so ist zur Zeit der Marillenblüte die gesamte Wachau zwischen Krems und Melk flächendeckend von blühenden Marillenbäumen überzogen. Es wird schon darauf hingewiesen, dass der Zeitpunkt der Blüte innerhalb des Wachautales unterschiedlich ist, und etwa in Krems früher beginnt, als in Spitz, und dass Bäume, die im Sonnenlicht stehen, früher blühen, als solche, die in schattigen Gräben und Taleinschnitten stehen. Aber – so ist man geneigt zu glauben – ist die Wachau während der Hochblüte, sofern man den richtigen Zeitpunkt nicht verpasst, ein einziger Traum in Weiß. Geschickte Fotografie unterstützt diesen Eindruck. Ich habe diese Motive auch gefunden.

Ruine Dürnstein im Hintergrund

Doch dem ist nicht ganz so. Denn die Marillenbäume stehen in Gruppen in Marillengärten, und dort ist die Dichte an Marillenbäumen selbstredend enorm hoch. Sie bieten die Kulisse für wunderschöne Bilder, die wiederum obige Ansicht bestätigen. Doch unternimmt man eine Wanderung durch die Region, zB. entlang der Marillenmeile mit Ausgangspunkt zB. in Rossatz, und vorausgesetzt, diese Wanderung findet wirklich zum Zeitpunkt der Vollblüte statt (was nicht immer leicht zu realisieren ist), dann offenbart sich, dass die weiß blühenden Marillenbäume eher punktuell in die Landschaft eingestreut sind, und man keine Machete in der Hand halten muss, um sich durch das weiße Dickicht zu kämpfen (dafür stehen die Chancen im Winter besser).

Während der Vollblüte 2019, ehrlich.
Entlang der Rossatzer Marillenmeile
Marillengarten in Rührsdorf

Andererseits sind es nicht nur die Marillenbäume, die schön blühen. Auch andere Bäume entzücken uns um diese Jahreszeit mit ihrer Blütenpracht, so zum Beispiel die rosarot blühenden Pfirsichbäume (?), die mir eigentlich viel besser gefallen und auffälliger sind.

WANN der beste Zeitpunkt für einen Besuch der Wachau gekommen ist (= der Zeitpunkt der Marillen-Vollblüte), lässt sich am besten über das Internet herausfinden. Am besten gibt man „Marillenblüte“ als Suchbegriff ein, dann findet man rasch, wonach man sucht, so sehr sind alle aus dem Häuschen. Da nicht alle Bäume gleichzeitig blühen, und der optimale Zeitpunkt wetterbedingt von Jahr zu Jahr verschieden ist, braucht man da ein gewisses Timing (und natürlich Schönwetter und einen freien Tag zum richtigen Zeitpunkt). Und natürlich ein gutes Stau- und Zeitmanagement, um dem unausweichlichen Stau auf dem Weg dahin auszuweichen, sofern man mit dem eigenen (oder irgendeinem) PKW nicht zeitig genug anreist.

Ich bitte, diesen Artikel nicht als Kritik zu verstehen, noch, es hätte mir nicht gefallen. Die Wachau ist immer schön und zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Besonders gerne gehe ich wandern, so zum Beispiel über den Vogelbergsteig auf die Fesslhütte und retour über die Ruine Dürnstein. Mir gefällt die Wachau sehr gut und sie erfreut mich stets aufs Neue. Nur fahre ich nach zwei Versuchen nicht mehr extra wegen der Marillenblüte dorthin, denn es wird halt ein bisserl übertrieben. PR halt. Wo doch die Wachauer Marille innerhalb der EU als geschützte Ursprungsbezeichnung ausgezeichnet ist. Und das Wachauer Mariandl. Und überhaupt.

Dürnstein, ein beliebtes Ausflugsziel in der Wachau
Stift Melk, ein Wahrzeichen der Wachau
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