Ich reise alleine

Thomas möchte an den Strand, Sabine den ganzen Tag in der Stadt herumlaufen und ein bisschen shoppen, und Georg lieber in den Nationalpark, der ganz in der Nähe liegt. Der eine plant gerne und wird ungeduldig, wenn die anderen herumtrödeln, der andere lässt sich den ganzen Tag treiben und findet nichts dabei, die anderen auch mal eine halbe Stunde warten zu lassen. Diskussionen über Diskussionen. Solche Szenen kennt jeder, der in der Gruppe verreist. Ich kenne sie auch, und das ist einer der Gründe, warum ich mittlerweile am liebsten alleine unterwegs bin. Zugegeben, es gibt Situationen, da ist es praktischer (Quartiersuche), billiger (Kosten teilen) oder auch lustiger, in Begleitung zu reisen. Doch die Summe aller Kompromisse, die mich von meinem Traumurlaub entfernen, sind das nicht wert. Diesen „Flow on the road“ finde ich nur alleine, er macht das Reisen auch zu einer Selbstfindung und einem spirituellen Erlebnis. Ein anderer Grund ist das Abstimmen von Zeitraum und Reiseziel, das mitunter sehr mühsam sein kann. Hat man einen reiselustigen Partner, der ähnliche Interessen hat (und wenn beide es aushalten, einen Tag auch mal was alleine zu unternehmen), dann hat man Glück.

Angefangen hat mein Alleinereisen in einer Lebensphase, in der mir zum einen ein solcher Partner fehlte, und zum anderen ein guter Freund, mit dem ich zusammen nach Thailand wollte, mir anlässlich der neuen Freundin kurzfristig absagte (was ich gut verstehen konnte). Andere Freunde wollten oder konnten nicht zum gleichen Zeitpunkt Urlaub machen oder hatten bereits andere Pläne. Was war also die Alternative? Gar nicht verreisen? Oder es einmal auf eigene Faust versuchen? Ich entschied mich für letzteres.

Da ich weiterhin nach Thailand wollte, zuvor aber noch nie in Asien gewesen war, suchte ich nach einem sanften Einstieg, um das erste Mal alleine und auch noch auf einem mir völlig fremden Kontinent Urlaub zu machen. Was ich fand, war Volunteering. Im Wiener Büro des SCI (Service Civil International) knüpfte ich erste Kontakte und entschied mich für ein Projekt der thailändischen NGO Greenway, in dem ich im Süden des Landes an kleinen ländlichen Schulen zwei Wochen lang Englisch unterrichten sollte (Hier geht’s zum Bericht in Englisch). Die restlichen beiden Wochen des insgesamt einmonatigen Aufenthalts wollte ich dann alleine verbringen. Zu diesem Zeitpunkt sollte ich mich bereits soweit an Land und Leute gewöhnt haben, dass das Reisen auf eigene Faust kein Problem darstellen sollte. Soweit der Plan.

Volunteering im English Teaching Camp in Thailand.

Volunteering im English Teaching Camp in Thailand.

Was soll ich sagen? Es wurde ein voller Erfolg. Die Freiwilligenarbeit erfolgte in einer netten, international bunt zusammengewürfelten Gruppe Menschen unterschiedlichen Alters, machte sehr viel Spaß, ließ mich das Land auf eine Art und Weise kennenlernen, die mich sofort hineinzog und bei mir nie das Gefühl aufkommen ließ, ich wäre Tourist. Als solcher fühlte ich mich erst, als ich das Camp verließ. Dann allerdings voller Selbstvertrauen, auch auf eigene Faust zurecht zu kommen. Die verbleibenden zwei Wochen verbrachte ich auf Ko Phi Phi (dort noch mit der gesamten Freiwilligen-Gruppe), Chiang Mai, Sukothai und zu guter Letzt Bangkok. In diese Riesen-Metropole wagte ich mich erst ganz am Schluss, aber selbst das gestaltete sich als problemlos, als ich erst einmal vor Ort war. Zu Tode gefürchtet, ist auch gestorben.

In den darauf folgenden Jahren habe ich eine Vielzahl anderer asiatischer Länder alleine bereist, oft für mehrere Wochen oder gar Monate. In Kürze geht es nach Bulgarien und Rumänien. Obwohl ich nicht mehr Single bin, ergibt sich aus familiären Gründen immer wieder die Gelegenheit, ein oder zwei Wochen alleine unterwegs zu sein. Aus der Not ist eine Tugend geworden, die ich nicht mehr missen möchte. Ja, es kostet immer noch etwas Überwindung, den Rucksack zu packen und alleine in die Fremde zu ziehen, doch einmal angekommen, ergibt sich jeder Schritt aus dem vorhergehenden, und ich fühle mich pudelwohl. Meist entstehen Unsicherheit und Ängste noch zu Hause, wenn man sich das Unbekannte vorzustellen versucht, was naturgemäß nicht möglich ist. Doch ist man einmal im Reiseland angekommen, fügen sich die Puzzleteile auf einfache Weise zusammen. Erst durch das Verlassen der eigenen Komfortzone entwickelt man sich weiter. Sie waren noch nicht alleine fort? Worauf warten Sie noch?

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade “Warum du alleine Reisen solltest!“

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