Das niederösterreichische Meer

Es ist zugegebenermaßen schon lange her, dass man vor den Toren Wiens am Strand eines tropischen Meeres stehen konnte. Im Wasser tummelten sich Haie, Austern, Delphine und andere Meerestiere. Die Vegetation war tropisch, und am Ufer breiteten sich Mangrovenwälder aus. Ich wünschte, diese Zeit wäre heute. Leider ist sie schon 17 Millionen Jahre vorbei. Zwischen damals und heute hat es bekannterweise auch ein paar Eiszeiten gegeben, weswegen man mit dem heutigen Klima zufrieden sein kann. Ich wäre trotzdem lieber in den Tropen.

An der Stelle, an der heute die niederösterreichische Stadt Korneuburg liegt, plätscherte einst das Meer unter der Tropensonne. In den flachen Bereichen breiteten sich Austernbänke aus, die gelegentlich von Schlamm bedeckt wurden, und unter gewissen Umständen auch versteinerten. Eine solche fossile Austernbank ist die Hauptattraktion der Fossilienwelt in Stetten, ein weiteres Top Ausflugsziel Niederösterreichs. Aber auch die Fossilien anderer Tier- und Pflanzenarten finden sich zuhauf in der Region. Was lag also näher, diese prähistorische Welt einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen? Der Durchschnittsniederösterreicher stolpert halt relativ selten im Alltag über fossile Knochen, es ist also eine gute Initiative. Wobei die Knochen bei dieser Schau gar nicht so sehr im Vordergrund stehen. Es sind vielmehr die Schalen, Perlen und Zähne. Und diese kann man selber finden.

Eingang zur Fossilienwelt in Stetten

Das Areal der Fossilienwelt ist überschaubar. Es gibt ein kleines Bistro und einen Shop (natürlich), das überdachte Austernriff, ein kurzer Gang durch das verschwundene Meer (das sich staubtrocken präsentiert), eine Zeitleiste mit Infotafeln und dem schneckenförmigen Aussichtsturm, von dem man das verschwundene Meer aber auch nicht sieht (die Aussicht ist eher unspektakulär). Und dann gibt es noch das Schürffeld, in dem Besucher selbst nach Fossilien graben können. Vorweg: die Knochen eines T-Rex oder Brontosaurus findet man hier nicht. Sie würden aber auch die Heimfahrt im Familienwagen zu einer Herausforderung machen.

Übersichtsplan

Hier bekommt man alles ausgehändigt, was man zum Schürfen braucht.

Hier wird eifrig nach Perlen und Zähnen gesucht.

Der schneckenförmige Aussichtsturm und der Spielplatz.

Seit kurzem wird auch ein neues Informationskonzept ausprobiert. Besucher können sich eine App fürs Smartphone herunterladen, die durch Scannen des QR-Codes auf den Infotafeln zusätzliche Informationen zur Verfügung stellt und auch kurze, dreidimensionale Animationen über das Smartphone abspielt. Zu viel darf man sich von diesen Animationen aber noch nicht erwarten, sie sind etwas bescheiden, wenn man schon mal Jurassic Park oder Universum gesehen hat. Es handelt sich allerdings um eine Entwicklung der Universität Wien (oder einer anderen Einrichtung, weiß jetzt nicht mehr so genau), und Studenten sammeln eifrig Feedback zu diesem Projekt.

Die fossile Austernbank und die audiovisuelle Einführung erlebt man nur im Rahmen einer Führung. Schaukästen zeigen darüber hinaus eine Reihe weiterer fossiler Zähne, Knochen und Schalen, darunter die größte fossile Perle der Welt. Das Außengelände kann man kostenlos abgehen, man hat nur nicht allzu viel davon, ohne App und ohne weitere Erklärungen. Das Schürffeld kostet extra (und zwar für nur eine halbe Stunde doch etwas deftig), man durchsiebt den Sand nach Haifischzähnen und Perlen. Im Prinzip benötigt man dazu nicht einmal das bereit gestellte Sieb. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, sprich, zu Beginn des Tages findet man auch noch mehr, wovon wir uns selbst überzeugen konnten. Für eine halbe Stunde war das gar nicht schlecht.

Gang durch das „verschwundene“ Meer

Audiovisuelle Elemente erklären die Umgebung

Das überdachte, fossile Austernriff

Fossile Austern

Was sich so alles im Meeressediment erhalten hat.

Austern oder nicht Austern – das ist hier die Frage

Die Schürfausbeute kann sich sehen lassen.

In Summe ergibt das ca. 2 Stunden Unterhaltung, sofern man nicht auch den Kinderspielplatz ausgiebig nützt. Der Preis ist insgesamt für meinen Geschmack zu hoch bemessen, was für eine Attraktion, deren Angebot sich in erster Linien an Familien richtet, etwas unverständlich ist. Die Amethystwelt in Maissau liegt preislich ähnlich, dafür darf man eine ganze Stunde lang nach Amethysten schürfen. Doch wer sich am Preis nicht stört, ist in der Fossilienwelt für ein paar Stunden gut aufgehoben.

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