Lemesos und Umgebung

Besuchen wir also zum Abschluss der Zypern-Reihe noch Lemesos (Limassol) und seine Umgebung, wo es noch ein paar interessante Orte gibt. Der wohl bedeutendste ist die archäologische Stätte Kourion, welches bis in die Antike zurückreicht. An dieser Stelle existierte ein Stadtkönigtum, welches griechischen, römischen und makedonischen Einflüssen unterlag. Dementsprechend präsentieren sich auch die architektonischen Überreste, die selbst der Laie ohne zu zögern in die Antike einordnet. Nicht zuletzt das große, gut erhaltene (oder gut restaurierte) Amphitheater erinnert sofort an die Römer. Das Problem ist, dass man solch ein Bauwerk immer den Römern zuschreiben würde, ganz egal, wann es tatsächlich gebaut wurde. Baute man z.B. ein steinernes Amphitheater in Wien im Jahre 2018, so würden Zivilisationen 1000 Jahre später wahrscheinlich auch die Römer als Urheber identifizieren (Vorausgesetzt, man ließe moderne Baustoffe und Infrastruktur weg, die ja ohnehin nicht so lange überdauern. Ein moderner Personal Computer ist schon heute nach spätestens 5 Jahren unbrauchbar, und das selbst zusammengebaute IKEA-Regal fällt nach spätestens zehn Jahren auseinander). Ja ja, ich weiß schon, anhand der ausgegrabenen Schichten könnte man originale Römer-Bauwerke der Antike von modernem Pfusch unterscheiden, aber für differenzierte Betrachtungen nimmt man sich heutzutage (und wohl auch in Zukunft) nicht mehr allzu viel Zeit.

Das Amphitheater in Kourion

Die gesamte Anlage weist eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit jener in Pafos auf. Sie liegt am Meer, sie enthält einige gut erhaltene Bodenmosaike, und der Boden ist mit einem Blütenmeer aus Rot und Gelb überzogen. Vielleicht haben sie gerade deshalb diese Orte ausgewählt, um sich niederzulassen. Bella Flora gab es ja noch nicht.

Eines der gut erhaltenen Bodenmosaike

Blumenpracht im Frühjahr

Wie die Stätte in Pafos liegt auch Kourion direkt am Meer.

Neben dem Amphitheater finden sich die Reste einer frühchristlichen Basilika (vielleicht wurden die alten Schriften auch – was ja des öfteren vorgekommen ist – ungenau übersetzt, und es ging in Wahrheit um eine Produktionsanlage für Basilikum), sowie mehrerer Villen, was man den Archäologen halt glauben muss, denn mehr als die Grundmauern und ein paar schicken Säulen ist nicht erhalten. Trotzdem ist es ein Vergnügen, durch die Anlage zu schlendern, denn sie ist umfangreich und gewährt nette Ausblicke über das Meer.

Ein kurzes Stück weiter findet man entlang der Straße noch zwei weitere historische Stätten. Die antike Rennbahn, rund 2 km von Kourion entfernt, lässt noch noch die einstigen Dimensionen erahnen, das ist es aber auch schon. Interessanter ist das Apollon-Hylates-Heiligtum noch ein Stück weiter, welches einst ein großartiges Bauwerk gewesen sein muss. Es ist jammerschade. dass sie damals nicht mehr fotografiert (oder zumindest gemalt) haben, denn ich hätte nur zu gerne gesehen, wie es dort in seiner Blütezeit ausgesehen hat (geht mir mit vielen Bauwerken so, z.B. den ägyptischen Pyramiden). Hier mischten sich zu den gelben und roten Blumen auch wieder lilafarbene dazu. Der eigentliche Haupttempel (oder besser dass, was davon übrig geblieben ist, nämlich nur ein Eck) steht am Ende der Anlage in einem Blumenmeer, was schon wahnsinnig fotogen wirkt.

Das antike Stadion

Eingang zum Apollon-Heiligtum

Der Haupttempel

Südwestlich der Stadt Lemesos schiebt sich eine Landzunge ins Meer vor, auf der sich die Briten eine Militärbasis eingerichtet haben. Trotzdem darf man Teile dieses Gebiets betreten, denn es liegen dort ein Salzsee und auch ein kleines Kloster, das als „Katzenkloster“ bekannt ist. Auf griechisch heißt es Moni Agiou Nikolaou ton Gaton. Aufgrund der abgeschiedenen Lage, und da man es schon ein wenig suchen muss, wird es wohl nicht von allzu vielen Touristen besucht. Es war auch kein Must-see, eine einfache Klosteranlage mit einem netten Garten und, ja, es liefen und schliefen dort doch eine beträchtliche Anzahl an Katzen herum. Das mit den Katzen geht auf eine Begebenheit in der Geschichte des Klosters zurück, denn die christlichen Mönche erhielten das Gebiet nur unter der Auflage, dort mindestens hundert Katzen zu halten, die mit den zahlreichen Giftschlangen von damals gefüttert werden mussten. Heute würde man die Mönche eher dazu zwingen, aus den Schlangen Handtaschen oder andere Accessoires zu fertigen.

Das Katzenkloster

Früher mussten es mindestens hundert Katzen sein. Ob das heute auch noch zutrifft? Ich habe nicht nachgezählt.

Am Alyki Salzsee kommt man auf dem Weg zum Kloster vorbei. Man kann ein Stück zum See vordringen, wobei man aufpassen muss, nicht im Schlamm einzusinken, wenn man auf die falschen Stellen tritt. Als ich so von Grasbüschel zu Grasbüschel hüpfte, sah ich beim Umdrehen einen uniformierten Mann, der meine beim Auto wartende Frau in ein Gespräch verwickelt hatte. Also hüpfte ich zum Auto zurück, um ihr in dieser Situation beizustehen. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Sicherheitsbeamten handelte, der einfach nur das stehende Auto gesehen und nach dem Rechten gesehen hatte. Da wir beide harmlos genug aussahen, begnügte er sich damit, unsere Personalien aufzunehmen (wohl für den Fall, dass wir später in unserer gepanzerten VW Up – Limouse die Militärbasis unter lautem Gebrüll gestürmt hätten), und fuhr dann wieder weiter. Auch begegnete ich einem Mann, der die Gegend nach einer bestimmten Orchideenart (es gibt in der Gegend eine spezielle, salzresistente Flora, die auch ausgeschildert ist) absuchte und mich fragte, ob ich sie denn irgendwo gesehen hatte. Leider musste ich es verneinen. Er hatte aber kurzfristig mein Interesse geweckt, weswegen ich selbst weitere 15 Minuten durch die Gegend schlich, um möglichst viele dieser Pflanzen zu finden. Weitere Begegnungen der dritten Art fanden dann nicht mehr statt.

Der Salzsee (oder besser gesagt, der Uferstreifen)

Close up

Eine schöne Orchidee, aber leider nicht die gesuchte.

Wer im unmittelbaren Hinterland von Lemesos ein bisschen wandern möchte, der kann zum Germasogeia-Stausee fahren. Germasogeia ist ein Vorort von Lemesos, in dem sich auch unser Hotel befand. Das Viertel ist von der Autobahn weg gut zu erreichen und trotzdem sehr ruhig. Fährt man die Straße ein Stück weiter den Berg hinauf, dann erreicht man den Stausee, von dessen Picknickplatz aus eine kurze, ausgeschilderte Wanderung beginnt. Wer möchte, kann natürlich auch länger gehen. Landschaftlich war das alles ganz ordentlich. Es dürfte ein beliebter Picknick-Ort der Einheimischen sein, denn auf einer weiten, von mäandernden Bächen durchzogenen Talebene parkten ein paar Autos, in deren Nähe Menschengruppen saßen, aßen oder spielten. All das beobachteten wir von einem netten, hölzernen Pavillion auf einem Hügel.

Der Germasogeia-Stausee

Die Landschaft ist schöner, als man es auf den ersten Blick vermutet.

Damit kommen wir zu guter Letzt zu Lemesos (Limassol) selbst. Wir parkten das Auto auf einem öffentlichen Parkplatz entlang der Uferstraße gegenüber dem Hafen, was schwierig genug war, aber letzlich fanden wir eine kleine Lücke. Damit befanden wir uns aber auch in unmittelbarer Nähe zur Altstadt, dem verkehrsberuhigten türkischen Viertel, das flächenmäßig nicht allzu groß ist, aber dennoch die besten Sehenswürdigkeiten enthält. Der Hafen selbst sah aus, wie man sich einen Hafen halt vorstellt: Schiffe und Boote verschiedener Größe, überwiegend Fischerboote, ein paar große Verladekräne, sowie einige alberne Osterhasenfiguren, die am Kai standen und vergebens hofften, es würde sie niemand bemerken.

Hafen in Lemesos

No comment

Dafür wirkte das Altstadtviertel um das Kastell sehr authentisch, weil aufwändig restauriert. Das Kastell selbst ist heute ein Museum, soll angeblich aber jener Ort gewesen sein, an dem Richard Löwenherz seine Frau heiratete (wo der nicht überall war; muss in der Tat ein weit gereister Mann gewesen sein). Der Eintritt lohnt sich, denn Eintritte sind auf Zypern nicht teuer. Nicht, dass es darin Dinge zu sehen gäbe, die man nicht schon irgendwo mal woanders gesehen hätte, aber man erhält auch einen guten Ausblick von oben über die Stadt, und das ist mir immer einen Obulus wert.

Eingang zum mächtigen Kastell

Aussicht von oben (Djamir Kebir Moschee und Agia Napa mit der Rundkuppel)

Was mich beeindruckt, ist, wie selbstverständlich Moscheen und Kirchen in unmittelbarer Nähe zueinander liegen, und das offenbar für niemanden ein Problem darstellt oder überhaupt Anlass zur Diskussion gibt. Auch hier befand sich neben dem Kastell die wahrscheinlich älteste Moschee der Stadt (ich mutmaße hier einmal), die Djamir Kebir Moschee, die auch heute noch ein aktiver Gebetsort ist. Züchtig bekleidet, kann aber die Moschee von jedem besucht werden. Nicht weit davon entfernt befindet sich die imposante Kirche Agia Napa.

Djamir Kebir Moschee

Türkisches Altstadtviertel

Agia Napa

Delikatessen im Feinkostladen. Vor allem, eine Riesenauswahl an Trockenfrüchten.

Ein paar hundert Meter nördlich lag der Sitz des Erzbischofs, für sich schon ein prunkvolles Bauwerk, mit der gegenüber liegenden, ebenso prunkvollen Kirche. Klotzen, nicht kleckern, ist ein Prinzip, dem die Religionsgemeinschaften seit jeher gehuldigt haben.

Erzbischöflicher Sitz …

… und Kirche vis-a-vis …

… mit sehenswerter Inneneinrichtung.

Was in den Straßen hinter dem Altstadtviertel wirklich sehenswert war, ist die Streetart in Form von bunten Graffitis, die auf schäbigen, grauen Hausmauern leuchtete. Hierbei handelte es sich um Kunstwerke – legal oder nicht – die in meinen Augen eine Bereicherung der Umgebung darstellten. Wie ein Freilichtmuseum, das noch dazu nichts kostet. Aber urteilen Sie selbst anhand der folgenden Bilder (und das ist nur eine kleine Auswahl).

Graffiti in Lemesos

Graffiti in Lemesos

Auch ohne Graffitis ist es nett.

Zur Beurteilung einer ganzen Stadt stellt ein Stück Altstadt natürlich nur eine ungenügend bemessene und repräsentative Stichprobe dar. Das Ergebnis weist einen sogenannten Bias (eine Abweichung) auf. Aber um in ganz Lemesos herumzurennen, fehlten uns Zeit und Motivation. So wie auch kaum ein Wien-Tourist jemals in den Vororten herumläuft, um auch das letzte Quäntchen Lokalkolorit zu inhalieren, weil eben jeder glücklich und zufrieden ist, wenn er berühmte Sehenswürdigkeiten wie den Stephansdom gesehen und ein Säckchen mit Mozartkugeln erstanden hat. So entstehen eben verklärte Reise-Impressionen. Und mit diesem philosophischen Ausrutscher beende ich diese Zypern-Reise. Schön ist es trotzdem gewesen. Sehr sogar.

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