Weiter neben der Bahn wandern

Letztes Jahr habe ich ja bereits einen Teil des Semmeringer Bahnwanderwegs vorgestellt, und zwar den Abschnitt zwischen Semmering und Breitenstein. Es ist wahrscheinlich der schönste und spektakulärste Bereich dieser Strecke. Trotzdem nahm ich mir damals vor, im kommenden Jahr auch den Rest bis nach Gloggnitz zu erwandern. Daher startete ich diesmal an der Bahnstation in Breitenstein, um über Klamm bis nach Gloggnitz zu gehen. Zurück würde ich passender Weise mit der Semmeringbahn fahren. Im Vorjahr verkehrte diese wegen Bauarbeiten entlang der Gleise nicht, weswegen ein Ersatzverkehr mit Minibussen diese Aufgabe übernahm.

Dass die Bauarbeiten immer noch andauern, erfuhr ich bereits nach kurzem Marsch. Im Prinzip ist der Bahnwanderweg fast auf dem gesamten Teilstück zwischen Breitenstein und Klamm gesperrt. Die Umleitung führt fast überwiegend über asphaltierte Nebenstraßen, was ich enttäuschend fand, verbinde ich Asphaltwege doch keineswegs mit Wandern. Asphalt toleriere ich ausnahmslos unter Autoreifen. Selbst mit dem Fahrrad bewege ich mich auf Asphalt nur bei einem Familienausflug. Offroad verheißt Glück, Asphalt eher Langeweile.

Unterwegs trifft man auf zahlreiche Informationstafeln.

Blick zurück auf Breitenstein

Obendrein ließ mich das Wetter zunächst im Stich. In der Früh hatte es noch geregnet, die Wolkenschwaden verhüllten die Gipfel, und es war mit 14 Grad etwas kühl. Entsprechend hurtig marschierte ich weiter, sodass ich nach nicht einmal einer Stunde den Ort Klamm erreichte. Dort machte die gleichnamige Burgruine, die einladend auf einem Felsen thronte, Lust auf eine Besichtigung, doch ist sie leider in Privatbesitz und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Also weiter Richtung Bahnhof Gloggnitz.

Klamm mit Burgruine

Kurz vor Klamm gelangte ich wieder zurück auf den originalen Bahnwanderweg, und es war gut, die Züge, deren Pfeifen und Rattern ich davor nur aus der Ferne gehrt hatte, wieder in voller Größe zu sehen. Das Gros der Züge macht der Güterverkehr aus, manchmal passierte mich alle paar Minuten eine weitere Garnitur. Das Wetter besserte sich zusehends, und als ich von der Haltestelle Eichberg auf Gloggnitz hinab blickte, da lachte bereits die Sonne vom Himmel.

Entlang des originalen Bahnwanderwegs wandert man in steter Begleitung vorbeifahrender Züge.

Der Weg ist dabei immer gut ausgeschildert. Zusätzlich gibt es kostenloses Kartenmaterial in Semmering oder dem Internet.

Die Wege sind nicht schwer und führen mitten durch die Landschaft.

Über das Schloss Gloggnitz erreichte ich dann den Endpunkt meiner Tour. Das Schloss stand zu meiner Überraschung ohne Eintritt offen, daher schlenderte ich ein bisschen im Inneren umher. Es war früher ein befestigtes Kloster gewesen, weswegen den Kern auch eine Kirche bildet, die von den Schlosstrakten umgeben ist. Dicke Mauern mit Schießscharten ringsherum zeugten von der Wehrhaftigkeit der Anlage.

Schloss Gloggnitz

Die Kirche in der Mitte ist vom Schlosstrakt umgeben.

Die alten Festungsmauern zeugen von der Notwendigkeit zur Verteidigung einstmals.

Ein kurzer Waldweg führte hinunter an den Ortsrand von Gloggnitz. Nach einer Stärkung beim Stiegenwirt, bummelte ich die verbleibenden anderthalb Kilometer bis zum Bahnhof durch das Zentrum und bedauerte, dass ich in meinem Magen keinen Platz mehr für das verlockend cremige Eis in der Konditorei gelassen hatte. Pünktlich um 15.59 Uhr verließ dann der Zug die Station, um schon nach wenigen Minuten in Payerbach-Reichenau sein Endziel zu erreichen. Im Regionalzug nach Mürzzuschlag ging es zurück über die Semmeringbahnstrecke zum Ausgangsort. Die Fahrt von Gloggnitz nach Breitenstein hatte nur 33 Minuten gedauert. Spektakuläre Blicke während der Fahrt blieben mir meist versagt. Zum einen, weil es eben nicht gerade der spektakulärste Abschnitt der Strecke ist, zweitens, weil die Bahngleise meist von hohen Bäumen flankiert wurden, und drittens, weil man sich in einem österreichischen Zug beim Fotografieren halt nicht bei offenen Türen auf dem Trittbrett stehend hinauslehnen kann, wie etwa in der Eisenbahn in Thailand nach Kanchanaburi zur Brücke Kwai, wo man sich angesichts der neben den Gleisen abfallenden, tiefen Schlucht auch keinen unnötigen Sicherheitsbedenken hingab. Dafür machte ich dort wirklich tolle Fotos.

In einem modernen Regionalzug der ÖBB. Eine alte Dampflok hätte mehr Flair.

Gelegentlich gibt der Wald den Blick frei auf die großartige Landschaft des Semmerings.

In Breitenstein stieg ich an einem Bahngleis im gefühlten Nirgendwo aus und spazierte zurück zum Auto. Um den originalen Bahnwanderweg nach Klamm kennenzulernen, muss ich also ein weiteres Mal kommen, wenn die Bauarbeiten beendet und die Wegsperre aufgehoben sind. Für Unterhaltung bleibt also gesorgt.

Am Bahnsteig in Breitenstein

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