Casino Urlaub: Rien ne va plus!

Haben Sie Percy Jackson gelesen (oder gesehen)? Sie wissen schon, der amerikanische Teenager, der ein Halbgott ist, weil sein Daddy der griechische Meeresgott Poseidon ist. Im ersten Teil der fünfteiligen Buchreihe landen er und seine Begleiter im Lotus Casino in Las Vegas, auf der Suche nach einer magischen Perle, mit derer Hilfe sie die Unterwelt des Hades verlassen können. Sie finden sie schlussendlich in Form einer grünlich schillernden Roulettekugel an einem der Spieltische. Was ihren Aufenthalt bemerkenswert macht, sind die rosa Lotusblüten, die man ihnen andauernd als Dessert reicht. Sie lassen sie die Zeit und ihren Auftrag vergessen, und nur mit Mühe gelingt es ihnen, den Spieltempel wieder zu verlassen. So könnte ein (unfreiwilliger) Casino-Urlaub aussehen.

Es geht aber auch anders. Das letzte Wochenende verbrachte ich auf Einladung der Casinos Austria in Bregenz, wo unter anderem ein Besuch des Casino Bregenz am Programm stand. Es war mein erster Besuch eines solchen, denn ich bin nicht gerade der Prototyp eines Spielers. Wetten, Zocken, Gambeln … das juckt mich nicht. Dieses Gen ist in meiner DNA nicht enthalten. Dennoch war ich neugierig auf dieses Erlebnis. Ein Casino umweht der Hauch des Verruchten, Elitären. Ein Ort, an dem an einem einzigen Abend Existenzen zerstört und gelegentlich ein Millionär geboren werden. Glücksspiel wirkte immer schon wie eine Droge, in allen Kulturen, in allen Schichten. Doch entspricht dies auch der Realität? Ist das die Zielgruppe, die angesprochen wird?

Das Hotel Mercure Bregenz City liegt gleich neben dem Casino und der Seebühne.

Das Hotel Mercure Bregenz City liegt gleich neben dem Casino und der Seebühne.

Es begann ganz unspektakulär mit einem (ausgezeichneten) Essen im Casino-Restaurant. Praktischerweise mussten wir nur aus unserem Hotel Mercure Bregenz City hinaus- und fünf Meter schräg vis-a-vis ins Casino-Foyer hineinfallen. Diese räumliche Nähe ist bequem und kommt nicht von ungefähr, denn längst arbeiten Casinos mit Partnerhotels zusammen, um dem Gast ein attraktives Paket aus Entertainment, Unterkunft und Sightseeing anbieten zu können. Diese Initiative der Casinos Austria nennt sich Casino Urlaub. So ist der Besuch des Casinos (derer es ingesamt zwölf in Österreich gibt) ein Programmpunkt unter mehreren, so wie man ein ander Mal ins Theater und dann wieder zu einem Konzert geht. Hier in Bregenz muss man nicht lange suchen, um ein weites Betätigungsfeld zu finden. Die Stadt mit rund 30.000 Einwohnern liegt am riesigen Bodensee, der drei Länder (Österreich, Deutschland und die Schweiz) verbindet. Vor ihren Toren beginnt mit dem Pfänder – dem Hausberg, auf dessen Gipfel eine Seilbahn hinauf führt – eine imposante Bergwelt. Und eine Reihe von kulturellen Angeboten findet man in der Stadt.

Im Casino-Restaurant stärkt man sich für den Spiele-Abend.

Im Casino-Restaurant stärkt man sich für den Spiele-Abend.

Nach dem gepflegten, viergängigen Dinner erhielten wir vom Croupier eine kurze Einführung in Amerikanisches Roulette. Wie wir alle wissen (oder zumindest die meisten von uns, selbst wenn sie nicht regelmäßig spielen), setzt man auf Zahlen von 1 bis 36, die abwechselnd auf roten und schwarzen Feldern liegen. Man setzt also auf ganze Zahlen, Zahlenquartette, Zahlenkolonnen oder Zahlenbänke zu sechs, gleichzeitig auch auf gerade/ungerade Zahlen oder eben rot/schwarz (rouge/noir). Jede dieser Optionen vervielfacht den Einsatz unterschiedlich. Setzen kann man beliebig viele Jetons, zumindest solange, bis es heißt, „gut, aber aus“. Dann versetzt der Croupier Karussel und Kugel in gegenläufige Umdrehung und beendet mit dem berühmten Ausspruch „Rien ne va plus!“ den Wetteinsatz. Gebannt verfolgen die Augenpaare der Spieler die rollende Kugel, bis sie endlich auf einem der Felder zu liegen kommt. Dann beginnt die große Abrechnung. Hat man nach der Spielrunde mehr Jetons als vorher, dann ist man ein Sieger. So einfach ist das.

Wir spielten ein paar Übungsrunden, um ein Gefühl für das Setzen zu bekommen, und irgendwie ging meine Anfängerstrategie auf, denn am Ende hatte ich die meisten Jetons vor mir liegen (mit Ausnahme des Croupiers, natürlich, aber der zählte nicht). Stolz nahm ich den Hauptpreis entgegen – eine Kochschürze nebst Kochlöffel. So richtig reich war ich also noch nicht. Mit den Spieljetons im Wert von 25 Euro, die jeder Teilnehmer zu Beginn erhalten hatte, begann nun der Ernst des Lebens. Wir hatten die Wahl zwischen Roulette, Black Jack, Poker, den Spielautomaten und einigen anderen Optionen, doch ich blieb beim Roulette. Ich blieb meiner Erfolgsstrategie treu, was so viel hieß, wie drei Sechserbanken zu spielen, und daneben auf eine Farbe (meist rot) und ungerade zu setzen. Und siehe da, nach ein paar Runden hatte ich meine 25 Euro zu runden 70 gemacht.

Beim Amerikanischen Roulette. Das Fotografieren ist an den Spieltischen untersagt. Hierbei handelt es sich um gestellte Aufnahmen.

Beim Amerikanischen Roulette. Das Fotografieren ist an den Spieltischen untersagt. Hierbei handelt es sich um eine gestellte Aufnahme.

An dieser Stelle hätte ich nun in einen Spielrausch fallen müssen, mit steigenden Einsätzen, bis ich am Ende sogar meinen Wagen und meine Frau verspielt hatte, doch wie bereits eingangs erwähnt, bin ich kein Spieler. Wie ein Lulu, der bei der Millionenshow schon nach der 1000 Euro – Frage das Geld nimmt und geht, ging ich zur Spielbank, um mir den unerwarteten Gewinn auszahlen zu lassen. Dass mir meine Frau ein Weiterspielen gar nicht erst erlaubt hätte, klingt da wie eine lahme Ausrede. Trotzdem spürte ich für einen Moment diese gewisse Euphorie, dieses Verlangen, weiterzuspielen, um den Gewinn weiter in die Höhe zu treiben.

Nicht weiter zu spielen, kostete mich keine Überwindung, aber was passiert mit Personen, denen es nicht so leicht fällt, selbst wenn sie bereits deutlich verloren haben? Im Foyer fiel mir ein Flyer mit dem Titel „Spiele mit Verantwortung“ in die Hände, in dem der Gast Tipps und Informationen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Spielen erhält. Schließlich soll es eine harmlose Unterhaltung bleiben, denn bankrotte Gäste kommen meist nicht wieder. Laut Auskunft seitens des Casinos überprüft man bei größeren Verlusten die Bonität des Gastes, um existenzbedrohenden Verlusten rechtzeitig vorzubeugen. Klarerweise kümmert es niemanden, wenn Milliardär Bill Gates ein paar Tausender verspielt. Bei mir wäre das wohl anders. Desweiteren gibt es ein Alterslimit, das bei achtzehn Jahren liegt, und ohne amtlichen Lichtbildausweis erhält man keinen Zutritt.

Spielautomaten gehören zu den Klassikern im Casino (gestellte Aufnahme).

Spielautomaten gehören zu den Klassikern im Casino (gestellte Aufnahme).

Mein Résumé zu diesem Abend: Es hat durchaus Spaß gemacht, und wenn man sich ein vernünftiges Limit setzt, dann ist es ein amüsanter Abend mit Unterhaltung und kulinarischen Genüssen, vor allem in netter Begleitung. Schließlich hat eine Opernkarte oder ein Aufenthalt in einem Wellness-Spa auch einen Preis. Wer allerdings Probleme hat, sich zu zügeln, oder bekanntermaßen ein großes Suchtpotential mitbringt, sollte Orte wie diesen besser meiden.

Was man in Bregenz sonst noch anstellen kann, darüber berichte ich in meinem nächsten Blogpost.


Ähnliche Artikel:

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailby feather
Facebooktwitteryoutubeinstagramflickrby feather
Dieser Beitrag wurde unter Persönliches abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.