Volunteering in Südkorea

Ich hatte es im letzten Korea-Beitrag versprochen: einen kurzen Bericht über die eine Woche, die ich in Südkorea an einem SCI-Workcamp teilgenommen habe. Es war eine spontane Entscheidung gewesen, ich schaute einfach auf die Webseite des SCI Österreich, und fand, wonach ich suchte. Ich kontaktierte den SCI Südkorea und man erlaubte mir, auch kurzfristig an diesem internationalen Workcamp teilzunehmen. Es kostete sogar nur 50 Euro. Es war allerdings nicht mein erstes SCI-Camp, denn ich hatte bereits an solchen in Thailand teilgenommen (in Summe 4 Wochen).

Ich kam zu einer Adresse in Seoul (schwierig genug zu finden) und fuhr mit den anderen Teilnehmern per Bus zur Insel Ganghwado. Die Mehrheit waren koreanische Jugendliche, daneben eine größere Gruppe chinesischer Studenten einer internationalen Uni, zwei Ungarn und ich. Die Unterhaltung mit den Koreanern war zu Beginn etwas schwierig, denn zum einen zeigten sie sich eher schüchtern, was angesichts ihrer Englischfertigkeiten nicht weiter verwunderte. Im Laufe der Woche tauten sie aber zunehmends auf, was ein gutes Beispiel dafür liefert, dass solche Veranstaltungen im wahrsten Sinne des Wortes zur Völkerverständigung beitragen.

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Unser Campus war eine ländliche Volksschule, wo unsere Arbeit darin bestand, aus den Gesteinsbrocken, die ein Schaufelbagger aus der Erde grub, ein paar terrassierte Beete anzulegen. Es war harte Arbeit, machte aber Spaß. Nachdem die Arbeit erst einmal organisiert war, und alle wussten, was zu tun war, konnte sich das Ergebnis durchaus sehen lassen. Wie viel in Südkorea Fleiß und Einsatz zählen, merkte ich, als eine Koreanerin zu mir sagte: „You look good, ‚cause you work hard.“
Wir schliefen auf Matten am Boden, und stellten uns zum Duschen und Essen ausfassen artig an. Für unser leibliches Wohl war in Form einer Köchin gesorgt. Sie nahmen diesbezüglich sogar auf uns Nicht-Koreaner Rücksicht, denn es wurde nicht überscharf gekocht. Kimchi gab es jedoch, denn wir waren in Korea, verdammt noch mal.

Unsere Volksschule am Rande des Reisfelds.

Unsere Volksschule am Rande des Reisfelds.

Kantine und Wäschetrockner.

Unsere bescheidene Kantine. Gegessen wird am Boden.

Neben den Arbeitseinheiten blieb aber auch genügend Zeit für gemeinsame Aktivitäten wie Ausflüge, Filmabende und soziale Aktivitäten. So sahen wir einen Film, in dem ein paar süd- und nordkoreanische Soldaten während des Koreakriegs in einem kleinen Dorf aufeinandertreffen und sich erst einmal feindselig gegenüberstehen. Mit der Zeit finden sie aufgrund der beengten Verhältnisse zueinander und helfen den Dorfbewohnern bei der Ernte. Als das Dorf von den Kriegsereignissen bedroht wird, verteidigen sie es unter Einsatz ihres Lebens. Es war ein Film, wie man ihn sonst wohl nicht zu sehen bekommt. Ein ander Mal brachte ich ihnen bei, wie man Walzer tanzt. Auch Gesellschaftsspiele durften nicht fehlen, wobei koreanische Gesellschaftsspiele (die normalerweise eher als Vorwand dienen, um Alkohol zu konsumieren) an Trivialität kaum zu überbieten sind. Kaum zu glauben, dass sie bei diesen simplen Aufgaben wiederholt aufs Glatteis geführt wurden.

Wir lernen Koreanisch. Was für ein Spaß! (für die Koreaner)

Wir lernen Koreanisch. Was für ein Spaß! (für die Koreaner; so schwer ist die Aussprache aber gar nicht)

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Besonders schön waren die gemeinsamen Ausflüge auf der Insel. Einmal ging es zu einem buddhistischen Kloster, ein ander Mal zu einem Fort oder einem Schlammstrand, wo der Schlamm besonders gesundheitsfördernd sein soll. Auf jeden Fall förderte er die Waschmittelindustrie, denn die meisten kamen gut eingegatscht zurück zum Bus. Da hieß es, „Bitte duschen!“. Zum Glück gab es solche vor Ort.

Eine Fähre bringt uns auf eine kleinere, benachbarte Insel.

Eine Fähre bringt uns auf eine kleinere, benachbarte Insel.

Dort gibt es einen schönen Tempel.

Dort gibt es einen schönen Tempel.

... mit einer monumentalen Buddha-Figur, die in den Fels gemeißelt wurde.

… mit einer monumentalen Buddha-Figur, die in den Fels gemeißelt wurde.

Schlammcatchen am Strand. Und das alles für die Gesundheit.

Schlammcatchen am Strand. Und das alles für die Gesundheit.

Besichtigung eines historischen Forts am Meer.

Besichtigung eines historischen Forts am Meer.

Am letzten Tag des Camps gab es noch eine Party, in der unsere koreanischen Freunde ihre Liebe zu albernen Trinkspielen zum Ausdruck brachten. Innerhalb nur einer Woche waren wir tatsächlich zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Als wir am nächsten Morgen unsere Zelte abbrachen, lag eine gewisse Schwermut in der Luft. Die meisten waren mir wirklich ans Herz gewachsen. Es war einmal mehr ein sehr nettes Camp gewesen, und ich kann jedem, der ein Land einmal abseits der konventionellen Wege kennenlernen möchte, ein solches Workcamp nur empfehlen. Es war immer eine tolle Erfahrung.

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