Unterwegs im Troodos-Gebirge

Tags darauf ging es in das zypriotische Hinterland, mit dem mächtigen Troodos-Gebirge im Zentrum, welches bis auf knapp 2000 m Seehöhe empor ragt. Die Ski-Lifte, die wir dort vorfanden, zusammen mit den spärlichen Schneeresten, nähren die Vermutung, dass man zu gegebener Zeit dort auch Ski fahren kann. Es ist das Land der alten Klöster, Scheunendachkirchen und Wanderrouten, und es eignet sich vorzüglich zum Entdecken und Umherfahren. Ein eigenes Fahrzeug ist hier ein Muss, will man nicht von einem Touristenbus herumkutschiert werden (Gott behüte!). Man sollte sich die Route allerdings gut überlegen, denn der Klöster und Kirchen und netten Dörfer gibt es viele, und die Geschwindigkeit, mit der man sich entlang der kurvigen Bergstraßen vorwärts bewegt, ist begrenzt. Will man also möglichst viele der Sehenswürdigkeiten mitnehmen (im übertragenen Sinne, natürlich; dass Sie mir die Ikonen ja stehen lassen!), dann muss man entweder eine repräsentative Auswahl treffen oder zwei volle Tage einplanen. Da ich prinzipiell nicht zu jenen Leuten gehöre, die sich unbedingt in jeder Kirche oder jedem Kloster von Interesse umsehen möchten, beschränkten wir uns auf eine gute Auswahl an Zielen entlang der geplanten Tagesausfahrt.

Apres Ski um Troodos

Die Fahrt durchs Hinterland ist kurzweilig. Immer schön links halten!

Die Hauptattraktion ist zweifelsohne das Kykko-Kloster, das reichste und einflussreichste Zyperns. Mit seiner abgelegenen Lage auf 1140 m Seehöhe muss es einst wirklich eine Einsiedelei gewesen sein. Heute, mit den guten Straßen, die sich durch das Troodos-Gebirge schlängeln, ist es das meistbesuchte Kloster des Landes. Man kann es ruhigen Gewissens als Must-see Attraktion bezeichnen. Die Gründung des Klosters erfolgte angeblich im 11. Jhdt., wobei es in den darauf folgenden Epochen mehrmals durch Brände zerstört wurde (weswegen die Mönche offenbar dazu gelernt und mittlerweile auch Feuerlöscher angeschafft haben). Es lohnt sich, schon früher am Vormittag zu kommen, denn später füllt sich die Anlage rasch mit Busladungen an Touristen.

Die Klostermauern bestehen aus Stein, die Dächer sind mit roten Ziegeln gedeckt. So weit, so schlicht. Was hervorsticht, sind die bunten und farbintensiven Wandgemälde, bei denen die Farben Gold, Blau, Rot und Grün dominieren. Es sind Heiligenbilder, so weit ich das als Laie beurteilen kann (ist mir an sich auch egal; sie sehen trotzdem sehr schön aus). Die Klosterkirche selbst ist vollgestopft mit Gold und Prunk, und weist die typischen Merkmale einer orthodoxen Kirche auf. In einigen Räumen werden wertvolle Ikonen und Kirchenreliquien ausgestellt, was schon sehr anschaulich verdeutlicht, dass die Protagonisten von Kykko vielleicht „arm im Geiste“, aber sicher nicht in der Portokasse waren und sind. Damit das Geld nicht am Ende doch ausgeht, gibt es vorsichtshalber – neben den Eintrittsgeldern – auch ein kleines Souvenirgeschäft im Arkadenhof.

Haupttor zum Kykko-Kloster

Von außen wirkt das Kloster sogar recht schlicht.

Doch fallen schon im Innenhof die großzügigen Gemälde auf.

Im Inneren der Klosterkirche geht es jedoch prunkvoll zu.

Die Museumsräume

Das Kloster von oberen Glockenturm

Fährt man die Straße ein kurzes Stück am etwas oberhalb des Klosters stehenden Glockenturm vorbei (und es gibt als Fahrzeughalter wirklich keinen Grund, es nicht zu tun), erreicht man die Gedenkstätte Throni, die dem Staatsgründer Makarios III gewidmet ist. Eine überlebensgroße Statue Makarios begrüßt einen gleich zu Beginn. Über mehrere Treppen und Aufgänge gelangt man zu einem bunten Pavillion, der aber verschlossen war. Der Rundumblick über das umliegende Bergland war aber gewaltig. Makarios begegnet dem Besucher nicht bloß in seiner metallenen Form, auch seine sterblichen Überreste sind hier bestattet (sofern der Sarkophag nicht leer ist).

Statue von Makarios III

Walkway zum Pavillion

Panorama-Blick von Throni

Von Kykko ging es nun auf engen Bergstraßen ein wenig durch die Umgebung. Damit kommen wir auch zu den (neben Kykko) wahrscheinlich bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Region, nämlich den sogenannten Scheunendachkirchen, die allesamt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Eine Scheunendachkirche ist architektonisch schlicht gehalten, sehr alt und im Inneren bunt bemalt. Den Namen erhalten sie von den einfachen Giebeldächern, die sie wie ganz normale Häuser wirken lassen. Einen Kirchenturm gibt es nicht (zumindest in der ursprünglichen Bauform). Sie sind daher ganz nach meinem Geschmack, und die eine oder andere davon sollte man unbedingt gesehen haben. Man muss sie nur finden. Gut versteckt in kleinen Ortschaften warten sie darauf, vom pfadfindenden Touristen entdeckt zu werden. Dem gelegentlichen Informationsaustausch mit anderen Suchenden kommt dabei eine gewisse, nicht zu unterschätzende Bedeutung zu, da man andernfalls zuerst einen Einheimischen finden muss, der ausreichend Englisch spricht.

Ein zypriotisches Bergdorf im Hinterland.

Die erste auf unserem Weg war Panagia tou Moutoulla. Nach einem guten Mittagessen in einer landestypischen Taverne unterwegs, fanden wir die Kirche im gleichnamigen Ort Moutoulla (vielleicht war es auch Kalopanagiotis, beide Dörfer gehen nahtlos ineinander über). Über eine steile Rampe erreichten wir das Gebäude. Nichts deutete von außen darauf hin, dass es sich um eine Kirche handelte. Es hätte genau so gut ein altes Lagergebäude sein können. Aufgrund eines Fotos in meinem Reiseführer konnte ich sie allerdings eindeutig identifizieren. Die Kirche war geöffnet und einfach so zu betreten. Zuerst war im Inneren nicht viel zu erkennen, doch dann entdeckte ich einen verborgenen Lichtschalter und brachte so Licht ins Dunkel. Ich stand in einem kleinen, schlichten Raum mit dicken Wänden, an denen die Reste sehr alter Fresken zu sehen waren. In Farbe und Gestaltung ähnelten sie denjenigen, die ich bereits in anderen orthodoxen Kirchen und Klöstern gesehen hatte. In einer halbrundförmigen Nische stand ein einfacher, kleiner Altar. Kirche und Wandmalereien stammten aus dem 13. Jhdt., und der Umstand, dass man diesen kulturellen Schatz ohne jede Einschränkungen oder Aufsicht betreten konnte, war schon verwunderlich. Vielleicht vertrauten die Verantwortlichen aber darauf, dass sie ohnehin niemand finden würde.

Scheunendachkirche Panagia tou Moutoulla

Alte Fresken im Inneren

Im selben Ortsgebiet, aber etwas weiter die Straße hinunter, durch enge Gässchen hinunter zu und über einen Fluss (und das klingt alles einfacher, als es tatsächlich war, denn ausgeschildert war nichts mit Ausnahme eines simplen Wegweisers an der Hauptstraße, der leicht zu übersehen war), gelangten wir zum verlassenen Kloster Agios Ioannis Lampadistis, welches aufgrund einer architektonischen Besonderheit sehenswert ist. An diesem Ort wurden nämlich gleich drei Scheunendachkirchen an- und übereinander gebaut, was die Konstruktion zur einzigen Triplex-Scheunendachkirche Zyperns macht. Die Kirchen selbst reichen dabei bis ins 11. Jhdt. zurück, das Kloster wurde erst später angebaut. Die alten Teile ähneln der Kirche in Moutoullas, die neueren sind dann schon etwas prunkvoller ausgestattet. Die Gemäuer wirken richtig mittelalterlich, wie man sie bei uns auf einer alten Ritterburg vorfinden würde (allerdings mit weniger dicken Mauern).

Mittelalterliche Gemäuer im Agios Ioannis Lampadistis

Innenhof des Klosters

Auch hier finden sich die typischen, farbenfrohen Wandgemälde.

Geht man unten dem kleinen Fluss ein paar Minuten entlang, kommt man zu frei zugänglichen Schwefelquellen, wovon man allerdings wenig hat. Mehr als ein kleiner Abstecher ist es nicht.

Schwefelquelle

Auf der Rückfahrt machten wir noch im Ort Pedoulas halt, weil mir schon von weitem die leuchtend weiße Hauptkirche aufgefallen war. Die eigentliche Attraktion dieses Ortes ist aber – Sie werden’s nicht erraten! – eine alte Scheunendachkirche, die man von dort über eine schmale, steingepflasterte Straße zu Fuß bergabwärts erreicht. Agios Archangelos Michail lautet ihr klingender Name (den man sich auch ohne Griechischkenntnisse ganz gut übersetzen kann). Unscheinbar stand sie neben einem weiß blühenden Baum, und ebenso unauffällig verschmolz ihr Äußeres mit den benachbarten Häusern. Im Inneren sah sie im Prinzip ähnlich aus wie Panagia tou Moutoulla. Sie stammt aus dem 15. Jhdt. und steht angeblich heute noch so da, wie man sie errichtet hatte.

Agios Archangelos Michail

Im Inneren

Wenn man schon vor Ort ist, sollte man auch der Hauptkirche einen kurzen Besuch abstatten, denn sie ist im Inneren durchaus sehenwert. Wer wie wir in der Osterwoche anreist, bekommt auch verschiedene Ostermotive zu sehen (und zwar an sehr vielen Orten), wie z.B. riesengroße Hennen und natürlich überdimensionale Ostereier, die vielerorts aufgestellt sind. Wo sie diese großzügigen Dekorationen den Rest des Jahres über aufbewahren, wäre noch zu hinterfragen.

Das Jahr der Henne, oder was?

Typisches Interieur einer orthodoxen Kirche.

Prunkvolle Altarwand

Im nächsten Beitrag machen wir uns dann auf in die Hauptstadt Lefkosia.

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