Zu Besuch im Stift Heiligenkreuz

Im letzten Beitrag meinte ich noch, dass sich ein Besuch des Naturpark Sparbach in Heiligenkreuz ausgezeichnet mit einer Besichtigung des Stift Heiligenkreuz verbinden lässt, befinden sich doch beide im gleichnamigen Ort. Nun, meine eigenen Worte Lüge strafend, absolvierte ich beide Programme an unterschiedlichen Tagen, wobei nicht mangelhafter Planung die Schuld zu geben ist, sondern dem Wetter. Erstere Aktivität füllte, nach einem kühlen Vormittag, einen freundlich warmen Frühlingsnachmittag aus, und zweitere eignete sich vortrefflich für einen Kurzausflug an einem wettermäßig eher durchwachsenen Tag. Wer aber von weiter her anreisen muss, schlägt am besten zwei Fliegen mit einer Klappe.

Vergangenen Sommer besuchte ich ja im Rahmen einer kurzen Waldviertel-Tournee das Stift Zwettl, welches ebenfalls ein Kloster der Zisterzienser ist. Damals besichtigte ich aus Zeitgründen nur die äußeren Bereiche der beeindruckenden Klosteranlage, welche zudem auch frei zugänglich waren. Selbiges trifft auch auf das Stift Heiligenkreuz zu, denn die interessantesten und historisch wertvollsten Bereiche kann man nur im Rahmen einer Führung besichtigen. Diesmal jedoch wollte ich alles sehen. Ich wurde nicht enttäuscht. Und auch die Sonne lachte für kurze Zeit zwischen den Wolken hervor und erhellte mein Gemüt.

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – vor dem Kloster (www.stift-heiligenkreuz.at)

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Stiftshof

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Stiftshof

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Stiftshof mit dem alten Teil der Stiftskirche

Das Stift Heiligenkreuz gehört zu den Niederösterreichs Top Ausflugsziele, und das aus gutem Grund. Die mittelalterliche Klosteranlage besteht seit ihrer Gründung im Jahre 1133 ohne Unterbrechung, und ist auch heute noch ein lebendiges Kloster, in dem ca. fünfzig Mönche dauerhaft leben und ein aktives Klosterleben praktizieren. Circa fünfzig weitere (wenn ich mich recht erinnere) leben außerhalb in der Umgebung, sind aber ebenfalls ein Teil dieser Gemeinschaft. Gemeinsam wird nicht nur gebetet und gearbeitet (Ora et Labora), sondern man betreut auch 18 Pfarren in der Umgebung. Zusammen mit den recht strikten Ordensregeln ergibt das einen ausgefüllten Tag, der schon um 5.15 Uhr beginnt und erst nach 20 Uhr endet. Zumindest das Frühaufstehen wäre nichts für mich, aber das weiß ich nicht zuletzt aus einem Temple stay in Südkorea, wo ich ein Wochenende lang in einem buddhistischen Kloster blieb, und in dem der Tag ähnlich früh mit einer gemeinsamen Meditation begann, während derer ich hochkonzentriert bleiben musste, um nicht gleich wieder einzuschlafen. Auch im Stift Heiligenkreuz kann man eine Zeit lang als Gast bleiben. Dies gilt auch für Frauen. Strenger wird es jedoch, wenn man am Programm „Kloster auf Zeit“ teilnimmt und für eine Zeit lang (dieses Angebot richtet sich nur an Männer) am Klosterleben teilnimmt. Wer sich hierfür entscheidet, sollte dann doch eher Frühaufsteher sein. Wer sich für einen kurzfristigen Klosteraufenthalt interessiert, kann sich auf der Internetseite des Klosters informieren.

Wer überhaupt Mönch werden möchte, der sollte schon längerfristig denken. Die Phase als Novize dauert ein Jahr, an die sich mindestens drei weitere Jahre anschließen, die als „Zeitliche Profess“ bezeichnet werden. Erst danach, und mit Zustimmung des Abtes und der Mitbrüder, wird man als ordentlicher Mönch in die Gemeinschaft aufgenommen und als Pater bezeichnet. Diese Bindung gilt dann auf Lebenszeit. Man erhält also ausreichend Gelegenheit, über diesen Schritt gründlich nachzudenken und auszuprobieren, ob man für das klösterliche Leben bereit ist. Wer also nach vier Jahren immer noch den Wecker an der Wand zertrümmert und als „Pater Morgenmuffel“ angesprochen wird, der sollte es vielleicht mit etwas anderem probieren.

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Vogelperspektive (Aufnahme im Kloster)

Durch eine kleine Allee betritt man die Klosteranlage. Man kann sie auch befahren, denn so gelangt man zu einem kleinen Parkplatz. Durch ein Tor erreicht man einen Innenhof, wo man auch das Ticket löst. Die Führung dauert ca. eine Stunde und ist informativ. Manche bauliche Elemente wirken vertraut, wie der Kreuzgang, den ich schon in vielen Klöstern gesehen habe. Andere, wie der Brunnenraum, ungewöhnlich. Ungewöhnlich auch die Babenberger Gräber im Kapitelsaal, die die Stifter des Klosters waren, und ihm auch seinen größten spirituellen Schatz, die Kreuzreliquie (ein Holzstück aus dem Kreuz Christi), überließen. Diese Kreuzreliquie wird in der angegliederten Kreuzkirche aufbewahrt und verehrt. Die Stiftskirche selber wurde in mehreren Epochen erbaut und ist daher ein Mosaik unterschiedlicher Baustile. Schön auch die bunten Glasfenster, die man an mehreren Stellen bewundern kann.

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Kreuzgang

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Blick auf den Kreuzgarten

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – alte Grabplatten

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Kapitelsaal mit Hochgrab der Babenberger

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Wunderschöne Glas-Rosette im Kapitelsaal

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Brunnenhaus

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Mittelalterliche Gewölbe (Fraterie)

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Sakristei mit Deckenfresken

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Sakristei. Die hölzernen Einlegearbeiten erzielen eine tolle dreidimensionale Wirkung.

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Der (relativ) neuere Teil der Stiftskirche steht architektonisch in einem deutlich wahrnehmbaren Widerspruch zum alten Teil der Kirche.

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – im älterenTeil findet das tägliche Chorgebet statt.

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Stiftskirche

Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz – Passionsweg vor dem Stift

Neben dem Naturpark Sparbach bietet sich auch die Seegrotte Hinterbrühl als populäres Ausflugsziel in der Umgebung an. Auch hiervon habe ich bereits berichtet.

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Vor den Toren Wiens: Naturpark Sparbach

Es ist schon unglaublich: manche Orte liegen so nahe, und doch kennt man sie nicht. Zumindest kann ich mich nicht erinnern, dort gewesen zu sein, zumindest nicht diesseits jener ominösen Zeitschranke, hinter der die Ereignisse der Kindheit zu einem grauen Nebel verblassen. Vielleicht ist es nicht einmal so sehr die mangelhafte Erinnerung, als vielmehr der Umstand, am Rücksitz des elterlichen Autos irgendwo hin gekarrt worden zu sein, ohne das Ziel zu kennen. Tatsächlich merke ich mir Orte besser, seit ich selbst die Land- und Straßenkarten studiere, und das Erlebte fotografisch dokumentiere. Auch meine Orientierung verbesserte sich dadurch schlagartig. Heute komme ich in eine große Stadt wie zum Beispiel Bangkok oder Seoul und empfinde bereits nach ein bis zwei Tagen eine gewisse Vertrautheit. Als Führerschein-Neuling habe ich mich hingegen sogar in meiner Heimatstadt Wien ständig verfahren.

Der Naturpark Sparbach liegt in der Nähe von Mödling bei Heiligenkreuz, und damit nur wenige Kilometer außerhalb von Wien. Bekannt ist auch das Stift Heiligenkreuz, welches ebenfalls für Besucher geöffnet ist, und welches mit dem Naturpark zu einem Tagesausflug kombiniert werden kann (das hole ich noch nach). Das Areal ist dem Wiener Lainzer Tiergarten nicht unähnlich, wenngleich nicht so groß. Aber für ein paar Stunden erholsamen Spaziergangs mit der Familie ist es ideal. Die Wege sind gut ausgeschildert, und verschiedene Attraktionen wie Tiergehege oder alte Ruinen sorgen für Kurzweil. Die Ruinen wurden nicht alle künstlich in die Landschaft gestellt, sondern sind im Falle der Ruine Johannstein die Reste einer Burg, die bis ins 12. Jh. zurück reicht. Nicht, dass das wirklich einen Unterschied macht (beide sind halb verfallen), aber es verleiht der Sache doch eine gewisse Authentizität.

Das Areal ist von einer Mauer umgeben, weswegen man sich nicht wirklich verlaufen kann (wenn sie dennoch nicht zum Ausgang zurückfinden sollten: die Nummer der Bergrettung für Wien und NÖ lautet 01 5057057). Vom Besucherzentrum (mit warmen Speisen vom Imbiss) gelangt man vorbei an mehreren Kleintiergehegen zum Lenauteich, in dem man die um Futter bettelnden Karpfen förmlich mit einem Stein erschlagen könnte (man tut es natürlich nicht). Kurz darauf sieht man auch schon die Ruine Johannstein. Von dort hat man mehrere Möglichkeiten, zum Dianatempel zu gehen und weiter zur Köhlerhausruine. Die Wege sind breit und geschottert, daneben verlaufende Wege dann schon einmal etwas steiler. Bergschuhe benötigt man trotzdem keine. Auch wenn sie wahnsinnig professionell aussehen.

Wir sind die Bengerln. Iaahh!

Der Lenauteich

Burgruine Johannstein

Burgruine Johannstein

Überall darf man allerdings nicht herumrennen, damit die frei lebenden Wildtiere auch ihre Ruhe haben. Obwohl ich vor einem der Gehege eine ziemliche Sau gesehen habe (also ein Wildschwein beim Fressen), der die anwesenden Menschen aber so was von egal waren. Aber der Mensch kann anstrengend sein, das sehe ich vollkommen ein. An entsprechender Stelle macht jeweils ein Hinweisschild darauf aufmerksam, dass ein Weg nicht begangen werden soll. Es bleibt auch so noch genügend Besucher-Auslauf.

Auf angenehmen Wegen geht es dahin.

Die Dianawiese …

… mit dem Dianatempel.

Auf dem höchsten Punkt thront die Köhlerhausruine.

Vor dem Naturpark gibt es übrigens einen großen Parkplatz. Sollte dieser voll sein (so wie es mir widerfahren ist), dann findet man im Ort Sparbach ein paar Meter daneben weitere Parkmöglichkeiten. Mit dem Auto in den Park hinein fahren, ist natürlich verboten (auch wenn es dort sehr viele Parkmöglichkeiten gäbe).

Wer gerne Tierparks besucht, der wird auch am Wildpark Ernstbrunn seine Freude haben, der ca. 40 km von Wien entfernt im Weinviertel liegt. Und – wie bereits erwähnt – der Lainzer Tiergarten im Westen von Wien.

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An der Mannswörther Donau

Der Nationalpark Donau-Auen bietet eine Vielzahl an Wandermöglichkeiten. Vom Tagesausflug bis zum kurzen Spaziergang ist alles dabei. Ich habe ja bereits mehrmals darüber geschrieben (z.B. „Im Auenland„). Es gibt kaum einen Winkel, den ich nicht besucht habe. Ein kleiner Spaziergang blieb jedoch offen. Gerade einmal vier Kilometer lang, führt er vom Ortsrand von Mannswörth zur Mündung der Schwechat in die Donau. Das fällt nicht unter Extremsport, doch für einen kurzen Winterspaziergang gerade richtig. Von Wien aus, ist es auch nicht weit. Mannswörth liegt in der Nähe des Schwechater Flughafens.

Die Wegbeschreibung ist der Webseite des Nationalparks zu entnehmen: Mannswörther Runde. Man lässt sein Auto am Ende der Zainethbrückengasse stehen (kleiner Parkplatz), überquert die Brücke über die Schwechat und folgt dann den Nationalpark-Wegweisern. Wirklich verlaufen kann man sich nicht, denn zur linken stoppt Sie die Donau, und auf allen anderen Seiten die Schwechat. Das Augebiet ist nicht spektakulär, aber es handelt sich auch nicht um Nationalpark-Kerngebiet. Ein bisschen dem Damm entlang, ein Stück an der Donau, und ein Stück an einem Altarm vorbei. Am Donauufer kommt man an etlichen Daubelhütten vorbei, die früher dem berufsmäßigen Fischfang dienten und heute in privaten Händen sind.

Blick auf die Schwechat von der Zainethbrücke. Man beachte das Daubelboot (mehr dazu im Text).

Entlang des Hochwasser-Damms.

Ein Donau-Altarm

An der Donau angekommen. Im Hintergrund liegt Wien.

Daubelhütte

Dass der Fluhafen Schwechat nahe ist, merkt man an den zahlreichen tief fliegenden Flugzeugen.

Noch eine Daubelhütte.

An der Mündung der Schwechat hatte ich dann Gelegenheit, mehr über die Daubelfischerei zu erfahren. Heute hat sie kaum noch Bedeutung, aber früher war das anders. Davon zeugen viele Daubeln entlang der Donau im Abschnitt zwischen Wien und Hainburg. Auch an der March habe ich schon welche gesehen. In Wien sind die absenkbaren Vierkant-Netze zumeist an Hausbooten angebracht. Mit einer Art Flaschenzug lässt man die Netze ins Wasser und holt sie wieder heraus. Dabei hängen die Netze direkt über dem Wasser, und das macht in meinen Augen auch Sinn. Umso verwunderter war ich daher, dass die Netze der Daubelhütten bei Mannswörth über festem Grund hingen. Wartete man auf Hochwasser, oder waren die Fische so übermotiviert, dass sie aus dem Wasser ins Netz sprangen?

Wie kommen die Fische in das Netz, wenn es über festem Grund schwebt?

Daubelhütte an der March

An besagter Flussmündung erspähte ich dann einen Mann, dem eine der Daubelhütten gehören zu schien. Gerne stand er mir Rede und Antwort. In der Tat mussten die Daubelfischer in der Lage sein, die Position des Netzes an den jeweiligen Wasserstand anzupassen. Der Clou liegt in der Verwendung von zwei Stahlseilen, die mit je einer separaten Kurbel betätigt werden. Auf diese Weise wird das Netz nicht einfach nur vertikal hinuntergelassen, sondern es kann auch in Richtung des Wassers bewegt werden. Und wie gelangen nun die Fische in das Netz? Meine Vermutung, wonach sich im Netz ein Köder befindet, erwies sich als unrichtig. „Die Fische sind so dumm und schwimmen aus Neugier in das Netz“, meinte der Fischer. Dann hebt man es an, und mit etwas Glück (oder Pech, je nachdem, aus wessen Blickwinkel man es betrachtet) befindet sich ein Fisch darin. Und das scheint sogar besser zu funktionieren, als die herkömmliche Angelei. Er musste es wissen, denn in seinem kleinen Daubelhäuschen zeigte er mir stolz die zahlreichen Fotos und Trophäen aus seinem langen Anglerleben (ganz konventionell, also mit Rute gefangen, meist im Ausland). An der Donau aber fischt er mit einem kleinen Boot, an dessen Bug ein Daubelnetz befestigt ist. Das macht ihn mobiler.

Die Schwechat-Mündung. Die Sessel hat der nette Fischer aufgestellt, sie dürfen von jedem benutzt werden.

Das Daubelboot

Inside Daubelhütte. Sogar ein Schnaps wurde kredenzt (der es in sich hatte).

Trophäen aus dem Ausland (eine davon war eine Seeforelle aus Irland).

Die Daubelfischerei kann prinzipiell von jedem betrieben werden, der über eine gültige Fischerkarte verfügt (und natürlich eine Daubel besitzt). Zweiteres ist vermutlich die größere Hürde.

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Die (Nexinger) Schweiz liegt in Österreich

Dass die Schweiz in Österreich liegt, mag den einen oder anderen Leser überraschen, aber das Leben steckt eben voller derselben. Bis vor kurzem wusste ich es auch nicht. Erst letztes Jahr las ich in der Zeitung (oder war es im Internet?) einen Bericht über die Nexinger Schweiz. Bei dieser handelt es sich um einen kleinen Landschaftspark, der geologisch eine kleine Weltsensation ist. Die Felsformationen bestehen nämlich aus Muschelkalk, was wiederum nichts anderes bedeutet, als dass sie aus unzähligen, versteinerten Muschelschalen zusammengesetzt sind, die noch aus der Zeit stammen, als das Weinviertel von einem Meer bedeckt war (das ist es gelegentlich immer noch, und zwar von einem Nebelmeer), und sich in der Gegend daher über Millionen von Jahren Meeressedimente abgelagert haben.

Schild am Eingang

Nun ist es aber so, dass dieses Nexing, wie jener Ort heißt, auf dessen Gebiet dieses Naturspektakel zu finden ist, ein kleiner Ort in Österreich ist, und zwar in besagtem Weinviertel. Der Name „Nexinger Schweiz“ bezieht sich auf die Felsformationen, aber warum gerade die Schweiz? Als hätten wir in Österreich nicht genügend eigene Felsen. Da es aber auch im deutschen Sachsen einen felsigen Landstrich gibt, der Sächsische Schweiz genannt wird, fallen mir zwei logische Erklärungen dazu ein: Entweder wimmelt es in der Schweiz nur so von komisch geformten Felsen, oder es handelt sich um ehemalige Kolonialgebiete der Schweiz, die in der Zeit des europäischen Kolonialismus halt auch einmal Kolonialmacht spielen wollte (und es für Afrika oder weiter nicht reichte; vielleicht verhinderte auch eine Volksabstimmung die weitere Ausbreitung der Schweiz, schließlich halten sich außerhalb der eigenen Landesgrenzen überdurchschnittlich viele Ausländer auf).

Schloss Nexing. Das Dorf Nexing als solches ist eher unspektakulär. In der Nähe liegt das Museumsdorf Niedersulz (ein Freilichtmuseum).

Vorweg: das Areal ist nur sehr klein, ein Spaziergang dauert gerade einmal 15-20 Minuten, wenn man sich nicht Zeit lässt. Wer mehr als eine Stunde dafür benötigt, sollte sich schleunigst im nächsten Fitness Center einschreiben lassen. Der Garten ist abgesperrt und wird unter Tags aufgesperrt. Er ist im Besitz der Familie Urani, die vis-a-vis der Straße ein Restaurant und einige Fischteiche bewirtschaftet (die Oase Nexing). Wenn abgeschlossen sein sollte, muss man einfach nur zum Restaurant gehen und um den Schlüssel bitten, dann wird einem geöffnet. Wer gerne fischen möchte: um eine Tageskarte zu erhalten, benötigt man keine amtliche Fischerkarte. Man bezahlt 25 Euro, dieser Betrag inkludiert bereits die Entnahme von 1 Raubfisch oder 2 Friedfischen (im wesentlichen Karpfen). Die Angelausrüstung muss man selbst mitbringen.

Die Oase Nexing, ein gut besuchtes Restaurant direkt an den Teichen.

Bei den Fischteichen

Wer nicht fischen möchte, kann auch rund um die weitläufigen Teichanlagen spazierengehen. Mehrere ausgeschilderte Routen sorgen für eine sichere Rückkehr (sofern man nicht in einen der Teiche fällt).

Der Rundgang durch den Muschelberg selbst ist eine Zeitreise zurück um mehr als 13 Millionen Jahre. Bei näherem Hinsehen bestehen die Felsen wirklich aus nichts anderem als dicht gepressten Muschelschalen. Das parkähnliche Aussehen erhielt das Areal aufgrund der Bemühungen eines Ritter von Heintel, der es 1802 erwarb und in einen Landschaftsgarten nach englischem oder italienischem Vorbild umgestalten ließ. Heute wirkt der Garten vielleicht nicht mehr so gepflegt, aber die Hauptattraktion sind ja die Muschelfelsen, die sich aufgrund der Erosion laufend verändern.

Aufgang zum Muschelberg

Dieser Canyon wurde vermutlich künstlich angelegt.

Bei näherem Hinsehen entdeckt man die Zusammensetzung des Gesteins.

Blick vom Muschelberg über einen Teil der Teichanlage.

Wer also einen Rundgang durch die Nexinger Schweiz macht, dann noch an den Teichen entlang spazierengeht und anschließend zum Essen einkehrt, hat leicht einen Halbtagesausflug zusammengestellt. Ein Besuch des Museumsdorf Niedersulz (auch ein TOP Ausflugsziel von Niederösterreich) macht daraus einen Tagesausflug (oder man fischt). The choice is yours!

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Vogerl schauen (rund um den Neusiedler See)

Der Neusiedlersee ist in Ostösterreich eine fixe Größe, als „Meer der Wiener“ wird er auch gerne bezeichnet, was aus Wiener Sicht sicherlich etwas egozentrisch ist, denn im Gegensatz zur Bundeshauptstadt liegen das Burgenland und auch Ungarn tatsächlich an seinen Ufern. Hauptsächlich das Burgenland, nur das südlichste Seeufer liegt in der ungarischen Puszta. Da das Gebiet landschaftlich eine ausgesprochen schöne Gegend ist, hat man einen Teil davon unter Naturschutz gestellt und zum Nationalpark erklärt. Dieser besteht im wesentlichen aus zwei Hauptteilen, nämlich dem Seewinkel und der Langen Lacke. „Lange Lacke“ könnte man irrtümlicher Weise auch als Umschreibung für den See selbst missverstehen, doch das wäre lästerlich, das hat sich der See nicht verdient, schließlich mißt er 36 km der Länge nach und umfasst eine Fläche von 315 Quadratkilometern.

Die Landschaft der pannonischen Tiefebene ist sehr reizvoll.

Aufgrund der gestreckten Lage, ist das Fahrrad ein ideales Fortbewegungsmittel. Wer zu Fuß unterwegs ist, sollte entweder sehr gut zu Fuß sein (der „gestiefelte Kater“ wäre hierfür ein geeignetes Vorbild), oder die Distanzen zwischen den Hauptattraktionen mit dem Auto zurücklegen. Die Lange Lacke alleine in der Nähe von Apetlon lässt sich bequem innerhalb von 2-3 Stunden gehend zurücklegen. Die Lacken um Illmitz stellen gehend sicherlich eine Herausforderung da, aber machbar ist es schon. Dabei sollte man sich von den teils seltsamen Namen nicht abschrecken lassen. Die „Zicklacke“ ist gar nicht so zickig, wie es ihr Name suggeriert, wobei auf der Karte das Wort „periodisch“ nachfolgt. Wahrscheinlich hat sie, wie jeder von uns, ihre guten und schlechten Tage. Auch der Obere und Untere Stinkersee riechen ganz normal und keineswegs garstig. Hier tut man der Natur Unrecht. Der Bereich „Illmitz Hölle“ ist zwar im Hochsommer heiß, aber ansonsten vollkommen ungefährlich.

Das Fahrrad ist für die Erkundung des Nationalparks vortrefflich geeignet.

Was diesen Naturpark für alle Ornithologen zu etwas Besonderem macht: die Scharen von Zug- und Wasservögeln, die sich dort periodisch niederlassen. Und man sieht wirklich viele Vögel, wenn man zur richtigen Zeit zur Stelle ist, selbst wenn man den Großteil davon – so wie ich – nicht eindeutig benennen kann (mit „Vogel“ liegt man aber, zoologisch gesehen, immer richtig). Wer einen Feldstecher besitzt, sollte ihn unbedingt mitnehmen, denn viele der Vögel sind nicht groß, und bei weitem nicht so zutraulich, dass sie von selber näher kommen, wenn man die Kamera zückt. Profis rücken daher mit 5 Kilo – Teleobjektiv und Stativ an.

Passionierte Hobby-Ornithologen erkennt man leicht an ihrer Ausrüstung.

An Vögeln mangelt es wahrlich nicht.

Wer angesichts der Weitläufigkeit des Nationalparks und der verstreut umher liegenden Lacken nicht weiß, wie er das Projekt Besichtigung am besten angeht, für den habe ich ein paar Vorschläge. Für den Rundgang um die „Lange Lacke“ bei Apetlon kann man der L205 „Apetlon-Sankt Andrä“ folgen und dann auf der südlichen Seite der Lacke (NP Wegweiser) das Auto stehen lassen und zu Fuß einmal rundherum gehen, dabei passiert man auch die nördlich gelegene Lacke. Dauert etwa 2-3 Stunden, je nachdem, wie lange man sich Zeit lässt.

Spaziergang um die Lange Lacke.

Für die Illmitzer Lacken bietet sich als Ausgangsort das Besucherzentrum in Illmitz an, denn von dort gelangt man gleich auf einen ausgeschilderten Radweg. Ich fuhr mit dem Rad auf dem „Illmitz-Wiesenweg“ in nördlicher Richtung bis zu den Stinkerseen und noch ein Stück weiter zur Illmitzer Hölle. Dann kehrte ich um und fuhr an beiden Stinkerseen vorbei (wunderschöne Gegend) durch das Feuchtgebiet zurück zur Zicklacke, die einfach wahnsinnig nach pannonischer Tiefebene aussieht (wie man es von Fotos her kennt). Danach retour zum Besucherzentrum. Diese Runde wäre zu Fuß ziemlich heftig gewesen. Allerdings könnte man die Teilgebiete auch gehend besichtigen, wenn man das Auto immer in der Nähe stehen lässt. Für eine wirklich umfangreiche Tagestour könnte man auch mit dem Zug nach Neusiedl fahren, und von dort mit dem Rad über Podersdorf ins Nationalparkgebiet (und wieder zurück).

Gegend um Illmitz

Die Bedeutung des Wortes „Feuchtgebiet“ lässt sich unmittelbar erfahren. Oberer Stinkersee.

Habe ich schon erwähnt, dass die Region um den Neusiedler See auch ein bekanntes Weinbaugebiet ist?

Zicklacke (vielleicht zickt sie auch nur, weil sie im Gegensatz zum etwas größeren Zicksee nur als Lacke bezeichnet wird).

Für weitere Aktivitäten um und auf dem Neusiedler See verweise ich auf meine früheren Blogbeiträge.

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Im schönen Kamptal

Von Rosenburg ist es nur eine kurze Fahrt nach Gars am Kamp. Erlebte der Ort im Mittelalter unter den Babenbergern eine Blütezeit, so dauerte es bis in die Neuzeit, dass Gars als Sommerfrische, und speziell seit Willi Dungl als Luftkurort wieder an Bedeutung gewann. Immerhin verbrauchen die gerade einmal dreieinhalbtausend Einwohner des Orts nicht so viel der guten Luft, sodass noch genügend davon für die Touristen übrig ist. Mich wundert geradezu, dass man die Luft nicht in Dosen abfüllt und in von Smog geplagten Großstädten gewinnbringend verkauft.

An sich hatte ich in Gars keinen Aufenthalt geplant, denn nach zwei Tagen im Waldviertel waren meine Lungen voll mit frischer und sauberer Luft. Doch während der Durchfahrt erblickte ich im Ortsteil Thunau eine Ruine auf einem Hügel, und ein Wegweiser sprach von einer Burgruine. Daneben begann an eben jener Kreuzung eine Steintreppe, die offenbar zur Ruine hinauf führte. Ich konnte einfach nicht anders: Ich stellte das Auto kurzentschlossen ab und machte mich auf den Weg.

Die Ruine Gars im Orststeil Thunau.

Von unten sah man bloß ein paar Mauern, doch oben angekommen, entpuppte sich die Ruine als ziemlich große Anlage, die auch für Veranstaltungen genutzt wurde, denn es gab eine provisorische Bühne und Sitzreihen im Halbrund aufgestellt. Streng genommen führte die steinerne Treppe zuerst zur Kirche und dem Friedhof, von dort ging es dann ein kurzes Stück weiter nach oben. Die Ruine Gars ist eine der ältesten Burganlagen Österreichs, weshalb man ihr es ruhig nachsehen kann, dass nur mehr die Stützmauern erhalten geblieben sind. Es handelt sich auch um die einzige frei stehende Babenbergerburg des Landes, was immer das heißen mag. Doch da es heutzutage schick ist, jede historische Anlage mit einem Superlativ zu schmücken, musste man sich halt etwas einfallen lassen (und es klingt sicherlich besser als, „es war die einzige Burg, in der Graf Ottokar nicht stockbetrunken im Speisesaal urinierte“).

Aufstieg zur Ruine

Blick auf die Kirche beim Friedhof

Blick über Gars

Nach diesem kurzen Abstecher setzte ich meine Fahrt durch das Kamptal fort, das wirklich ein sehr schönes Tal ist. Friedlich (um nicht zu sagen, träge) winden sich die Kampschlingen durch die Landschaft. In Schönberg machte ich wieder halt, denn dort ist das Besucherzentrum des Naturpark Kamptal-Schönberg, welches im Gebäude der Alten Schmiede angesiedelt ist. In der Nähe starten auch drei Lehrpfade, die ganz unterschiedlichen Aspekten der Region gewidmet sind. Der Waldlehrpfad widmet sich dem Lebensraum Wald mit seinen Tieren und Pflanzen. Der Flusslehrpfad führt entlang des Kamp, und der Weinlehrpfad – na, haben Sie es erraten? – entführt in die Weingärten am anderen Kampufer. Man sollte sich vom Begriff „Naturpark“ nicht zu viel erwarten, denn es ist keine atemberaubend spektakuläre Landschaft, doch für einen netten Spaziergang allemal geeignet. Und Weinliebhaber haben ausreichend Gelegenheit, ein paar Tropfen zu verkosten

Der Kamp

Die Alte Schmiede

Hier muss man urlauben …

Ich entschied mich für den Waldlehrpfad, der hinter der Alten Schmiede den Hang hinaufführt. In regelmäßigen Abständen erzählen Informationstafeln von Flora und Fauna. Nach einiger Zeit gelangt man zu einem Aussichtsplatz. Gegen Ende führt der Weg, der in Summe nicht mehr als anderthalb Stunden dauert, als Passionsweg Christi wieder in den Ort zurück. Dort kann man, wenn man es möchte, im Gasthof und Seminarhotel zur Schonenburg essen, denn es liegt der Alten Schmiede quasi gegenüber.

Der ausgeschilderte Waldlehrpfad

Blick über Schönberg

Der Beginn (oder das Ende) des Passionswegs. Von dort geht es links hinunter den asphaltierten Weg.

Bevor ich das schöne Waldviertel verlasse, hänge ich noch eine Stadt daran, die eigentlich schon im Weinviertel angesiedelt ist, doch da es ja – wie wir vorhin in Schönberg gesehen haben – auch im Waldviertel Wein gibt (zumindest im Grenzbereich), lasset uns ein Auge zudrücken und die mittelalterliche Stadt Eggenburg besuchen. Mittelalterlich deshalb, weil die Stadtmauern und ehemaligen Befestigungsanlagen noch teilweise erhalten geblieben sind, und der Ortskern sich seine mittelalterlichen Züge bewahrt hat (ein durchaus menschliches Schicksal). Das Nette an der Sache ist, dass ein ausgeschilderter Weg an den interessantesten Passagen entlangführt, was in Verbindung mit einem netten Mittagessen eine kurze, aber runde Sache ergibt. In Eggenburg ist auch das Krahuletz-Museum beheimatet, welches außerhalb Niederösterreichs nur wenig Bekanntheit erlangt hat. Es basiert auf der Privatsammlung des ehemaligen Heimatforschers Johann Krahuletz, der regionale Gegenstände aus den Bereichen Erdgeschichte, Archäologie, Volkskunde und der Stadtgeschichte zusammengetragen hat.

Man lässt das Fahrzeug am besten auf dem Parkplatz der Nostalgiewelt Eggenburg stehen, den man erreicht, wenn man vom Kreisverkehr außerhalb der Stadtmauern am Teich vorbei ein kurzes Stück den Kanzler-Plank-Ring hinunter fährt. Ein kurzer Fußweg führt dann hinauf zur Stadtmauer, wo man entweder dieser entlang, oder zum Hauptplatz  hindurch geht. Sich zu verlaufen ist in Eggenburg eigentlich nicht möglich, aber es gibt ja Spezialisten für alles …

Karte des historischen Stadtkerns

An der Stadtmauer entlang …

An zwei Stellen sind die Mauern begehbar. Nicht vom Drehkreuz abschrecken lassen, es dreht sich in beide Richtungen.

Der Hauptplatz von Eggenburg

Auch dem Stadtkern sieht man sein hohes Alter an.

Das Krahuletzmuseum

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Buntes Treiben im Stift

Das Schöne an Sommertagen ist ja das lange Tageslicht, weshalb man an einem Tag auch bedeutend mehr unterbringt, als im Winter, wo es kurz nach dem Frühstück schon wieder dunkel wird. Daher blieb mir nach Zwettl und Ottenstein immer noch genügend Zeit, um Stift Altenburg einen Besuch abzustatten. Dieses weckte mein Interesse nicht nur wegen der unmittelbaren Nähe zu Schloss Rosenburg, welches ich unbedingt besuchen wollte (mehr dazu später), sondern auch wegen der fantasievollen und farbenprächtigen Wandmalereien. Diese gehen auf den ehemaligen Abt Placidus Much zurück, der als Bauherr dem Stift seine heutige Form gab. Man möge ihn nicht mit dem norwegischen Maler Edvard Munch verwechseln, der das berühmte Bild „Der Schrei“ schuf. Vielleicht hat Munch aber auch nur den Erzbischof gemalt, als er von den horrenden Baukosten erfuhr.

Für die Besichtigung des Stifts sollte man sich schon ein wenig Zeit nehmen. Um den Überblick zu behalten, wurde eine Art Rundweg angelegt, der an allen Orten von Interesse vorbeiführt. Ein kleiner Faltplan erleichtert zusätzlich die Orientierung. Man nähert sich dem Kloster vom Parkplatz über einen Vorplatz, dessen Kieswege von leuchtenden Lavendelbuschen gesäumt sind. Im Prälatenhof wendet man sich nach links, um ein Besucherticket zu erstehen. Mit diesem gelangt man in die inneren Räumlichkeiten und zu den Fresken.
Die Wandmalereien sind farbenfroh und entspringen teilweise einer überschäumenden Fantasie. Wie viele religiöse Gemälde, bringen sie auch symbolhaft Auffassungen und Meinungen der damaligen zeit zum Ausdruck.

Stift Altenburg

Stiftskirche

Sala terrena mit den bunten Malereien

Der Ostflügel erstreckt sich dabei über mehrere Etagen, die unterschiedliche Epochen in der Geschichte des Klosters zeigen. Ganz unten, im Untergeschoss, finden sich die Überreste des alten Klosters, auf denen die neuen Gebäude errichtet wurden. Von dort führt auch ein Ausgang zum Garten der Stille, der einen kleinen Teil jenes Geländes darstellt, der früher dem Abt zur Jagd diente. Im Untergeschoss gelangt man auch zur Krypta, die mit grellen Farben ausgemalt ist und wunderschön anzusehen ist. Was ein Toter davon hat, bleibt zwar die Frage, aber vielleicht wollte man auch nur für regelmäßigen Besuch sorgen. Ob der Abt tatsächlich hier bestattet wurde, ist unbekannt.

Alte Kapelle

Mauerwerk des alten Klosters, welches die unterste Etage bildet.

Auf diesem Foto sieht man gut die unterschiedlichen Bauepochen des Stifts.

Garten der Stille

Die farbenfrohe Krypta

Dies sieht schon eher nach einer bescheidenen Mönchsklause aus.

In den oberen Stockwerken entfaltet sich dann die ganze Pracht barocker Baukunst. Die Räumlichkeiten erinnern mehr an eine Fürstenresidenz, denn ein Gotteshaus. Das Marmorzimmer, die Kaiserstiege oder die Stiftsbibliothek waren in der Anschaffung mit Sicherheit nicht wohlfeil. Auch 21 Gastzimmer wurden in der Anlage verzeichnet. Sie waren geeignet, selbst dem Kaiser Unterkunft zu gewähren, doch sollte es dazu niemals kommen. Den prunkvollen Marmorsaal, das Tafelzimmer des Prälaten, kann man in den warmen Monaten nach 17.15 besichtigen, was ich auch tat, denn zufällig war ich just in diesem knappen Zeitraum (nur bis 17.56) anwesend.

Kaiserstiege

Ausstellungs-Sujet

Stiftsbibliothek. Zu Lebzeiten Placidus Muchs enthielt sie aber noch keine Bücher.

Deckenfresko

Bunter Stuckmarmor (ein Marmorimitat) wurde zuhauf verwendet.

Der Marmorsaal

Damit war dann der Tag (bis auf das Abendessen) gegessen. Ich fuhr noch das kurze Stück weiter bis zum Örtchen Rosenburg, wo ich mir ein Zimmer in einem Gasthof nahm. Vom Fenster hatte ich schon das Schloss Rosenburg im Visier, welches hoch über dem Kamp auf einem Felsen thronte. Ein schöner nächster Tag war angesagt, und ich freute mich schon darauf.

Schloss Rosenburg

Blick auf das Örtchen Rosenburg

Am nächsten Morgen fuhr ich gleich nach dem Frühstück hinauf zum Schloss. Über eine Brücke überquerte ich den Kamp, um kurz vor 10 Uhr auf dem fast leeren Parkplatz vor dem Schloss zu halten. Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel. Es gibt dort übrigens auch einen kleinen Seilpark, falls der Nachwuchs ein bisschen „abhängen“ möchte. Um Punkt zehn Uhr öffnete die Kasse. Das Ticket noch in der Hand (welches mit 15 Euro für einen Erwachsenen nicht billig ist; dabei ist zB. die Greifvogelschau nicht inkludiert, die Burgführung aber schon, was auf der Webseite etwas widersprüchlich dargestellt ist), stürmte ich durch das Tor, um ein paar Fotos vom noch menschenleeren Turnierhof zu machen. Im Prinzip ist es schon eine Burg, welche im Laufe der Geschichte zu einem Schloss erweitert wurde. Aber der Burgcharakter ist unübersehbar, und für mich ist es mehr eine prunkvolle Burg, als ein Schloss. Also ein Burgschloss, sozusagen, oder eine Schlossburg. Mit seinen spitz zulaufenden Türmen und den vielen Rosen (Nomen est omen!) war meine erste Assoziation ein Schloss von Walt Disney.

Der idyllische Kamp

Der Zutritt zum Schlossgelände

Der weit ausladende Turnierhof

Rosen, wohin man blickt.

Erstes Tor zum Burginneren

Ich hatte Glück, sofort eine Führung zu ergattern (ohne die man die Wohnräume der Burg nicht betreten darf). Eine Schulklasse hatte sich angekündigt, und der Führer wartete bereits im Innenhof, doch sie kam nicht. Da sich bereits einige Besucher versammelt hatten, beschloss der Führer ohne die Schüler zu starten. Wir sahen – neben den üblichen Utensilien wie Waffen und Rüstungen – auch solch interessante Gegenstände wie einen Tisch mit Sesseln, die so konstruiert waren, dass man selbst betrunken nicht auf den Boden gleiten, und schlimmstenfalls zum Ausnüchtern darin auch seine Nachtruhe verbringen konnte, und – und so etwas hatte ich wirklich noch nicht gesehen – ein zweiteiliger Plauderstuhl, auf dem sich die Gesprächspartner seitlich versetzt vis-a-vis gegenüber saßen. Die Mittellehne konnte entfernt werden, falls mehr Körpernähe gewünscht wurde.

Im Innenhof starten die Führungen. Da es nur wenige pro Tag gibt, ist ein bisschen Planung angeraten.

Dieses alte Burgtor sieht alt aus und ist es auch.

Innenhof des Burgmuseums (ehemaliger Wohnbereich)

Der Plauderstuhl. Wie geschaffen, um Jagderlebnisse zu berichten.

Bezaubernd auch ein kleiner, mauerumfasster viereckiger Teich mit Seerosen, die diversen Kräutergärten sowie der Rosengarten mit Dutzenden von Rosensorten, die sich alle in Farbe und Geruch unterscheiden. Hoch zufrieden verließ ich die Burganlage wieder.

Kräutergarten

Meine nächsten Besichtigungsziele lagen entlang des Kamp, im wunderschönen Kamptal. Mehr dazu beim nächsten Mal.

 

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Ein Stausee, der was aussieht wie ein Fluss

Zwettl ist eine der größeren Städte des Waldviertels, doch nichts des Orts wegen zog es mich dorthin. Im Prinzip folgen die Orte von Wein- und Waldviertel einem ähnlichen Plan. Ein schmucker Hauptplatz mit Kirche, Amtsgebäuden, vielleicht einer Pestsäule und einem Eissalon. Ein paar Lokale, meist auch eine Pizzeria. Ob Retz, Zwettl, Horn oder Mistelbach, man hat immer irgendwie das Gefühl, schon einmal dagewesen zu sein. Aber ein paar Kilometer außerhalb von Zwettl liegt etwas abseits das bekannte Stift Zwettl, und das wollte ich im Vorbeifahren doch gerne „mitnehmen“.

Blumenimpressionen von unterwegs

So schön die Stifte Österreichs anzusehen sind, so sehr lösen sie ambivalente Gefühle in mir aus. All dieser Prunk passt nicht zu einer Religion, die  – zumindest, wenn man der Authentizität der Worte Jesu im Neuen Testament Glauben schenken darf – in ihrem Ursprung Bescheidenheit, Besitzlosigkeit und Demut gepredigt hat. Wieso brauchen Mönche prunkvolle Räume, Ländereien und ein Domizil, das nach Geld stinkt? Wie war das doch noch mit dem Geben an die Armen? Diese Stifte sind natürlich Kulturgüter des Landes und Besucherattraktionen, doch sie mit diesem Protz zu errichten, war in meinen Augen grundlegend falsch. Die ursprüngliche Idee eines selbstversorgenden Meditier- und Studierzentrums war nachvollziehbar (vor allem, wenn man abseits lebte), doch sie wurde im Laufe der Zeit offenbar von geltungssüchtigen Kirchenleuten pervertiert.

Daher können Sie als Besucher auch im Klosterladen shoppen oder – passend zur Waldviertler Tradition – einen Fisch aus den Stiftsteichen erwerben. Sie können die Innenräume besichtigen oder in den Klostergärten flanieren. Der Klosterfrau Melissengeist ist übrigens zum Einreiben, nicht zum Trinken. Ich meine, man kann ihn natürlich auch trinken, sollte es aber nicht tun.

Stift Zwettl – Hof und Stiftskirche

Ich beschränkte mich auf eine Begehung der frei zugänglichen Außenbereiche. Immerhin kostet der Eintritt 10,50 Euro (für ein Modul), und ich hatte ja noch einiges vor. Ich kannte bereits Stift Melk und Stift Göttweig (und hatte Stift Altenburg noch im Visier), sodass ich nicht jedes Stift von innen gesehen haben musste. Aber auch von außen war es äußerst apart anzusehen. Der helle, barocke Innenhof stand im krassen Kontrast zum dunklen Turm der Stiftskirche. Die Gärten waren symmetrisch angelegt, der Rasen kurz getrimmt und die Beete mit Blumen und duftenden Kräutern bepflanzt. Bruder Gärtner hatte einen guten Job gemacht. Vor allem der lila blühende Lavendel stach aus dem frischen Grün heraus.
Für die Innenansicht des Klosters verweise ich auf die Internetseite des Stifts.

Stiftsgärten

Blick auf die Stiftskirche

Ein bisschen Kitsch muss sein.

Einen Ort, den ich schon seit längerem einmal besuchen wollte, war der Ottensteiner Stausee. Auf der Karte betrachtet, sieht er wie ein langer, zerklüfteter Fjord aus. An seiner Ostseite liegen ein Campingplatz, eine Ruine und ein Bootsverleih, allerdings auf gegenüber liegenden Ufern. Der Bootsverleih (samt Restaurant und großem Parkplatz) liegt bei Peygarten-Ottenstein. Die Ruine Lichtenfels, die auch dem Campingplatz seinen Namen gab, liegt heute auf einer Halbinsel nahe beim Seeufer. Das war nicht immer so. Ursprünglich lag die Burg auf einem Hügel über dem Kamp, doch nach dem Fluten der Umgebung änderte sich dies drastisch. Einst eine wehrhafte Burg, wurde sie im Laufe des 18. Jhdt. zunehmend vernachlässigt. Hätten die Burgherren also ein paar hundert Jahre zugewartet, so läge jetzt eine tolle Urlaubs-Location zu ihren Füßen.

Von Zwettl folgte ich der Böhmerwald Bundesstraße nach Ottenstein. Wieder zeigte sich das Wetter etwas durchwachsen: als ich ankam, war es noch sonnig, doch schon bald zog dichte Bewölkung auf. Das hielt mich zwar nicht von einer kurzen Bootsfahrt ab, doch so richtige Hochstimmung wollte nicht aufkommen. Immerhin kam ich der Ruine nah genug, um festzustellen, dass sie wirklich nicht mehr bewohnt war. Im Anschluss verkostete ich noch eine Ottensteiner Fischsuppe, die wirklich gut schmeckte. Den oder die Fische darin vermochte ich nicht zu identifizieren, doch eine Genanalyse hätte sicherlich Klarheit verschafft.

Bootsanlegestelle am Stausee Ottenstein. Am gegenüber liegenden Ufer ist die Ruine Lichtenfels erkennbar.

Seebären können zwischen einer geführten Bootstour und kleinen Mietbooten wählen.

Badende unterhalb der Ruine. Warm wird der Stausee aber vermutlich nicht sein.

Die Navigation ist einfach. Für den gesamten See wäre aber vermutlich schon ein Tag, sowie das nötige Kleingeld für die Bootsmiete einzuplanen.

Ich bitte um Verzeihung, dass ich nun schon wieder mit einer Burg daher komme, aber sie war nicht geplant. Wie schon vorher erwähnt, hatte ich noch das weiter östlich gelegene Stift Altenburg im Visier. Auf dem Weg dahin erblickte ich eine Burg auf einem Hügel. So weit nichts Neues. Ich hatte die Burg Ottenstein gefunden, die auf der Karte auch als Schloss Ottenstein vermerkt ist, doch die Bezeichnung „Burg“ trifft es entschieden besser. Also bog ich in die Nebenstraße ein und folgte ihr bis zum Parkplatz des Hotels Ottenstein. Ich beschloss, mich ein wenig auf dem Burggelände umzusehen. Zu den Veranstaltungen, die auf Ottenstein geboten werden, zählt auch ein Krimi-Dinner. Wenn Sie also neben einer toten Fliege in der Suppe auch eine Leiche auf dem Hotelzimmer finden, dann könnte das davon herrühren.

Burg Ottenstein

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Ein Moor und noch eine Burg

Von Rapottenstein fuhr ich also nach Schrems, zum Naturpark Hochmoor Schrems. Um Zeit zu sparen (der Tag neigte sich bereits seinem Ende zu), fuhr ich auf gut ausgebauten Bundesstraßen Richtung Norden. Beim Besucherzentrum des UnterWasserReich Schrems ließ ich das Auto stehen und informierte mich über mögliche Wanderrouten. Diese waren auch vorbildlich ausgeschildert.

Waldviertler Landschaft

Waldviertler Landschaft

Moore sind Feuchtgebiete, in denen der Boden permanent unter Wasser steht. Er trocknet also niemals aus. Das Wasser kann dabei von oben in Form von Regen, oder von unten in Form von Grundwasser kommen. Bei einem Hochmoor trifft ersteres zu. Sie sind insofern außergewöhnliche Lebensräume, da der Boden sauer und nährstoffarm ist, und daher nur eine begrenzte Zahl an angepassten Pflanzen und Tieren vorkommen. Ein gesundes Moor lagert laufend Torf ab, dadurch wächst es langsam in die Höhe. Dieser Torf wurde schon früh aus dem Moorboden „gestochen“ und als Brennmaterial, Dünger und als Baustoff verwendet. Heute gibt es nur mehr wenige intakte Moore, sie stehen daher unter Naturschutz.

Ich entschied mich für die grün markierte „Tut gut“-Route 1, die auf 4,5 km durch das Kerngebiet des Naturparks hindurch führt. Der Moorlehrpfad zu Beginn und die „Himmelsleiter“ weckten meine Neugier, während ich dem „Prügelsteig“ und dem „Moortretbecken“ mit gemischten Gefühlen entgegensah. Vor meinem geistigen Auge formte sich die Vision eines garstigen Moor-Kobolds, der mit seinem knorrigen Knüppel auf mich einprügelte, und etwas von „seinem Schatz“ murmelte.

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Teich beim Besucherzentrum

Teich beim Besucherzentrum

Dem Wochentag geschuldet, schritt ich weitgehend alleine durch diese ungewöhnliche Landschaft. An der Himmelsleiter angekommen, entpuppte sich diese als hohe, hölzerne Treppe, an derem Ende ein guter Ausblick über die Umgebung wartete. Der „Moorblick“ war allerdings insofern eingeschränkt, als zwischen den Bäumen nur eine kleine Stelle mit Wasser zu sehen war.

Moorlehrpfad zu Beginn des Wegs.

Moorlehrpfad zu Beginn des Wegs.

Himmelsleiter

Himmelsleiter

Moorblick

Moorblick von der Himmelsleiter

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Als ich mich dem Prügelsteig näherte, gelangte ich ins Kerngebiet des Moores. Die Wassertümpel nahmen zu, gefüllt mit klarem, kaltem und sehr dunklem Wasser. Kleine, moosartige Pflanzen bildeten einen dichten Teppich, aus dem grüne Halme und lilienartige Gewächse empor ragten. Dazwischen wuchsen gedrungene Gewächse, die man nur an solchen Stellen findet. Einen Sonnentau sah ich leider nicht. Die letzten Strahlen der tief stehenden Sonne entfachten ein schön anzusehendes Farbenspiel.
Übrigens: dem Kobold bin ich nicht begegnet.

Typische Moorvegetation

Typische Moorvegetation

Prügelsteg

Prügelsteg

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Das Moortretbecken bietet Gelegenheit, mit nackten Füßen durch knöchelhohen Moorschlamm zu gehen. Damit man nicht bis zum Hals einsinkt, falls eine Stelle doch einmal etwas tiefer sein sollte, gibt es ein Holzgeländer zum Anhalten. Da ich keinen Sinn darin sah, mir die Füße schmutzig zu machen, in unmittelbarer Nähe nichts zum Abwaschen fand und obendrein nichts zum abtrocknen dabei hatte, widerstand ich dem Drang, die Sau in mir heraus zu lassen, sondern spazierte auf weichen, wurzelbedeckten Waldböden weiter.

Moortretbecken

Moortretbecken

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Die Dunkelheit brach allmählich herein, und ein Schlafplatz für die Nacht tat Not. Im Schremser Zentrum fand ich ein Zimmer im Gasthof Schönauer. Damit war ich für den nächsten Tag gerüstet. Unter Umständen wäre es möglich gewesen, im Naturpark unter Bäumen zu übernachten, doch was, wenn es den Kobold tatsächlich gab?

Nach Natur pur stand am nächsten Tag wieder eine Burg auf dem Programm – die Burg Heidenreichstein. Einen Besuch der nahe gelegenen Blockheide mit ihren spektakulären Wackelsteinen verwarf ich angesichts von Zeitmangel und Wetterbericht. Nach einer kurzen Fahrt ins nordöstlich gelegene Heidenreichstein, stand ich kurz vor zehn Uhr, und damit kurz vor dem ersten Einlass, vor der Wasserburg Heidenreichstein. Laut Internet handelte es sich um die größte erhaltene Wasserburg Niederösterreichs. Früher mag sie von allen Seiten von Wasser umgeben gewesen sein, heute trifft das nur mehr auf einen Teil zu. Teile des inneren Wassergrabens wurden einfach zugeschüttet und zu einem Garten umgestaltet. Die Zugbrücken gibt es immer noch. Die Mauern ragen hoch auf und sind massiv, leicht erkennt man von außen, welche Teile der Anlage am ältesten sind. Der runde Bergfried soll bis ins 12. Jhdt. zurückdatieren.

Burg Heidenreichstein

Burg Heidenreichstein

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Wieder erhielt ich eine Privatführung. Das Fotografieren in den Räumen war mir leider nicht gestattet. Der Innenhof wirkte beengt, es wurde restauriert, ein deutlicher Riss zog sich durch den oberen Teil eines hohen, viereckigen Turms – das Ergebnis eines Blitzeinschlags. Der Eigentümer der Burg, der heutige Burgherr sozusagen, bewohnt mit seiner Familie einen neueren Trakt der Anlage, vermutlich ein ehemaliges Wirtschaftsgebäude.

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Hier erkennt man noch den ursprünglichen Charakter.

Hier erkennt man noch den ursprünglichen Charakter.

Bewohnter Gebäudetrakt

Bewohnter Gebäudetrakt

Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an die Funktion dieses Männchens erinnern. Es hatte mit Wasser zu tun. Möglicherweise speite es Wasser, das von oben herab kam.

Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an die Funktion dieses Männchens erinnern. Es hatte mit Wasser zu tun. Möglicherweise speite es Wasser, das von oben herab kam.

Ehemaliger Burggraben

Ehemaliger Burggraben

Als ich die Burg verließ, kam endlich die Sonne hinter den Wolken hervor. Neben der Burg gibt es noch weitere Attraktionen in Heidenreichstein. Zum einen den Naturpark Heidenreichsteiner Moor. Und in der Käsemacherwelt, einer Schaukäserei, erfahren Besucher, wie man Käse herstellt, inklusive angeschlossener Verkostung (übrigens auch eines der TOP-Ausflugsziele Niederösterreichs). Da ich berufsbedingt eine solche schon einmal besichtigt hatte, setzte ich meinen Weg Richtung Zwettl fort.

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Wild Wild Waldviertel

Als in Wien Wohnender liegen Ausflugsziele innerhalb des Weinviertels in lockerer Distanz für Tagesausflüge, auch das nahe, grenznahe Ausland (Slowakei, Tschechien, Ungarn), doch was das Waldviertel betrifft, mit seinen einsamen und gewundenen Straßen, muss man für gewöhnlich doch mehr Zeit aufbringen, damit sich die Fahrt lohnt. Und so begab ich mich diesen Sommer auf eine dreitägige Tour durch diesen ruhigen Teil Niederösterreichs, mit dem Ziel, einen guten Überblick über die besten Sehenswürdigkeiten und Plätze zu bekommen. Ein Überblick, nicht mehr, denn drei Tage reichen bei weitem nicht, um in den letzten Winkel vorzudringen, aber eine interessante Auswahl, die den Appetit auf mehr anregt.

Was das Waldviertel so besonders macht, ist leicht erklärt. Es ist die Weite einer großartigen Landschaft, die sich windenden Straßen durch Äcker und Wälder, dieser Überfluss an Grün, und nicht zuletzt die Naturparks und kulturellen Sehenswürdigkeiten wie Klöster und Burgen. Fährt man mit dem Auto herum, so blickt man auf einen Horizont, der in weiter Ferne liegt und auf eine Landschaft, die nie aufzuhören scheint. Dann wieder geht es durch dunkle, fast mystisch anmutende Waldabschnitte. Abseits der gut ausgebauten Schnellverbindungen begegnet man nur wenigen Autos.

Ich werde das Erlebte nicht in einen Blogbeitrag hineinpacken. Zu viel des Guten verdirbt immer den Magen. Es verursacht Völlegefühl und Verstopfung. Deshalb werde ich das Erlebte in kleine Appetithäppchen aufteilen, dafür mit vielen Fotos garniert, komponiert zu einer feinen Mahlzeit. Dieser Beitrag und auch die nächsten werden sich daher in Folge rund um das Waldviertel drehen. Ich hoffe, Sie begleiten mich.

Inkonsequenterweise beginne ich meine Runde mit der Burg Clam, die in Oberösterreich liegt, aber dennoch einen guten Ausgangspunkt darstellt. Viel hört man von dieser Burg, die unter anderem als Location für Konzerte dient, wobei die Bühne selbst nicht in, sondern vor der Burg liegt. Sie ist auch ein beliebter Begriff in Kreuzworträtseln. Aus diesen beiden Gründen kannte ich sie überhaupt. Konzerte und Kreuzworträtsel. Doch diese Verniedlichung wird ihr nicht gerecht, wenn man sich ein bisschen über ihre Geschichte informiert. Es ist eine Burg, die niemals eingenommen wurde, was etwas verwunderlich erscheint, denn sie ist gut zugänglich, und der Mittelteil der Burg, der alte Wohnbereich, sieht aus wie ein Werbe-Sujet für Stiegl-Bier. Aber man darf nicht vergessen, dass die Burg mehrmals umgebaut, und in jüngeren Jahren auch wohnlicher gestaltet wurde. Der raue Habitus einer Wehrburg war nicht mehr erforderlich. Deshalb sehen viele Burgen heute auch so herausgeputzt und geschniegelt aus, was einen leicht vergessen lässt, wie hart und unkomfortabel das Leben darin gewesen sein musste, selbst für die Burgherren.

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Die Burg Clam vom Ort Klam ausgesehen (kein Rechtschreibfehler).

Die Burg vom Veranstaltungsgelände aus gesehen.

Die Burg vom Veranstaltungsgelände aus gesehen.

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Der mächtige Rundturm ist einer der ältesten Teile der Burg.

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Der Blick von Burg Clam reicht weit in die umgebende Landschaft. Dies erleichterte die Kommunikation mit benachbarten Burgen.

Der Blick von Burg Clam reicht weit in die umgebende Landschaft. Dies erleichterte die Kommunikation mit benachbarten Burgen.

Die Räumlichkeiten der Burg sind nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Da es unter der Woche ist, bin ich der Einzige hier, nachdem eine Schulklasse bereits zuvor abgefertigt wurde. So eine Exklusivführung ist ja immer etwas Schönes, da man den Ablauf sehr gut personalisieren kann, und man immer im Mittelpunkt steht. Nicht, dass mir das wichtig wäre. Es macht es nämlich bedeutend schwieriger, sich mal klammheimlich zu verdrücken, wenn einem die Ausführungen des Führers zu ausführlich werden, oder wenn man mehr Zeit für Fotos braucht.

Der Innenhof ist so hübsch und liebevoll dekoriert, dass sich eine feindliche Horde beim Betreten wohl artig die Schuhe abgeputzt und sich, Worte der Entschuldigung murmelnd, verschämt lautlos zurückgezogen hätte. Im krassen Gegensatz dazu steht das knorrige, mit Metallbeschlägen verstärkte Tor, welches angeblich noch das originale, und aus diesem Grund besonders alt ist. Niemals traten Feinde durch es hindurch (weshalb meine Vermutung von vorhin ungeprüft im Raum stehen bleiben muss). Die Einrichtung ist eher jüngeren Datums, ganz besonders die elektrischen Luster und Nachttischlampen. Auch das Bärenfell vor dem Bett war wohl eine relativ moderne Requisite, denn ein gestandener, raubärtiger Ritter legte sich mit Sicherheit einen echten, lebenden Bären vor seine Schlafstätte. Vielleicht schlief er überhaupt auf ihm.

Innenhof

Innenhof

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Das originale Tor zum Innenbereich wurde nie von Feinden überwunden.

Das originale Tor zum Innenbereich wurde nie von Feinden überwunden.

Trotzdem können ein paar Wachen nicht schaden.

Trotzdem können ein paar Wachen nicht schaden.

Eine eigene Burgapotheke kann nicht schaden.

Eine eigene Burgapotheke kann nicht schaden.

Rustikale Einrichtung

Rustikale Einrichtung

Und eine lange Tafel darf natürlich auch nicht fehlen. Wo bleibt denn sonst die Völlerei?

Und eine lange Tafel darf natürlich auch nicht fehlen. Wo bleibt denn sonst die Völlerei?

Ich bemerkte ja schon in meinem letzten Artikel, dass beinahe jedes Bundesland ein „Burgenland“ ist. Auch Niederösterreich. Von Burg Clam ging es nun wirklich ins Waldviertel, mit Ziel Burg Rapottenstein. Schon auf diesen ersten Kilometern waldviertlerischen Bodens merkte ich, wie relativ Zeit in diesem Landstrich ist. Aufgrund der Topografie und der sich dahinwindenden Straßen, dauert es relativ lange, bis man eine bestimmte Wegstrecke zurückgelegt hat. Da es viel Natur zu bewundern gibt, ist dies nicht weiter schlimm (solange man es nicht eilig hat). Hügel, goldgelbe Äcker, Wälder und urige Granitblöcke sind die typischen Zutaten. Unterwegs passiere ich auch die Burgruine Arbesbach, die der Erwartungshaltung an eine Ruine hundertprozentig gerecht wird, da nur mehr ein Turm von ihr übrig geblieben ist.

Ein paar Impressionen entlang des Wegs ...

Ein paar Impressionen entlang des Wegs …

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Ruine Arbesbach

Ruine Arbesbach

Das Waldviertel ist steinreich ...

Das Waldviertel ist steinreich …

Die Burg Rapottenstein hingegen, unweit des gleichnamigen Ortes, ist dagegen wieder überaus imposant anzusehen. Auch von ihr wird behauptet, niemals durch feindliche Hand eingenommen worden zu sein, und angesichts der mächtigen Mauern nimmt man ihr das auch ab. Ein ausgeklügeltes Verteidigungssystem, bestehend aus fünf Vorhöfen und acht Toren, trug das seine dazu bei. Schon die ersten Blicke auf die Burg sind beeindruckend. Noch beeindruckender wird es, wenn man links um sie herum geht, denn dann bekommt man einen guten Eindruck von der gesamten Anlage. Wie viele andere Burgen auch, wurde sie auf einem soliden und mächtigen Granitsockel aufgebaut.

Imposant wirkt Rapottenstein schon auf den ersten Blick.

Imposant wirkt Rapottenstein schon auf den ersten Blick.

Viele dicke Meter Stein schützen den Burgkern.

Viele dicke Meter Stein schützen den Burgkern.

Blick durchs Schlüsselloch

Blick durchs Schlüsselloch

Auch Rapottenstein ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Schon auf den ersten Metern beeindruckt die wuchtige Konstruktion der meterdicken Mauern. Wirtschaftsgebäude und Naturstein verschmelzen zu einer Einheit. Endlich betritt man den eigentlichen Burgkern durch ein weiteres Steintor und eine Treppenanlage. Der enge Innenhof des mehrstöckigen Wohngebäudes ist hübsch restauriert, trotzdem wurde der rustikale, mittelalterliche Eindruck bewahrt. Ungewöhnlich auch die Wandmalereien, die aus dem 16. Jhdt. stammen. Die Einrichtung ist wie zumeist jüngeren Ursprungs und wirkt daher fast zu modern. Weitaus rustikaler, und entschieden ungemütlicher ist dagegen der Kerker-Trakt, dem man ansieht, dass der Unterschied zwischen Todesstrafe und Verlies nur der Zeitfaktor war.

Erst nach dem Durchschreiten mehrer Burgtore gelangt man in den Wohnbereich.

Erst nach dem Durchschreiten mehrer Burgtore gelangt man in den Wohnbereich.

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Im Mittelalter wurde eben noch solide gebaut.

Im Mittelalter wurde eben noch solide gebaut.

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Wie soll man diesen Verteidigungsring auch knacken?

Wie soll man diesen Verteidigungsring auch knacken?

Endlich im inneren Bereich angekommen.

Endlich im inneren Bereich angekommen.

Die Wandfresken sind etwas Besonderes und nicht auf jeder Burg anzutreffen.

Die Wandfresken sind etwas Besonderes und nicht auf jeder Burg anzutreffen.

Das stille Örtchen von Anno dazumal. Das Häufchen plumpst ins Freie. Alles Gute kommt von oben.

Das stille Örtchen von Anno dazumal. Das Häufchen plumpst ins Freie. Alles Gute kommt von oben.

Der hübsche Burggarten

Der hübsche Burggarten

Spätestens im Verlies ist dann Schluss mit Lustig.

Spätestens im Verlies ist dann Schluss mit Lustig.

 

Nach zwei Burgen in Serie ist mir nun nach etwas Natur. Daher fahre ich Richtung Norden zum Naturpark Schremser Hochmoor, mit dem UnterWasserReich Schrems als Ausgangspunkt. Mehr dazu beim nächsten Mal.

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