Der Osten um Larnaka

Zum Glück bin ich ein Mann. Denn sonst stünde ich jetzt nicht hier auf den Mauern des spektakulären Bergklosters (und jetzt die Dritten gut befestigen) Moni Stravrovouniou auf 688 m Seehöhe, mit einem herrlichen Ausblick über die umliegende Landschaft. Frauen dürfen das Klosterareal nicht betreten, seitdem 1982 wieder die alten, strengen Klosterregeln eingeführt wurden. Dafür sorgt ein Pförtner am Eingang, der aufpasst, dass kein Weibsvolk heimlich durchschlüpft. Ihre Verkleidung müsste also schon sehr überzeugend wirken, um ungehindert durchzukommen. Das ist nicht fair, aber so sind die Klosterregeln, und schon Buddha schotete seine Sangha von weiblichen Einflüssen ab, damit die Burschen ja nicht auf dumme Gedanken kämen. Ein ordinierter Mönch hatte sich seinem Geist zu widmen, und nicht der weiblichen Anatomie.

Alleine der Blick vom Parkplatz vor der hübschen „All saints of Cyprus“ – Kirche ist die Anreise wert. Einer alten Ritterburg gleich thront das Kloster auf einem mächtigen Felsen und blickt von dort stolz und ein wenig trotzig herab. Auf mit Steinen eingefassten Terrassen wird Gemüse angebaut. Die Klosterkirche wurde um 327 errichtet, sie ist also alt und ehrwürdig, und es ist verständlich, dass man nicht unbedingt heiß drauf ist, von der ganzen Welt besucht zu werden, wenn man sich schon solcherart in die Einöde zurückzieht. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass man in Ruhe und vollständig bekleidet eintreten soll. Ist man also in der Früh in aller Eile aufgebrochen, ohne sich fertig angezogen zu haben, so sollte man dies jetzt nachholen.

Das Kloster vom Parkplatz aus gesehen.

An diesem Tor beginnt die Männerwelt.

Die Kirche beim Parkplatz ist für jedermann zugänglich.

Innen präsentiert sie sich adrett und aufgeräumt.

Der bunt bemalte Himmel.

Über eine steinerne Stiege erreicht man das Kloster, wobei die kompakte Klosterkirche durch die umliegenden Wohngebäude betreten wird. Das Fotografieren ist in der Kirche streng verboten, was schade ist, aber wenn man schon seine Frau draußen lassen muss, dann den Fotoapparat erst recht (dabei ist es doch DER Fotoapparat; vielleicht benutzt man in Zypern aber auch eher DIE Kamera). Ich erinnere mich nur, dass man die Kirche über einen kleinen, offenen Vorhof erreicht, und sie in typisch orthodoxer Manier ausgestaltet ist. Unter den habichtsartigen Blicken des Wachmönchs gelang es nicht einmal mir, ein paar Bilder zu machen, denn mittlerweile hat es sich auch bis hierher herumgesprochen, dass man mit seinem Telefon teuflisch gute Bilder machen kann.

Über die Treppe steigt man zum Kloster hoch (Blick zurück auf den Parkplatz).

Die Eingangspforte zum eigentlichen Kloster.

Die Aussicht vom Kloster reicht weit in die Landschaft.

Von geistigen Höhen ging es zurück in die Tiefebene Richtung Larnaka, der größten Stadt im Osten Zyperns. Die Stadt liegt nicht nur am Meer, sondern auch an einem großen Salzsee, der ein ganz besonderes Ökosystem darstellt. Nördlich dieses Salzsees steht ein Aquädukt (Kamares-Aquädukt), welches im 18. Jh errichtet wurde und bis zum zweiten Weltkrieg die Stadt mit Wasser versorgt hat. Dort parkten wir nun unser Auto, da von diesem Ort ein 4 km langer Naturpfad am Salzsee entlang führt, der im südlichen Larnaka am Meer endet.

Das Kamares-Aquädukt

Um nicht den ganzen Weg wieder zurückgehen zu müssen, folgten wir dem Pfad nur bis zur Hälfte, aber dieser Abstecher lohnte bereits. Landschaftlich spektakuläre Eindrücke begleiteten uns, die Sonne war bereits jetzt, Anfang April, spürbar stark, und der nette Fußweg führte zwischen den Vororten Larnakas zu unserer Linken und dem vom Salz verkrusteten Ufer des Gewässers zu unserer Rechten hindurch.

Unterwegs auf dem Salzsee Trail

Auf der anderen Seite des Salzsees steht etwas abseits die Hala Sultan Teke Moschee. Man sieht es dem Gebäude nicht an, aber es handelt sich dabei um eine bedeutende Stätte des Islam. Die Moschee selbst wurde erst vor ca. 200 Jahren gebaut, doch der Ort galt schon lange davor als heilig. Der Legende nach soll hier die Ziehmutter des Propheten Mohammed im 7. Jh gestorben sein. Als wir dort eintrafen, war die Anlage leider geschlossen, vielleicht gab es deshalb nur wenige Besucher, die sich wie wir vergebens auf den Weg gemacht hatten.

Die Hala Sultan Teke Moschee am Ufer des Salzsees

Die Moschee von der anderen Seite. Leider war die Anlage geschlossen.

Etwas später stellten wir das Auto entlang der Meerpromenade in Larnaka ab. Hier empfing uns südliches Flair, denn die Straße entlang des Sandstrands war von Palmen gesäumt, und die Strandliegen schon vorbereitet, wenngleich die Schirme noch eingeklappt davon zeugten, dass die Badesaison erst bevorstand. Nach einer stärkenden Mahlzeit in einem der vielen Restaurants vis-a-vis erreichten wir das Fort (Kastell) mit seinen mächtigen, sandsteinfarbenen Mauern. Wie fast alle Bauwerke dieses Zweckes, war es mit dicken Kanonen bestückt. Von seinen Mauern sah man die benachbarte Al Kebir Moschee, wo wir einen Bekannten von Nicosia wieder trafen. Es war jener Mann, mit dem ich mich bereits in der Omeriye Moschee in der Hauptstadt unterhalten hatte. Offenbar waren er und seine Frau ebenfalls auf einer Sightseeing-Runde unterwegs. Vielleicht klapperte er aber auch nur die Moscheen des Landes ab. In Vietnam haben auch viele Pagoden eine spezielle Bestimmung, um z.B. für Fruchtbarkeit oder Geldsegen zu bitten. Vielleicht hatte er die richtige hier einfach noch nicht gefunden.

Meerpromenade in Larnaka

Die Strandliegen blieben noch unbenutzt.

Das Kastell

Natürlich kann man das Kastell auch besichtigen.

Der Innenhof wirkt gut restauriert.

Die Al Kebir Moschee neben dem Kastell.

Ein kurzes Stück stadteinwärts besichtigten wir die Lazarus-Kirche Agios Lazarus. Sie wissen schon, jener Lazarus, der von Jesus von den Toten auferweckt wurde. Der Legende nach soll er an Zyperns Küste angespült worden sein (sein Schutzengel hatte also offenbar Zeit seines Lebens alle Hände voll zu tun), danach das Christentum verbreitet haben und zum ersten Bischof des Landes geworden sein. Seine Grabstätte fand man 890 an der Stelle der heutigen Kirche, die Anfang des 10. Jh fertig errichtet wurde. Man sieht es der Kirche an, dass sie alt ist (wenngleich in hervorragendem Zustand), und doch gefallen mir diese in ihrer Einfachheit schlichten Gemäuer besser als viele europäische Kirchen. In ihrem Inneren fanden sich natürlich auch Goldornamente und eine angemessene Dekoration, doch fiel diese angesichts der Bedeutung des Ortes angenehm zurückhaltend aus.

Die Kirche Agios Lazarus

Die Kirche von der Seite

Wir hatten Glück, dass gerade eine Osterzeremonie im Gange war. Die Menschen standen in einer Schlange, die außerhalb der Kirche begann und durch diese hindurch zu einem gegenüber liegenden Ausgang führte. Die Security wurde von einer lokalen Pfadfindergruppe übernommen. Auch wir stellten uns an und empfingen unseren Segen in angemessener Zeit.

Ostern in Zypern

Danach schlenderten wir noch ein wenig durch die Umgebung, wobei diese eher unauffällig blieb. Also kehrten wir zum Auto zurück, um nach Lemesos (Limassol) zurückzukehren. Und um Lemesos und seine Umgebung geht es auch im nächsten und letzten Blogbeitrag über Zypern.

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