Ein Stausee, der was aussieht wie ein Fluss

Zwettl ist eine der größeren Städte des Waldviertels, doch nichts des Orts wegen zog es mich dorthin. Im Prinzip folgen die Orte von Wein- und Waldviertel einem ähnlichen Plan. Ein schmucker Hauptplatz mit Kirche, Amtsgebäuden, vielleicht einer Pestsäule und einem Eissalon. Ein paar Lokale, meist auch eine Pizzeria. Ob Retz, Zwettl, Horn oder Mistelbach, man hat immer irgendwie das Gefühl, schon einmal dagewesen zu sein. Aber ein paar Kilometer außerhalb von Zwettl liegt etwas abseits das bekannte Stift Zwettl, und das wollte ich im Vorbeifahren doch gerne „mitnehmen“.

Blumenimpressionen von unterwegs

So schön die Stifte Österreichs anzusehen sind, so sehr lösen sie ambivalente Gefühle in mir aus. All dieser Prunk passt nicht zu einer Religion, die  – zumindest, wenn man der Authentizität der Worte Jesu im Neuen Testament Glauben schenken darf – in ihrem Ursprung Bescheidenheit, Besitzlosigkeit und Demut gepredigt hat. Wieso brauchen Mönche prunkvolle Räume, Ländereien und ein Domizil, das nach Geld stinkt? Wie war das doch noch mit dem Geben an die Armen? Diese Stifte sind natürlich Kulturgüter des Landes und Besucherattraktionen, doch sie mit diesem Protz zu errichten, war in meinen Augen grundlegend falsch. Die ursprüngliche Idee eines selbstversorgenden Meditier- und Studierzentrums war nachvollziehbar (vor allem, wenn man abseits lebte), doch sie wurde im Laufe der Zeit offenbar von geltungssüchtigen Kirchenleuten pervertiert.

Daher können Sie als Besucher auch im Klosterladen shoppen oder – passend zur Waldviertler Tradition – einen Fisch aus den Stiftsteichen erwerben. Sie können die Innenräume besichtigen oder in den Klostergärten flanieren. Der Klosterfrau Melissengeist ist übrigens zum Einreiben, nicht zum Trinken. Ich meine, man kann ihn natürlich auch trinken, sollte es aber nicht tun.

Stift Zwettl – Hof und Stiftskirche

Ich beschränkte mich auf eine Begehung der frei zugänglichen Außenbereiche. Immerhin kostet der Eintritt 10,50 Euro (für ein Modul), und ich hatte ja noch einiges vor. Ich kannte bereits Stift Melk und Stift Göttweig (und hatte Stift Altenburg noch im Visier), sodass ich nicht jedes Stift von innen gesehen haben musste. Aber auch von außen war es äußerst apart anzusehen. Der helle, barocke Innenhof stand im krassen Kontrast zum dunklen Turm der Stiftskirche. Die Gärten waren symmetrisch angelegt, der Rasen kurz getrimmt und die Beete mit Blumen und duftenden Kräutern bepflanzt. Bruder Gärtner hatte einen guten Job gemacht. Vor allem der lila blühende Lavendel stach aus dem frischen Grün heraus.
Für die Innenansicht des Klosters verweise ich auf die Internetseite des Stifts.

Stiftsgärten

Blick auf die Stiftskirche

Ein bisschen Kitsch muss sein.

Einen Ort, den ich schon seit längerem einmal besuchen wollte, war der Ottensteiner Stausee. Auf der Karte betrachtet, sieht er wie ein langer, zerklüfteter Fjord aus. An seiner Ostseite liegen ein Campingplatz, eine Ruine und ein Bootsverleih, allerdings auf gegenüber liegenden Ufern. Der Bootsverleih (samt Restaurant und großem Parkplatz) liegt bei Peygarten-Ottenstein. Die Ruine Lichtenfels, die auch dem Campingplatz seinen Namen gab, liegt heute auf einer Halbinsel nahe beim Seeufer. Das war nicht immer so. Ursprünglich lag die Burg auf einem Hügel über dem Kamp, doch nach dem Fluten der Umgebung änderte sich dies drastisch. Einst eine wehrhafte Burg, wurde sie im Laufe des 18. Jhdt. zunehmend vernachlässigt. Hätten die Burgherren also ein paar hundert Jahre zugewartet, so läge jetzt eine tolle Urlaubs-Location zu ihren Füßen.

Von Zwettl folgte ich der Böhmerwald Bundesstraße nach Ottenstein. Wieder zeigte sich das Wetter etwas durchwachsen: als ich ankam, war es noch sonnig, doch schon bald zog dichte Bewölkung auf. Das hielt mich zwar nicht von einer kurzen Bootsfahrt ab, doch so richtige Hochstimmung wollte nicht aufkommen. Immerhin kam ich der Ruine nah genug, um festzustellen, dass sie wirklich nicht mehr bewohnt war. Im Anschluss verkostete ich noch eine Ottensteiner Fischsuppe, die wirklich gut schmeckte. Den oder die Fische darin vermochte ich nicht zu identifizieren, doch eine Genanalyse hätte sicherlich Klarheit verschafft.

Bootsanlegestelle am Stausee Ottenstein. Am gegenüber liegenden Ufer ist die Ruine Lichtenfels erkennbar.

Seebären können zwischen einer geführten Bootstour und kleinen Mietbooten wählen.

Badende unterhalb der Ruine. Warm wird der Stausee aber vermutlich nicht sein.

Die Navigation ist einfach. Für den gesamten See wäre aber vermutlich schon ein Tag, sowie das nötige Kleingeld für die Bootsmiete einzuplanen.

Ich bitte um Verzeihung, dass ich nun schon wieder mit einer Burg daher komme, aber sie war nicht geplant. Wie schon vorher erwähnt, hatte ich noch das weiter östlich gelegene Stift Altenburg im Visier. Auf dem Weg dahin erblickte ich eine Burg auf einem Hügel. So weit nichts Neues. Ich hatte die Burg Ottenstein gefunden, die auf der Karte auch als Schloss Ottenstein vermerkt ist, doch die Bezeichnung „Burg“ trifft es entschieden besser. Also bog ich in die Nebenstraße ein und folgte ihr bis zum Parkplatz des Hotels Ottenstein. Ich beschloss, mich ein wenig auf dem Burggelände umzusehen. Zu den Veranstaltungen, die auf Ottenstein geboten werden, zählt auch ein Krimi-Dinner. Wenn Sie also neben einer toten Fliege in der Suppe auch eine Leiche auf dem Hotelzimmer finden, dann könnte das davon herrühren.

Burg Ottenstein

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