Die geteilte Hauptstadt

Lefkosia. Oder waren wir in Nicosia? Lefkosa wird sie auch genannt, jenseits der Grenze, die quer durch die Stadt verläuft und sie damit zur letzten geteilten Hauptstadt Europas macht. Als Nicosia kennt man sie außerhalb Zyperns. In der Antike hieß sie Leukosia. Zur Zeit der Templer und König Löwenherz sprach man von ihr mit dem lateinischen Namen Nikosia. Die Briten machten aus dem „k“ ein „c“ und verwandelten sie kurzerhand in Nicosia. Und als die Briten schlussendlich das Land verlassen hatten, demonstrierten die Zyprioten Eigenständigkeit und kehrten wieder zu Lefkosia zurück, obwohl Leukosia die richtige Transkription gewesen wäre. Schwamm drüber. Aus Limassol machten sie ja auch Lemesos. Um sich im Land befindliche Touristen nicht vollends zu verwirren, fügen sie aber die alten Bezeichnungen auf Plänen und Straßenschildern dazu, damit alles gut wird.

Genau wie die maltesische Hauptstadt La Valetta ist die Altstadt Lefkosias von dicken Mauern umgeben. Die Gebäude sind aus gelbem Sandstein. Damit enden aber auch die Gemeinsamkeiten. Ich wage zu behaupten, dass Valetta die weitaus schönere Stadt ist, vollgestopft mit Kultur und Geschichte im Niemandsland zwischen Europa und Afrika. Lefkosia ist auch schön, aber unspektakulärer und weist auch nicht eine so hohe Dichte an wirklichen Sehenswürdigkeiten auf. Fairerweise gebe ich zu, den türkischen Teil nicht gesehen zu haben, da meine Frau in Zeiten politischer Anspannung zwischen der Türkei und Europa nicht über die Grenze schnuppern wollte. Der Kontrast wäre sicherlich interessant gewesen. Zwar habe ich in den Neunzigerjahren beträchtliche Zeit in der Türkei zugebracht, doch dies war Zypern und fünfundzwanzig Jahre eine lange Zeit, innerhalb der die Türkei viel von ihrem säkulären Charakter eingebüsst hat.

Dicke Mauern aus gelbem Sandstein sind typisch für die traditionelle zypriotische Architektur.

Wir betraten die Altstadt durch das Pafos-Tor und standen am Beginn der Ledra-Straße, die die wichtigste Einkaufsstraße ist und schnurstracks zum innerstädtischen Grenzübergang in den türkischen Stadtteil führt. Dort hatte sich auch schon eine kurze Schlange gebildet, die auf den Grenzübertritt wartete. Wir aber wendeten uns nach rechts, um die Sehenswürdigkeiten auf der griechischen Seite zu entdecken.

Die dicken Stadtmauern um die historische Altstadt.

Ledra-Straße: Moderne Einaufsstraße trifft auf …

… traditionelle, südländische Gemütlichkeit.

Innerstädtischer Grenzübergang Ledra-Straße

Da waren zum Beispiel die Kirche Panagia Phaneromeni, die inmitten eines hübschen Platzes stand und im Inneren das typische Aussehen griechisch-orthodoxer Kirchen aufwies. Sie ist die größte innerstädtische Kirche, was einiges über die Größe der Kirchen dieser Stadt aussagt. Aber Größe ist ja bekanntlich nicht alles.

Phaneromeni Kirche

Platz vor der Kirche

In den netten kleinen Gässchen ringsherum saßen Menschen vor kleinen Cafés und genossen die milde Frühlingssonne. Bunte Graffitis verzierten so manche Wand, und es waren keine Schmierereien, sondern kleine Kunstwerke, die man kostenlos bewundern durfte. Nicht unweit fanden wir die Tripiotis-Kirche, die auch etwas Besonderes ist und doch nur wie eine Kirche aussah.

Straßencafé

Ein bisschen Wäsche gehört im Süden zum Straßenbild einfach dazu.

Tripiotis Kirche

Einen netten Kontrast dazu bildete die Omeriye-Moschee,  eine der größten und ältesten Moscheen in Zypern, die Besuchern offen steht und die man, wenn man der Etikette folgt, auch betreten darf. Sogar meine Frau, sonst muslimischen Einrichtungen gegenüber ziemlich skeptisch eingestellt, umhüllte ihr Haupt mit einem Schal und ging hinein. Ich begann ein Gespräch mit einem gebürtigen Engländer mit zypriotischen Wurzeln, der zum Islam übergetreten war und hier betete. Interessanter Weise war dieses Gebäude ursprünglich eine Kirche gewesen, die im Laufe der Zeit in eine Moschee umgebaut worden war. Das gleiche „Schicksal“ hatte auch die Sophienkathedrale auf der türkischen Seite ereilt.

Omeriye Moschee

Türkisches Bad auf der gegenüber liegenden Seite

Auf dem Kyprianou Platz befand sich eine geballte Ansammlung an weltlichen und geistlichen Gebäuden, sowie einige Museen. Hier begegneten wir wieder Makarios III, dessen überlebensgroße Statue vor dem erzbischöflichen Palast stand, der von Makarios begründet wurde. Daneben stand die bedeutende Johanneskathedrale Agios Ioannis, die von außen her unscheinbar wirkte, im Inneren aber ihre ganze Pracht entfaltete. Die Wände waren über und über mit kräftigen Malereien bedeckt, und vergoldete Gegenstände und Ikonen füllten den Innenraum (Fotografieren leider verboten und ohne Blitz auch sinnlos).

Erzbischöflicher Palast

Agios Ioannis

Unweit des Famagusta-Tores fanden wir eine urige Taverne, die uns die nötige Stärkung für die weiteren Stunden verschaffte. Das Famagusta-Tor selbst wird in meinem Führer als „besterhaltenstes venezianisches Festungselement auf Zypern“ bezeichnet, was durchaus sein kann, mich aber trotzdem nicht restlos begeistern konnte.

Famagusta-Tor

Auch Zypern braut sein eigenes Bier.

Übersichtliche Speisekarte. Niemand kann sagen, man hätte ihn nicht gewarnt.

Durch verträumte Gassen schlenderten wir zurück zum Haupttor und weiter zu unserem Auto. Dank der modernen Navigationstechnologie hat das Autofahren an fremden Orten doch viel von seinem Schrecken eingebüsst.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Und damit kommen wir in weiterer Folge in den östlichen Teil Zyperns mit Larnaka und seiner Umgebung.

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