Aphrodites Insel

Willkommen auf Zypern. Jene sonnige Insel im Mittelmeer, an deren Küste die Göttin Aphrodite dem Meer entstiegen sein soll (dieser Spot gilt als Sehenswürdigkeit, selbst wenn man nicht viel sieht) und der in Folge etliche Tempel und Locations zugeschrieben werden (so z.B. Aphrodites Bad, ein unscheinbarer Steinpool, dessen historische Authentizität nicht belegt ist, aber was kümmert das die Tourismusverantwortlichen? Seien wir doch ehrlich, ist doch überall so. Die Fußabdrücke Buddhas in Südostasien passen von der Größe her doch auch weit besser zu Bigfoot.). Doch auch ohne den Mythos Aphrodite ist Zypern sehr schön und reich an landschaftlichen und archäologischen Attraktionen.

Zypriotische Kirche im typischen Landesdesign

Wie allgemein bekannt, ist Zypern eine geteilte Insel. Der südliche Teil ist griechisch und Teil der EU. Der Norden wurde von der Türkei besetzt und gehört nicht zur EU. Die Grenze verläuft durch die Hauptstadt Nicosia, die von den Zyprioten aber Lefkosia genannt wird, zumindest von den Südzyprioten. Die türkischen Zyprioten im Norden nennen alle Orte anders, aber das ist zu erwarten, auch wenn es die Dinge nicht einfacher macht. Nicht einfacher haben es auch die Briten gemacht, zu deren Hinterlassenschaften – wie so oft, wo sie kolonial umtriebig waren – auch der Linksverkehr auf den Straßen gehört, so wie auf Malta. War das dort noch sehr gewöhnungsbedürftig für mich, so ging die Umgewöhnung diesmal erstaunlich schnell vor sich. Irgendwo in meinem Gedächtnis müssen damals die entsprechenden neuronalen Verbindungen geknüpft und abgelegt worden sein, und waren jetzt sofort wieder abrufbar. Nach einer Stunde kurvte ich bereits herum wie ein alter Zypriote (das kann man jetzt so oder so verstehen).

Ich kann einen Mietwagen nur wärmstens empfehlen. Die Insel hat genau die richtige Größe, um sie im Laufe einer Woche in Form von Tagesausflügen zu erkunden, zumindest wenn man die Ausgangsbasis strategisch klug wählt. Wir wählten einen Vorort von Limassol (in der Landessprache Lemesos) dafür, und von dort waren alle Teile der Insel in akzeptabler Reichweite. Wer ein oder zwei Tage in den nördlichen Teil Zyperns fahren möchte (wofür der Mietwagen aber zugelassen sein muss, sonst erlischt die Versicherung), der wählt vielleicht besser die Gegend um Nicosia. Es ist allerdings möglich, den Grenzübergang in Nicosia selbst zu Fuß zu überqueren, um den nördlichen Teil der geteilten Stadt zu erkunden. Den Linksverkehr auf den Straßen muss man sich zutrauen. Dann aber wird man zum freudigen Entdecker.

Schon wieder das Lenkrad auf der falschen Seite!

Ich werde in den folgenden Beiträgen einzelne Regionen der Insel zeigen. Den Osten um Pafos, den Westen um Larnaka, den Süden um Limassol, das Trodos-Gebirge mit seinen berühmten Klöstern und natürlich die Hauptstadt Nicosia selbst. Den Norden haben wir nicht besucht.

Beginnen wir mit der Gegend um Pafos. Die Stadt selbst ist nicht außergewöhnlich, hat aber einen netten Hafen und eine einladende Uferpromenade. Doch in ihrer Umgebung liegen mehrere bedeutende Attraktionen. Von Limassol kann man der Autobahn folgen (wenn man es eilig hat) oder aber der parallel verlaufenden Landstraße, die landschaftlich interessanter ist. Sie führt auch an der sehenswerten archäologischen Ausgrabungsstätte Kourion vorbei (mehr dazu, wenn es um Limassol und Umgebung geht), sowie einer Stelle an der Küste (Petra tou Romiou), die auf der Karte als Aphrodites Geburtsstätte markiert ist, also jene Stelle, an der Aphrodite an Land gekommen ist. Das kann man glauben oder nicht, man tut es aber besser, denn sonst ist der Besuch dieses Ortes eher enttäuschend. Etwas weiter der Straße folgend kann man ein weiteres Heiligtum der Göttin besichtigen, was aber vermutlich nur Hardcore-Anbetern Aphrodites zu empfehlen ist.

Petra tou Romiou. Hier soll Aphrodite (Venus) an Land gekommen sein.

Das Highlight von Pafos ist zweifelsohne die archäologische Stätte in Kato Pafos, der Altstadt. Mehrere Kulturen haben dort ihre Spuren hinterlassen, angefangen bei den Römern, über frühchristliche Epochen bis hin zu den Franken und Osmanen. Keine Ahnung, was diesen Ort so besonders gemacht hat, vielleicht war es aber der prachtvolle Blumenteppich im Frühling, der den Boden mit roten, gelben und blauen Blüten zudeckt. Es ist eine Freude, über das weitläufige Areal zwischen antiken Ruinen zu spazieren, mit stetem Blick aufs Meer, und diese Farbenpracht aufzusaugen. Herausragend sind auch die teilweise sehr gut erhaltenen Mosaike in mehreren Gebäuden.

Übersicht über das weitläufige Gelände

Die antiken Ruinen liegen über ein weites Areal verstreut.

Die gut erhaltenen Bodenmosaike zählen zu den Highlights.

Die Ruinen stammen aus unterschiedlichen Epochen, was dem durchschnittlichen Besucher aber nicht weiter auffallen wird.

Ein weiteres Highlight im Norden von Pafos sind die als Königsgräber bezeichneten antiken Grabanlagen, die man über die Straße in Richtung Coral Bay erreicht. Laut meinem Reiseführer wurden hier keine Könige begraben, sondern hochrangige Staatsführer, die sich aber verdammt großzügige Gräber leisten konnten. Sie waren entweder ausgesprochen fähig gewesen, oder aber ausgesprochen korrupt. In jedem Fall sind die Peristylgräber, wie sie bezeichnet werden, sehr gut erhalten und architektonisch durchaus sehenswert. Sie wurden nämlich in den Erdboden gegraben und die Grabkammern rund um ein Atrium angeordnet, welches durch Säulen gestützt wurde. Bei der Besichtigung passierte mir ein kleines Missgeschick. Da das Gedränge im  schönsten dieser Gräber erheblich war, zwängte ich mich an anderen Touristen vorbei durch eine unbeleuchtete Öffnung, und unterschätzte beim Heruntersteigen die Tiefe des Schachts vor mir, worauf es mich der Länge nach hinstreute und ich mir Schürfwunden an einem Bein zuzog. Immerhin war ich vermutlich der Erste, der aus eigener Kraft aus einer Grabkammer herausstieg, in der er zuvor gelegen hatte.

Auch das Gelände der „Königsgräber“ ist weitläufig und lädt zum Entdecken ein.

Unteridisches Atrium eines typischen Peristylgrabs

Die Grabkammern wurden in den Stein geschlagen.

In Pafos selbst gibt es noch einige kleinere Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Da wäre zum einen das antike Hafenkastell, eine einfache Festung mit dicken Mauern, bestückt mit Kanonen. Wenn sie die Kanonen nicht benutzt haben, um auf Spatzen zu schießen, so haben sie damit vermutlich feindliche Schiffe ins Visier genommen. Dann gibt es die Reste einer frühchristlichen Basilika, neben der die Kirche Chrysopolitissa steht. Die gesamte Stätte ist frei zugänglich. Die Reste fränkischer Bäder stehen ein paar Gassen weiter, sind aber nicht zugänglich und nur für ausgewiesene Experten fränkischer Bäderkunde als solche erkennbar. Noch weiter die Straße hinauf erreicht man die Katakomben Agia Solomoni, ein System von mehreren geräumigen Höhlen, die einmal als spirituelle Stätte gedient hatten. Darüber auf dem Fabrika-Hügel finden sich weitere antike Ruinen.

Pafos Hafen

Während man sich gemütlich sein Essen schmecken lässt …

… kann man den Fischern bei der Abend zuschauen.

Das Angebot an frischen Meeresfrüchten ist jedenfalls vielfältig.

Das kleine Hafenkastell

Die Kirche Chrysopolitissa mit Ruinen

Fränkisches Bad

Wer es etwas spiritueller möchte, dem sei das Bergkloster Agios Neofytos empfohlen. Das sehr schön gelegene Kloster beherbergt eine alte Höhlenkapelle, die auf den Eremiten Neofytos selbst zurückgeht und mit schönen und noch immer kräftigen Farben bemalten Innenwänden beindruckt. Ein kleines Museum zeigt Ikonen, theologische Schriften und andere sakrale Schätze aus der Klostergeschichte.

Neofytos-Kloster (Agios Neofytos) (Zugang zur ursprünglichen Eremitenklause)

Ikonenmalereien im Inneren der Klause (Aufnahme ohne Blitz)

Klosterkirche

Die Überreste des Neofytos werden in der Kirche aufbewahrt und als Reliquie verehrt.

Schattiger Klostergarten

Auch Priester müssen einmal entspannen.

Wer schon in der Gegend ist, sollte ein weiteres Naturspektakel nicht versäumen. Folgt man der Straße nach Coral Bay und weiter Richtung Lara Bay, so erreicht man auf einer Schotterpiste den Zugang zur Avakas-Schlucht. Obwohl die komplette Wanderung nur in der warmen Jahreszeit zu empfehlen ist (wir kamen Anfang April), wenn der Wasserstand am niedrigsten ist, kann man auch so eine Stunde in die Schlucht hineinwandern. Hat der Weg zu Beginn noch den Charakter einer gemütlichen Wanderung, so ändert sich dies schlagartig, sobald man die eigentliche Schlucht erreicht. Nun folgt man einem schmalen Pfad durch steile Felswände, und muss immer wieder über Steine klettern und Wasserstellen überwinden. Ab einem gewissen Punkt wird das Gelände unzugänglicher, und da das Wasser zum waten noch zu kalt war, kehrten wir wieder um. Das bis dahin gesehene war den Trip aber alle Mal wert.

Küste entlang der Akamas-Halbinsel

Avakas-Schlucht: Was als normaler Wanderweg beginnt …

… setzt sich als spektakuläre Schluchtbegehung fort.

Avakas-Schlucht

Natürlich kann man entlang der Küste weiter nördlich fahren und die Akamas-Halbinsel erkunden, dazu fehlte uns aber die Zeit. Man könnte nach Polis an der Nordküste fahren und von dort auf einem anderen Weg zurück. Oder die Schildkröten-Station in der Lara Bay besuchen und ein paar Schildkröteneier ausbrüten (dazu brauchen Sie aber Zeit). Oder einen Bauchfleck ins Meer machen. Man könnte immer noch mehr tun, so ist das eben beim Reisen. Im nächsten Beitrag geht es jedenfalls weiter.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailby feather
Facebooktwitteryoutubeinstagramflickrby feather
Dieser Beitrag wurde unter Persönliches abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.