Wild Wild Waldviertel

Als in Wien Wohnender liegen Ausflugsziele innerhalb des Weinviertels in lockerer Distanz für Tagesausflüge, auch das nahe, grenznahe Ausland (Slowakei, Tschechien, Ungarn), doch was das Waldviertel betrifft, mit seinen einsamen und gewundenen Straßen, muss man für gewöhnlich doch mehr Zeit aufbringen, damit sich die Fahrt lohnt. Und so begab ich mich diesen Sommer auf eine dreitägige Tour durch diesen ruhigen Teil Niederösterreichs, mit dem Ziel, einen guten Überblick über die besten Sehenswürdigkeiten und Plätze zu bekommen. Ein Überblick, nicht mehr, denn drei Tage reichen bei weitem nicht, um in den letzten Winkel vorzudringen, aber eine interessante Auswahl, die den Appetit auf mehr anregt.

Was das Waldviertel so besonders macht, ist leicht erklärt. Es ist die Weite einer großartigen Landschaft, die sich windenden Straßen durch Äcker und Wälder, dieser Überfluss an Grün, und nicht zuletzt die Naturparks und kulturellen Sehenswürdigkeiten wie Klöster und Burgen. Fährt man mit dem Auto herum, so blickt man auf einen Horizont, der in weiter Ferne liegt und auf eine Landschaft, die nie aufzuhören scheint. Dann wieder geht es durch dunkle, fast mystisch anmutende Waldabschnitte. Abseits der gut ausgebauten Schnellverbindungen begegnet man nur wenigen Autos.

Ich werde das Erlebte nicht in einen Blogbeitrag hineinpacken. Zu viel des Guten verdirbt immer den Magen. Es verursacht Völlegefühl und Verstopfung. Deshalb werde ich das Erlebte in kleine Appetithäppchen aufteilen, dafür mit vielen Fotos garniert, komponiert zu einer feinen Mahlzeit. Dieser Beitrag und auch die nächsten werden sich daher in Folge rund um das Waldviertel drehen. Ich hoffe, Sie begleiten mich.

Inkonsequenterweise beginne ich meine Runde mit der Burg Clam, die in Oberösterreich liegt, aber dennoch einen guten Ausgangspunkt darstellt. Viel hört man von dieser Burg, die unter anderem als Location für Konzerte dient, wobei die Bühne selbst nicht in, sondern vor der Burg liegt. Sie ist auch ein beliebter Begriff in Kreuzworträtseln. Aus diesen beiden Gründen kannte ich sie überhaupt. Konzerte und Kreuzworträtsel. Doch diese Verniedlichung wird ihr nicht gerecht, wenn man sich ein bisschen über ihre Geschichte informiert. Es ist eine Burg, die niemals eingenommen wurde, was etwas verwunderlich erscheint, denn sie ist gut zugänglich, und der Mittelteil der Burg, der alte Wohnbereich, sieht aus wie ein Werbe-Sujet für Stiegl-Bier. Aber man darf nicht vergessen, dass die Burg mehrmals umgebaut, und in jüngeren Jahren auch wohnlicher gestaltet wurde. Der raue Habitus einer Wehrburg war nicht mehr erforderlich. Deshalb sehen viele Burgen heute auch so herausgeputzt und geschniegelt aus, was einen leicht vergessen lässt, wie hart und unkomfortabel das Leben darin gewesen sein musste, selbst für die Burgherren.

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Die Burg Clam vom Ort Klam ausgesehen (kein Rechtschreibfehler).

Die Burg vom Veranstaltungsgelände aus gesehen.

Die Burg vom Veranstaltungsgelände aus gesehen.

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Der mächtige Rundturm ist einer der ältesten Teile der Burg.

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Der Blick von Burg Clam reicht weit in die umgebende Landschaft. Dies erleichterte die Kommunikation mit benachbarten Burgen.

Der Blick von Burg Clam reicht weit in die umgebende Landschaft. Dies erleichterte die Kommunikation mit benachbarten Burgen.

Die Räumlichkeiten der Burg sind nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Da es unter der Woche ist, bin ich der Einzige hier, nachdem eine Schulklasse bereits zuvor abgefertigt wurde. So eine Exklusivführung ist ja immer etwas Schönes, da man den Ablauf sehr gut personalisieren kann, und man immer im Mittelpunkt steht. Nicht, dass mir das wichtig wäre. Es macht es nämlich bedeutend schwieriger, sich mal klammheimlich zu verdrücken, wenn einem die Ausführungen des Führers zu ausführlich werden, oder wenn man mehr Zeit für Fotos braucht.

Der Innenhof ist so hübsch und liebevoll dekoriert, dass sich eine feindliche Horde beim Betreten wohl artig die Schuhe abgeputzt und sich, Worte der Entschuldigung murmelnd, verschämt lautlos zurückgezogen hätte. Im krassen Gegensatz dazu steht das knorrige, mit Metallbeschlägen verstärkte Tor, welches angeblich noch das originale, und aus diesem Grund besonders alt ist. Niemals traten Feinde durch es hindurch (weshalb meine Vermutung von vorhin ungeprüft im Raum stehen bleiben muss). Die Einrichtung ist eher jüngeren Datums, ganz besonders die elektrischen Luster und Nachttischlampen. Auch das Bärenfell vor dem Bett war wohl eine relativ moderne Requisite, denn ein gestandener, raubärtiger Ritter legte sich mit Sicherheit einen echten, lebenden Bären vor seine Schlafstätte. Vielleicht schlief er überhaupt auf ihm.

Innenhof

Innenhof

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Das originale Tor zum Innenbereich wurde nie von Feinden überwunden.

Das originale Tor zum Innenbereich wurde nie von Feinden überwunden.

Trotzdem können ein paar Wachen nicht schaden.

Trotzdem können ein paar Wachen nicht schaden.

Eine eigene Burgapotheke kann nicht schaden.

Eine eigene Burgapotheke kann nicht schaden.

Rustikale Einrichtung

Rustikale Einrichtung

Und eine lange Tafel darf natürlich auch nicht fehlen. Wo bleibt denn sonst die Völlerei?

Und eine lange Tafel darf natürlich auch nicht fehlen. Wo bleibt denn sonst die Völlerei?

Ich bemerkte ja schon in meinem letzten Artikel, dass beinahe jedes Bundesland ein „Burgenland“ ist. Auch Niederösterreich. Von Burg Clam ging es nun wirklich ins Waldviertel, mit Ziel Burg Rapottenstein. Schon auf diesen ersten Kilometern waldviertlerischen Bodens merkte ich, wie relativ Zeit in diesem Landstrich ist. Aufgrund der Topografie und der sich dahinwindenden Straßen, dauert es relativ lange, bis man eine bestimmte Wegstrecke zurückgelegt hat. Da es viel Natur zu bewundern gibt, ist dies nicht weiter schlimm (solange man es nicht eilig hat). Hügel, goldgelbe Äcker, Wälder und urige Granitblöcke sind die typischen Zutaten. Unterwegs passiere ich auch die Burgruine Arbesbach, die der Erwartungshaltung an eine Ruine hundertprozentig gerecht wird, da nur mehr ein Turm von ihr übrig geblieben ist.

Ein paar Impressionen entlang des Wegs ...

Ein paar Impressionen entlang des Wegs …

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Ruine Arbesbach

Ruine Arbesbach

Das Waldviertel ist steinreich ...

Das Waldviertel ist steinreich …

Die Burg Rapottenstein hingegen, unweit des gleichnamigen Ortes, ist dagegen wieder überaus imposant anzusehen. Auch von ihr wird behauptet, niemals durch feindliche Hand eingenommen worden zu sein, und angesichts der mächtigen Mauern nimmt man ihr das auch ab. Ein ausgeklügeltes Verteidigungssystem, bestehend aus fünf Vorhöfen und acht Toren, trug das seine dazu bei. Schon die ersten Blicke auf die Burg sind beeindruckend. Noch beeindruckender wird es, wenn man links um sie herum geht, denn dann bekommt man einen guten Eindruck von der gesamten Anlage. Wie viele andere Burgen auch, wurde sie auf einem soliden und mächtigen Granitsockel aufgebaut.

Imposant wirkt Rapottenstein schon auf den ersten Blick.

Imposant wirkt Rapottenstein schon auf den ersten Blick.

Viele dicke Meter Stein schützen den Burgkern.

Viele dicke Meter Stein schützen den Burgkern.

Blick durchs Schlüsselloch

Blick durchs Schlüsselloch

Auch Rapottenstein ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Schon auf den ersten Metern beeindruckt die wuchtige Konstruktion der meterdicken Mauern. Wirtschaftsgebäude und Naturstein verschmelzen zu einer Einheit. Endlich betritt man den eigentlichen Burgkern durch ein weiteres Steintor und eine Treppenanlage. Der enge Innenhof des mehrstöckigen Wohngebäudes ist hübsch restauriert, trotzdem wurde der rustikale, mittelalterliche Eindruck bewahrt. Ungewöhnlich auch die Wandmalereien, die aus dem 16. Jhdt. stammen. Die Einrichtung ist wie zumeist jüngeren Ursprungs und wirkt daher fast zu modern. Weitaus rustikaler, und entschieden ungemütlicher ist dagegen der Kerker-Trakt, dem man ansieht, dass der Unterschied zwischen Todesstrafe und Verlies nur der Zeitfaktor war.

Erst nach dem Durchschreiten mehrer Burgtore gelangt man in den Wohnbereich.

Erst nach dem Durchschreiten mehrer Burgtore gelangt man in den Wohnbereich.

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Im Mittelalter wurde eben noch solide gebaut.

Im Mittelalter wurde eben noch solide gebaut.

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Wie soll man diesen Verteidigungsring auch knacken?

Wie soll man diesen Verteidigungsring auch knacken?

Endlich im inneren Bereich angekommen.

Endlich im inneren Bereich angekommen.

Die Wandfresken sind etwas Besonderes und nicht auf jeder Burg anzutreffen.

Die Wandfresken sind etwas Besonderes und nicht auf jeder Burg anzutreffen.

Das stille Örtchen von Anno dazumal. Das Häufchen plumpst ins Freie. Alles Gute kommt von oben.

Das stille Örtchen von Anno dazumal. Das Häufchen plumpst ins Freie. Alles Gute kommt von oben.

Der hübsche Burggarten

Der hübsche Burggarten

Spätestens im Verlies ist dann Schluss mit Lustig.

Spätestens im Verlies ist dann Schluss mit Lustig.

 

Nach zwei Burgen in Serie ist mir nun nach etwas Natur. Daher fahre ich Richtung Norden zum Naturpark Schremser Hochmoor, mit dem UnterWasserReich Schrems als Ausgangspunkt. Mehr dazu beim nächsten Mal.

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Eine Antwort auf Wild Wild Waldviertel

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