Was tun in Spitz?

Spitz ist nicht nur ein Fabrikant verschiedenster Lebensmittel, sondern ein lieblicher Ort in der schönen Wachau. Im April war es wieder einmal soweit, dass die Marillenblüte bevorstand, was jedes Jahr eine Massenwanderung in das schmale Donautal nach sich zieht. Dank des Internets ist man jederzeit bestens informiert, wann denn dieses Ereignis akurat den Höhepunkt erreicht, wodurch auch gewährleistet ist, dass immer alle Marillenblüten-Watcher gleichzeitig herbei eilen. Gemeinsam stauts sich einfach besser. Schenkt man den Aussagen glauben, so verwandelt sich in jenen Tagen die gesamte Region in ein Blütenmeer. Ich wollte es dieses Jahr daher genau wissen (eigentlich meine Frau), und so begaben wir uns vierrädrig ins Epizentrum der floristischen Verzückung.

Gleich vorweg: Ich finde die Blütenhysterie doch ein wenig übertrieben. Zwar hatten wir den Höhepunkt um wenige Tage verpasst (den Höhepunkt der Marillenblüte), doch präsentierten sich die Bäume bei weitem nicht in einem Zustand, dass man vor lauter Blüten die Wachau nicht mehr sähe. Selbst wenn sie in vollster Blüte stünden, so stehen die Bäume nicht so flächendeckend dicht beinander, dass sie in der Lage wären, jenes Phänomen hervorzurufen, welches jedes Jahr vorab beschworen wird. Zumindest in Spitz.

Obstbäume stehen in und um Spitz schon viele herum.

Die Wachauer Marille ist den Spitzern ein Anliegen, das merkt man sogleich.

Doch lohnt ein Besuch in Spitz allemal. Wer bereits in Dürnstein war und die gleichnamige Burgruine besucht hat, oder von der anderen Seite kommend Stift Melk oder die Burgruine Aggstein visitiert hat, der findet in Spitz doch genug zu sehen und gehen, um zumindest einen halben Tag beschäftigt zu sein. Natürlich kann man auch mit dem Donauschiff anreisen, womit dann der Tagesausflug komplett gemacht wird.

Ich empfehle, die Gegend mittels Gehen zu erkunden. Dazu braucht es auch nicht besonders viel Kondition, denn meine beiden Töchter haben es auch geschafft. Da gibt es zum Einen den Rotes-Tor-Rundweg, der durch die Weingärten über das Rote Tor aus Spitz hinaus in den Wald führt und entlang des Radlbach wieder nach Spitz zurück. Das auffällige am Roten Tor ist, dass es gar nicht rot gefärbt ist, ja nicht einmal in einer anderen Farbe. Der Legende nach verteidigten sich hier die Spitzer gegen die angreifenden Schweden im dreißigjährigen Krieg, und verloren gar manchen Liter Blut, welches das Tor rot färbte. Man hätte zumindest ein paar Spritzer roter Farbe anbringen können, um diese Begebenheit zu illustrieren, denn der heutige, medienverwöhnte (oder -geplagte?) Mensch liebt es plakativ. Man hätte den Künstler Hermann Nitsch dafür engagieren können, das hätte beeindruckt, wenn er den Inhalt eines halben Ochsen an den Stein geschmiert hätte. Doch dafür ist man in Spitz zu fantasie- oder mutlos.

Die sanften Hügel und Weinberge um Spitz ermöglichen Softwandern für jedermann. Der Hügel im Hintergrund ist der Tausendeimerberg.

Das Rote Tor, wie man sieht.

Blick vom Roten Tor

Wer höher hinaus will, der geht den Buchberg-Rundweg, der in die andere Richtung hin ausgeschildert ist (aber auch über das Rote Tor führt). Mit 702 m ist der Buchberg-Gipfel auch bedeutend alpiner als die Spitze des Tausendeimerbergs, der gleich neben Spitz und direkt an der Donau in die Höhe schießt, und auf dem man sogar ein echtes Gipfelkreuz montiert hat, obwohl er sich allenfalls bis auf maximal 300 m über Meeresniveau erhebt (was aber keiner mitkriegt, da das Meer weit entfernt ist, und das ehemaligeMeer von vor rund 12 Mio. Jahren halt auch keine echte Referenz mehr darstellt. Dennoch kann man mit Fug und Recht behaupten, einen echten Gipfelsieg errungen zu haben, und einen schönen Rundblick über Spitz bekommt man als Draufgabe quasi geschenkt dazu. Seinen Namen verdankt der Tausendeimerberg übrigens der Tatsache, dass man in guten Jahren bis zu 1ooo Eimer Wein ernten konnte. Wer den Aufstieg auf den Berg nicht ohne Pause bewältigt, sollte schleunigst einen Arzt seines Vertrauens aufsuchen.

Blick vom Rastplatz auf dem Buchberg. Der Gipfel ist noch einmal 1o m höher gelegen.

Schön sind die blühenden Marillenbäume …

… aber auch andere Bäume blühen schön.

Auf dem Tausendeimerberg

Blick vom Tausendeimerberg hinüber zur Burgruine Hinterhaus.

Vom Berg aus kann man gleich zur Burgruine Hinterhaus weitergehen (zart besaitete Gemüter legen vorher noch eine Rast ein), die unmittelbar auf einem Felsvorsprung an der Donau liegt und die man über einen kurzen Waldweg erreicht. Und der Weg lohnt allemal, denn es ist eine sehr schöne Ruine, von der man ebenfalls einen sehr schönen Blick über Spitz und die Donau erhält.

Blick vom Tausendeimerberg hinüber zur Burgruine Hinterhaus.

Im Inneren der Ruine

Blick von der Burg

So hat die Burg ausgesehen, bevor sie zur Ruine wurde (Ausgestelltes Bild im Burginneren).

Zu diesem kleinen Pavillion zweigt ein kurzer Weg vom Pfad zur Burg ab.

Wandermöglichkeiten gibt es in der Umgebung reichlich.

Fürs Kulinarische ist ja ohnehin gesorgt, so viele nette Einkehrmöglichkeiten gibt es, oder, für alle Freunde eines guten Tropfens, auch jede Menge Heurige. Wer also fleißig gewandert ist, der hat sich die Einkehr redlich verdient. Alle anderen mögen mit einem schlechten Gewissen völlern.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailby feather
Facebooktwitteryoutubeinstagramflickrby feather
Dieser Beitrag wurde unter Persönliches abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.