Der vietnamesische Markt in Brünn

Es war der Wunsch meiner Frau nach Brünn zu fahren, genauer gesagt in die Olomoucka 61-65, die in einem Industrieviertel am Rande der Stadt liegt und einen der größeren vietnamesischen Märkte des Landes beherbergt. Die Fahrt dorthin führte uns durch das niederösterreichische Weinviertel, über den Grenzübergang bei Drasenhofen, durch das tschechische Mikulov mit seinem markanten und weithin sichtbaren Schloss und vorbei am landschaftlich schönen Stausee Vestonické. Es war eine beschauliche, zweistündige Fahrt, die ab kurz vor Brünn leicht zu einer Irrfahrt geworden wäre, hätte das Navi nicht beharrlich den Weg gewiesen. So aber fanden wir auf Anhieb zum dem weitläufigen Areal mit seinen Containershops. „VINAMO“ prangte in großen Lettern über dem massiven Eingangsportal.

Der Eingang zum größeren Teil des vietnamesischen Marktes.

Der Eingang zum größeren Teil des vietnamesischen Marktes.

Vorweg, auf diesem Markt gibt es ausschließlich vietnamesische Läden: Lebensmittel, Bekleidung, Spielwaren, Kunstblumen, Haushaltskram, Elektroartikel, ein paar Friseurbuden (Hot toc, wie es in der vietnamesischen Sprache heißt, und nicht etwa eine Würstchenbude anzeigt, obwohl man es genau so ausspricht), Reisebüros und einige Mini-Restaurants, die vor allem Pho, diese Nationalspeise Vietnams servieren. Die Lebensmittel umfassen das übliche Sortiment, das man bei uns in (vietnamesischen) Asia-Läden vorfindet, wenngleich deutlich billiger. Die Bekleidung ist (auch qualitativ) billig und vorrangig asiatischer Import. Die Suppe ist ausgezeichnet.

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Wenn man schon einen langen Anfahrtsweg in Kauf nimmt, dann muss man auch ordentlich zuschlagen: 3 x 18 kg Jasminreis, 4 Flaschen Fischsauce, 24 Packungen vietnamesischer Kaffee, 1 Karton Instantnudelsuppe, mehrere Packungen Erdnüsse, Nudeln, ein großer Sack mit vietnamesischem Gemüse und andere Dinge wanderten in das Auto. In Summe überwog die Ersparnis gegenüber dem heimischen Laden sogar das Benzin und die mit 17 Euro unverschämt teure tschechische 10 Tages-Vignette, wie meine Frau akribisch ausrechnete. Und die Jäger-und-Sammler-Leidenschaft war ebenfalls befriedigt.

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Sagte ich bereits, dass das Essen gut war? In den kleinen Imbissbuden verköstigen sich nicht nur die Marktbesucher, sondern natürlich auch die Angestellten und Betreiber der Marktstände. Westliche Küche findet man hier vergeblich, doch wer braucht sie an einem Ort wie diesem? Es muss doch nicht alles der Globalisierung geopfert werden. Kurios genug das Schirennen, das über den Wandbildschirm flimmerte und mit Vietnam doch so gar nichts zu tun hat (auch wenn Sapa in den Bergen NW-Vietnams mit erklecklichen Schneemassen zu kämpfen hatte). Vermutlich ein Zugeständnis an die tschechischen Besucher (die es auch gab). Oder an die Sportverrücktheit vietnamesischer Männer.

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Sogar eine kleine buddhistische Pagode gibt es auf dem Areal, die man von außen nur an den bunten Fahnen erkennt, die die buddhistischen Farben blau, gelb, orange, weiß und rot tragen. Im Inneren befindet sich ein Altar, wie man ihn auch in den Pagoden Vietnams vorfindet, mit Buddhafiguren, Räucherstäbchen und Opfergaben. Ehrensache, dass wir auch ihr einen kurzen Besuch abstatten.

Die buddhistische Pagode auf dem Markt.

Die buddhistische Pagode auf dem Markt.

Nach einem Bummel durch die überdachten Marktstände ging meine Frau noch auf einen Hot toc um wohlfeile 7 Euro, während ich im Auto davor Platz nahm und wartete, wobei der Friseurbesuch auch für mich etwas Gutes hatte, da die Friseuse einen außerordentlich wohl geformten Körper besaß. Interessanter Weise trug sie Schuhe mit hohen Absätzen, die zwar sehr sexy aussahen und gut zum übrigen, figurbetonten Outfit passten, jedoch zum arbeiten fürchterlich unbequem sein mussten. Doch „Wer schön sein will (oder muss), muss leiden“ fordert eben seinen Tribut, was mir auch meine Frau anschließend bestätigte, hatte sie sich doch mit der Frau unter anderem auch über diese Sache unterhalten. Die Schuhe schmerzten nicht nur unter Tags, sie führten auch zu Rückenschmerzen während der Nacht. Doch sie sahen eben einfach besser aus als Birkenstock-Gesundheitsschlapfen. So wählt sich jeder seine Geißel.

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Die Rückkehr verlief ereignislos in die umgekehrte Richtung, wozu sicherlich der Sonntag seinen Teil beitrug. Geöffnet ist der Markt übrigens jeden Tag außer Montag (Sonntag nur bis 17 Uhr). Eine Auflistung vietnamesischer Märkte in der Tschechei findet man auf dieser Tourismus-Seite.

 

Weitere Fotos:

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