Der Heldenberg

Es gibt Orte, die eigentlich sehr geschichtsträchtig und von Bedeutung sind, und doch bekommt man von ihnen nicht viel mit. Der Heldenberg ist so ein Ort. Da er im Weinviertel liegt, ist er einer der Sehenswürdigkeiten, die auf einer Übersichtskarte der Top-Ausflugsziele des Weinviertels, die ich bei einer anderen Sehenswürdigkeit eingesteckt hatte, verzeichnet ist. Wie bei vielen anderen geografischen Erhebungen auch, ist der Heldenberg kein richtiger Berg, denn je flacher eine Landschaft, so imposanter nimmt sich selbst die geringste Aufwölbung des Erdreichs im Vergleich dazu aus (man denke nur an das Leithagebirge). Aber Helden verlangen natürlich nach einem Berg. „Heldenhügel“, wie klingt denn das? Die griechischen Götter saßen ja auch auf dem Olymp.

Übersichtsplan über die Anlage "Heldenberg".

Übersichtsplan über die Anlage „Heldenberg“.

Ursprünglich war der Heldenberg ein Ort, an dem die österreichische k&k.-Armee einigen ihrer hervorragendsten Vertretern ein Denkmal gesetzt, oder sie begraben hat (oder beides). So wie dem Feldmarschall Radetzky, der dort nicht nur seine letzte Ruhestätte bekommen hat, sondern dem auch ein besonders monumentales Denkmal gesetzt wurde. Heute befindet sich dort die Radetzky-Gedenkstätte, die auch ein kleines Museum beinhaltet. Da Radetzky 72 Jahre lang der Armee diente, und einige bedeutende Siege errungen hatte, hat er sich das wohl auch verdient. Der Außenbereich dieser Anlage, mit den Heldenbüsten, Säulen und Skulpturen ist tatsächlich sehr imposant.

Radetzky-Gedenkstätte Außenbereich

Radetzky-Gedenkstätte Außenbereich

Büsten bedeutender Personen der k&k. Monarchie.

Büsten bedeutender Personen der k&k. Monarchie.

In hinteren Monument befindet sich Radetzkys Gruft.

In hinteren Monument befindet sich Radetzkys Gruft.

Hinunter geht es zur letzten Ruhestätte des Feldherrn ...

Hinunter geht es zur letzten Ruhestätte des Feldherrn …

... wo man auch auf seinen Sarg trifft.

… wo man auch auf seinen Sarg trifft.

Diese umfangreiche Aufstellung zeigt eine Schlachtszene aus dem Krieg gegen Napoleons Armee 1809 in Aspern.

Diese umfangreiche Aufstellung zeigt eine Schlachtszene aus dem Krieg gegen Napoleons Armee 1809 in Aspern. Beachten Sie die Kirche … sie wird uns weiter hinten noch in der heutigen Form begegnen.

Auch diesen Löwen im Außenbereich der Gedenkstätte werden wir in Aspern noch einmal sehen.

Auch diesen Löwen im Außenbereich der Gedenkstätte werden wir in Aspern noch einmal sehen.

Eng verbunden mit der österreichischen Monarchie ist auch eine zweite Einrichtung vor Ort, nämlich ein Lipizzaner-Gestüt, in dem die berühmten weißen Pferde mehrmals im Jahr abseits der Großstadt Urlaub machen, um sich von den Strapazen und dem Alltag der Spanischen Hofreitschule zu erholen. Natürlich wird auch hier ein wenig geübt, denn wer rastet, der rostet, das kennt man ja. Im Rahmen einer Führung besichtigt man einen Teil der Stallungen und erfährt Wissenswertes über die Lipizzaner, ihren Werdegang und ihr Ausbildungsprogramm (und das ihrer Bereiter). Wer zur richtigen Zeit kommt, kann dem Training der Pferde im Freien beiwohnen. Jedes Pferd verfügt über 40 m2 Wohnfläche und erhält – individuell angepasst – drei Mahlzeiten am Tag. Gar nicht schlecht. Ich überlege bereits, meinen nächsten Urlaub dort zu buchen.

Nach einem kurzen Spaziergang erreicht man das Gestüt.

Nach einem kurzen Spaziergang erreicht man das Gestüt.

Warten auf die Führung. Ohne eine solche kann man die Stallungen nicht betreten.

Warten auf die Führung. Ohne eine solche kann man die Stallungen nicht betreten.

Hier urlaubt Pferd.

Hier urlaubt Pferd.

Nachdem ein Lipizzaner nicht irgendein Gaul ist, gibt es natürlich einen Stammbaum.

Nachdem ein Lipizzaner nicht irgendein Gaul ist, gibt es natürlich einen Stammbaum.

Ja, wo ist er denn ...?

Ja, wo ist er denn …?

Ist Pferd willig, darf Kind auch streicheln. Beruht auf freiwilligkeit des Pferdes!

Ist Pferd willig, darf Kind auch streicheln. Beruht auf Freiwilligkeit des Pferdes!

Aber das ist noch nicht alles. Im selben Gebäude, in dem sich auch das Radetzky-Museum befindet, ist auch eine kleine Ausstellung über neolithische Siedlungen untergebracht. Durch diese gelangt man in einen weiteren Freiluftbereich, in dem die Überreste einer steinzeitlichen Kreisgrabenanlage entdeckt wurden. Da sich diese unter der Erde befinden, hat überirdisch Holzpfosten eingeschlagen, die zeigen sollen, wie eine solche Anlage früher einmal vermutlich ausgesehen hat. Ein Teil des Grabens wurde freigelegt. Daneben stehen einige Häuser, mit denen versucht wird, eine neolithische Siedlung zu rekonstruieren. Mehr darüber erfährt man in der Ausstellung über Stonehenge im MAMUZ in Mistelbach. Der Falkenhof gleich daneben ist eher neuzeitlich und bietet Greifvogel-Flugdarbietungen. Als ich vor Ort war, suchten sie gerade nach einem Falken, der ausgebüxt war (auch unterhaltsam).

Die rekonstruierte Kreisgrabenanlage. So könnte sie ausgesehen haben. Oder auch nicht.

Die rekonstruierte Kreisgrabenanlage. So könnte sie ausgesehen haben. Oder auch nicht.

Neolithisches Dorf.

Neolithisches Dorf.

Aber das ist noch nicht alles. Wer möchte, kann noch das Oldtimer-Museum besuchen, das sich im Eingangsgebäude befindet. Man sieht eine Parade von Autos und einigen Motorrädern unterschiedlicher Jahrgänge und Bauarten. Selbst wenn man sich nicht so sehr für Autos interessiert, kann man sich an den schönen Stücken erfreuen, und manch ein Fahrzeug weckt Erinnerungen an dazumal.

Heldenberg21

Heldenberg22

Heldenberg23

Heldenberg25

Zu guter Letzt gibt es noch einen kleinen englischen Garten.

Englischer Garten

Englischer Garten

Heldenberg20
Übrigens: Die im Radetzky-Museum mit vielen Zinnfiguren so detailgetreu nachgestellte Schlacht bei Aspern und Essling, in der Napoleon die erste militärische Niederlage einstecken musste, weckte meine Neugier auf diesen historischen Ort. Wie sah er wohl heute aus? Die Kirche in Aspern, die so eine entscheidende Rolle in den Ereignissen des 21. und 22. Mai 1809 gespielt hatte, steht noch heute im 22. Wiener Gemeindebezirk. Heldenplatz nennt sich der Ort, ein kleines Museum und ein paar alte Mauern und Grabsteine stammen noch aus jener Zeit. Schon oft war ich vorbei gefahren, ohne Notiz zu nehmen, auch nicht von dem großen steinernen Löwen davor. Doch diesmal kam ich nur deswegen. Inspiriert von den Bildern des Modells, stand vor meinem geistigen Auge der einstige Kriegsschauplatz wieder auf. Hinter jener Mauer hatten sich Napoleons Soldaten verschanzt, um auf die heranrückenden österreichischen und ungarischen Truppen zu feuern. Mehrmals wurde der Ort (ein Friedhof, wie passend) von diesen und jenen eingenommen, bis es Erzherzog Karl endgültig gelang, Napoleons Armee zurückzuschlagen. Auch dem Schüttkasten, einem weiteren Schauplatz jener Schlacht in Essling, stattete ich einen Besuch ab. Auch er ist heute ein Museum, das ich leider nicht besuchen konnte, weil nur sonntags von 10 – 12 Uhr geöffnet (trifft auch auf das Asperner Museum zu). Doch das hole ich nach.

Das ehemalige Schlachtfeld ist heute eine ruhige Wohngegend.

Das ehemalige Schlachtfeld ist heute eine ruhige Wohngegend.

Aspern01b

Das ist die Kirche, die damals so heiß umkämpft war. Davor das Löwen-Denkmal.

Das ist die Kirche, die damals so heiß umkämpft war. Davor das Löwen-Denkmal.

Ein Teil der Mauern und einige alte Grabsteine (zur Zeit leider eingepackt) sind von früher erhalten geblieben.

Ein Teil der Mauern und einige alte Grabsteine (zur Zeit leider eingepackt) sind von früher erhalten geblieben.

Das kleine Museum. das an die Schlacht erinnert. Die ehemalige Kapelle stand schon damals dort.

Das kleine Museum. das an die Schlacht erinnert. Die ehemalige Kapelle stand schon damals dort.

Gedenkstein

Gedenkstein

Hinter dieser Mauer standen einst französische Soldaten. Heute spielen hier Kinder.

Hinter dieser Mauer standen einst französische Soldaten. Heute spielen hier Kinder.

Aspern03

Der Schüttkasten in Essling. Er war von strategischer Bedeutung, weil Soldaten im Inneren gute Deckung fanden.

Der Schüttkasten in Essling. Er war von strategischer Bedeutung, weil Soldaten im Inneren gute Deckung fanden.

Der Schüttkasten ist heute ein Museum.

Der Schüttkasten ist heute ein Museum.

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailby feather
Facebooktwitteryoutubeinstagramflickrby feather
Dieser Beitrag wurde unter Persönliches abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.