Natur und Stift in Geras

Geras ist eine kleine Gemeinde im nördlichen Waldviertel, also in einem eher entlegenen Winkel Österreichs, und vereint Natur und Kultur locker in einem. Die Umgebung weist alle Charakteristika des Waldviertels auf, die ich in den vergangenen Jahren zu schätzen gelernt habe: eine schöne Landschaft, die stets durch ihre Weite beeindruckt (der Horiont ist hier einfach unglaublich weit entfernt), und sich durch diese Landschaft windende Landstraßen, auf denen Stau ein Fremdwort ist. Wenn die Waldviertler aber Bundesstraßen bauen, dann ordentliche. Gut ausgebaute Asphaltbänder, auf denen man meist mit hundert Sachen unterwegs ist, und auf denen man ordentlich Kilometer macht und so zügig durch die Gegend kommt. Folglich legt man die Strecke zwischen Stockerau und Geras über Horn überraschend schnell zurück.

Horn ist eine Stadt, die mich ohnehin immer überrascht, weil ich aus irgendeinem Grund glaube, sie läge mitten im Wald. Dabei ist das Waldviertel zwar waldreich, doch gewiss nicht flächendeckend mit Wald bedeckt. Auch der Naturpark Geras der sich im Besitz des Stift Geras befindet, besteht nicht aus wilder Natur, sondern aus einem gepflegten Mix aus Wald und anderen Kulturflächen, wie Alleen aus blühenden Bäumen und einem großen Fischteich. Dazwischen verstecken sich Tiergehege, in denen sich wiederum die Tiere verstecken: Der Luchs war nicht zu sehen. Ebenso wenig die Sika-Hirsche und die Wildschweine. Nach einiger Zeit begann ich zu ahnen, warum man diesen Park „Naturpark“, und nicht etwa „Wildpark“ benannt hat, so wie den Wildpark Ernstbrunn. Erst im Rotwild-Gehege erspähten wir Hirschartiges, das sich im hintersten Winkel zwischen den Bäumen versteckte. Nur die Auerochsen trabten brav in unsere Richtung, doch die sind ja auch Rindviecher.

Hier sind sie nicht …

… und hier auch nicht …

Das ist zum Wiehern!

Hier haben sie sich also versteckt!

Endlich mal jemand, der nicht schüchtern ist.

Die Auerochsen kümmert das alles nicht.

Für einen kleinen Spaziergang ist der Park aber eine feine Sache. Geht man die ganze Runde, so ist man 4 bis 5 Kilometer unterwegs, addiert man die Zeit dazu, die man mit dem Suchen der Tiere verbringt, dann ist man 2-3 Stunden beschäftigt. Gönnt man sich noch ein Mittagessen im Parkrestaurant, so ist ein halber Tag weg. Im „langen Teich“ wälzten sich die Fische in den flachen Uferbereichen, um abzulaichen. Von der nahen Vogel-Aussichtsplattform sahen wir zwar keine Vögel, doch laichen die wahrscheinlich woanders (so wie die Störche im Auenreservat Marchegg).

Der „Lange Teich“

Sätestens im Streichelzoo wird man fündig.

Und zum Abschluss ein gutes Essen (mein Tipp: die Kartoffeltascherl auf Blattsalat).

Schon vom Naturpark sieht man den Kirchturm der Stiftskirche des nahen Klosters. Deshalb ist es per Auto auch nur ein Katzensprung zum nahen Stift Geras. Es mag nicht so groß sein wie Stift Zwettl, und nicht so imposant wie Stift Altenburg (beide im Waldviertel), doch in Kombination mit dem Naturpark ist es eine runde Sache. Der prominenteste Vertreter des Stifts der Neuzeit ist der Kräuterpfarrer Weidinger, dem eine Ausstellung gewidmet ist. Die Mönche des Stifts nennen sich die – und hier muss ich den Begriff noch einmal nachsehen – Prämonstratenser-Chorherren, wobei ich zumindest das zweite Wort verstehe. Ich bin mir nicht sicher, ob ich darüber glücklich wäre, als „Prämonstratenser“ bezeichnet zu werden, doch bin ich mir sicher, dass es auch für diesen Begriff eine einleuchtende Erklärung gibt.

Zu den Highlights der Anlage gehören natürlich neben der Stiftskirche die ehemaligen Bischofsräumlichkeiten und der Marmorsaal. Die Dauerausstellung über die vom Stift betreuten Gemeinden der Umgebung ist dagegen wohl nur für passionierte Waldviertel-Fans von Interesse. Auch über die Chorherren selbst und die Geschichte des Stifts erfährt der Besucher, wenn er das möchte. Gesehen habe ich nur einen Mönch, und der saß im Freien mit einigen Besuchern des Flohmarkts draußen im Vorhof. Sie sind also ebenso scheu wie die Tiere im Naturpark.

Stift Geras

Die Stiftskirche

Marmorsaal

Bischöfliche Räume

Dauerausstellung

Der Kräutergarten scheint nicht mehr das zu sein, was er einst war. Vielleicht war es auch zu früh im Jahr.

Die mächtige Außenfassade am Haupteingang

 

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