Buntes Treiben im Stift

Das Schöne an Sommertagen ist ja das lange Tageslicht, weshalb man an einem Tag auch bedeutend mehr unterbringt, als im Winter, wo es kurz nach dem Frühstück schon wieder dunkel wird. Daher blieb mir nach Zwettl und Ottenstein immer noch genügend Zeit, um Stift Altenburg einen Besuch abzustatten. Dieses weckte mein Interesse nicht nur wegen der unmittelbaren Nähe zu Schloss Rosenburg, welches ich unbedingt besuchen wollte (mehr dazu später), sondern auch wegen der fantasievollen und farbenprächtigen Wandmalereien. Diese gehen auf den ehemaligen Abt Placidus Much zurück, der als Bauherr dem Stift seine heutige Form gab. Man möge ihn nicht mit dem norwegischen Maler Edvard Munch verwechseln, der das berühmte Bild „Der Schrei“ schuf. Vielleicht hat Munch aber auch nur den Erzbischof gemalt, als er von den horrenden Baukosten erfuhr.

Für die Besichtigung des Stifts sollte man sich schon ein wenig Zeit nehmen. Um den Überblick zu behalten, wurde eine Art Rundweg angelegt, der an allen Orten von Interesse vorbeiführt. Ein kleiner Faltplan erleichtert zusätzlich die Orientierung. Man nähert sich dem Kloster vom Parkplatz über einen Vorplatz, dessen Kieswege von leuchtenden Lavendelbuschen gesäumt sind. Im Prälatenhof wendet man sich nach links, um ein Besucherticket zu erstehen. Mit diesem gelangt man in die inneren Räumlichkeiten und zu den Fresken.
Die Wandmalereien sind farbenfroh und entspringen teilweise einer überschäumenden Fantasie. Wie viele religiöse Gemälde, bringen sie auch symbolhaft Auffassungen und Meinungen der damaligen zeit zum Ausdruck.

Stift Altenburg

Stiftskirche

Sala terrena mit den bunten Malereien

Der Ostflügel erstreckt sich dabei über mehrere Etagen, die unterschiedliche Epochen in der Geschichte des Klosters zeigen. Ganz unten, im Untergeschoss, finden sich die Überreste des alten Klosters, auf denen die neuen Gebäude errichtet wurden. Von dort führt auch ein Ausgang zum Garten der Stille, der einen kleinen Teil jenes Geländes darstellt, der früher dem Abt zur Jagd diente. Im Untergeschoss gelangt man auch zur Krypta, die mit grellen Farben ausgemalt ist und wunderschön anzusehen ist. Was ein Toter davon hat, bleibt zwar die Frage, aber vielleicht wollte man auch nur für regelmäßigen Besuch sorgen. Ob der Abt tatsächlich hier bestattet wurde, ist unbekannt.

Alte Kapelle

Mauerwerk des alten Klosters, welches die unterste Etage bildet.

Auf diesem Foto sieht man gut die unterschiedlichen Bauepochen des Stifts.

Garten der Stille

Die farbenfrohe Krypta

Dies sieht schon eher nach einer bescheidenen Mönchsklause aus.

In den oberen Stockwerken entfaltet sich dann die ganze Pracht barocker Baukunst. Die Räumlichkeiten erinnern mehr an eine Fürstenresidenz, denn ein Gotteshaus. Das Marmorzimmer, die Kaiserstiege oder die Stiftsbibliothek waren in der Anschaffung mit Sicherheit nicht wohlfeil. Auch 21 Gastzimmer wurden in der Anlage verzeichnet. Sie waren geeignet, selbst dem Kaiser Unterkunft zu gewähren, doch sollte es dazu niemals kommen. Den prunkvollen Marmorsaal, das Tafelzimmer des Prälaten, kann man in den warmen Monaten nach 17.15 besichtigen, was ich auch tat, denn zufällig war ich just in diesem knappen Zeitraum (nur bis 17.56) anwesend.

Kaiserstiege

Ausstellungs-Sujet

Stiftsbibliothek. Zu Lebzeiten Placidus Muchs enthielt sie aber noch keine Bücher.

Deckenfresko

Bunter Stuckmarmor (ein Marmorimitat) wurde zuhauf verwendet.

Der Marmorsaal

Damit war dann der Tag (bis auf das Abendessen) gegessen. Ich fuhr noch das kurze Stück weiter bis zum Örtchen Rosenburg, wo ich mir ein Zimmer in einem Gasthof nahm. Vom Fenster hatte ich schon das Schloss Rosenburg im Visier, welches hoch über dem Kamp auf einem Felsen thronte. Ein schöner nächster Tag war angesagt, und ich freute mich schon darauf.

Schloss Rosenburg

Blick auf das Örtchen Rosenburg

Am nächsten Morgen fuhr ich gleich nach dem Frühstück hinauf zum Schloss. Über eine Brücke überquerte ich den Kamp, um kurz vor 10 Uhr auf dem fast leeren Parkplatz vor dem Schloss zu halten. Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel. Es gibt dort übrigens auch einen kleinen Seilpark, falls der Nachwuchs ein bisschen „abhängen“ möchte. Um Punkt zehn Uhr öffnete die Kasse. Das Ticket noch in der Hand (welches mit 15 Euro für einen Erwachsenen nicht billig ist; dabei ist zB. die Greifvogelschau nicht inkludiert, die Burgführung aber schon, was auf der Webseite etwas widersprüchlich dargestellt ist), stürmte ich durch das Tor, um ein paar Fotos vom noch menschenleeren Turnierhof zu machen. Im Prinzip ist es schon eine Burg, welche im Laufe der Geschichte zu einem Schloss erweitert wurde. Aber der Burgcharakter ist unübersehbar, und für mich ist es mehr eine prunkvolle Burg, als ein Schloss. Also ein Burgschloss, sozusagen, oder eine Schlossburg. Mit seinen spitz zulaufenden Türmen und den vielen Rosen (Nomen est omen!) war meine erste Assoziation ein Schloss von Walt Disney.

Der idyllische Kamp

Der Zutritt zum Schlossgelände

Der weit ausladende Turnierhof

Rosen, wohin man blickt.

Erstes Tor zum Burginneren

Ich hatte Glück, sofort eine Führung zu ergattern (ohne die man die Wohnräume der Burg nicht betreten darf). Eine Schulklasse hatte sich angekündigt, und der Führer wartete bereits im Innenhof, doch sie kam nicht. Da sich bereits einige Besucher versammelt hatten, beschloss der Führer ohne die Schüler zu starten. Wir sahen – neben den üblichen Utensilien wie Waffen und Rüstungen – auch solch interessante Gegenstände wie einen Tisch mit Sesseln, die so konstruiert waren, dass man selbst betrunken nicht auf den Boden gleiten, und schlimmstenfalls zum Ausnüchtern darin auch seine Nachtruhe verbringen konnte, und – und so etwas hatte ich wirklich noch nicht gesehen – ein zweiteiliger Plauderstuhl, auf dem sich die Gesprächspartner seitlich versetzt vis-a-vis gegenüber saßen. Die Mittellehne konnte entfernt werden, falls mehr Körpernähe gewünscht wurde.

Im Innenhof starten die Führungen. Da es nur wenige pro Tag gibt, ist ein bisschen Planung angeraten.

Dieses alte Burgtor sieht alt aus und ist es auch.

Innenhof des Burgmuseums (ehemaliger Wohnbereich)

Der Plauderstuhl. Wie geschaffen, um Jagderlebnisse zu berichten.

Bezaubernd auch ein kleiner, mauerumfasster viereckiger Teich mit Seerosen, die diversen Kräutergärten sowie der Rosengarten mit Dutzenden von Rosensorten, die sich alle in Farbe und Geruch unterscheiden. Hoch zufrieden verließ ich die Burganlage wieder.

Kräutergarten

Meine nächsten Besichtigungsziele lagen entlang des Kamp, im wunderschönen Kamptal. Mehr dazu beim nächsten Mal.

 

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