Ein Moor und noch eine Burg

Von Rapottenstein fuhr ich also nach Schrems, zum Naturpark Hochmoor Schrems. Um Zeit zu sparen (der Tag neigte sich bereits seinem Ende zu), fuhr ich auf gut ausgebauten Bundesstraßen Richtung Norden. Beim Besucherzentrum des UnterWasserReich Schrems ließ ich das Auto stehen und informierte mich über mögliche Wanderrouten. Diese waren auch vorbildlich ausgeschildert.

Waldviertler Landschaft

Waldviertler Landschaft

Moore sind Feuchtgebiete, in denen der Boden permanent unter Wasser steht. Er trocknet also niemals aus. Das Wasser kann dabei von oben in Form von Regen, oder von unten in Form von Grundwasser kommen. Bei einem Hochmoor trifft ersteres zu. Sie sind insofern außergewöhnliche Lebensräume, da der Boden sauer und nährstoffarm ist, und daher nur eine begrenzte Zahl an angepassten Pflanzen und Tieren vorkommen. Ein gesundes Moor lagert laufend Torf ab, dadurch wächst es langsam in die Höhe. Dieser Torf wurde schon früh aus dem Moorboden „gestochen“ und als Brennmaterial, Dünger und als Baustoff verwendet. Heute gibt es nur mehr wenige intakte Moore, sie stehen daher unter Naturschutz.

Ich entschied mich für die grün markierte „Tut gut“-Route 1, die auf 4,5 km durch das Kerngebiet des Naturparks hindurch führt. Der Moorlehrpfad zu Beginn und die „Himmelsleiter“ weckten meine Neugier, während ich dem „Prügelsteig“ und dem „Moortretbecken“ mit gemischten Gefühlen entgegensah. Vor meinem geistigen Auge formte sich die Vision eines garstigen Moor-Kobolds, der mit seinem knorrigen Knüppel auf mich einprügelte, und etwas von „seinem Schatz“ murmelte.

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Teich beim Besucherzentrum

Teich beim Besucherzentrum

Dem Wochentag geschuldet, schritt ich weitgehend alleine durch diese ungewöhnliche Landschaft. An der Himmelsleiter angekommen, entpuppte sich diese als hohe, hölzerne Treppe, an derem Ende ein guter Ausblick über die Umgebung wartete. Der „Moorblick“ war allerdings insofern eingeschränkt, als zwischen den Bäumen nur eine kleine Stelle mit Wasser zu sehen war.

Moorlehrpfad zu Beginn des Wegs.

Moorlehrpfad zu Beginn des Wegs.

Himmelsleiter

Himmelsleiter

Moorblick

Moorblick von der Himmelsleiter

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Als ich mich dem Prügelsteig näherte, gelangte ich ins Kerngebiet des Moores. Die Wassertümpel nahmen zu, gefüllt mit klarem, kaltem und sehr dunklem Wasser. Kleine, moosartige Pflanzen bildeten einen dichten Teppich, aus dem grüne Halme und lilienartige Gewächse empor ragten. Dazwischen wuchsen gedrungene Gewächse, die man nur an solchen Stellen findet. Einen Sonnentau sah ich leider nicht. Die letzten Strahlen der tief stehenden Sonne entfachten ein schön anzusehendes Farbenspiel.
Übrigens: dem Kobold bin ich nicht begegnet.

Typische Moorvegetation

Typische Moorvegetation

Prügelsteg

Prügelsteg

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Das Moortretbecken bietet Gelegenheit, mit nackten Füßen durch knöchelhohen Moorschlamm zu gehen. Damit man nicht bis zum Hals einsinkt, falls eine Stelle doch einmal etwas tiefer sein sollte, gibt es ein Holzgeländer zum Anhalten. Da ich keinen Sinn darin sah, mir die Füße schmutzig zu machen, in unmittelbarer Nähe nichts zum Abwaschen fand und obendrein nichts zum abtrocknen dabei hatte, widerstand ich dem Drang, die Sau in mir heraus zu lassen, sondern spazierte auf weichen, wurzelbedeckten Waldböden weiter.

Moortretbecken

Moortretbecken

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Die Dunkelheit brach allmählich herein, und ein Schlafplatz für die Nacht tat Not. Im Schremser Zentrum fand ich ein Zimmer im Gasthof Schönauer. Damit war ich für den nächsten Tag gerüstet. Unter Umständen wäre es möglich gewesen, im Naturpark unter Bäumen zu übernachten, doch was, wenn es den Kobold tatsächlich gab?

Nach Natur pur stand am nächsten Tag wieder eine Burg auf dem Programm – die Burg Heidenreichstein. Einen Besuch der nahe gelegenen Blockheide mit ihren spektakulären Wackelsteinen verwarf ich angesichts von Zeitmangel und Wetterbericht. Nach einer kurzen Fahrt ins nordöstlich gelegene Heidenreichstein, stand ich kurz vor zehn Uhr, und damit kurz vor dem ersten Einlass, vor der Wasserburg Heidenreichstein. Laut Internet handelte es sich um die größte erhaltene Wasserburg Niederösterreichs. Früher mag sie von allen Seiten von Wasser umgeben gewesen sein, heute trifft das nur mehr auf einen Teil zu. Teile des inneren Wassergrabens wurden einfach zugeschüttet und zu einem Garten umgestaltet. Die Zugbrücken gibt es immer noch. Die Mauern ragen hoch auf und sind massiv, leicht erkennt man von außen, welche Teile der Anlage am ältesten sind. Der runde Bergfried soll bis ins 12. Jhdt. zurückdatieren.

Burg Heidenreichstein

Burg Heidenreichstein

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Wieder erhielt ich eine Privatführung. Das Fotografieren in den Räumen war mir leider nicht gestattet. Der Innenhof wirkte beengt, es wurde restauriert, ein deutlicher Riss zog sich durch den oberen Teil eines hohen, viereckigen Turms – das Ergebnis eines Blitzeinschlags. Der Eigentümer der Burg, der heutige Burgherr sozusagen, bewohnt mit seiner Familie einen neueren Trakt der Anlage, vermutlich ein ehemaliges Wirtschaftsgebäude.

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Hier erkennt man noch den ursprünglichen Charakter.

Hier erkennt man noch den ursprünglichen Charakter.

Bewohnter Gebäudetrakt

Bewohnter Gebäudetrakt

Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an die Funktion dieses Männchens erinnern. Es hatte mit Wasser zu tun. Möglicherweise speite es Wasser, das von oben herab kam.

Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an die Funktion dieses Männchens erinnern. Es hatte mit Wasser zu tun. Möglicherweise speite es Wasser, das von oben herab kam.

Ehemaliger Burggraben

Ehemaliger Burggraben

Als ich die Burg verließ, kam endlich die Sonne hinter den Wolken hervor. Neben der Burg gibt es noch weitere Attraktionen in Heidenreichstein. Zum einen den Naturpark Heidenreichsteiner Moor. Und in der Käsemacherwelt, einer Schaukäserei, erfahren Besucher, wie man Käse herstellt, inklusive angeschlossener Verkostung (übrigens auch eines der TOP-Ausflugsziele Niederösterreichs). Da ich berufsbedingt eine solche schon einmal besichtigt hatte, setzte ich meinen Weg Richtung Zwettl fort.

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