Blondel und Löwenherz

Österreich steckt voll interessanter Geschichte (nun ja, welches Land nicht?). Man stolpert überall darüber. So wie in Dürnstein, dem mittelalterlichen Ort an der Donau im lieblichen Tal Wachau. Dieser Ort war der Legende nach ein Schauplatz einer länderübergreifenden politischen Intervention. Englands legendärer König Richard Löwenherz (vor allem seine Abwesenheit auf der Insel war legendär) kam gerade von einem Kreuzzug aus dem heiligem Land zurück (so nannte man die Pilgerfahrten damals im Mittelalter; der Jakobsweg wurde erst später durch Hape Kerkeling zum Begriff), als er in der Nähe von Wien aufgegriffen und verhaftet wurde. Angeblich war sein Gehabe zu auffällig, denn wie oft kam es vor, dass ein einfacher Pilger teure Klunker an den Fingern trug? Die Obrigkeit (mit der es sich Richard zuvor verscherzt hatte) warf Richard Löwenscherz daraufhin in den Kerker von Burg Dürnstein, deren Reste heute hoch über dem Ort auf einem Felsen im Wald aufragen und ein beliebtes Touristenziel darstellen (wenn nicht das Touristenziel in der Wachau neben Stift Melk).

Die Burgruine Dürnstein in der Wachau.

Die Burgruine Dürnstein in der Wachau.

Ob er nun tatsächlich auf Burg Dürnstein selbst oder nur in der Gegend gefangen gehalten wurde, ist nicht sicher. Um seine Gefangenschaft ranken sich verschiedene Gerüchte, aber die Sage von seiner Auffindung durch seinen getreuen Minnesänger Blondel (der sich heute übrigens ausgezeichnet von Heino verkörpern ließe) ist originell. Ihr zufolge soll Blondel von Burg zu Burg gereist sein, um seinen Herrn zu suchen. Als er auf Burg Dürnstein kam und dort sein Lied anstimmte, vernahm er eine vertraute Stimme. Aus seiner Behausung vollendete Löwenschmerz die Strophe, und Blondie wusste Bescheid. Der Aufenthaltsort war nun bekannt. Die wahre Geschichte sah vermutlich etwas komplexer aus.

Die Burgruine Dürnstein zieht viele Touristen aus aller Welt an und ist zu Fuß leicht zu erreichen.

Die Burgruine Dürnstein zieht viele Touristen aus aller Welt an und ist zu Fuß leicht zu erreichen.

Nichtsdestotrotz wird dieser historische Hintergrund von den Tourismus-Verantwortlichen gehörig vermarktet. Hinweistafeln in der Ruine, Hinweistafeln auf dem Weg zur Ruine, unten im Ort und überhaupt. Man ist Richard Möwenherz zu großem Dank verpflichtet. Und die Masche läuft: Unmengen von Touristen schieben sich durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen der Altstadt. Zusammen mit der ursprungsgeschützten Wachauer Marille ergibt das ein prima Tourismus-Konzept.

Dürnsteins Altstadt: Ein Ausflug ins Mittelalter.

Dürnsteins Altstadt: Ein Ausflug ins Mittelalter.

Ein besonderes Schmuckstück ist auch der blau gefärbte Turm der Stiftskirche, die weithin sichtbar ist und besonders von der Donau aus die „Skyline“ dominiert. Alleine wegen diesem Bauwerk bleibt Dürnstein leicht in Erinnerung. Zu Lebzeiten Richard Löwenzahns existierte sie jedoch noch nicht.

Der blaue Turm der Stiftskirche in Dürnstein ist ein Wahrzeichen der Region.

Der blaue Turm der Stiftskirche in Dürnstein ist ein Wahrzeichen der Region.

Übrigens: rund um Dürnstein kann man auch ausgezeichnet wandern. Die Route über den Vogelbergsteig zur Fesslhütte und retour über die Burgruine ist landschaftlich großartig und gewährt tolle Ausblicke auf die Umgebung.

Wandern rund um Dürnstein: der Vogelbergsteig

Wandern rund um Dürnstein: der Vogelbergsteig

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