Devin: Burgruine und Ribisel

Stimmt. Ich war bereits einmal in Devin. Vergangenen Juni, um genau zu sein. Wobei Devin im Prinzip nur ein „Nebenprodukt“ war. Im Mittelpunkt stand die Fahrt mit dem Twin City Liner, der mehrmals täglich auf der Strecke Wien – Bratislava fährt. Dann besuchten wir die Burg Bratislava und machten einen Abstecher entlang der March zum kleinen Ort Devin, der für seine imposante Burgruine bekannt ist, welche auf einem schroffen Felsen thront. Am Ende verkosteten wir noch den hervorragenden Ribiselwein, für den dieses Gebiet berühmt ist. Doch eines blieb unerledigt. Gleich vis-a-vis ragt ein Hügelzug ganze 514 m in die Höhe: das Devinska Kobyla Naturreservat, das ein Pendant zum auf der österreichischen Seite gelegenen Braunsberg darstellt. Beide „Berge“ beherbergen eine typische Trockenflora und -fauna, und gehören geografisch gesehen schon zu den Kleinen Karpaten. Doch während ich den Braunsberg bereits zwei Mal ohne Sauerstoff-Flasche und Sherpas bezwungen habe (einmal davon sogar im Alleingang), rief der Thebener Kogel immer noch nach mir. Und so schenkte ich ihm Gehör und kam, sah und – wanderte.

Der Ort Devin am Fuße des Thebener Kogels (Devinska Kobyla).

Der Ort Devin am Fuße des Thebener Kogels (Devinska Kobyla).

Im Schlepptau die Familie. Die Burg wurde noch einmal besucht, denn sie gehört einfach besucht. Diesmal fand sogar ein Mittelalterfest statt, das per Lautsprecher sogar noch auf dem Kogel selbst nicht zu überhören war. So viel zu authentischer Folklore. Die Temperatur bewegte sich mit 35 Grad Celsius auf gehobenem Niveau, und wir uns von Schatten zu Schatten, um nicht aufgrund übermäßiger Dehydrierung als Gerippe den Burgkerker zu zieren. An so einem Tag wäre so mancher Ritter in seiner Rüstung dampfgegart worden. Praktischer Weise hatten die Burgherrn an alles gedacht und einen kleinen Wasserspender aufgestellt. Der eigentliche Burgbrunnen wäre auch viel zu tief gewesen, wobei wir vor der Wahl standen, zu verdursten oder abzustürzen mit anschließendem Ersäufnis.

Burgruine Theben (Hrad Devin)

Burgruine Theben (Hrad Devin). Im Hintergrund der Thebener Kogel.

Blick von der Ruine über Donau und March-Mündung.

Blick von der Ruine über Donau und March-Mündung.

Doch nun zur Wanderung. Auf dem großen Parkplatz vor der Burg, auf dem die alten Rittersleut‘ ihre Turnierpferde abstellten, fand ich eine große Wanderkarte vor, auf der die einzelnen markierten Wanderrouten übersichtlich dargestellt wurden (zur besseren Illustration verweise ich auf das nächste Bild). Da ich schon seit jeher zu Höherem berufen bin, lag die Route auf der Hand: 300 Höhenmeter hinauf auf den Devinska Kobyla (über Úzky les, rot markiert), über Bocná cesta und weiter grün markiert hinunter nach Rovicna, und anschließend gelb markiert zum Sandberg, einer geologischen Besonderheit um Devin, ja sogar der ganzen Slowakei. Danach auf dem blauen Weg zurück zum Parkplatz. Laut Zeitangaben sollte die gesamte Runde in etwa drei Stunden betragen (reine Gehzeit), und das war auch an einem heißen Sommertag zumutbar. Schließlich trugen wir keine Ritterrüstung.

MArkierte Route. Die angegebenen Wegzeiten sind gut geschätzt.

Markierte Route. Die angegebenen Wegzeiten sind gut geschätzt.

Von Beginn weg war der gesamte Weg vorbildlich markiert und ausgeschildert. Auf schönen Pfaden ging es bergan, und als wir am Aussichtspunkt Devinska Kobyla endlich Rast machten, hatten wir (also ich – meine Frau verliert ja ohnehin keinen Schweißtropfen) bereits ordentlich Flüssigkeit transpiriert. Im Schatten eines Baumes ließen wir uns erschöpft nieder, die mäandernde Donau im Hintergrund. Wer rastet, der rostet, aber es schlief sich auch gut. So gut, dass wir erst eine Stunde später wieder aufstanden und weiter torkelten. Gut, dass es nun Richtung Rovicna stetig bergab ging.

Der rot markierte Weg führt links an der Kirche vorbei.

Der rot markierte Weg führt links an der Kirche vorbei.

Landschaftlich schöne, aber gehtechnisch unschwierige Wege führen den Berg hinauf.

Landschaftlich schöne, aber gehtechnisch unschwierige Wege führen den Berg hinauf.

Aussichtspunkt "Devinska Kobyla". Im Hintergrund die Donau.

Aussichtspunkt „Devinska Kobyla“. Im Hintergrund die Donau.

Schattige Waldwege hinunter nach Rovnica.

Schattige Waldwege hinunter nach Rovnica.

Trockenvegetation oberhalb des Sandbergs. Hier verläuft auch der gelb markierte Weg.

Trockenvegetation oberhalb des Sandbergs. Hier verläuft auch der gelb markierte Weg.

Der Sandberg. Ihn wollte ich sehen, er war der Grund (neben meinem unbändigen Bewegungsdrang), die Tour bis weit in den Nordwesten (also, so ca. 3 km) auszudehnen. Ab Rovicna war der Sandberg auf gelbem Pfade ausgeschildert, und kurze Zeit später erreichten wir diese Kuriosität. Eine harte, mehrhöckerige, goldgelbe Sanddüne, die in der sie umgebenden Landschaft ein wenig verloren wirkt, so als würde man einen Eislaufplatz in der Sahara zurücklassen, worauf sich dieser im Laufe der Jahrtausende denkt, „Was, bitteschön, mach‘ ich hier?“. Vermisst er den Rest der Kleinen Karpaten? Wir werden es nie erfahren. Er ist es aber wert, am Rande des Diliriums durch die Trockensteppe zu stapfen.

Der Sandberg.

Der Sandberg.

Vom Sandberg kann man für den Rückweg zum Burg-Parkplatz aus zwei Möglichkeiten wählen. Der blau markierte Weg verläuft im wesentlichen waagrecht am Fuße des Kogels, mit schönen Ausblicken auf die Burgruine und die Marchlandschaft. Erst ganz zum Schluss führt er hinab nach Devin. Alternativ bietet sich der gelb markierte Weg an, der etwas höher verläuft und stärker der Sonne ausgesetzt ist. An diesem Tag aber war die Entscheidung klar, schließlich wollten wir nicht als geröstete Kaffeebohnen zurückkehren. Schön sind sie alle (ich meine die Wege; die Kaffeebohnen wohl nur, wenn man Kaffeebohnen-Fetischist ist).

Blick Richtung Devin über die Marchauen.

Blick Richtung Devin über die Marchauen. Ganz im Hintergrund die Burg.

Netter Fußweg (blau) zurück nach Devin.

Netter Fußweg (blau) zurück nach Devin.

Blick über Devin und die Burg.

Blick über Devin und die Burg. Im Hintergrund fließt die Donau vorbei.

Die imposante Burgruine Devin in Großaufnahme.

Die imposante Burgruine Devin in Großaufnahme.

Zurück beim Auto angelangt, blieb nur mehr folgendes zu tun (und zwar in dieser Reihenfolge):

  • Sofortiges Rehydrieren mit einem Krügel Budweiser;
  • Erwerb zweier Flaschen Ribiselwein (Degustation möglich);
  • Rückfahrt nach Hause (der Fahrer verzichtet am besten auf die Degustation);

In Summe ergab das einen ausgefüllten Tagesausflug (wer mehr oder ausschließlich dem Wein zuspricht, wird eher an einen abgefüllten Tagesausflug zurückdenken – sofern er sich erinnert).

Verschiedene Sorten Ribiselwein stehen zum Verkosten - und Kaufen - bereit.

Verschiedene Sorten Ribiselwein stehen zum Verkosten – und Kaufen – bereit.

(Ein kleiner Tipp noch für alle Autofahrer: die Autobahn-Vignette kostet in der Slowakei 10 Euro für 10 Tage. Für die Fahrt nach Devin kann man sie sich aber ersparen, wenn man von der A4 bei Kittsee abfährt und über Berg über die Grenze fährt, und in Bratislava geradewegs über die Brücke fährt, ohne auf die Autobahn aufzufahren (Navi entsprechend programmieren), und dann der Straße der March entlang nach Devin folgt (angeschrieben). Der Zeitverlust ist gering, denn es geht über gute Landstraßen dahin.)

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2 Antworten auf Devin: Burgruine und Ribisel

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