Auenreservat Marchegg: Hier klappert der Storch

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, den Großteil der Donauauen zwischen Wien und Hainburg gesehen und viele Stunden in diesem dichten Grün verbracht zu haben, sei es zu Fuß oder mit dem Rad. Daher dachte ich vor meinem Besuch des WWF Auenreservat Marchegg, es „nur“ mit einem weiteren Stück Au zu tun zu haben. Doch ich wurde in jeder Hinsicht positiv überrascht. Die Wege sind mit Bedacht ausgewählt, unschwierig zu gehen und gelegentlich – an besonders schönen Wasserabschnitten – mit Aussichtshütten- und Plattformen garniert. Landschaftlich ist dieses Gebiet an der March, die die Grenze zwischen Österreich und der Slowakei markiert, wunderschön, vor allem, wenn das Wetter mitspielt. Es ist ein Mix aus idyllischen March-Altarmen, offenen Wiesen und schattigen Waldpassagen. Und als Sahnehäubchen kann man direkt hinter dem Schloss Marchegg Mitteleuropas größte auf Bäumen nistende Storchenkolonie beobachten.

Storchenhorst hoch droben in den Baumwipfeln. Viele davon sind von einer Aussichtsplattform sichtbar.

Storchenhorst hoch droben in den Baumwipfeln. Viele davon kann man von einer Aussichtsplattform beobachten.

Man muss nur den richtigen Zeitpunkt beachten. Im März kommen die ersten Störche nach Österreich, ab Mai schlüpfen die Jungen und im August treten sie den Rückflug nach Afrika an. Jetzt, Ende Mai/Anfang Juni, ist also einer der besten Momente, um die Storchennester und das Brutverhalten der Störche zu beobachten. Fast ununterbrochen sieht man die großen Vögel zu und von den Nestern fliegen, denn die Jungen haben mächtig Appetit. Nur gut, dass es rundherum nur so von Nahrung wimmelt, denn die Natur ist üppig und grün, die Tümpel und Wasserläufe gut gefüllt und voll mit Fröschen und Unken. Aber auch Fische, Mäuse, Heuschrecken und Würmer stehen auf dem Speiseplan. Schon von weitem hört man das laute Klappern der Schnäbel, so dass man augenblicklich versteht, warum man vom „Klapperstorch“ spricht.

Viele Wege sind nur dank hölzerner Stege passierbar.

Viele Wege sind nur dank hölzerner Stege passierbar.

In den Altarmen wimmelt es vor Leben. Gut für die Störche, die für ihre hungrigen Jungen große Mengen Nahrung herbeischaffen müssen.

In den Altarmen wimmelt es vor Leben. Gut für die Störche, die für ihre hungrigen Jungen große Mengen Nahrung herbeischaffen müssen.

Wer weitere Informationen zu den Störchen haben möchte, besucht das auf dem Schlossgelände gelegene Storchenhaus, wo man auch Pläne der drei Wanderrouten erhält. Der Storchen- und der Unkenweg sind kleine Runden, auf denen man dennoch schöne Stellen passiert. Meine Empfehlung ist aber der Biberweg, der er umspannt das gesamte Gebiet (d.h. alle Highlights) und ist mit 7 km Länge dennoch in 2-3 Stunden locker zu bewältigen. Ich begegnete zum Glück einer Familie, die einen Plan bei sich trug, sonst wäre mir der Biberweg womöglich entgangen, was ausgesprochen schade gewesen wäre. Er war nämlich sehr sehr schön. Auf der Wasseroberfläche größerer Arme wuchsen Seerosen, deren gelbe Knospen sich noch nicht geöffnet hatten, während die Oberfläche kleinerer Arme durch Wasserlinsen grün eingefärbt war. Auf den offenen Flächen wuchsen bunte Wiesenblumen. Überall roch, klang und wimmelte es von Leben.

Breite Altärme prägen das Bild der Auenlandschaft, ebenso wie ...

Breite Altärme prägen das Bild der Auenlandschaft, ebenso wie …

... offene Wiesenflächen mit bunten Blumen, die einer ganz anderen Tierwelt Lebensraum bieten.

… offene Wiesenflächen mit bunten Blumen, die einer ganz anderen Tierwelt Lebensraum bieten.


Natur- versus Kulturlandschaft

Früher, als die Flüsse weniger reguliert waren, da breitete sich die Auenlandschaft stellenweise bis zu 8 km um die March aus. Heute beträgt die größte Ausdehnung nur mehr 3 km. „Schuld“ daran hat der Überschwemmungsdamm, der das Wasser an seiner natürlichen Ausbreitung hindert, die Wasserstände werden höher. Angesichts häufiger Hochwasserkatastrophen in den letzten Jahren besinnt man sich langsam wieder auf den Rückbau regulierter Gewässer. Auch muss man den Flüssen den Raum geben, gelegentlich über die Ufer zu treten, ohne großen Schaden anzurichten. Hochwasser, Lawinenabgänge, Muren … all dies sind natürliche Ereignisse, die nur deswegen so großen Schaden anrichten, weil der Mensch natürliche Lebensräume verändert und zu nahe an exponierte Stellen baut.

Auf den ersten Blick sehen Auenlandschaften oft „vernachlässigt“ aus, weil überall umgefallene Bäume oder abgebrochene Äste herumliegen oder ins Wasser ragen. Aber dieses „Totholz“ wird absichtlich nicht entfernt, da es Lebensraum für viele Tierarten darstellt, und im Wasser neue Mikro-Lebensräume schafft, die Strömungen ändern und Schutz bieten. Wer sich leise durch die Au bewegt, die Augen offen hält und erkundet, entdeckt erstens mehr und erkennt, auf welch vielfältige Weise Tiere und Pflanzen ihr Habitat nutzen. Wer gerne mehr darüber erfährt, kann auch einer der geführten Touren teilnehmen (auch mit dem Kanu von Angern nach Marchegg).

Abgestorbene Baumstämme und Äste bereichern den Lebensraum im Wasser.

Abgestorbene Baumstämme und Äste bereichern den Lebensraum im Wasser.

Das Schloss Marchegg selbst ist ebenfalls im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Daneben liegt auch noch ein Heimatmuseum auf dem Schlossgelände. Wer nach einem ausgedehnten Spaziergang noch gerne etwas essen möchte und Lust auf thailändische Küche hat, für den habe ich einen ganz besonderen Tipp parat. Gleich neben dem Eingang zum Schlosspark liegt der Schlossgasthoff Marchegg (Hauptplatz 5), der seine Gäste mit österreichischer und original thailändischer Küche verwöhnt. Zuerst wunderte ich mich über die thailändische Flagge, die neben dem Eingang flatterte, aber dass der Besitzer mit einer Thai verheiratet ist, ist der Grund für dieses ungewöhnliche Cross over. Das grüne Hühnercurry hat jedenfalls ausgezeichnet geschmeckt im schattigen Gastgarten im Hinterhof.

Das Schloss Marchegg ist Ausgangspunkt für eine Erkundung der Auenlandschaft an der March.

Das Schloss Marchegg ist Ausgangspunkt für eine Erkundung der Auenlandschaft an der March.

Österreichischer Gasthof mit thailändischer Küche: der Schlossgasthof Marchegg.

Österreichischer Gasthof mit thailändischer Küche: der Schlossgasthof Marchegg.

 

Weitere Fotos:

An den Aussichtspunkten erhält man großartige landschaftliche Ausblicke. Wer sich leise verhält, sieht mehr.

An den Aussichtspunkten erhält man großartige landschaftliche Ausblicke. Wer sich leise verhält, sieht mehr.

Die drei Wege sind gut, wenn auch nur in einer Richtung, ausgeschildert. Hier der Biberweg.

Die drei Wege sind gut, wenn auch nur in einer Richtung, ausgeschildert. Hier der Biberweg.

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Gemütlicher Gastgarten des Schlossgasthof Marchegg.

Gemütlicher Gastgarten des Schlossgasthof Marchegg.

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