Nachtrag zum Waldviertel

Im Juni des letzten Jahres habe ich ja eine kleine Tour durchs niederösterreichische Waldviertel unternommen, und wie das halt beim Reisen so immer ist, reicht die Zeit nie, um alle Orte, die einen interessieren, auch wirklich zu besichtigen. Manchmal ist es auch so, dass man nicht noch ein Schloss oder noch eine Burg – so sehenswert sie auch sein mögen – braucht und sie einfach auslässt (nicht zuletzt, weil die diversen Eintritte ins Geld gehen). Doch sie bleiben im Hinterkopf, und wenn sich die Gelegenheit bietet, Versäumtes nachzuholen, dann nimmt man sie gerne wahr.

Daher habe ich einen Tagesausflug unternommen, um zwei Schlösser nördlich der Wachau zu besuchen, nicht zuletzt deshalb, weil sie beide interessante Ausstellungen zeigen. Im Schloss Artstetten beschäftigt sich sie sich mit dem Leben des ehemaligen Thronfolgers des Hauses Habsburg, Erzherzog Franz Ferdinand, und dessen tragischem Ableben in Sarajevo, was bekanntlich den ersten Weltkrieg auslöste. Und im Schloss Pöggstall ist noch bis 12. November die Landesausstellung „Alles, was Recht ist“ zu sehen. Beides sind keine 1A-Sehenswürdigkeiten, also „Must-see“-Attraktionen, aber da sie nur 15 km entfernt auseinander liegen, kann man sie leicht gemeinsam besichtigen. Ist das Wetter schön, gibt es auch Möglichkeiten, ein paar Stunden zu wandern.

Schloss Artstetten erreicht man am besten über Melk bzw. Pöchlarn. Hat man die Donau überquert, so beginnt nördlich von ihr das südliche Waldviertel. Sofort kurvt man wieder auf gewundenen Straßen durch die typische Waldviertler Landschaft, so dass selbst das Fahren schon Erleben bedeutet. Bald erreicht man das Schloss, welches schon aus der Ferne sichtbar ist, ganz besonders die charakteristischen Zwiebeltürmchen. Parkplätze sind um das Schloss vorhanden. Es beherbergt die Ausstellung, weil es ein Sitz des Erzherzogs und seiner Familie war, und er zusammen mit seiner Frau in einer Gruft vor Ort bestattet sind.

Die typische weite Waldviertler Landschaft.

Schloss Artstetten ist von Weitem sichtbar.

Hier in Großaufnahme mit den typischen Zwiebeltürmen.

Schloss mitsamt Austellung(en) erfordern ein Ticket, und ein Spaziergang durch den Schlosspark ein weiteres (5 €). Da da Park speziell in dieser Jahreszeit (Anfang Oktober) nicht mehr allzu viel bietet (das man woanders nicht auch kostenlos haben kann), verzichtete ich auf diesen. Die Ausstellung selbst beschäftigt sich mit der Person Franz Ferdinands, einem Neffen Kaiser Franz Josephs I., und seinem Leben als Familienmensch und als designierter Thronfolger der österreichisch-ungarischen Monarchie. Da dieses Thema im Internet umfassend erschlossen ist, habe ich dem nichts hinzuzufügen. Die Ausstellung zeigt neben einer Kopie des Fahrzeugs, in dem Franz Ferdinand und seine Frau unterwegs waren, als sich das Attentat ereignete, noch eine Vielzahl an Fotos, persönlichen Gegenständen und Dokumenten aus seinem Leben. Am interessantesten fand ich die persönlichen Gegenstände und die Fotos. Erstere, weil es immer faszinierend ist, vor Gegenständen zu stehen, die bekannte historische Persönlichkeiten selbst benutzt haben, und letzteres, weil man so selbst zu einer Art Zeitzeuge wird. Man erblickt die Personen (und auch Orte), als wäre man dabei gewesen. Insofern ist die Fotografie eine der aufregendsten Erfindungen der Menschheit.

Das Schloss von der rückwärtigen Seite.

Vom Schlosscafé überblickt man den Schlossgarten.

Ausstellungsraum

Modelle der K&K-Marine, die Franz Ferdinand unterstellt war.

Blick auf den Schlosspark

In dieser Gruft sind Franz Ferdinand und seine Frau zur letzten Ruhe gebettet.

Wirkt Schloss Artstetten elegant-verspielt, so macht das Schloss Pöggstall den Eindruck einer mächtigen Festung mit dicken Mauern. Und dieser Eindruck täuscht nicht, war es doch einst eine befestigte Wasserburg mit Burggraben. Offenbar wurde das Wasser in einen neben dem Schloss angelegten Teich verbracht, denn der Burggraben ist so trocken wie ein Alkoholiker auf Entzug.

Die Ausstellung „Alles, was Recht ist“ widmet sich der Geschichte der Rechtssprechung bis in die heutige Zeit. Mit Hilfe interaktiver Stationen, Schautafeln und Exponaten wird der Bogen über eine doch recht archaische und physisch gewalttätige Rechtssprechung und Exekution bis hin zu modernen Ansätzen der heutigen Zeit gespannt. Dass auch in der Moderne manche Länder und Kulturen auf eher steinzeitliche Methoden setzen, wird ebenfalls thematisiert. Alles in allem fand ich aber wenig Neues. Exekutionswerkzeuge und „an den Pranger stellen“, das gab es alles schon woanders zu sehen. Für Kinder und Jugendliche mag es eine interessante Einführung bieten, ich persönlich hatte mir etwas mehr erwartet. Dafür verwöhnte mich das Schlosscafé mit einer sensationellen Schoko-Bananen-Schnitte, über die ich das Urteil „hervorragend“ fälle. So macht Rechtssprechung Spaß.

Vor den wuchtigen Mauern von Schloss Pöggstall.

Das Schloss lässt sich auf einem kurzen Fußweg umrunden, und präsentiert sich dabei von allen Seiten sehr fotogen.

Rückseite. Schön zu sehen der ehemalige Wassergraben.

Der daneben liegende Teich

Das Schlossrestaurant im Vorhof

Über den Innenhof betritt man die Ausstellungsräume.

Die Ausstellung ist um Interaktivität bemüht, bleibt aber eher oberflächlich.

Die Räder des Schicksals vergleichen die Rechtsprechung von heute und gestern in verschiedenen Weltregionen.

Besonders im Mittelalter ging man sehr rustikal zur Sache.

Formen des Diskurses im Wandel der Zeit.

Vom Schloss weg führen auch mehrere Wanderrouten durch die Umgebung, falls es ein bisschen mehr Bewegung sein darf (z.B. um die Bananenschnitte abzutrainieren).

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