Durch die Wüste

Nein, hierbei handelt es sich um keine Neuauflage von Karl May. Die Wüste ist auch gar nicht soweit weg, wie Sie vielleicht meinen. Genauer gesagt, fährt man nur ca. 45 min hin. Von Wien aus. Sie liegt beim burgenländischen Ort Mannersdorf an der Leitha, und ist das Kernstück des gleichnamigen Naturpark Mannersdorf Wüste. Klima und Vegetation sind dementsprechend gemäßigt, es müssen also keine Kamele für diese Unternehmung angemietet werden (wenngleich, wenn Sie unbedingt möchten …  dazu die neu erworbene Tropenausrüstung ausführen … können Sie!).

Wie schon die Bezeichnung „Naturpark“ suggeriert, handelt es sich nicht um einen spektakulären Nationalpark, aber das Gebiet kann mit einer gewissen Geschichte und einigen interessanten Besichtigungspunkten aufwarten. Gelegenheit für eine nette Familienwanderung bietet es alle Mal. Die Wege sind gut ausgeschildert und leicht zu begehen, wobei man die Wahl zwischen einer kleinen Runde (die wiederum in zwei Varianten kommt und die interessantesten Punkte beinhaltet) und einer großen Runde, die dann wirklich alle sehenswerten Orte inkludiert, allerdings doch fünf Stunden Gehen erfordert, da fast 15 km zurückgelegt werden. Man hat allerdings durchaus die Möglichkeit, auch die große Runde bei Bedarf abzukürzen, bzw. die kleine zu erweitern, sodass man seine ganz persönliche Route zusammenstellen kann.

Diese Übersichtskarte steht am geschotterten Parkplatz bei der Arbachmühle.

Im Zentrum des Naturparks steht das ehemalige Karmeliterkloster St. Anna, welches auf das 17. Jhdt zurückgeht. Daher kommt auch der Name „Wüste“, da es auf das griechische Wort „eremos“ zurückgeht, was auch „Einsiedelei“ bedeutet. Und eine Einsiedelei war es damals auch noch, umgeben von einer 4,5 km langen Mauer, die heute noch steht. Das ursprüngliche Kloster wurde von den Osmanen niedergebrannt, danach aber wieder aufgebaut. 1783 wurde es endgültig aufgelöst. Seit 1982 wieder renoviert. Es ist derzeit der Öffentlichkeit allerdings nicht zugänglich (zumindest stand ich an zwei Wochenendtagen im Mai vor verschlossenen Türen; es gab auch keinen Hinweis auf Öffnungszeiten). Die Lage am Rande einer großen Wiese ist aber idyllisch, auf jener Wiese grasen Wildrinder und Ziegen friedlich vor sich hin, und einen Spielplatz für Wildkinder gibt es auch. Ein hervorragender Picknick-Platz also.

Zumeist geht auf auf breiten Wegen durch den Naturpark.

Das St. Anna Kloster

Vom Kloster aus kann man auch die kleine oder große Runde in Angriff nehmen. Man kann seine Route zusammenstellen bzw. gehen, wie man möchte, denn die Wege sind markiert und (zumeist) gut ausgeschildert. Einzig beim Scheiterberg gibt es Wegschild-mäßig ein Problem, denn wenn man (vom Kloster kommend, gegen den Uhrzeigersinn die kleine Runde gehend) von seinem Gipfel nicht zur Hochfilzerhütte hinab gehen möchte (die ohnehin nur sporadisch geöffnet hat; ich habe sie an besagten Wochenendtagen nur geschlossen zu Gesicht bekommen), sondern weiter zum Steinbruch, dann fehlt dort schlicht und ergreifend ein Wegweiser. Nur von der anderen Richtung kommend, wurde ein solcher aufgestellt. Wenn Sie also den Weg vom Rastplatz (mit Gipfelkreuz) Richtung Hochfilzerhütte hinab gehen, dann gelangen Sie nach ein paar Minuten auf eine kleine Lichtung, an der rechterhand eine kleine schroffe Felswand emporragt. Dort zweigt links ein (kurzer) Forstweg ab, und wenn Sie den gehen, gelangen Sie auf den richtigen Weg zu besagtem Wegweiser. Wenn Sie ganz sicher gehen möchten, dann müssen die den kurzen Anstieg zum Scheiterberg einfach nur zurückgehen und den Weg auf der Forststraße, auf der Sie gekommen sind, fortsetzen.

Wenn man also die kleine Runde geschickt anlegt, kommt man an den folgenden Points of interest vorbei: die Leopoldkapelle am Eingang; das Kloster; die Ruine Scharfeneck, die man auf einem kleinen Umweg mitnehmen kann, und die man auch besichtigen kann (die Aussicht vom verfallenen Bergfried reicht weit); der Scheiterberg; die Hochfilzerhütte; der Kalksteinbruch und den alten Kalkofen Baxa. Um letzteren zu sehen, dürfen Sie aber nicht der roten Markierung folgen, die vom Steinbruch links hinab führt, sondern gerade um den Steinbruch herum weitergehen. Oder, wenn man den Weg anders herum geht, dann zweigt an der Stelle, wo man vom Parkplatz danach rechts durch die Allee zum Kloster geht, nach links die Runde zum Baxa-Kalkofen ab. Glauben Sie aber ja nicht dem Wegweiser, wonach es nur 15 min bis dorthin wären. Das würde man – wenn überhaupt – nur im Dauerlauf schaffen, zumal der Weg von der Forststraße durch den Wald abzweigt, der Ofen also nicht einmal direkt auf dem Hauptweg liegt. Wahrscheinlich hat Haile Gebrselassie die Zeit genommen. Kalkulieren Sie lieber mal großzügig 20-30 min ein (je nach Gehgeschwindigkeit), dann kommt das der Realität schon näher.

Die Leopoldkapelle, die man nach wenigen Gehminuten vom Parkplatz aus erreicht.

Die Ruine Scharfeneck liegt verfallen und überwachsen im Wald.

Ausblick vom Bergfried

Rastplatz auf dem Scheiterberg („Monte Scheiter“)

Hochfilzerhütte

„Wetterstation“ bei der Hochfilzerhütte

Der flächenmäßig riesige Steinbruch

Historischer Kalkofen Baxa

Wer die große Runde in Angriff nimmt, kommt darüber hinaus noch an folgenden Punkten vorbei: die Kaiser-Franz-Josef-Warte bei der Kaisereiche, die ebenfalls einen guten Rastplatz darstellt; das Sieben-Linden-Kreuz, ein schattiger Platz, an dem mir aber nur eine Linde (bzw. ein großer Baum) aufgefallen ist; und die Rundwanderweghütte, die aber nur ein einfacher Unterstand ist. Wer nicht so viel gehen möchte, der ist mit der kleinen Runde sicherlich gut beraten, denn die große zieht sich schon ein bisschen in die Länge. Sie ist halt mehr für den ausdauernden Wanderer geeignet. Wie immer man sich entscheidet, man wird mit interessanten Stunden belohnt.

Für üppiges Grün ist im Frühjahr stets gesorgt.

Kaiser-Franz-Josef-Warte

Bunte Gesellen am Wegesrand

Sieben-Linden-Kreuz

Ein letzter Hinweis: aufgrund der schwachen Infrastruktur entlang der Route, was Essen und Trinken angeht, ist es empfehlenswert, genügend Proviant einzupacken (vor allem für die große Runde). Wenn man Glück hat, ist die Hochfilzerhütte geöffnet. Ansonsten bleibt nur noch der Gasthof Arbachmühle beim Parkplatz an der Bundesstraße für eine kulinarische Stärkung.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailby feather
Facebooktwitteryoutubeinstagramflickrby feather
Dieser Beitrag wurde unter Persönliches abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.