Ruine Landsee: eine der größten Burgruinen Mitteleuropas

Um nicht übergroße Erwartungen zu wecken: es handelt sich immer noch um eine Ruine, und als solche kann sie es mit einer restaurierten Burg wie Forchtenstein nicht aufnehmen. Sie ist auch nicht so spektakulär gelegen wie die Ruine Aggstein in der Wachau. Aber sie ist eine große Ruine. Eingebettet in eine idyllische Hügellandschaft im mittleren Burgenland. Eine verträumte Ortschaft hier, eine andere dort, die Burg auf dem Hügel – wo sonst? Dieses Muster kennt man ja. Vielleicht hätte man probehalber einmal eine Burg in eine Geländesenke bauen sollen, in der Hoffnung, der Feind übersieht sie. Immerhin würden alle Burgangreifer stets den Blick in die Höhe richten, denn dort stehen die Burgen. Stünde der Feind dann überraschend fünf Meter vor den Burgmauern, so wäre er in seiner Verwirrtheit eine leichte Beute. Aber dies war im damaligen Konzept einfach nicht vorgesehen. Spazierte der stolze Burgherr in spe in eine Musterburgsiedlung eines großen Immobilienmaklers, so hätte er kein ebenerdiges Modell vorgefunden. Ein schöner Hügel musste es sein, besser noch, ein Felsen, schroff in die Höhe ragend, inmitten einer flachen Umgebung. Dort musste eine Burg stehen. Na gut, dachte sich der Erbauer von Landsee, dann eben auf einem Hügel. Glücklicherweise gab es da mehrere rund um das kleine Landsee. Der höchste war der Klosterberg mit 745 m Seehöhe. Der zweithöchste der Heidriegel mit 659 m. Und dann? Ein dritter mit rund 630 m Höhe nur unwesentlich niedriger. Und für diesen entschied sich unser künftiger Burgherr, noch immer nicht völlig überzeugt davon, dass die Burg immer am exponiertesten Punkt stehen muss. Doch die Rundumsicht war ausgezeichnet. Zwar musste man zuerst einen hohen Wachturm bauen, aber solche gab es zur Genüge in unserer Mustersiedlung. Und der Bau konnte beginnen.

Österreichkarte 1: 50.000

Österreichkarte 1: 50.000

Schon von weitem ragt der Wachturm über die Bäume.

Schon von weitem ragt der Wachturm über die Bäume.

Vier Befestigungsringe wurden aufgezogen, fein säuberlich durch Burgtore, Gräben und Zugbrücken getrennt. Irgendwie muss man schließlich die Infrastruktur schaffen, dem Feind heißes Pech über den Kopf zu schütten (ob daher der Ausdruck „Pech gehabt“ kommt?) oder ihn mit Armbrustbolzen zu durchlöchern. Diese Architektur ist immer noch sichtbar, auch wenn die Wände so löchrig geworden sind, dass sie die Schlümpfe erstürmt hätten. Heute steht die Ruine für diverse Veranstaltungen zur Verfügung, Sie könnten sie also auch für ein Ritterturnier mieten. Vorausgesetzt, Sie bringen die Ritter, Pferde und die anderen Utensilien selbst mit. Stehen Ihnen nur echte Waffen zur Verfügung, so nehmen Sie eben diese. Sie täten aber in diesem Fall gut daran, die Teilnehmer darüber zu informieren, dass es sich um keine Bühnenrequisiten handelt. Wobei – im Mittelalter war man ja auch nicht gerade zimperlich.

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Das mehrstöckige Wohngebäude war ungemein hoch für eine Burg.

Das mehrstöckige Wohngebäude war von beeindruckender Höhe.

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Von Landsee aus sind es gerade einmal zehn Minuten zu Fuß. Mit dem Auto erreicht man den Parkplatz vor der Burg über eine kurze Schotterstraße. Der Eintritt ist mit 3,50 Euro bescheiden. Wer von Norden (also zB. von Wien) kommt, sollte ab Wiener Neustadt zumindest auf einer Teilstrecke durch das Hügelland fahren, das sich südöstlich der Bezirkshauptstadt erstreckt. Auf Landesstraßen geht es durch eine wellige, idyllische Landschaft mit teils großartigen Aussichten. Auch der Blick von der Ruine selbst ist den Aufstieg auf den Wachturm wert. Auch überblickt man den Großteil der Wanderung zwischen Landsee und Neudorf, der auf mehreren Internetseiten vorgestellt wird. Im Sommer besteht auch die Möglichkeit, im Badesee bei Kobersdorf ein wenig zu plantschen.

Oben am Aussichtsturm angelangt.

Oben am Aussichtsturm angelangt.

Blick über die umgebende Landschaft.

Blick über die umgebende Landschaft.

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Wer danach noch nicht genügend Mauerreste gesehen hat, oder einfach nur eine echte  Hardcore-Ruine mitnehmen möchte, der könnte noch den kurzen Aufstieg zum verfallenen Kamaldulenser-Kloster auf dem Klosterberg (siehe Kartenbild) auf sich nehmen, der von der Hauptstraße in Landsee aus ausgeschildert ist. Zuerst geht es auf einer Forststraße ca. 10-15 Minuten in den Wald hinein, bis bei einer kleinen Kapelle ein kleiner, unmarkierter Fußweg fünf Minuten den Hügel bergan führt. Viel steht von dem Kloster nicht mehr, im Prinzip ist es nur noch eine verfallende Mauer, aber auf diese passt die Bezeichnung „Ruine“ vortrefflich. Was die Ausmaße der Anlage betrifft, ist Fantasie gefragt. Soferne Sie aber kein reinkarnierter Kamaldulenser-Mönch sind, dürfte es Ihnen schwer fallen, die Vergangenheit vor dem geistigen Auge wiederauferstehen zu lassen.

Außer dieser Mauer gibt es beim ehemaligen Kloster nicht viel zu sehen.

Außer dieser Mauer gibt es beim ehemaligen Kloster nicht viel zu sehen.

Wer genügend Zeit mitbringt, könnte auch der Burg Forchtenstein oder der Burg Lockenhaus einen Besuch abstatten. Schließlich kommt der Name „Burgenland“ nicht von ungefähr. Möchten Sie einen See, dann fahren Sie nicht nach Landsee, sondern zum Neusiedlersee. Oder unternehmen Sie einen Abstecher zu den ungarischen Nachbarn, zB. nach Györ. Oder … Machen Sie am besten, was Sie wollen, aber fahren Sie hin!

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2 Antworten auf Ruine Landsee: eine der größten Burgruinen Mitteleuropas

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