Seebenstein und Türkensturz

Hier saß ich also vor dem Computer und war verwirrt. Da war die Rede vom Naturpark Seebenstein und vom Naturpark Türkensturz, die manchmal aber in einem Atemzug genannt wurden. Ein Blick auf die Karte ergab, dass beide in unmittelbarer Lage zueinander koexistierten. Ich fand eine Wanderung, die beide Hotspots, nämlich die Burg Seebenstein und den Türkensturz, in einer gemütlichen Wanderung vereinte (Streckenprofil). Bei einer Gehzeit von gerade einmal 2,5 Stunden, wie angegeben, stellte sich natürlich die Frage, warum nicht gleich beide Naturparks in einem vereinigen, zumal der Türkensturz nicht mehr als ein imposanter Felsen ist, auf dessen Spitze man eine künstliche Ruine errichtet hatte, und nicht etwa eine orientalische Süßspeise, wie man angesichts des Namens auch vermuten könnte. Doch verbirgt sich hinter diesem Namen eine historische Begebenheit, zu der ich etwas später noch kommen werde.

7,5 km Wanderung mit lässig-leichten 320 Höhenmetern ist natürlich etwas für die ganze Familie. Theoretisch. Meist muss man schon etwas Überzeugungsarbeit leisten, um die lieben Kleinen (mittlerweile Teenager) mitzuschleifen, aber es lohnt die Mühe. Es gelänge wesentlich leichter, hätte man auf den historischen Gemäuern einen WLAN-Hotspot eingerichtet, aber ich bin der Meinung, dass man Kinder auch frühzeitig auf den Ernst des Lebens – also einen kompletten Internet-Ausfall – vorbereiten muss.

Das Auto lässt man in Seebenstein stehen. Gleich neben einer Bäckerei, bzw. der Feuerwehr gibt es einen großen Parkplatz, der auch nicht weit vom Freibad entfernt ist. Man steht sozusagen gleich am Beginn der Runde. Praktischerweise gibt es dort auch gleich ein paar Informationstafeln, damit man beruhigt losmarschieren kann, auch wenn Survival-Kit und Kompass zu Hause geblieben sind.

Eine Besichtigung der Burg Seebenstein will gut geplant sein.

Die Ausfahrt der Burg ist freizuhalten, damit die Rittersleut‘ freie Bahn haben.

In welche Richtung man die Runde geht, ist prinzipiell egal. Wir folgten dem neuen Schlossweg/Türkensturzweg Richtung Türkensturz, den wir nach ca. 45 Minuten erreichten. Die künstlich angelegte Imitation einer Ruine (es handelt sich um keine ehemalige Burg) erinnert an ein kriegerisches Ereignis im Jahre 1532. Ein türkisches Heer wurde bei Enzesfeld bei Fischau geschlagen und eine versprengte Reitergruppe von erbosten Einheimischen auf besagten Felsen gehetzt und in den Tod getrieben. So will es zumindest die Legende. Tatsächlich geht es vom Aussichtspunkt ganz schön tief hinunter, und wer da hinab gestoßen wird, reagiert mit Sicherheit letal.

Unwegsamer als hier wird der Weg nicht.

Der Türkensturz

Hier sieht man, wie exponiert die Stelle ist.

Vom Türkensturz gibt es mehrere Möglichkeiten, weiterzugehen, aber die geläufige führt über die kleine Ortschaft Sollgraben gemütlich weiter über gute Fußwege zur Burg Seebenstein, was ungefähr eine weitere Stunde dauert. Die Namensgebung von Sollgraben wäre interessant (vielleicht gab es eine Prophezeiung: An diesem Ort sollst du graben; du wirst finden einen Brunnen, dort lasse dich nieder. Oder eine Schatzkarte mit einer Markierung und der Beschriftung „hier soll graben“ ). Die Wege sind an sich gut ausgeschildert, auch wenn ich nicht verstehe, warum man allerorts die Dorftrottel die Wege markieren lässt. Zwei Mal wurde die Markierung an einer Weggabelung, an der beide Wege eine gewisse Berechtigung gehabt hätten, der richtige zu sein, an einem Baum angebracht, der genau in der Weggabel stand und nicht den geringsten Anlass bot, einen der beiden Wege zu favorisieren. Es signalisierte quasi: ja, du bist auf dem richtigen Weg … bis jetzt zumindest. Wären diese die einzigen Bäume in einem Umkreis von hundert Metern gewesen, ich hätte noch einen Funken Verständnis für diese Art der Markierung aufbringen können. Doch gab es eine Vielzahl weiterer Bäume in Folge, an denen eine angebrachte Markierung eindeutig den Weg gewiesen hätte (die Sollgraben Alm fanden dafür weder wir, noch entgegenkommende Wanderer). Sei’s drum, wir fanden den richtigen Weg und erreichten so die Burg Seebenstein, die auf einer sonnigen Wiese auf uns wartete und viel besser war, als man das vermuten durfte. Einen solchen Kasten, noch dazu fein modelliert, hätte ich mir nicht erwartet. Da wir außerhalb der angegebenen Führungszeiten eintrafen, blieb uns jedoch der Eintritt verwehrt.

In Sollgraben

Einfach eine nette, gemütliche Wanderung.

Burg Seebenstein. Eine mächtige Burganlage

Hier ist der Haupteingang. An der Hinterseite der Burg geht es steil bergab.

Ein doch relativ ungewöhnliches Burgdesign. Wären die Mauern bunter, ich würde wetten, dass der Architekt ein Vorfahre vom Hundertwasser war.

Ein unscheinbarer Wegweiser am Rande der Wiese weist den Weg ins Gestrüpp zur Lutherkanzel. Von diesem natürlichen Felsvorsprung hat man eine schöne Aussicht, unter anderem auf das Freibad unter einem.

Die Lutherkanzel

Aussicht von der Lutherkanzel. Den Sprung ins kühle Nass würde ich von heroben jedoch nicht wagen.

Der weitere Abstieg ging rasch vonstatten. Der Abstecher ins Bad entfiel, da die dunklen Gewitterwolken, die sich über dem Semmering/Rax-Gebiet in der Ferne zusammengebraut hatten, immer näher kamen. Insofern eignet sich dieser Ort auch für eine kleinere Wanderung an gewitterträchtigen Tagen, da man in Seebenstein einen gewissen Respektabstand zu den Klassikern der Wiener Hausberge einhält (dafür ist es nicht auf der Wanderkarte „Wiener Hausberge“ abgebildet; alles kann man halt nicht haben).

Realistisch betrachtet, lässt sich die eingangs gestellte Frage so beantworten: es ist im Prinzip ein Naturpark, und zwar der NP Seebenstein, der eben auch den Türkensturz als scenic point beinhaltet. Dass es zwei sind, liegt vermutlich daran, dass eine Ortschaft geschrien hat, „Wir wollen auch einen Naturpark!“ Der Bürgermeister lässt sich wahrscheinlich heute noch als Held feiern.

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Was tun in Spitz?

Spitz ist nicht nur ein Fabrikant verschiedenster Lebensmittel, sondern ein lieblicher Ort in der schönen Wachau. Im April war es wieder einmal soweit, dass die Marillenblüte bevorstand, was jedes Jahr eine Massenwanderung in das schmale Donautal nach sich zieht. Dank des Internets ist man jederzeit bestens informiert, wann denn dieses Ereignis akurat den Höhepunkt erreicht, wodurch auch gewährleistet ist, dass immer alle Marillenblüten-Watcher gleichzeitig herbei eilen. Gemeinsam stauts sich einfach besser. Schenkt man den Aussagen glauben, so verwandelt sich in jenen Tagen die gesamte Region in ein Blütenmeer. Ich wollte es dieses Jahr daher genau wissen (eigentlich meine Frau), und so begaben wir uns vierrädrig ins Epizentrum der floristischen Verzückung.

Gleich vorweg: Ich finde die Blütenhysterie doch ein wenig übertrieben. Zwar hatten wir den Höhepunkt um wenige Tage verpasst (den Höhepunkt der Marillenblüte), doch präsentierten sich die Bäume bei weitem nicht in einem Zustand, dass man vor lauter Blüten die Wachau nicht mehr sähe. Selbst wenn sie in vollster Blüte stünden, so stehen die Bäume nicht so flächendeckend dicht beinander, dass sie in der Lage wären, jenes Phänomen hervorzurufen, welches jedes Jahr vorab beschworen wird. Zumindest in Spitz.

Obstbäume stehen in und um Spitz schon viele herum.

Die Wachauer Marille ist den Spitzern ein Anliegen, das merkt man sogleich.

Doch lohnt ein Besuch in Spitz allemal. Wer bereits in Dürnstein war und die gleichnamige Burgruine besucht hat, oder von der anderen Seite kommend Stift Melk oder die Burgruine Aggstein visitiert hat, der findet in Spitz doch genug zu sehen und gehen, um zumindest einen halben Tag beschäftigt zu sein. Natürlich kann man auch mit dem Donauschiff anreisen, womit dann der Tagesausflug komplett gemacht wird.

Ich empfehle, die Gegend mittels Gehen zu erkunden. Dazu braucht es auch nicht besonders viel Kondition, denn meine beiden Töchter haben es auch geschafft. Da gibt es zum Einen den Rotes-Tor-Rundweg, der durch die Weingärten über das Rote Tor aus Spitz hinaus in den Wald führt und entlang des Radlbach wieder nach Spitz zurück. Das auffällige am Roten Tor ist, dass es gar nicht rot gefärbt ist, ja nicht einmal in einer anderen Farbe. Der Legende nach verteidigten sich hier die Spitzer gegen die angreifenden Schweden im dreißigjährigen Krieg, und verloren gar manchen Liter Blut, welches das Tor rot färbte. Man hätte zumindest ein paar Spritzer roter Farbe anbringen können, um diese Begebenheit zu illustrieren, denn der heutige, medienverwöhnte (oder -geplagte?) Mensch liebt es plakativ. Man hätte den Künstler Hermann Nitsch dafür engagieren können, das hätte beeindruckt, wenn er den Inhalt eines halben Ochsen an den Stein geschmiert hätte. Doch dafür ist man in Spitz zu fantasie- oder mutlos.

Die sanften Hügel und Weinberge um Spitz ermöglichen Softwandern für jedermann. Der Hügel im Hintergrund ist der Tausendeimerberg.

Das Rote Tor, wie man sieht.

Blick vom Roten Tor

Wer höher hinaus will, der geht den Buchberg-Rundweg, der in die andere Richtung hin ausgeschildert ist (aber auch über das Rote Tor führt). Mit 702 m ist der Buchberg-Gipfel auch bedeutend alpiner als die Spitze des Tausendeimerbergs, der gleich neben Spitz und direkt an der Donau in die Höhe schießt, und auf dem man sogar ein echtes Gipfelkreuz montiert hat, obwohl er sich allenfalls bis auf maximal 300 m über Meeresniveau erhebt (was aber keiner mitkriegt, da das Meer weit entfernt ist, und das ehemaligeMeer von vor rund 12 Mio. Jahren halt auch keine echte Referenz mehr darstellt. Dennoch kann man mit Fug und Recht behaupten, einen echten Gipfelsieg errungen zu haben, und einen schönen Rundblick über Spitz bekommt man als Draufgabe quasi geschenkt dazu. Seinen Namen verdankt der Tausendeimerberg übrigens der Tatsache, dass man in guten Jahren bis zu 1ooo Eimer Wein ernten konnte. Wer den Aufstieg auf den Berg nicht ohne Pause bewältigt, sollte schleunigst einen Arzt seines Vertrauens aufsuchen.

Blick vom Rastplatz auf dem Buchberg. Der Gipfel ist noch einmal 1o m höher gelegen.

Schön sind die blühenden Marillenbäume …

… aber auch andere Bäume blühen schön.

Auf dem Tausendeimerberg

Blick vom Tausendeimerberg hinüber zur Burgruine Hinterhaus.

Vom Berg aus kann man gleich zur Burgruine Hinterhaus weitergehen (zart besaitete Gemüter legen vorher noch eine Rast ein), die unmittelbar auf einem Felsvorsprung an der Donau liegt und die man über einen kurzen Waldweg erreicht. Und der Weg lohnt allemal, denn es ist eine sehr schöne Ruine, von der man ebenfalls einen sehr schönen Blick über Spitz und die Donau erhält.

Blick vom Tausendeimerberg hinüber zur Burgruine Hinterhaus.

Im Inneren der Ruine

Blick von der Burg

So hat die Burg ausgesehen, bevor sie zur Ruine wurde (Ausgestelltes Bild im Burginneren).

Zu diesem kleinen Pavillion zweigt ein kurzer Weg vom Pfad zur Burg ab.

Wandermöglichkeiten gibt es in der Umgebung reichlich.

Fürs Kulinarische ist ja ohnehin gesorgt, so viele nette Einkehrmöglichkeiten gibt es, oder, für alle Freunde eines guten Tropfens, auch jede Menge Heurige. Wer also fleißig gewandert ist, der hat sich die Einkehr redlich verdient. Alle anderen mögen mit einem schlechten Gewissen völlern.

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Weiter neben der Bahn wandern

Letztes Jahr habe ich ja bereits einen Teil des Semmeringer Bahnwanderwegs vorgestellt, und zwar den Abschnitt zwischen Semmering und Breitenstein. Es ist wahrscheinlich der schönste und spektakulärste Bereich dieser Strecke. Trotzdem nahm ich mir damals vor, im kommenden Jahr auch den Rest bis nach Gloggnitz zu erwandern. Daher startete ich diesmal an der Bahnstation in Breitenstein, um über Klamm bis nach Gloggnitz zu gehen. Zurück würde ich passender Weise mit der Semmeringbahn fahren. Im Vorjahr verkehrte diese wegen Bauarbeiten entlang der Gleise nicht, weswegen ein Ersatzverkehr mit Minibussen diese Aufgabe übernahm.

Dass die Bauarbeiten immer noch andauern, erfuhr ich bereits nach kurzem Marsch. Im Prinzip ist der Bahnwanderweg fast auf dem gesamten Teilstück zwischen Breitenstein und Klamm gesperrt. Die Umleitung führt fast überwiegend über asphaltierte Nebenstraßen, was ich enttäuschend fand, verbinde ich Asphaltwege doch keineswegs mit Wandern. Asphalt toleriere ich ausnahmslos unter Autoreifen. Selbst mit dem Fahrrad bewege ich mich auf Asphalt nur bei einem Familienausflug. Offroad verheißt Glück, Asphalt eher Langeweile.

Unterwegs trifft man auf zahlreiche Informationstafeln.

Blick zurück auf Breitenstein

Obendrein ließ mich das Wetter zunächst im Stich. In der Früh hatte es noch geregnet, die Wolkenschwaden verhüllten die Gipfel, und es war mit 14 Grad etwas kühl. Entsprechend hurtig marschierte ich weiter, sodass ich nach nicht einmal einer Stunde den Ort Klamm erreichte. Dort machte die gleichnamige Burgruine, die einladend auf einem Felsen thronte, Lust auf eine Besichtigung, doch ist sie leider in Privatbesitz und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Also weiter Richtung Bahnhof Gloggnitz.

Klamm mit Burgruine

Kurz vor Klamm gelangte ich wieder zurück auf den originalen Bahnwanderweg, und es war gut, die Züge, deren Pfeifen und Rattern ich davor nur aus der Ferne gehrt hatte, wieder in voller Größe zu sehen. Das Gros der Züge macht der Güterverkehr aus, manchmal passierte mich alle paar Minuten eine weitere Garnitur. Das Wetter besserte sich zusehends, und als ich von der Haltestelle Eichberg auf Gloggnitz hinab blickte, da lachte bereits die Sonne vom Himmel.

Entlang des originalen Bahnwanderwegs wandert man in steter Begleitung vorbeifahrender Züge.

Der Weg ist dabei immer gut ausgeschildert. Zusätzlich gibt es kostenloses Kartenmaterial in Semmering oder dem Internet.

Die Wege sind nicht schwer und führen mitten durch die Landschaft.

Über das Schloss Gloggnitz erreichte ich dann den Endpunkt meiner Tour. Das Schloss stand zu meiner Überraschung ohne Eintritt offen, daher schlenderte ich ein bisschen im Inneren umher. Es war früher ein befestigtes Kloster gewesen, weswegen den Kern auch eine Kirche bildet, die von den Schlosstrakten umgeben ist. Dicke Mauern mit Schießscharten ringsherum zeugten von der Wehrhaftigkeit der Anlage.

Schloss Gloggnitz

Die Kirche in der Mitte ist vom Schlosstrakt umgeben.

Die alten Festungsmauern zeugen von der Notwendigkeit zur Verteidigung einstmals.

Ein kurzer Waldweg führte hinunter an den Ortsrand von Gloggnitz. Nach einer Stärkung beim Stiegenwirt, bummelte ich die verbleibenden anderthalb Kilometer bis zum Bahnhof durch das Zentrum und bedauerte, dass ich in meinem Magen keinen Platz mehr für das verlockend cremige Eis in der Konditorei gelassen hatte. Pünktlich um 15.59 Uhr verließ dann der Zug die Station, um schon nach wenigen Minuten in Payerbach-Reichenau sein Endziel zu erreichen. Im Regionalzug nach Mürzzuschlag ging es zurück über die Semmeringbahnstrecke zum Ausgangsort. Die Fahrt von Gloggnitz nach Breitenstein hatte nur 33 Minuten gedauert. Spektakuläre Blicke während der Fahrt blieben mir meist versagt. Zum einen, weil es eben nicht gerade der spektakulärste Abschnitt der Strecke ist, zweitens, weil die Bahngleise meist von hohen Bäumen flankiert wurden, und drittens, weil man sich in einem österreichischen Zug beim Fotografieren halt nicht bei offenen Türen auf dem Trittbrett stehend hinauslehnen kann, wie etwa in der Eisenbahn in Thailand nach Kanchanaburi zur Brücke Kwai, wo man sich angesichts der neben den Gleisen abfallenden, tiefen Schlucht auch keinen unnötigen Sicherheitsbedenken hingab. Dafür machte ich dort wirklich tolle Fotos.

In einem modernen Regionalzug der ÖBB. Eine alte Dampflok hätte mehr Flair.

Gelegentlich gibt der Wald den Blick frei auf die großartige Landschaft des Semmerings.

In Breitenstein stieg ich an einem Bahngleis im gefühlten Nirgendwo aus und spazierte zurück zum Auto. Um den originalen Bahnwanderweg nach Klamm kennenzulernen, muss ich also ein weiteres Mal kommen, wenn die Bauarbeiten beendet und die Wegsperre aufgehoben sind. Für Unterhaltung bleibt also gesorgt.

Am Bahnsteig in Breitenstein

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Natur und Stift in Geras

Geras ist eine kleine Gemeinde im nördlichen Waldviertel, also in einem eher entlegenen Winkel Österreichs, und vereint Natur und Kultur locker in einem. Die Umgebung weist alle Charakteristika des Waldviertels auf, die ich in den vergangenen Jahren zu schätzen gelernt habe: eine schöne Landschaft, die stets durch ihre Weite beeindruckt (der Horiont ist hier einfach unglaublich weit entfernt), und sich durch diese Landschaft windende Landstraßen, auf denen Stau ein Fremdwort ist. Wenn die Waldviertler aber Bundesstraßen bauen, dann ordentliche. Gut ausgebaute Asphaltbänder, auf denen man meist mit hundert Sachen unterwegs ist, und auf denen man ordentlich Kilometer macht und so zügig durch die Gegend kommt. Folglich legt man die Strecke zwischen Stockerau und Geras über Horn überraschend schnell zurück.

Horn ist eine Stadt, die mich ohnehin immer überrascht, weil ich aus irgendeinem Grund glaube, sie läge mitten im Wald. Dabei ist das Waldviertel zwar waldreich, doch gewiss nicht flächendeckend mit Wald bedeckt. Auch der Naturpark Geras der sich im Besitz des Stift Geras befindet, besteht nicht aus wilder Natur, sondern aus einem gepflegten Mix aus Wald und anderen Kulturflächen, wie Alleen aus blühenden Bäumen und einem großen Fischteich. Dazwischen verstecken sich Tiergehege, in denen sich wiederum die Tiere verstecken: Der Luchs war nicht zu sehen. Ebenso wenig die Sika-Hirsche und die Wildschweine. Nach einiger Zeit begann ich zu ahnen, warum man diesen Park „Naturpark“, und nicht etwa „Wildpark“ benannt hat, so wie den Wildpark Ernstbrunn. Erst im Rotwild-Gehege erspähten wir Hirschartiges, das sich im hintersten Winkel zwischen den Bäumen versteckte. Nur die Auerochsen trabten brav in unsere Richtung, doch die sind ja auch Rindviecher.

Hier sind sie nicht …

… und hier auch nicht …

Das ist zum Wiehern!

Hier haben sie sich also versteckt!

Endlich mal jemand, der nicht schüchtern ist.

Die Auerochsen kümmert das alles nicht.

Für einen kleinen Spaziergang ist der Park aber eine feine Sache. Geht man die ganze Runde, so ist man 4 bis 5 Kilometer unterwegs, addiert man die Zeit dazu, die man mit dem Suchen der Tiere verbringt, dann ist man 2-3 Stunden beschäftigt. Gönnt man sich noch ein Mittagessen im Parkrestaurant, so ist ein halber Tag weg. Im „langen Teich“ wälzten sich die Fische in den flachen Uferbereichen, um abzulaichen. Von der nahen Vogel-Aussichtsplattform sahen wir zwar keine Vögel, doch laichen die wahrscheinlich woanders (so wie die Störche im Auenreservat Marchegg).

Der „Lange Teich“

Sätestens im Streichelzoo wird man fündig.

Und zum Abschluss ein gutes Essen (mein Tipp: die Kartoffeltascherl auf Blattsalat).

Schon vom Naturpark sieht man den Kirchturm der Stiftskirche des nahen Klosters. Deshalb ist es per Auto auch nur ein Katzensprung zum nahen Stift Geras. Es mag nicht so groß sein wie Stift Zwettl, und nicht so imposant wie Stift Altenburg (beide im Waldviertel), doch in Kombination mit dem Naturpark ist es eine runde Sache. Der prominenteste Vertreter des Stifts der Neuzeit ist der Kräuterpfarrer Weidinger, dem eine Ausstellung gewidmet ist. Die Mönche des Stifts nennen sich die – und hier muss ich den Begriff noch einmal nachsehen – Prämonstratenser-Chorherren, wobei ich zumindest das zweite Wort verstehe. Ich bin mir nicht sicher, ob ich darüber glücklich wäre, als „Prämonstratenser“ bezeichnet zu werden, doch bin ich mir sicher, dass es auch für diesen Begriff eine einleuchtende Erklärung gibt.

Zu den Highlights der Anlage gehören natürlich neben der Stiftskirche die ehemaligen Bischofsräumlichkeiten und der Marmorsaal. Die Dauerausstellung über die vom Stift betreuten Gemeinden der Umgebung ist dagegen wohl nur für passionierte Waldviertel-Fans von Interesse. Auch über die Chorherren selbst und die Geschichte des Stifts erfährt der Besucher, wenn er das möchte. Gesehen habe ich nur einen Mönch, und der saß im Freien mit einigen Besuchern des Flohmarkts draußen im Vorhof. Sie sind also ebenso scheu wie die Tiere im Naturpark.

Stift Geras

Die Stiftskirche

Marmorsaal

Bischöfliche Räume

Dauerausstellung

Der Kräutergarten scheint nicht mehr das zu sein, was er einst war. Vielleicht war es auch zu früh im Jahr.

Die mächtige Außenfassade am Haupteingang

 

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Lemesos und Umgebung

Besuchen wir also zum Abschluss der Zypern-Reihe noch Lemesos (Limassol) und seine Umgebung, wo es noch ein paar interessante Orte gibt. Der wohl bedeutendste ist die archäologische Stätte Kourion, welches bis in die Antike zurückreicht. An dieser Stelle existierte ein Stadtkönigtum, welches griechischen, römischen und makedonischen Einflüssen unterlag. Dementsprechend präsentieren sich auch die architektonischen Überreste, die selbst der Laie ohne zu zögern in die Antike einordnet. Nicht zuletzt das große, gut erhaltene (oder gut restaurierte) Amphitheater erinnert sofort an die Römer. Das Problem ist, dass man solch ein Bauwerk immer den Römern zuschreiben würde, ganz egal, wann es tatsächlich gebaut wurde. Baute man z.B. ein steinernes Amphitheater in Wien im Jahre 2018, so würden Zivilisationen 1000 Jahre später wahrscheinlich auch die Römer als Urheber identifizieren (Vorausgesetzt, man ließe moderne Baustoffe und Infrastruktur weg, die ja ohnehin nicht so lange überdauern. Ein moderner Personal Computer ist schon heute nach spätestens 5 Jahren unbrauchbar, und das selbst zusammengebaute IKEA-Regal fällt nach spätestens zehn Jahren auseinander). Ja ja, ich weiß schon, anhand der ausgegrabenen Schichten könnte man originale Römer-Bauwerke der Antike von modernem Pfusch unterscheiden, aber für differenzierte Betrachtungen nimmt man sich heutzutage (und wohl auch in Zukunft) nicht mehr allzu viel Zeit.

Das Amphitheater in Kourion

Die gesamte Anlage weist eine Reihe von Gemeinsamkeiten mit jener in Pafos auf. Sie liegt am Meer, sie enthält einige gut erhaltene Bodenmosaike, und der Boden ist mit einem Blütenmeer aus Rot und Gelb überzogen. Vielleicht haben sie gerade deshalb diese Orte ausgewählt, um sich niederzulassen. Bella Flora gab es ja noch nicht.

Eines der gut erhaltenen Bodenmosaike

Blumenpracht im Frühjahr

Wie die Stätte in Pafos liegt auch Kourion direkt am Meer.

Neben dem Amphitheater finden sich die Reste einer frühchristlichen Basilika (vielleicht wurden die alten Schriften auch – was ja des öfteren vorgekommen ist – ungenau übersetzt, und es ging in Wahrheit um eine Produktionsanlage für Basilikum), sowie mehrerer Villen, was man den Archäologen halt glauben muss, denn mehr als die Grundmauern und ein paar schicken Säulen ist nicht erhalten. Trotzdem ist es ein Vergnügen, durch die Anlage zu schlendern, denn sie ist umfangreich und gewährt nette Ausblicke über das Meer.

Ein kurzes Stück weiter findet man entlang der Straße noch zwei weitere historische Stätten. Die antike Rennbahn, rund 2 km von Kourion entfernt, lässt noch noch die einstigen Dimensionen erahnen, das ist es aber auch schon. Interessanter ist das Apollon-Hylates-Heiligtum noch ein Stück weiter, welches einst ein großartiges Bauwerk gewesen sein muss. Es ist jammerschade. dass sie damals nicht mehr fotografiert (oder zumindest gemalt) haben, denn ich hätte nur zu gerne gesehen, wie es dort in seiner Blütezeit ausgesehen hat (geht mir mit vielen Bauwerken so, z.B. den ägyptischen Pyramiden). Hier mischten sich zu den gelben und roten Blumen auch wieder lilafarbene dazu. Der eigentliche Haupttempel (oder besser dass, was davon übrig geblieben ist, nämlich nur ein Eck) steht am Ende der Anlage in einem Blumenmeer, was schon wahnsinnig fotogen wirkt.

Das antike Stadion

Eingang zum Apollon-Heiligtum

Der Haupttempel

Südwestlich der Stadt Lemesos schiebt sich eine Landzunge ins Meer vor, auf der sich die Briten eine Militärbasis eingerichtet haben. Trotzdem darf man Teile dieses Gebiets betreten, denn es liegen dort ein Salzsee und auch ein kleines Kloster, das als „Katzenkloster“ bekannt ist. Auf griechisch heißt es Moni Agiou Nikolaou ton Gaton. Aufgrund der abgeschiedenen Lage, und da man es schon ein wenig suchen muss, wird es wohl nicht von allzu vielen Touristen besucht. Es war auch kein Must-see, eine einfache Klosteranlage mit einem netten Garten und, ja, es liefen und schliefen dort doch eine beträchtliche Anzahl an Katzen herum. Das mit den Katzen geht auf eine Begebenheit in der Geschichte des Klosters zurück, denn die christlichen Mönche erhielten das Gebiet nur unter der Auflage, dort mindestens hundert Katzen zu halten, die mit den zahlreichen Giftschlangen von damals gefüttert werden mussten. Heute würde man die Mönche eher dazu zwingen, aus den Schlangen Handtaschen oder andere Accessoires zu fertigen.

Das Katzenkloster

Früher mussten es mindestens hundert Katzen sein. Ob das heute auch noch zutrifft? Ich habe nicht nachgezählt.

Am Alyki Salzsee kommt man auf dem Weg zum Kloster vorbei. Man kann ein Stück zum See vordringen, wobei man aufpassen muss, nicht im Schlamm einzusinken, wenn man auf die falschen Stellen tritt. Als ich so von Grasbüschel zu Grasbüschel hüpfte, sah ich beim Umdrehen einen uniformierten Mann, der meine beim Auto wartende Frau in ein Gespräch verwickelt hatte. Also hüpfte ich zum Auto zurück, um ihr in dieser Situation beizustehen. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Sicherheitsbeamten handelte, der einfach nur das stehende Auto gesehen und nach dem Rechten gesehen hatte. Da wir beide harmlos genug aussahen, begnügte er sich damit, unsere Personalien aufzunehmen (wohl für den Fall, dass wir später in unserer gepanzerten VW Up – Limouse die Militärbasis unter lautem Gebrüll gestürmt hätten), und fuhr dann wieder weiter. Auch begegnete ich einem Mann, der die Gegend nach einer bestimmten Orchideenart (es gibt in der Gegend eine spezielle, salzresistente Flora, die auch ausgeschildert ist) absuchte und mich fragte, ob ich sie denn irgendwo gesehen hatte. Leider musste ich es verneinen. Er hatte aber kurzfristig mein Interesse geweckt, weswegen ich selbst weitere 15 Minuten durch die Gegend schlich, um möglichst viele dieser Pflanzen zu finden. Weitere Begegnungen der dritten Art fanden dann nicht mehr statt.

Der Salzsee (oder besser gesagt, der Uferstreifen)

Close up

Eine schöne Orchidee, aber leider nicht die gesuchte.

Wer im unmittelbaren Hinterland von Lemesos ein bisschen wandern möchte, der kann zum Germasogeia-Stausee fahren. Germasogeia ist ein Vorort von Lemesos, in dem sich auch unser Hotel befand. Das Viertel ist von der Autobahn weg gut zu erreichen und trotzdem sehr ruhig. Fährt man die Straße ein Stück weiter den Berg hinauf, dann erreicht man den Stausee, von dessen Picknickplatz aus eine kurze, ausgeschilderte Wanderung beginnt. Wer möchte, kann natürlich auch länger gehen. Landschaftlich war das alles ganz ordentlich. Es dürfte ein beliebter Picknick-Ort der Einheimischen sein, denn auf einer weiten, von mäandernden Bächen durchzogenen Talebene parkten ein paar Autos, in deren Nähe Menschengruppen saßen, aßen oder spielten. All das beobachteten wir von einem netten, hölzernen Pavillion auf einem Hügel.

Der Germasogeia-Stausee

Die Landschaft ist schöner, als man es auf den ersten Blick vermutet.

Damit kommen wir zu guter Letzt zu Lemesos (Limassol) selbst. Wir parkten das Auto auf einem öffentlichen Parkplatz entlang der Uferstraße gegenüber dem Hafen, was schwierig genug war, aber letzlich fanden wir eine kleine Lücke. Damit befanden wir uns aber auch in unmittelbarer Nähe zur Altstadt, dem verkehrsberuhigten türkischen Viertel, das flächenmäßig nicht allzu groß ist, aber dennoch die besten Sehenswürdigkeiten enthält. Der Hafen selbst sah aus, wie man sich einen Hafen halt vorstellt: Schiffe und Boote verschiedener Größe, überwiegend Fischerboote, ein paar große Verladekräne, sowie einige alberne Osterhasenfiguren, die am Kai standen und vergebens hofften, es würde sie niemand bemerken.

Hafen in Lemesos

No comment

Dafür wirkte das Altstadtviertel um das Kastell sehr authentisch, weil aufwändig restauriert. Das Kastell selbst ist heute ein Museum, soll angeblich aber jener Ort gewesen sein, an dem Richard Löwenherz seine Frau heiratete (wo der nicht überall war; muss in der Tat ein weit gereister Mann gewesen sein). Der Eintritt lohnt sich, denn Eintritte sind auf Zypern nicht teuer. Nicht, dass es darin Dinge zu sehen gäbe, die man nicht schon irgendwo mal woanders gesehen hätte, aber man erhält auch einen guten Ausblick von oben über die Stadt, und das ist mir immer einen Obulus wert.

Eingang zum mächtigen Kastell

Aussicht von oben (Djamir Kebir Moschee und Agia Napa mit der Rundkuppel)

Was mich beeindruckt, ist, wie selbstverständlich Moscheen und Kirchen in unmittelbarer Nähe zueinander liegen, und das offenbar für niemanden ein Problem darstellt oder überhaupt Anlass zur Diskussion gibt. Auch hier befand sich neben dem Kastell die wahrscheinlich älteste Moschee der Stadt (ich mutmaße hier einmal), die Djamir Kebir Moschee, die auch heute noch ein aktiver Gebetsort ist. Züchtig bekleidet, kann aber die Moschee von jedem besucht werden. Nicht weit davon entfernt befindet sich die imposante Kirche Agia Napa.

Djamir Kebir Moschee

Türkisches Altstadtviertel

Agia Napa

Delikatessen im Feinkostladen. Vor allem, eine Riesenauswahl an Trockenfrüchten.

Ein paar hundert Meter nördlich lag der Sitz des Erzbischofs, für sich schon ein prunkvolles Bauwerk, mit der gegenüber liegenden, ebenso prunkvollen Kirche. Klotzen, nicht kleckern, ist ein Prinzip, dem die Religionsgemeinschaften seit jeher gehuldigt haben.

Erzbischöflicher Sitz …

… und Kirche vis-a-vis …

… mit sehenswerter Inneneinrichtung.

Was in den Straßen hinter dem Altstadtviertel wirklich sehenswert war, ist die Streetart in Form von bunten Graffitis, die auf schäbigen, grauen Hausmauern leuchtete. Hierbei handelte es sich um Kunstwerke – legal oder nicht – die in meinen Augen eine Bereicherung der Umgebung darstellten. Wie ein Freilichtmuseum, das noch dazu nichts kostet. Aber urteilen Sie selbst anhand der folgenden Bilder (und das ist nur eine kleine Auswahl).

Graffiti in Lemesos

Graffiti in Lemesos

Auch ohne Graffitis ist es nett.

Zur Beurteilung einer ganzen Stadt stellt ein Stück Altstadt natürlich nur eine ungenügend bemessene und repräsentative Stichprobe dar. Das Ergebnis weist einen sogenannten Bias (eine Abweichung) auf. Aber um in ganz Lemesos herumzurennen, fehlten uns Zeit und Motivation. So wie auch kaum ein Wien-Tourist jemals in den Vororten herumläuft, um auch das letzte Quäntchen Lokalkolorit zu inhalieren, weil eben jeder glücklich und zufrieden ist, wenn er berühmte Sehenswürdigkeiten wie den Stephansdom gesehen und ein Säckchen mit Mozartkugeln erstanden hat. So entstehen eben verklärte Reise-Impressionen. Und mit diesem philosophischen Ausrutscher beende ich diese Zypern-Reise. Schön ist es trotzdem gewesen. Sehr sogar.

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Der Osten um Larnaka

Zum Glück bin ich ein Mann. Denn sonst stünde ich jetzt nicht hier auf den Mauern des spektakulären Bergklosters (und jetzt die Dritten gut befestigen) Moni Stravrovouniou auf 688 m Seehöhe, mit einem herrlichen Ausblick über die umliegende Landschaft. Frauen dürfen das Klosterareal nicht betreten, seitdem 1982 wieder die alten, strengen Klosterregeln eingeführt wurden. Dafür sorgt ein Pförtner am Eingang, der aufpasst, dass kein Weibsvolk heimlich durchschlüpft. Ihre Verkleidung müsste also schon sehr überzeugend wirken, um ungehindert durchzukommen. Das ist nicht fair, aber so sind die Klosterregeln, und schon Buddha schotete seine Sangha von weiblichen Einflüssen ab, damit die Burschen ja nicht auf dumme Gedanken kämen. Ein ordinierter Mönch hatte sich seinem Geist zu widmen, und nicht der weiblichen Anatomie.

Alleine der Blick vom Parkplatz vor der hübschen „All saints of Cyprus“ – Kirche ist die Anreise wert. Einer alten Ritterburg gleich thront das Kloster auf einem mächtigen Felsen und blickt von dort stolz und ein wenig trotzig herab. Auf mit Steinen eingefassten Terrassen wird Gemüse angebaut. Die Klosterkirche wurde um 327 errichtet, sie ist also alt und ehrwürdig, und es ist verständlich, dass man nicht unbedingt heiß drauf ist, von der ganzen Welt besucht zu werden, wenn man sich schon solcherart in die Einöde zurückzieht. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass man in Ruhe und vollständig bekleidet eintreten soll. Ist man also in der Früh in aller Eile aufgebrochen, ohne sich fertig angezogen zu haben, so sollte man dies jetzt nachholen.

Das Kloster vom Parkplatz aus gesehen.

An diesem Tor beginnt die Männerwelt.

Die Kirche beim Parkplatz ist für jedermann zugänglich.

Innen präsentiert sie sich adrett und aufgeräumt.

Der bunt bemalte Himmel.

Über eine steinerne Stiege erreicht man das Kloster, wobei die kompakte Klosterkirche durch die umliegenden Wohngebäude betreten wird. Das Fotografieren ist in der Kirche streng verboten, was schade ist, aber wenn man schon seine Frau draußen lassen muss, dann den Fotoapparat erst recht (dabei ist es doch DER Fotoapparat; vielleicht benutzt man in Zypern aber auch eher DIE Kamera). Ich erinnere mich nur, dass man die Kirche über einen kleinen, offenen Vorhof erreicht, und sie in typisch orthodoxer Manier ausgestaltet ist. Unter den habichtsartigen Blicken des Wachmönchs gelang es nicht einmal mir, ein paar Bilder zu machen, denn mittlerweile hat es sich auch bis hierher herumgesprochen, dass man mit seinem Telefon teuflisch gute Bilder machen kann.

Über die Treppe steigt man zum Kloster hoch (Blick zurück auf den Parkplatz).

Die Eingangspforte zum eigentlichen Kloster.

Die Aussicht vom Kloster reicht weit in die Landschaft.

Von geistigen Höhen ging es zurück in die Tiefebene Richtung Larnaka, der größten Stadt im Osten Zyperns. Die Stadt liegt nicht nur am Meer, sondern auch an einem großen Salzsee, der ein ganz besonderes Ökosystem darstellt. Nördlich dieses Salzsees steht ein Aquädukt (Kamares-Aquädukt), welches im 18. Jh errichtet wurde und bis zum zweiten Weltkrieg die Stadt mit Wasser versorgt hat. Dort parkten wir nun unser Auto, da von diesem Ort ein 4 km langer Naturpfad am Salzsee entlang führt, der im südlichen Larnaka am Meer endet.

Das Kamares-Aquädukt

Um nicht den ganzen Weg wieder zurückgehen zu müssen, folgten wir dem Pfad nur bis zur Hälfte, aber dieser Abstecher lohnte bereits. Landschaftlich spektakuläre Eindrücke begleiteten uns, die Sonne war bereits jetzt, Anfang April, spürbar stark, und der nette Fußweg führte zwischen den Vororten Larnakas zu unserer Linken und dem vom Salz verkrusteten Ufer des Gewässers zu unserer Rechten hindurch.

Unterwegs auf dem Salzsee Trail

Auf der anderen Seite des Salzsees steht etwas abseits die Hala Sultan Teke Moschee. Man sieht es dem Gebäude nicht an, aber es handelt sich dabei um eine bedeutende Stätte des Islam. Die Moschee selbst wurde erst vor ca. 200 Jahren gebaut, doch der Ort galt schon lange davor als heilig. Der Legende nach soll hier die Ziehmutter des Propheten Mohammed im 7. Jh gestorben sein. Als wir dort eintrafen, war die Anlage leider geschlossen, vielleicht gab es deshalb nur wenige Besucher, die sich wie wir vergebens auf den Weg gemacht hatten.

Die Hala Sultan Teke Moschee am Ufer des Salzsees

Die Moschee von der anderen Seite. Leider war die Anlage geschlossen.

Etwas später stellten wir das Auto entlang der Meerpromenade in Larnaka ab. Hier empfing uns südliches Flair, denn die Straße entlang des Sandstrands war von Palmen gesäumt, und die Strandliegen schon vorbereitet, wenngleich die Schirme noch eingeklappt davon zeugten, dass die Badesaison erst bevorstand. Nach einer stärkenden Mahlzeit in einem der vielen Restaurants vis-a-vis erreichten wir das Fort (Kastell) mit seinen mächtigen, sandsteinfarbenen Mauern. Wie fast alle Bauwerke dieses Zweckes, war es mit dicken Kanonen bestückt. Von seinen Mauern sah man die benachbarte Al Kebir Moschee, wo wir einen Bekannten von Nicosia wieder trafen. Es war jener Mann, mit dem ich mich bereits in der Omeriye Moschee in der Hauptstadt unterhalten hatte. Offenbar waren er und seine Frau ebenfalls auf einer Sightseeing-Runde unterwegs. Vielleicht klapperte er aber auch nur die Moscheen des Landes ab. In Vietnam haben auch viele Pagoden eine spezielle Bestimmung, um z.B. für Fruchtbarkeit oder Geldsegen zu bitten. Vielleicht hatte er die richtige hier einfach noch nicht gefunden.

Meerpromenade in Larnaka

Die Strandliegen blieben noch unbenutzt.

Das Kastell

Natürlich kann man das Kastell auch besichtigen.

Der Innenhof wirkt gut restauriert.

Die Al Kebir Moschee neben dem Kastell.

Ein kurzes Stück stadteinwärts besichtigten wir die Lazarus-Kirche Agios Lazarus. Sie wissen schon, jener Lazarus, der von Jesus von den Toten auferweckt wurde. Der Legende nach soll er an Zyperns Küste angespült worden sein (sein Schutzengel hatte also offenbar Zeit seines Lebens alle Hände voll zu tun), danach das Christentum verbreitet haben und zum ersten Bischof des Landes geworden sein. Seine Grabstätte fand man 890 an der Stelle der heutigen Kirche, die Anfang des 10. Jh fertig errichtet wurde. Man sieht es der Kirche an, dass sie alt ist (wenngleich in hervorragendem Zustand), und doch gefallen mir diese in ihrer Einfachheit schlichten Gemäuer besser als viele europäische Kirchen. In ihrem Inneren fanden sich natürlich auch Goldornamente und eine angemessene Dekoration, doch fiel diese angesichts der Bedeutung des Ortes angenehm zurückhaltend aus.

Die Kirche Agios Lazarus

Die Kirche von der Seite

Wir hatten Glück, dass gerade eine Osterzeremonie im Gange war. Die Menschen standen in einer Schlange, die außerhalb der Kirche begann und durch diese hindurch zu einem gegenüber liegenden Ausgang führte. Die Security wurde von einer lokalen Pfadfindergruppe übernommen. Auch wir stellten uns an und empfingen unseren Segen in angemessener Zeit.

Ostern in Zypern

Danach schlenderten wir noch ein wenig durch die Umgebung, wobei diese eher unauffällig blieb. Also kehrten wir zum Auto zurück, um nach Lemesos (Limassol) zurückzukehren. Und um Lemesos und seine Umgebung geht es auch im nächsten und letzten Blogbeitrag über Zypern.

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Die geteilte Hauptstadt

Lefkosia. Oder waren wir in Nicosia? Lefkosa wird sie auch genannt, jenseits der Grenze, die quer durch die Stadt verläuft und sie damit zur letzten geteilten Hauptstadt Europas macht. Als Nicosia kennt man sie außerhalb Zyperns. In der Antike hieß sie Leukosia. Zur Zeit der Templer und König Löwenherz sprach man von ihr mit dem lateinischen Namen Nikosia. Die Briten machten aus dem „k“ ein „c“ und verwandelten sie kurzerhand in Nicosia. Und als die Briten schlussendlich das Land verlassen hatten, demonstrierten die Zyprioten Eigenständigkeit und kehrten wieder zu Lefkosia zurück, obwohl Leukosia die richtige Transkription gewesen wäre. Schwamm drüber. Aus Limassol machten sie ja auch Lemesos. Um sich im Land befindliche Touristen nicht vollends zu verwirren, fügen sie aber die alten Bezeichnungen auf Plänen und Straßenschildern dazu, damit alles gut wird.

Genau wie die maltesische Hauptstadt La Valetta ist die Altstadt Lefkosias von dicken Mauern umgeben. Die Gebäude sind aus gelbem Sandstein. Damit enden aber auch die Gemeinsamkeiten. Ich wage zu behaupten, dass Valetta die weitaus schönere Stadt ist, vollgestopft mit Kultur und Geschichte im Niemandsland zwischen Europa und Afrika. Lefkosia ist auch schön, aber unspektakulärer und weist auch nicht eine so hohe Dichte an wirklichen Sehenswürdigkeiten auf. Fairerweise gebe ich zu, den türkischen Teil nicht gesehen zu haben, da meine Frau in Zeiten politischer Anspannung zwischen der Türkei und Europa nicht über die Grenze schnuppern wollte. Der Kontrast wäre sicherlich interessant gewesen. Zwar habe ich in den Neunzigerjahren beträchtliche Zeit in der Türkei zugebracht, doch dies war Zypern und fünfundzwanzig Jahre eine lange Zeit, innerhalb der die Türkei viel von ihrem säkulären Charakter eingebüsst hat.

Dicke Mauern aus gelbem Sandstein sind typisch für die traditionelle zypriotische Architektur.

Wir betraten die Altstadt durch das Pafos-Tor und standen am Beginn der Ledra-Straße, die die wichtigste Einkaufsstraße ist und schnurstracks zum innerstädtischen Grenzübergang in den türkischen Stadtteil führt. Dort hatte sich auch schon eine kurze Schlange gebildet, die auf den Grenzübertritt wartete. Wir aber wendeten uns nach rechts, um die Sehenswürdigkeiten auf der griechischen Seite zu entdecken.

Die dicken Stadtmauern um die historische Altstadt.

Ledra-Straße: Moderne Einaufsstraße trifft auf …

… traditionelle, südländische Gemütlichkeit.

Innerstädtischer Grenzübergang Ledra-Straße

Da waren zum Beispiel die Kirche Panagia Phaneromeni, die inmitten eines hübschen Platzes stand und im Inneren das typische Aussehen griechisch-orthodoxer Kirchen aufwies. Sie ist die größte innerstädtische Kirche, was einiges über die Größe der Kirchen dieser Stadt aussagt. Aber Größe ist ja bekanntlich nicht alles.

Phaneromeni Kirche

Platz vor der Kirche

In den netten kleinen Gässchen ringsherum saßen Menschen vor kleinen Cafés und genossen die milde Frühlingssonne. Bunte Graffitis verzierten so manche Wand, und es waren keine Schmierereien, sondern kleine Kunstwerke, die man kostenlos bewundern durfte. Nicht unweit fanden wir die Tripiotis-Kirche, die auch etwas Besonderes ist und doch nur wie eine Kirche aussah.

Straßencafé

Ein bisschen Wäsche gehört im Süden zum Straßenbild einfach dazu.

Tripiotis Kirche

Einen netten Kontrast dazu bildete die Omeriye-Moschee,  eine der größten und ältesten Moscheen in Zypern, die Besuchern offen steht und die man, wenn man der Etikette folgt, auch betreten darf. Sogar meine Frau, sonst muslimischen Einrichtungen gegenüber ziemlich skeptisch eingestellt, umhüllte ihr Haupt mit einem Schal und ging hinein. Ich begann ein Gespräch mit einem gebürtigen Engländer mit zypriotischen Wurzeln, der zum Islam übergetreten war und hier betete. Interessanter Weise war dieses Gebäude ursprünglich eine Kirche gewesen, die im Laufe der Zeit in eine Moschee umgebaut worden war. Das gleiche „Schicksal“ hatte auch die Sophienkathedrale auf der türkischen Seite ereilt.

Omeriye Moschee

Türkisches Bad auf der gegenüber liegenden Seite

Auf dem Kyprianou Platz befand sich eine geballte Ansammlung an weltlichen und geistlichen Gebäuden, sowie einige Museen. Hier begegneten wir wieder Makarios III, dessen überlebensgroße Statue vor dem erzbischöflichen Palast stand, der von Makarios begründet wurde. Daneben stand die bedeutende Johanneskathedrale Agios Ioannis, die von außen her unscheinbar wirkte, im Inneren aber ihre ganze Pracht entfaltete. Die Wände waren über und über mit kräftigen Malereien bedeckt, und vergoldete Gegenstände und Ikonen füllten den Innenraum (Fotografieren leider verboten und ohne Blitz auch sinnlos).

Erzbischöflicher Palast

Agios Ioannis

Unweit des Famagusta-Tores fanden wir eine urige Taverne, die uns die nötige Stärkung für die weiteren Stunden verschaffte. Das Famagusta-Tor selbst wird in meinem Führer als „besterhaltenstes venezianisches Festungselement auf Zypern“ bezeichnet, was durchaus sein kann, mich aber trotzdem nicht restlos begeistern konnte.

Famagusta-Tor

Auch Zypern braut sein eigenes Bier.

Übersichtliche Speisekarte. Niemand kann sagen, man hätte ihn nicht gewarnt.

Durch verträumte Gassen schlenderten wir zurück zum Haupttor und weiter zu unserem Auto. Dank der modernen Navigationstechnologie hat das Autofahren an fremden Orten doch viel von seinem Schrecken eingebüsst.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Und damit kommen wir in weiterer Folge in den östlichen Teil Zyperns mit Larnaka und seiner Umgebung.

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Unterwegs im Troodos-Gebirge

Tags darauf ging es in das zypriotische Hinterland, mit dem mächtigen Troodos-Gebirge im Zentrum, welches bis auf knapp 2000 m Seehöhe empor ragt. Die Ski-Lifte, die wir dort vorfanden, zusammen mit den spärlichen Schneeresten, nähren die Vermutung, dass man zu gegebener Zeit dort auch Ski fahren kann. Es ist das Land der alten Klöster, Scheunendachkirchen und Wanderrouten, und es eignet sich vorzüglich zum Entdecken und Umherfahren. Ein eigenes Fahrzeug ist hier ein Muss, will man nicht von einem Touristenbus herumkutschiert werden (Gott behüte!). Man sollte sich die Route allerdings gut überlegen, denn der Klöster und Kirchen und netten Dörfer gibt es viele, und die Geschwindigkeit, mit der man sich entlang der kurvigen Bergstraßen vorwärts bewegt, ist begrenzt. Will man also möglichst viele der Sehenswürdigkeiten mitnehmen (im übertragenen Sinne, natürlich; dass Sie mir die Ikonen ja stehen lassen!), dann muss man entweder eine repräsentative Auswahl treffen oder zwei volle Tage einplanen. Da ich prinzipiell nicht zu jenen Leuten gehöre, die sich unbedingt in jeder Kirche oder jedem Kloster von Interesse umsehen möchten, beschränkten wir uns auf eine gute Auswahl an Zielen entlang der geplanten Tagesausfahrt.

Apres Ski um Troodos

Die Fahrt durchs Hinterland ist kurzweilig. Immer schön links halten!

Die Hauptattraktion ist zweifelsohne das Kykko-Kloster, das reichste und einflussreichste Zyperns. Mit seiner abgelegenen Lage auf 1140 m Seehöhe muss es einst wirklich eine Einsiedelei gewesen sein. Heute, mit den guten Straßen, die sich durch das Troodos-Gebirge schlängeln, ist es das meistbesuchte Kloster des Landes. Man kann es ruhigen Gewissens als Must-see Attraktion bezeichnen. Die Gründung des Klosters erfolgte angeblich im 11. Jhdt., wobei es in den darauf folgenden Epochen mehrmals durch Brände zerstört wurde (weswegen die Mönche offenbar dazu gelernt und mittlerweile auch Feuerlöscher angeschafft haben). Es lohnt sich, schon früher am Vormittag zu kommen, denn später füllt sich die Anlage rasch mit Busladungen an Touristen.

Die Klostermauern bestehen aus Stein, die Dächer sind mit roten Ziegeln gedeckt. So weit, so schlicht. Was hervorsticht, sind die bunten und farbintensiven Wandgemälde, bei denen die Farben Gold, Blau, Rot und Grün dominieren. Es sind Heiligenbilder, so weit ich das als Laie beurteilen kann (ist mir an sich auch egal; sie sehen trotzdem sehr schön aus). Die Klosterkirche selbst ist vollgestopft mit Gold und Prunk, und weist die typischen Merkmale einer orthodoxen Kirche auf. In einigen Räumen werden wertvolle Ikonen und Kirchenreliquien ausgestellt, was schon sehr anschaulich verdeutlicht, dass die Protagonisten von Kykko vielleicht „arm im Geiste“, aber sicher nicht in der Portokasse waren und sind. Damit das Geld nicht am Ende doch ausgeht, gibt es vorsichtshalber – neben den Eintrittsgeldern – auch ein kleines Souvenirgeschäft im Arkadenhof.

Haupttor zum Kykko-Kloster

Von außen wirkt das Kloster sogar recht schlicht.

Doch fallen schon im Innenhof die großzügigen Gemälde auf.

Im Inneren der Klosterkirche geht es jedoch prunkvoll zu.

Die Museumsräume

Das Kloster von oberen Glockenturm

Fährt man die Straße ein kurzes Stück am etwas oberhalb des Klosters stehenden Glockenturm vorbei (und es gibt als Fahrzeughalter wirklich keinen Grund, es nicht zu tun), erreicht man die Gedenkstätte Throni, die dem Staatsgründer Makarios III gewidmet ist. Eine überlebensgroße Statue Makarios begrüßt einen gleich zu Beginn. Über mehrere Treppen und Aufgänge gelangt man zu einem bunten Pavillion, der aber verschlossen war. Der Rundumblick über das umliegende Bergland war aber gewaltig. Makarios begegnet dem Besucher nicht bloß in seiner metallenen Form, auch seine sterblichen Überreste sind hier bestattet (sofern der Sarkophag nicht leer ist).

Statue von Makarios III

Walkway zum Pavillion

Panorama-Blick von Throni

Von Kykko ging es nun auf engen Bergstraßen ein wenig durch die Umgebung. Damit kommen wir auch zu den (neben Kykko) wahrscheinlich bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Region, nämlich den sogenannten Scheunendachkirchen, die allesamt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Eine Scheunendachkirche ist architektonisch schlicht gehalten, sehr alt und im Inneren bunt bemalt. Den Namen erhalten sie von den einfachen Giebeldächern, die sie wie ganz normale Häuser wirken lassen. Einen Kirchenturm gibt es nicht (zumindest in der ursprünglichen Bauform). Sie sind daher ganz nach meinem Geschmack, und die eine oder andere davon sollte man unbedingt gesehen haben. Man muss sie nur finden. Gut versteckt in kleinen Ortschaften warten sie darauf, vom pfadfindenden Touristen entdeckt zu werden. Dem gelegentlichen Informationsaustausch mit anderen Suchenden kommt dabei eine gewisse, nicht zu unterschätzende Bedeutung zu, da man andernfalls zuerst einen Einheimischen finden muss, der ausreichend Englisch spricht.

Ein zypriotisches Bergdorf im Hinterland.

Die erste auf unserem Weg war Panagia tou Moutoulla. Nach einem guten Mittagessen in einer landestypischen Taverne unterwegs, fanden wir die Kirche im gleichnamigen Ort Moutoulla (vielleicht war es auch Kalopanagiotis, beide Dörfer gehen nahtlos ineinander über). Über eine steile Rampe erreichten wir das Gebäude. Nichts deutete von außen darauf hin, dass es sich um eine Kirche handelte. Es hätte genau so gut ein altes Lagergebäude sein können. Aufgrund eines Fotos in meinem Reiseführer konnte ich sie allerdings eindeutig identifizieren. Die Kirche war geöffnet und einfach so zu betreten. Zuerst war im Inneren nicht viel zu erkennen, doch dann entdeckte ich einen verborgenen Lichtschalter und brachte so Licht ins Dunkel. Ich stand in einem kleinen, schlichten Raum mit dicken Wänden, an denen die Reste sehr alter Fresken zu sehen waren. In Farbe und Gestaltung ähnelten sie denjenigen, die ich bereits in anderen orthodoxen Kirchen und Klöstern gesehen hatte. In einer halbrundförmigen Nische stand ein einfacher, kleiner Altar. Kirche und Wandmalereien stammten aus dem 13. Jhdt., und der Umstand, dass man diesen kulturellen Schatz ohne jede Einschränkungen oder Aufsicht betreten konnte, war schon verwunderlich. Vielleicht vertrauten die Verantwortlichen aber darauf, dass sie ohnehin niemand finden würde.

Scheunendachkirche Panagia tou Moutoulla

Alte Fresken im Inneren

Im selben Ortsgebiet, aber etwas weiter die Straße hinunter, durch enge Gässchen hinunter zu und über einen Fluss (und das klingt alles einfacher, als es tatsächlich war, denn ausgeschildert war nichts mit Ausnahme eines simplen Wegweisers an der Hauptstraße, der leicht zu übersehen war), gelangten wir zum verlassenen Kloster Agios Ioannis Lampadistis, welches aufgrund einer architektonischen Besonderheit sehenswert ist. An diesem Ort wurden nämlich gleich drei Scheunendachkirchen an- und übereinander gebaut, was die Konstruktion zur einzigen Triplex-Scheunendachkirche Zyperns macht. Die Kirchen selbst reichen dabei bis ins 11. Jhdt. zurück, das Kloster wurde erst später angebaut. Die alten Teile ähneln der Kirche in Moutoullas, die neueren sind dann schon etwas prunkvoller ausgestattet. Die Gemäuer wirken richtig mittelalterlich, wie man sie bei uns auf einer alten Ritterburg vorfinden würde (allerdings mit weniger dicken Mauern).

Mittelalterliche Gemäuer im Agios Ioannis Lampadistis

Innenhof des Klosters

Auch hier finden sich die typischen, farbenfrohen Wandgemälde.

Geht man unten dem kleinen Fluss ein paar Minuten entlang, kommt man zu frei zugänglichen Schwefelquellen, wovon man allerdings wenig hat. Mehr als ein kleiner Abstecher ist es nicht.

Schwefelquelle

Auf der Rückfahrt machten wir noch im Ort Pedoulas halt, weil mir schon von weitem die leuchtend weiße Hauptkirche aufgefallen war. Die eigentliche Attraktion dieses Ortes ist aber – Sie werden’s nicht erraten! – eine alte Scheunendachkirche, die man von dort über eine schmale, steingepflasterte Straße zu Fuß bergabwärts erreicht. Agios Archangelos Michail lautet ihr klingender Name (den man sich auch ohne Griechischkenntnisse ganz gut übersetzen kann). Unscheinbar stand sie neben einem weiß blühenden Baum, und ebenso unauffällig verschmolz ihr Äußeres mit den benachbarten Häusern. Im Inneren sah sie im Prinzip ähnlich aus wie Panagia tou Moutoulla. Sie stammt aus dem 15. Jhdt. und steht angeblich heute noch so da, wie man sie errichtet hatte.

Agios Archangelos Michail

Im Inneren

Wenn man schon vor Ort ist, sollte man auch der Hauptkirche einen kurzen Besuch abstatten, denn sie ist im Inneren durchaus sehenwert. Wer wie wir in der Osterwoche anreist, bekommt auch verschiedene Ostermotive zu sehen (und zwar an sehr vielen Orten), wie z.B. riesengroße Hennen und natürlich überdimensionale Ostereier, die vielerorts aufgestellt sind. Wo sie diese großzügigen Dekorationen den Rest des Jahres über aufbewahren, wäre noch zu hinterfragen.

Das Jahr der Henne, oder was?

Typisches Interieur einer orthodoxen Kirche.

Prunkvolle Altarwand

Im nächsten Beitrag machen wir uns dann auf in die Hauptstadt Lefkosia.

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Aphrodites Insel

Willkommen auf Zypern. Jene sonnige Insel im Mittelmeer, an deren Küste die Göttin Aphrodite dem Meer entstiegen sein soll (dieser Spot gilt als Sehenswürdigkeit, selbst wenn man nicht viel sieht) und der in Folge etliche Tempel und Locations zugeschrieben werden (so z.B. Aphrodites Bad, ein unscheinbarer Steinpool, dessen historische Authentizität nicht belegt ist, aber was kümmert das die Tourismusverantwortlichen? Seien wir doch ehrlich, ist doch überall so. Die Fußabdrücke Buddhas in Südostasien passen von der Größe her doch auch weit besser zu Bigfoot.). Doch auch ohne den Mythos Aphrodite ist Zypern sehr schön und reich an landschaftlichen und archäologischen Attraktionen.

Zypriotische Kirche im typischen Landesdesign

Wie allgemein bekannt, ist Zypern eine geteilte Insel. Der südliche Teil ist griechisch und Teil der EU. Der Norden wurde von der Türkei besetzt und gehört nicht zur EU. Die Grenze verläuft durch die Hauptstadt Nicosia, die von den Zyprioten aber Lefkosia genannt wird, zumindest von den Südzyprioten. Die türkischen Zyprioten im Norden nennen alle Orte anders, aber das ist zu erwarten, auch wenn es die Dinge nicht einfacher macht. Nicht einfacher haben es auch die Briten gemacht, zu deren Hinterlassenschaften – wie so oft, wo sie kolonial umtriebig waren – auch der Linksverkehr auf den Straßen gehört, so wie auf Malta. War das dort noch sehr gewöhnungsbedürftig für mich, so ging die Umgewöhnung diesmal erstaunlich schnell vor sich. Irgendwo in meinem Gedächtnis müssen damals die entsprechenden neuronalen Verbindungen geknüpft und abgelegt worden sein, und waren jetzt sofort wieder abrufbar. Nach einer Stunde kurvte ich bereits herum wie ein alter Zypriote (das kann man jetzt so oder so verstehen).

Ich kann einen Mietwagen nur wärmstens empfehlen. Die Insel hat genau die richtige Größe, um sie im Laufe einer Woche in Form von Tagesausflügen zu erkunden, zumindest wenn man die Ausgangsbasis strategisch klug wählt. Wir wählten einen Vorort von Limassol (in der Landessprache Lemesos) dafür, und von dort waren alle Teile der Insel in akzeptabler Reichweite. Wer ein oder zwei Tage in den nördlichen Teil Zyperns fahren möchte (wofür der Mietwagen aber zugelassen sein muss, sonst erlischt die Versicherung), der wählt vielleicht besser die Gegend um Nicosia. Es ist allerdings möglich, den Grenzübergang in Nicosia selbst zu Fuß zu überqueren, um den nördlichen Teil der geteilten Stadt zu erkunden. Den Linksverkehr auf den Straßen muss man sich zutrauen. Dann aber wird man zum freudigen Entdecker.

Schon wieder das Lenkrad auf der falschen Seite!

Ich werde in den folgenden Beiträgen einzelne Regionen der Insel zeigen. Den Osten um Pafos, den Westen um Larnaka, den Süden um Limassol, das Trodos-Gebirge mit seinen berühmten Klöstern und natürlich die Hauptstadt Nicosia selbst. Den Norden haben wir nicht besucht.

Beginnen wir mit der Gegend um Pafos. Die Stadt selbst ist nicht außergewöhnlich, hat aber einen netten Hafen und eine einladende Uferpromenade. Doch in ihrer Umgebung liegen mehrere bedeutende Attraktionen. Von Limassol kann man der Autobahn folgen (wenn man es eilig hat) oder aber der parallel verlaufenden Landstraße, die landschaftlich interessanter ist. Sie führt auch an der sehenswerten archäologischen Ausgrabungsstätte Kourion vorbei (mehr dazu, wenn es um Limassol und Umgebung geht), sowie einer Stelle an der Küste (Petra tou Romiou), die auf der Karte als Aphrodites Geburtsstätte markiert ist, also jene Stelle, an der Aphrodite an Land gekommen ist. Das kann man glauben oder nicht, man tut es aber besser, denn sonst ist der Besuch dieses Ortes eher enttäuschend. Etwas weiter der Straße folgend kann man ein weiteres Heiligtum der Göttin besichtigen, was aber vermutlich nur Hardcore-Anbetern Aphrodites zu empfehlen ist.

Petra tou Romiou. Hier soll Aphrodite (Venus) an Land gekommen sein.

Das Highlight von Pafos ist zweifelsohne die archäologische Stätte in Kato Pafos, der Altstadt. Mehrere Kulturen haben dort ihre Spuren hinterlassen, angefangen bei den Römern, über frühchristliche Epochen bis hin zu den Franken und Osmanen. Keine Ahnung, was diesen Ort so besonders gemacht hat, vielleicht war es aber der prachtvolle Blumenteppich im Frühling, der den Boden mit roten, gelben und blauen Blüten zudeckt. Es ist eine Freude, über das weitläufige Areal zwischen antiken Ruinen zu spazieren, mit stetem Blick aufs Meer, und diese Farbenpracht aufzusaugen. Herausragend sind auch die teilweise sehr gut erhaltenen Mosaike in mehreren Gebäuden.

Übersicht über das weitläufige Gelände

Die antiken Ruinen liegen über ein weites Areal verstreut.

Die gut erhaltenen Bodenmosaike zählen zu den Highlights.

Die Ruinen stammen aus unterschiedlichen Epochen, was dem durchschnittlichen Besucher aber nicht weiter auffallen wird.

Ein weiteres Highlight im Norden von Pafos sind die als Königsgräber bezeichneten antiken Grabanlagen, die man über die Straße in Richtung Coral Bay erreicht. Laut meinem Reiseführer wurden hier keine Könige begraben, sondern hochrangige Staatsführer, die sich aber verdammt großzügige Gräber leisten konnten. Sie waren entweder ausgesprochen fähig gewesen, oder aber ausgesprochen korrupt. In jedem Fall sind die Peristylgräber, wie sie bezeichnet werden, sehr gut erhalten und architektonisch durchaus sehenswert. Sie wurden nämlich in den Erdboden gegraben und die Grabkammern rund um ein Atrium angeordnet, welches durch Säulen gestützt wurde. Bei der Besichtigung passierte mir ein kleines Missgeschick. Da das Gedränge im  schönsten dieser Gräber erheblich war, zwängte ich mich an anderen Touristen vorbei durch eine unbeleuchtete Öffnung, und unterschätzte beim Heruntersteigen die Tiefe des Schachts vor mir, worauf es mich der Länge nach hinstreute und ich mir Schürfwunden an einem Bein zuzog. Immerhin war ich vermutlich der Erste, der aus eigener Kraft aus einer Grabkammer herausstieg, in der er zuvor gelegen hatte.

Auch das Gelände der „Königsgräber“ ist weitläufig und lädt zum Entdecken ein.

Unteridisches Atrium eines typischen Peristylgrabs

Die Grabkammern wurden in den Stein geschlagen.

In Pafos selbst gibt es noch einige kleinere Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Da wäre zum einen das antike Hafenkastell, eine einfache Festung mit dicken Mauern, bestückt mit Kanonen. Wenn sie die Kanonen nicht benutzt haben, um auf Spatzen zu schießen, so haben sie damit vermutlich feindliche Schiffe ins Visier genommen. Dann gibt es die Reste einer frühchristlichen Basilika, neben der die Kirche Chrysopolitissa steht. Die gesamte Stätte ist frei zugänglich. Die Reste fränkischer Bäder stehen ein paar Gassen weiter, sind aber nicht zugänglich und nur für ausgewiesene Experten fränkischer Bäderkunde als solche erkennbar. Noch weiter die Straße hinauf erreicht man die Katakomben Agia Solomoni, ein System von mehreren geräumigen Höhlen, die einmal als spirituelle Stätte gedient hatten. Darüber auf dem Fabrika-Hügel finden sich weitere antike Ruinen.

Pafos Hafen

Während man sich gemütlich sein Essen schmecken lässt …

… kann man den Fischern bei der Abend zuschauen.

Das Angebot an frischen Meeresfrüchten ist jedenfalls vielfältig.

Das kleine Hafenkastell

Die Kirche Chrysopolitissa mit Ruinen

Fränkisches Bad

Wer es etwas spiritueller möchte, dem sei das Bergkloster Agios Neofytos empfohlen. Das sehr schön gelegene Kloster beherbergt eine alte Höhlenkapelle, die auf den Eremiten Neofytos selbst zurückgeht und mit schönen und noch immer kräftigen Farben bemalten Innenwänden beindruckt. Ein kleines Museum zeigt Ikonen, theologische Schriften und andere sakrale Schätze aus der Klostergeschichte.

Neofytos-Kloster (Agios Neofytos) (Zugang zur ursprünglichen Eremitenklause)

Ikonenmalereien im Inneren der Klause (Aufnahme ohne Blitz)

Klosterkirche

Die Überreste des Neofytos werden in der Kirche aufbewahrt und als Reliquie verehrt.

Schattiger Klostergarten

Auch Priester müssen einmal entspannen.

Wer schon in der Gegend ist, sollte ein weiteres Naturspektakel nicht versäumen. Folgt man der Straße nach Coral Bay und weiter Richtung Lara Bay, so erreicht man auf einer Schotterpiste den Zugang zur Avakas-Schlucht. Obwohl die komplette Wanderung nur in der warmen Jahreszeit zu empfehlen ist (wir kamen Anfang April), wenn der Wasserstand am niedrigsten ist, kann man auch so eine Stunde in die Schlucht hineinwandern. Hat der Weg zu Beginn noch den Charakter einer gemütlichen Wanderung, so ändert sich dies schlagartig, sobald man die eigentliche Schlucht erreicht. Nun folgt man einem schmalen Pfad durch steile Felswände, und muss immer wieder über Steine klettern und Wasserstellen überwinden. Ab einem gewissen Punkt wird das Gelände unzugänglicher, und da das Wasser zum waten noch zu kalt war, kehrten wir wieder um. Das bis dahin gesehene war den Trip aber alle Mal wert.

Küste entlang der Akamas-Halbinsel

Avakas-Schlucht: Was als normaler Wanderweg beginnt …

… setzt sich als spektakuläre Schluchtbegehung fort.

Avakas-Schlucht

Natürlich kann man entlang der Küste weiter nördlich fahren und die Akamas-Halbinsel erkunden, dazu fehlte uns aber die Zeit. Man könnte nach Polis an der Nordküste fahren und von dort auf einem anderen Weg zurück. Oder die Schildkröten-Station in der Lara Bay besuchen und ein paar Schildkröteneier ausbrüten (dazu brauchen Sie aber Zeit). Oder einen Bauchfleck ins Meer machen. Man könnte immer noch mehr tun, so ist das eben beim Reisen. Im nächsten Beitrag geht es jedenfalls weiter.

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Ausflug ins Salzkammergut

Das Salzkammergut, das sich über Teile von Oberösterreich und Salzburg erstreckt, und ob seines Seenreichtums eher Seekammergut heißen sollte, ist sicherlich eines der landschaftlich schönsten Regionen Österreichs. Dutzende größere und kleinere Seen liegen zwischen Bergen und Tälern verteilt, wie überdimensionale Pfützen nach einem heftigen Regenguss. Von vielen Berggipfeln sieht man gleichzeitig mehrere davon. Da es mir nicht möglich war, alle Seen des Salzkammerguts zu besuchen (obwohl das ein reizvolles Projekt wäre, wenn ich es so recht überlege), stelle ich heute zwei Locations vor, die sich im Charakter deutlich unterscheiden.

Die erste liegt nur rund 17 km von der Stadt Salzburg entfernt und besteht aus dem Seen-Triplett Obertrumer See, Mattsee und dem kleineren Grabensee. Mit dem Obertrumer See verbinde ich viele Kindheitserinnerungen, verbrachten wir doch jedes Jahr einen zweiwöchigen Sommerurlaub an seinen Ufern. Kaum Erinnerungen verband ich jedoch mit dem Mattsee. Die süßen Bäckereien aus der Mattseer Konditorei waren alles, womit ich je in Berührung kam, und damit konnte ich als Kind ganz gut leben. Dieses Jahr jedoch kehrte ich nach längerer Absenz wieder einmal an diesen Ort zurück und wollte – meiner Entdeckerlust entsprechend – einmal mehr von der Gegend kennenlernen. Da der Obertrumer See relativ schlecht ufernah zu umwandern ist, fiel die Wahl auf den Mattsee, den man auf einem circa 14 km langen Rundwanderweg – inklusive eines kurzen Abstechers zum Grabensee – mit Start und Ziel im Ort Mattsee umkreist.

Ausschnitt aus der Wanderkarte. Links unten ein Teil des Obertrummer Sees.

Am nördlichen Rand von Mattsee, knapp außerhalb, gibt es einen großen Parkplatz , dort, wo die drei Seen aneinanderstoßen und beiderseits der Bundesstraße nur wenig Land zu sehen ist. Hier beginnen wir unsere Wanderung, um am Ende der Runde nach Mattsee zu gelangen. Die Wanderung ist leicht und familienfreundlich, allerdings ziehen sich 14 oder 15 km gegen Ende doch etwas in die Länge, vor allem, wenn man anfänglich zu viel gebummelt hat. Der Rundweg ist ausgeschildert, doch empfiehlt es sich, die kostenlose Wanderkarte des Tourismusbüros einzustecken. Wer möchte, zweigt nach kurzer Gehzeit links zum kleinen Grabensee ab, den man auf ein paar Kilometern Umweg durch eine Moorlandschaft erreicht. Dort, wo man ans Ufer gelangt, steht man vor einem sehr flachen Wasser, in dem man noch einige Zeit weiter wandert könnte, aber irgendwann wird er doch tiefer und über Wasser ist bislang nur einer gewandelt.

Moorlandschaft beim Grabensee

Der Grabensee

An den Rändern ist der Mattsee ziemlich flach.

Mattsee

Am nördlichen Ende des Mattsee

Gegen Ende der Wanderung fühlt man sich dann schon ein wenig matt …

Gut, dass im Ort Mattsee für das leibliche Wohl gesorgt ist.

Insgesamt ist es eine landschaftlich sehr schöne Tour. In Mattsee findet man dann reichlich Gelegenheit vor, sich kulinarisch zu stärken. Bootfahren ist möglich und Schwimmen auch, aber letzteres ist auch unterwegs möglich. Allzu warm ist der See nicht, aber es gibt ja genügend Leute, die das nicht weiter stört. Ich gehöre nicht dazu. Trotzdem springe ich anschließend noch kurz in den (ebenfalls kalten) Obertrumer See, da die Übernachtung in einer Hütte am See ohne Dusche bevorsteht. Und kalt ist auch diese Augustnacht. Dafür erwachen und frühstücken wir bei strahlendem Sonnenschein nur wenige Meter vom Seeufer entfernt.

Kurz darauf brechen wir zum Wolfgangsee auf. Unser Ziel heißt St. Gilgen, wo wir unser Auto stehen lassen und mit der Seilbahn auf das Zwölferhorn hinauf fahren möchten. Die Fahrt dauert nicht lang und führt uns am Fuschlsee vorbei, und eine knappe Stunde später erreichen wir St. Gilgen. Wie an einem solch prächtigen Wochenend-Sommertag nicht anders zu erwarten, ist der Ort randvoll mit Touristen und Einheimischen, die dasselbe Ziel vereint: aufi auf’n Berg. Folglich finden wir uns in einer langen Schlange vor der Seilbahn vereint wieder. Wanderer stehen neben Paraglidern und warten geduldig auf die Auffahrt. Die Geduld wird nur kurz in Form einer koreanischen Reisegruppe strapaziert, deren Reiseleiterin ernsthaft erwartet, dass eine Reisebusladung Touristen sofort die Seilbahn besteigen darf. Dem Ansuchen wird (seitens des Seilbahnpersonals) nicht standgegeben. Dafür höre ich erstaunt, wie die Dame an der Kassa dem koreanischen Gast auf koreanisch „Auf Wiedersehen“ wünscht. Es dürften nicht die ersten koreanischen Gäste in St. Gilgen gewesen sein.

Oben angekommen, streift unser Blick über eine prachtvolle Landschaft. Unter uns der Wolfgangsee, im Hintergrund der Mondsee, über uns die bunten Schirme der Paragleiter und um uns herum sehenswerte Berge. Die Sonne strahlt und ich strahle mit ihr. Gemütlich machen wir uns auf den Abstieg. Ich wäre lieber bergauf gegangen und dann hinunter gefahren, doch mit Kindern ist das so eine Sache. Auch eine Plateau-Wanderung wäre möglich. Damit es auch nicht zu anstrengend wird, kehren wir auf halbem Weg in die Sausteigalm auf eine Jause ein, die weit besser mundet, als es der Name vermuten lässt.

Oben auf dem Zwölferhorn

Paragleiter über dem Schafberg

Fantastische Bergwelt

Die Seilbahn aufs Zwölferhorn ist heuer 60 Jahre alt geworden.

Ein Paradies auch für Paragleiter

Mit sauren Muskeln erreichen wir St. Gilgen und unser Auto. Noch am gleichen Tag fahren wir zum Traunsee, da ich gerne am folgenden Tag die Langbathseen besucht hätte, doch – man sollte es nicht für möglich halten – ein (erschwingliches) Quartier für 4 Personen ist nicht zu finden, noch nicht einmal in einem weiteren Umkreis, und noch nicht einmal auf einem Bauernhof (obwohl ich zugegebenermaßen nicht nach einem Schlafplatz im Kuhstall gefragt habe). Das ist die Kehrseite von langen Wochenenden. Ich war so was von naiv. Es liegt wahrscheinlich daran, dass ich auf diversen Rucksackreisen mir meine Unterkünfte immer unterwegs gesucht  – und gefunden – habe. Auch bezahlt man in vielen Ländern zumeist fürs Zimmer und nicht pro Person, wie in Österreich, was für Familien alles ein wenig teurer macht. In Kroatien beispielsweise, fanden wir selbst im Sommer kurzfristig günstige Quartiere übers Internet. Doch diese Erkenntnis half nichts. Wenn doch Südostasien nicht so weit weg wäre. Scotty, einmal beamen bitte!

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