Buntes Treiben im Stift

Das Schöne an Sommertagen ist ja das lange Tageslicht, weshalb man an einem Tag auch bedeutend mehr unterbringt, als im Winter, wo es kurz nach dem Frühstück schon wieder dunkel wird. Daher blieb mir nach Zwettl und Ottenstein immer noch genügend Zeit, um Stift Altenburg einen Besuch abzustatten. Dieses weckte mein Interesse nicht nur wegen der unmittelbaren Nähe zu Schloss Rosenburg, welches ich unbedingt besuchen wollte (mehr dazu später), sondern auch wegen der fantasievollen und farbenprächtigen Wandmalereien. Diese gehen auf den ehemaligen Abt Placidus Much zurück, der als Bauherr dem Stift seine heutige Form gab. Man möge ihn nicht mit dem norwegischen Maler Edvard Munch verwechseln, der das berühmte Bild „Der Schrei“ schuf. Vielleicht hat Munch aber auch nur den Erzbischof gemalt, als er von den horrenden Baukosten erfuhr.

Für die Besichtigung des Stifts sollte man sich schon ein wenig Zeit nehmen. Um den Überblick zu behalten, wurde eine Art Rundweg angelegt, der an allen Orten von Interesse vorbeiführt. Ein kleiner Faltplan erleichtert zusätzlich die Orientierung. Man nähert sich dem Kloster vom Parkplatz über einen Vorplatz, dessen Kieswege von leuchtenden Lavendelbuschen gesäumt sind. Im Prälatenhof wendet man sich nach links, um ein Besucherticket zu erstehen. Mit diesem gelangt man in die inneren Räumlichkeiten und zu den Fresken.
Die Wandmalereien sind farbenfroh und entspringen teilweise einer überschäumenden Fantasie. Wie viele religiöse Gemälde, bringen sie auch symbolhaft Auffassungen und Meinungen der damaligen zeit zum Ausdruck.

Stift Altenburg

Stiftskirche

Sala terrena mit den bunten Malereien

Der Ostflügel erstreckt sich dabei über mehrere Etagen, die unterschiedliche Epochen in der Geschichte des Klosters zeigen. Ganz unten, im Untergeschoss, finden sich die Überreste des alten Klosters, auf denen die neuen Gebäude errichtet wurden. Von dort führt auch ein Ausgang zum Garten der Stille, der einen kleinen Teil jenes Geländes darstellt, der früher dem Abt zur Jagd diente. Im Untergeschoss gelangt man auch zur Krypta, die mit grellen Farben ausgemalt ist und wunderschön anzusehen ist. Was ein Toter davon hat, bleibt zwar die Frage, aber vielleicht wollte man auch nur für regelmäßigen Besuch sorgen. Ob der Abt tatsächlich hier bestattet wurde, ist unbekannt.

Alte Kapelle

Mauerwerk des alten Klosters, welches die unterste Etage bildet.

Auf diesem Foto sieht man gut die unterschiedlichen Bauepochen des Stifts.

Garten der Stille

Die farbenfrohe Krypta

Dies sieht schon eher nach einer bescheidenen Mönchsklause aus.

In den oberen Stockwerken entfaltet sich dann die ganze Pracht barocker Baukunst. Die Räumlichkeiten erinnern mehr an eine Fürstenresidenz, denn ein Gotteshaus. Das Marmorzimmer, die Kaiserstiege oder die Stiftsbibliothek waren in der Anschaffung mit Sicherheit nicht wohlfeil. Auch 21 Gastzimmer wurden in der Anlage verzeichnet. Sie waren geeignet, selbst dem Kaiser Unterkunft zu gewähren, doch sollte es dazu niemals kommen. Den prunkvollen Marmorsaal, das Tafelzimmer des Prälaten, kann man in den warmen Monaten nach 17.15 besichtigen, was ich auch tat, denn zufällig war ich just in diesem knappen Zeitraum (nur bis 17.56) anwesend.

Kaiserstiege

Ausstellungs-Sujet

Stiftsbibliothek. Zu Lebzeiten Placidus Muchs enthielt sie aber noch keine Bücher.

Deckenfresko

Bunter Stuckmarmor (ein Marmorimitat) wurde zuhauf verwendet.

Der Marmorsaal

Damit war dann der Tag (bis auf das Abendessen) gegessen. Ich fuhr noch das kurze Stück weiter bis zum Örtchen Rosenburg, wo ich mir ein Zimmer in einem Gasthof nahm. Vom Fenster hatte ich schon das Schloss Rosenburg im Visier, welches hoch über dem Kamp auf einem Felsen thronte. Ein schöner nächster Tag war angesagt, und ich freute mich schon darauf.

Schloss Rosenburg

Blick auf das Örtchen Rosenburg

Am nächsten Morgen fuhr ich gleich nach dem Frühstück hinauf zum Schloss. Über eine Brücke überquerte ich den Kamp, um kurz vor 10 Uhr auf dem fast leeren Parkplatz vor dem Schloss zu halten. Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel. Es gibt dort übrigens auch einen kleinen Seilpark, falls der Nachwuchs ein bisschen „abhängen“ möchte. Um Punkt zehn Uhr öffnete die Kasse. Das Ticket noch in der Hand (welches mit 15 Euro für einen Erwachsenen nicht billig ist; dabei ist zB. die Greifvogelschau nicht inkludiert, die Burgführung aber schon, was auf der Webseite etwas widersprüchlich dargestellt ist), stürmte ich durch das Tor, um ein paar Fotos vom noch menschenleeren Turnierhof zu machen. Im Prinzip ist es schon eine Burg, welche im Laufe der Geschichte zu einem Schloss erweitert wurde. Aber der Burgcharakter ist unübersehbar, und für mich ist es mehr eine prunkvolle Burg, als ein Schloss. Also ein Burgschloss, sozusagen, oder eine Schlossburg. Mit seinen spitz zulaufenden Türmen und den vielen Rosen (Nomen est omen!) war meine erste Assoziation ein Schloss von Walt Disney.

Der idyllische Kamp

Der Zutritt zum Schlossgelände

Der weit ausladende Turnierhof

Rosen, wohin man blickt.

Erstes Tor zum Burginneren

Ich hatte Glück, sofort eine Führung zu ergattern (ohne die man die Wohnräume der Burg nicht betreten darf). Eine Schulklasse hatte sich angekündigt, und der Führer wartete bereits im Innenhof, doch sie kam nicht. Da sich bereits einige Besucher versammelt hatten, beschloss der Führer ohne die Schüler zu starten. Wir sahen – neben den üblichen Utensilien wie Waffen und Rüstungen – auch solch interessante Gegenstände wie einen Tisch mit Sesseln, die so konstruiert waren, dass man selbst betrunken nicht auf den Boden gleiten, und schlimmstenfalls zum Ausnüchtern darin auch seine Nachtruhe verbringen konnte, und – und so etwas hatte ich wirklich noch nicht gesehen – ein zweiteiliger Plauderstuhl, auf dem sich die Gesprächspartner seitlich versetzt vis-a-vis gegenüber saßen. Die Mittellehne konnte entfernt werden, falls mehr Körpernähe gewünscht wurde.

Im Innenhof starten die Führungen. Da es nur wenige pro Tag gibt, ist ein bisschen Planung angeraten.

Dieses alte Burgtor sieht alt aus und ist es auch.

Innenhof des Burgmuseums (ehemaliger Wohnbereich)

Der Plauderstuhl. Wie geschaffen, um Jagderlebnisse zu berichten.

Bezaubernd auch ein kleiner, mauerumfasster viereckiger Teich mit Seerosen, die diversen Kräutergärten sowie der Rosengarten mit Dutzenden von Rosensorten, die sich alle in Farbe und Geruch unterscheiden. Hoch zufrieden verließ ich die Burganlage wieder.

Kräutergarten

Meine nächsten Besichtigungsziele lagen entlang des Kamp, im wunderschönen Kamptal. Mehr dazu beim nächsten Mal.

 

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Ein Stausee, der was aussieht wie ein Fluss

Zwettl ist eine der größeren Städte des Waldviertels, doch nichts des Orts wegen zog es mich dorthin. Im Prinzip folgen die Orte von Wein- und Waldviertel einem ähnlichen Plan. Ein schmucker Hauptplatz mit Kirche, Amtsgebäuden, vielleicht einer Pestsäule und einem Eissalon. Ein paar Lokale, meist auch eine Pizzeria. Ob Retz, Zwettl, Horn oder Mistelbach, man hat immer irgendwie das Gefühl, schon einmal dagewesen zu sein. Aber ein paar Kilometer außerhalb von Zwettl liegt etwas abseits das bekannte Stift Zwettl, und das wollte ich im Vorbeifahren doch gerne „mitnehmen“.

Blumenimpressionen von unterwegs

So schön die Stifte Österreichs anzusehen sind, so sehr lösen sie ambivalente Gefühle in mir aus. All dieser Prunk passt nicht zu einer Religion, die  – zumindest, wenn man der Authentizität der Worte Jesu im Neuen Testament Glauben schenken darf – in ihrem Ursprung Bescheidenheit, Besitzlosigkeit und Demut gepredigt hat. Wieso brauchen Mönche prunkvolle Räume, Ländereien und ein Domizil, das nach Geld stinkt? Wie war das doch noch mit dem Geben an die Armen? Diese Stifte sind natürlich Kulturgüter des Landes und Besucherattraktionen, doch sie mit diesem Protz zu errichten, war in meinen Augen grundlegend falsch. Die ursprüngliche Idee eines selbstversorgenden Meditier- und Studierzentrums war nachvollziehbar (vor allem, wenn man abseits lebte), doch sie wurde im Laufe der Zeit offenbar von geltungssüchtigen Kirchenleuten pervertiert.

Daher können Sie als Besucher auch im Klosterladen shoppen oder – passend zur Waldviertler Tradition – einen Fisch aus den Stiftsteichen erwerben. Sie können die Innenräume besichtigen oder in den Klostergärten flanieren. Der Klosterfrau Melissengeist ist übrigens zum Einreiben, nicht zum Trinken. Ich meine, man kann ihn natürlich auch trinken, sollte es aber nicht tun.

Stift Zwettl – Hof und Stiftskirche

Ich beschränkte mich auf eine Begehung der frei zugänglichen Außenbereiche. Immerhin kostet der Eintritt 10,50 Euro (für ein Modul), und ich hatte ja noch einiges vor. Ich kannte bereits Stift Melk und Stift Göttweig (und hatte Stift Altenburg noch im Visier), sodass ich nicht jedes Stift von innen gesehen haben musste. Aber auch von außen war es äußerst apart anzusehen. Der helle, barocke Innenhof stand im krassen Kontrast zum dunklen Turm der Stiftskirche. Die Gärten waren symmetrisch angelegt, der Rasen kurz getrimmt und die Beete mit Blumen und duftenden Kräutern bepflanzt. Bruder Gärtner hatte einen guten Job gemacht. Vor allem der lila blühende Lavendel stach aus dem frischen Grün heraus.
Für die Innenansicht des Klosters verweise ich auf die Internetseite des Stifts.

Stiftsgärten

Blick auf die Stiftskirche

Ein bisschen Kitsch muss sein.

Einen Ort, den ich schon seit längerem einmal besuchen wollte, war der Ottensteiner Stausee. Auf der Karte betrachtet, sieht er wie ein langer, zerklüfteter Fjord aus. An seiner Ostseite liegen ein Campingplatz, eine Ruine und ein Bootsverleih, allerdings auf gegenüber liegenden Ufern. Der Bootsverleih (samt Restaurant und großem Parkplatz) liegt bei Peygarten-Ottenstein. Die Ruine Lichtenfels, die auch dem Campingplatz seinen Namen gab, liegt heute auf einer Halbinsel nahe beim Seeufer. Das war nicht immer so. Ursprünglich lag die Burg auf einem Hügel über dem Kamp, doch nach dem Fluten der Umgebung änderte sich dies drastisch. Einst eine wehrhafte Burg, wurde sie im Laufe des 18. Jhdt. zunehmend vernachlässigt. Hätten die Burgherren also ein paar hundert Jahre zugewartet, so läge jetzt eine tolle Urlaubs-Location zu ihren Füßen.

Von Zwettl folgte ich der Böhmerwald Bundesstraße nach Ottenstein. Wieder zeigte sich das Wetter etwas durchwachsen: als ich ankam, war es noch sonnig, doch schon bald zog dichte Bewölkung auf. Das hielt mich zwar nicht von einer kurzen Bootsfahrt ab, doch so richtige Hochstimmung wollte nicht aufkommen. Immerhin kam ich der Ruine nah genug, um festzustellen, dass sie wirklich nicht mehr bewohnt war. Im Anschluss verkostete ich noch eine Ottensteiner Fischsuppe, die wirklich gut schmeckte. Den oder die Fische darin vermochte ich nicht zu identifizieren, doch eine Genanalyse hätte sicherlich Klarheit verschafft.

Bootsanlegestelle am Stausee Ottenstein. Am gegenüber liegenden Ufer ist die Ruine Lichtenfels erkennbar.

Seebären können zwischen einer geführten Bootstour und kleinen Mietbooten wählen.

Badende unterhalb der Ruine. Warm wird der Stausee aber vermutlich nicht sein.

Die Navigation ist einfach. Für den gesamten See wäre aber vermutlich schon ein Tag, sowie das nötige Kleingeld für die Bootsmiete einzuplanen.

Ich bitte um Verzeihung, dass ich nun schon wieder mit einer Burg daher komme, aber sie war nicht geplant. Wie schon vorher erwähnt, hatte ich noch das weiter östlich gelegene Stift Altenburg im Visier. Auf dem Weg dahin erblickte ich eine Burg auf einem Hügel. So weit nichts Neues. Ich hatte die Burg Ottenstein gefunden, die auf der Karte auch als Schloss Ottenstein vermerkt ist, doch die Bezeichnung „Burg“ trifft es entschieden besser. Also bog ich in die Nebenstraße ein und folgte ihr bis zum Parkplatz des Hotels Ottenstein. Ich beschloss, mich ein wenig auf dem Burggelände umzusehen. Zu den Veranstaltungen, die auf Ottenstein geboten werden, zählt auch ein Krimi-Dinner. Wenn Sie also neben einer toten Fliege in der Suppe auch eine Leiche auf dem Hotelzimmer finden, dann könnte das davon herrühren.

Burg Ottenstein

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Ein Moor und noch eine Burg

Von Rapottenstein fuhr ich also nach Schrems, zum Naturpark Hochmoor Schrems. Um Zeit zu sparen (der Tag neigte sich bereits seinem Ende zu), fuhr ich auf gut ausgebauten Bundesstraßen Richtung Norden. Beim Besucherzentrum des UnterWasserReich Schrems ließ ich das Auto stehen und informierte mich über mögliche Wanderrouten. Diese waren auch vorbildlich ausgeschildert.

Waldviertler Landschaft

Waldviertler Landschaft

Moore sind Feuchtgebiete, in denen der Boden permanent unter Wasser steht. Er trocknet also niemals aus. Das Wasser kann dabei von oben in Form von Regen, oder von unten in Form von Grundwasser kommen. Bei einem Hochmoor trifft ersteres zu. Sie sind insofern außergewöhnliche Lebensräume, da der Boden sauer und nährstoffarm ist, und daher nur eine begrenzte Zahl an angepassten Pflanzen und Tieren vorkommen. Ein gesundes Moor lagert laufend Torf ab, dadurch wächst es langsam in die Höhe. Dieser Torf wurde schon früh aus dem Moorboden „gestochen“ und als Brennmaterial, Dünger und als Baustoff verwendet. Heute gibt es nur mehr wenige intakte Moore, sie stehen daher unter Naturschutz.

Ich entschied mich für die grün markierte „Tut gut“-Route 1, die auf 4,5 km durch das Kerngebiet des Naturparks hindurch führt. Der Moorlehrpfad zu Beginn und die „Himmelsleiter“ weckten meine Neugier, während ich dem „Prügelsteig“ und dem „Moortretbecken“ mit gemischten Gefühlen entgegensah. Vor meinem geistigen Auge formte sich die Vision eines garstigen Moor-Kobolds, der mit seinem knorrigen Knüppel auf mich einprügelte, und etwas von „seinem Schatz“ murmelte.

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Teich beim Besucherzentrum

Teich beim Besucherzentrum

Dem Wochentag geschuldet, schritt ich weitgehend alleine durch diese ungewöhnliche Landschaft. An der Himmelsleiter angekommen, entpuppte sich diese als hohe, hölzerne Treppe, an derem Ende ein guter Ausblick über die Umgebung wartete. Der „Moorblick“ war allerdings insofern eingeschränkt, als zwischen den Bäumen nur eine kleine Stelle mit Wasser zu sehen war.

Moorlehrpfad zu Beginn des Wegs.

Moorlehrpfad zu Beginn des Wegs.

Himmelsleiter

Himmelsleiter

Moorblick

Moorblick von der Himmelsleiter

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Als ich mich dem Prügelsteig näherte, gelangte ich ins Kerngebiet des Moores. Die Wassertümpel nahmen zu, gefüllt mit klarem, kaltem und sehr dunklem Wasser. Kleine, moosartige Pflanzen bildeten einen dichten Teppich, aus dem grüne Halme und lilienartige Gewächse empor ragten. Dazwischen wuchsen gedrungene Gewächse, die man nur an solchen Stellen findet. Einen Sonnentau sah ich leider nicht. Die letzten Strahlen der tief stehenden Sonne entfachten ein schön anzusehendes Farbenspiel.
Übrigens: dem Kobold bin ich nicht begegnet.

Typische Moorvegetation

Typische Moorvegetation

Prügelsteg

Prügelsteg

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Das Moortretbecken bietet Gelegenheit, mit nackten Füßen durch knöchelhohen Moorschlamm zu gehen. Damit man nicht bis zum Hals einsinkt, falls eine Stelle doch einmal etwas tiefer sein sollte, gibt es ein Holzgeländer zum Anhalten. Da ich keinen Sinn darin sah, mir die Füße schmutzig zu machen, in unmittelbarer Nähe nichts zum Abwaschen fand und obendrein nichts zum abtrocknen dabei hatte, widerstand ich dem Drang, die Sau in mir heraus zu lassen, sondern spazierte auf weichen, wurzelbedeckten Waldböden weiter.

Moortretbecken

Moortretbecken

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Die Dunkelheit brach allmählich herein, und ein Schlafplatz für die Nacht tat Not. Im Schremser Zentrum fand ich ein Zimmer im Gasthof Schönauer. Damit war ich für den nächsten Tag gerüstet. Unter Umständen wäre es möglich gewesen, im Naturpark unter Bäumen zu übernachten, doch was, wenn es den Kobold tatsächlich gab?

Nach Natur pur stand am nächsten Tag wieder eine Burg auf dem Programm – die Burg Heidenreichstein. Einen Besuch der nahe gelegenen Blockheide mit ihren spektakulären Wackelsteinen verwarf ich angesichts von Zeitmangel und Wetterbericht. Nach einer kurzen Fahrt ins nordöstlich gelegene Heidenreichstein, stand ich kurz vor zehn Uhr, und damit kurz vor dem ersten Einlass, vor der Wasserburg Heidenreichstein. Laut Internet handelte es sich um die größte erhaltene Wasserburg Niederösterreichs. Früher mag sie von allen Seiten von Wasser umgeben gewesen sein, heute trifft das nur mehr auf einen Teil zu. Teile des inneren Wassergrabens wurden einfach zugeschüttet und zu einem Garten umgestaltet. Die Zugbrücken gibt es immer noch. Die Mauern ragen hoch auf und sind massiv, leicht erkennt man von außen, welche Teile der Anlage am ältesten sind. Der runde Bergfried soll bis ins 12. Jhdt. zurückdatieren.

Burg Heidenreichstein

Burg Heidenreichstein

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Wieder erhielt ich eine Privatführung. Das Fotografieren in den Räumen war mir leider nicht gestattet. Der Innenhof wirkte beengt, es wurde restauriert, ein deutlicher Riss zog sich durch den oberen Teil eines hohen, viereckigen Turms – das Ergebnis eines Blitzeinschlags. Der Eigentümer der Burg, der heutige Burgherr sozusagen, bewohnt mit seiner Familie einen neueren Trakt der Anlage, vermutlich ein ehemaliges Wirtschaftsgebäude.

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Hier erkennt man noch den ursprünglichen Charakter.

Hier erkennt man noch den ursprünglichen Charakter.

Bewohnter Gebäudetrakt

Bewohnter Gebäudetrakt

Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an die Funktion dieses Männchens erinnern. Es hatte mit Wasser zu tun. Möglicherweise speite es Wasser, das von oben herab kam.

Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an die Funktion dieses Männchens erinnern. Es hatte mit Wasser zu tun. Möglicherweise speite es Wasser, das von oben herab kam.

Ehemaliger Burggraben

Ehemaliger Burggraben

Als ich die Burg verließ, kam endlich die Sonne hinter den Wolken hervor. Neben der Burg gibt es noch weitere Attraktionen in Heidenreichstein. Zum einen den Naturpark Heidenreichsteiner Moor. Und in der Käsemacherwelt, einer Schaukäserei, erfahren Besucher, wie man Käse herstellt, inklusive angeschlossener Verkostung (übrigens auch eines der TOP-Ausflugsziele Niederösterreichs). Da ich berufsbedingt eine solche schon einmal besichtigt hatte, setzte ich meinen Weg Richtung Zwettl fort.

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Wild Wild Waldviertel

Als in Wien Wohnender liegen Ausflugsziele innerhalb des Weinviertels in lockerer Distanz für Tagesausflüge, auch das nahe, grenznahe Ausland (Slowakei, Tschechien, Ungarn), doch was das Waldviertel betrifft, mit seinen einsamen und gewundenen Straßen, muss man für gewöhnlich doch mehr Zeit aufbringen, damit sich die Fahrt lohnt. Und so begab ich mich diesen Sommer auf eine dreitägige Tour durch diesen ruhigen Teil Niederösterreichs, mit dem Ziel, einen guten Überblick über die besten Sehenswürdigkeiten und Plätze zu bekommen. Ein Überblick, nicht mehr, denn drei Tage reichen bei weitem nicht, um in den letzten Winkel vorzudringen, aber eine interessante Auswahl, die den Appetit auf mehr anregt.

Was das Waldviertel so besonders macht, ist leicht erklärt. Es ist die Weite einer großartigen Landschaft, die sich windenden Straßen durch Äcker und Wälder, dieser Überfluss an Grün, und nicht zuletzt die Naturparks und kulturellen Sehenswürdigkeiten wie Klöster und Burgen. Fährt man mit dem Auto herum, so blickt man auf einen Horizont, der in weiter Ferne liegt und auf eine Landschaft, die nie aufzuhören scheint. Dann wieder geht es durch dunkle, fast mystisch anmutende Waldabschnitte. Abseits der gut ausgebauten Schnellverbindungen begegnet man nur wenigen Autos.

Ich werde das Erlebte nicht in einen Blogbeitrag hineinpacken. Zu viel des Guten verdirbt immer den Magen. Es verursacht Völlegefühl und Verstopfung. Deshalb werde ich das Erlebte in kleine Appetithäppchen aufteilen, dafür mit vielen Fotos garniert, komponiert zu einer feinen Mahlzeit. Dieser Beitrag und auch die nächsten werden sich daher in Folge rund um das Waldviertel drehen. Ich hoffe, Sie begleiten mich.

Inkonsequenterweise beginne ich meine Runde mit der Burg Clam, die in Oberösterreich liegt, aber dennoch einen guten Ausgangspunkt darstellt. Viel hört man von dieser Burg, die unter anderem als Location für Konzerte dient, wobei die Bühne selbst nicht in, sondern vor der Burg liegt. Sie ist auch ein beliebter Begriff in Kreuzworträtseln. Aus diesen beiden Gründen kannte ich sie überhaupt. Konzerte und Kreuzworträtsel. Doch diese Verniedlichung wird ihr nicht gerecht, wenn man sich ein bisschen über ihre Geschichte informiert. Es ist eine Burg, die niemals eingenommen wurde, was etwas verwunderlich erscheint, denn sie ist gut zugänglich, und der Mittelteil der Burg, der alte Wohnbereich, sieht aus wie ein Werbe-Sujet für Stiegl-Bier. Aber man darf nicht vergessen, dass die Burg mehrmals umgebaut, und in jüngeren Jahren auch wohnlicher gestaltet wurde. Der raue Habitus einer Wehrburg war nicht mehr erforderlich. Deshalb sehen viele Burgen heute auch so herausgeputzt und geschniegelt aus, was einen leicht vergessen lässt, wie hart und unkomfortabel das Leben darin gewesen sein musste, selbst für die Burgherren.

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Die Burg Clam vom Ort Klam ausgesehen (kein Rechtschreibfehler).

Die Burg vom Veranstaltungsgelände aus gesehen.

Die Burg vom Veranstaltungsgelände aus gesehen.

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Der mächtige Rundturm ist einer der ältesten Teile der Burg.

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Der Blick von Burg Clam reicht weit in die umgebende Landschaft. Dies erleichterte die Kommunikation mit benachbarten Burgen.

Der Blick von Burg Clam reicht weit in die umgebende Landschaft. Dies erleichterte die Kommunikation mit benachbarten Burgen.

Die Räumlichkeiten der Burg sind nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Da es unter der Woche ist, bin ich der Einzige hier, nachdem eine Schulklasse bereits zuvor abgefertigt wurde. So eine Exklusivführung ist ja immer etwas Schönes, da man den Ablauf sehr gut personalisieren kann, und man immer im Mittelpunkt steht. Nicht, dass mir das wichtig wäre. Es macht es nämlich bedeutend schwieriger, sich mal klammheimlich zu verdrücken, wenn einem die Ausführungen des Führers zu ausführlich werden, oder wenn man mehr Zeit für Fotos braucht.

Der Innenhof ist so hübsch und liebevoll dekoriert, dass sich eine feindliche Horde beim Betreten wohl artig die Schuhe abgeputzt und sich, Worte der Entschuldigung murmelnd, verschämt lautlos zurückgezogen hätte. Im krassen Gegensatz dazu steht das knorrige, mit Metallbeschlägen verstärkte Tor, welches angeblich noch das originale, und aus diesem Grund besonders alt ist. Niemals traten Feinde durch es hindurch (weshalb meine Vermutung von vorhin ungeprüft im Raum stehen bleiben muss). Die Einrichtung ist eher jüngeren Datums, ganz besonders die elektrischen Luster und Nachttischlampen. Auch das Bärenfell vor dem Bett war wohl eine relativ moderne Requisite, denn ein gestandener, raubärtiger Ritter legte sich mit Sicherheit einen echten, lebenden Bären vor seine Schlafstätte. Vielleicht schlief er überhaupt auf ihm.

Innenhof

Innenhof

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Das originale Tor zum Innenbereich wurde nie von Feinden überwunden.

Das originale Tor zum Innenbereich wurde nie von Feinden überwunden.

Trotzdem können ein paar Wachen nicht schaden.

Trotzdem können ein paar Wachen nicht schaden.

Eine eigene Burgapotheke kann nicht schaden.

Eine eigene Burgapotheke kann nicht schaden.

Rustikale Einrichtung

Rustikale Einrichtung

Und eine lange Tafel darf natürlich auch nicht fehlen. Wo bleibt denn sonst die Völlerei?

Und eine lange Tafel darf natürlich auch nicht fehlen. Wo bleibt denn sonst die Völlerei?

Ich bemerkte ja schon in meinem letzten Artikel, dass beinahe jedes Bundesland ein „Burgenland“ ist. Auch Niederösterreich. Von Burg Clam ging es nun wirklich ins Waldviertel, mit Ziel Burg Rapottenstein. Schon auf diesen ersten Kilometern waldviertlerischen Bodens merkte ich, wie relativ Zeit in diesem Landstrich ist. Aufgrund der Topografie und der sich dahinwindenden Straßen, dauert es relativ lange, bis man eine bestimmte Wegstrecke zurückgelegt hat. Da es viel Natur zu bewundern gibt, ist dies nicht weiter schlimm (solange man es nicht eilig hat). Hügel, goldgelbe Äcker, Wälder und urige Granitblöcke sind die typischen Zutaten. Unterwegs passiere ich auch die Burgruine Arbesbach, die der Erwartungshaltung an eine Ruine hundertprozentig gerecht wird, da nur mehr ein Turm von ihr übrig geblieben ist.

Ein paar Impressionen entlang des Wegs ...

Ein paar Impressionen entlang des Wegs …

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Ruine Arbesbach

Ruine Arbesbach

Das Waldviertel ist steinreich ...

Das Waldviertel ist steinreich …

Die Burg Rapottenstein hingegen, unweit des gleichnamigen Ortes, ist dagegen wieder überaus imposant anzusehen. Auch von ihr wird behauptet, niemals durch feindliche Hand eingenommen worden zu sein, und angesichts der mächtigen Mauern nimmt man ihr das auch ab. Ein ausgeklügeltes Verteidigungssystem, bestehend aus fünf Vorhöfen und acht Toren, trug das seine dazu bei. Schon die ersten Blicke auf die Burg sind beeindruckend. Noch beeindruckender wird es, wenn man links um sie herum geht, denn dann bekommt man einen guten Eindruck von der gesamten Anlage. Wie viele andere Burgen auch, wurde sie auf einem soliden und mächtigen Granitsockel aufgebaut.

Imposant wirkt Rapottenstein schon auf den ersten Blick.

Imposant wirkt Rapottenstein schon auf den ersten Blick.

Viele dicke Meter Stein schützen den Burgkern.

Viele dicke Meter Stein schützen den Burgkern.

Blick durchs Schlüsselloch

Blick durchs Schlüsselloch

Auch Rapottenstein ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Schon auf den ersten Metern beeindruckt die wuchtige Konstruktion der meterdicken Mauern. Wirtschaftsgebäude und Naturstein verschmelzen zu einer Einheit. Endlich betritt man den eigentlichen Burgkern durch ein weiteres Steintor und eine Treppenanlage. Der enge Innenhof des mehrstöckigen Wohngebäudes ist hübsch restauriert, trotzdem wurde der rustikale, mittelalterliche Eindruck bewahrt. Ungewöhnlich auch die Wandmalereien, die aus dem 16. Jhdt. stammen. Die Einrichtung ist wie zumeist jüngeren Ursprungs und wirkt daher fast zu modern. Weitaus rustikaler, und entschieden ungemütlicher ist dagegen der Kerker-Trakt, dem man ansieht, dass der Unterschied zwischen Todesstrafe und Verlies nur der Zeitfaktor war.

Erst nach dem Durchschreiten mehrer Burgtore gelangt man in den Wohnbereich.

Erst nach dem Durchschreiten mehrer Burgtore gelangt man in den Wohnbereich.

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Im Mittelalter wurde eben noch solide gebaut.

Im Mittelalter wurde eben noch solide gebaut.

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Wie soll man diesen Verteidigungsring auch knacken?

Wie soll man diesen Verteidigungsring auch knacken?

Endlich im inneren Bereich angekommen.

Endlich im inneren Bereich angekommen.

Die Wandfresken sind etwas Besonderes und nicht auf jeder Burg anzutreffen.

Die Wandfresken sind etwas Besonderes und nicht auf jeder Burg anzutreffen.

Das stille Örtchen von Anno dazumal. Das Häufchen plumpst ins Freie. Alles Gute kommt von oben.

Das stille Örtchen von Anno dazumal. Das Häufchen plumpst ins Freie. Alles Gute kommt von oben.

Der hübsche Burggarten

Der hübsche Burggarten

Spätestens im Verlies ist dann Schluss mit Lustig.

Spätestens im Verlies ist dann Schluss mit Lustig.

 

Nach zwei Burgen in Serie ist mir nun nach etwas Natur. Daher fahre ich Richtung Norden zum Naturpark Schremser Hochmoor, mit dem UnterWasserReich Schrems als Ausgangspunkt. Mehr dazu beim nächsten Mal.

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Burgentour durchs Burgenland (plus Riegersburg)

Im österreichischen Bundesland Burgenland sollte man schon die eine oder andere Burg finden, soviel lässt schon der Name vermuten. Damit liegen Sie richtig. Ob die Burgendichte höher ist als in den anderen Bundesländern, weiß ich nicht, ich denke, dass auch die anderen Regionen Österreichs ähnlich gut mit Burgen und Ruinen bestückt sind (immerhin hat man im Mittelalter überall Krieg gehabt, und Burgen waren in erster Linie Wehr- und Schutzburgen. Heute baut man nicht mehr so solide). Nur wäre es einigermaßen unsinnig gewesen, jedes Bundesland deswegen als Burgenland zu bezeichnen, das hätte für viel Verwirrung gesorgt. Kärnten, Salzburg oder Oberösterreich könnte man als „Seenland“ benennen, Tirol als „Bergland“, aber sehr originell ist das nicht. Bleiben wir daher beim Original-Burgenland, das durch seine gestreckte Lage entlang der Nord-Südachse am besten im Rahmen einer längeren Tour durchfahren wird.

Um Sie vollends zu verwirren, begann ich meine Runde bei der Riegersburg, sehr bekannt und sehr populär, die aber in der Steiermark gelegen ist, welches in meiner Einleitung überhaupt nicht vorkam. Ich wollte aber unbedingt dorthin, weil sie auf Fotos sehr spektakulär aussieht. Danach wollte ich den Burgen Lockenhaus, Bernstein, Landsee und Forchtenstein einen Besuch abstatten (welche wirklich im Burgenland liegen). Bei Landsee handelt es sich um eine Burgruine, aber sehen wir doch galant über diesen kleinen Schönheitsfehler hinweg. Oder mögen Sie es, wenn man Ihnen Ihre Falten und Runzeln vorhält? Na, also.

Das Besondere an der Riegersburg ist der Umstand, dass man sie auch per Klettersteig erreichen kann, da sie auf einem weithin sichtbarem Felsen liegt, der speziell an einer Flanke steil abfällt. Es handelt sich aber im wahrsten Sinne des Wortes um einen Klettersteig, d.h. Sie müssen klettern. Zwar ist er mittels Stahlseilen versichert, aber Klammern, Leitern und andere Trittbehelfe sucht man vergeblich. Erst beim Ausstieg in den Garten der Burgtaverne zeigt man Erbarmen und hilft durch den Einsatz von Metall ein wenig nach (vermutlich um illegalen Wetten vorzubeugen: „schafft er’s oder stürzt er ab?“). Wer es gemütlicher mag, spaziert auf einem breiten Fußweg zum Burgeingang oder nimmt den Lift von der anderen Seite (dort gibt es auch einen Parkplatz). Ohne triftigen Grund gibt es aber keinen Anlass, nicht zu Fuß zu gehen, denn so anstrengend ist der Zugang auch wieder nicht. Auch eine Sauerstoffflasche benötigt man nicht.

Hoch droben auf einem Felsen thront die Riegersburg.

Hoch droben auf einem Felsen thront die Riegersburg.

Der Zugang für Trittsichere.

Der Zugang für Trittsichere.

Hier meint man auch Klettern!

Hier meint man auch Klettern!

Gemütlicher geht es durch den Haupteingang.

Gemütlicher geht es durch den Haupteingang.

Noch gemütlicher per Lift.

Noch gemütlicher mit dem Lift.

Auf dem Plateau angekommen, nähert man sich der Oberburg durch liebliche Gärten. Wenn ich mich recht erinnere, so lebte einst ein Brüderpaar hier, einem gehörte die Oberburg, und dem anderen die Unterburg, worauf dieser sich irgendwie zurückgesetzt fühlte. Oberhalb der Oberburg gibt es nämlich nichts mehr außer eine senkrecht abfallende Felswand. Wer sich die Lage vergegenwärtigt, versteht leicht, wieso die Burg als uneinnehmbare Festung galt. Hatte man sich tatsächlich bis zur Oberburg vorgekämpft (schon schwierig genug), dann wartete ein tiefer Burggraben als Hindernis, der nur über die Zugbrücke zu überqueren war. Im Burggraben schwimmen heute ein paar bunte Koi-Karpfen herum.

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Blick auf die Oberburg.

Blick auf die Oberburg.

Hier wird rasch klar, dass diese Festung schwer zu erstürmen war.

Hier wird rasch klar, dass diese Festung schwer zu erstürmen war. Die Karpfen waren noch das geringste Hindernis.

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Im Inneren der Burg gibt es diverse Prunkräume und Ausstellungen zu besichtigen, mit den üblichen Utensilien (zB. Waffen, Rüstungen, Folterwerkzeuge, Bilder und Möbel). Einer der Besonderheiten der Burg ist der Umstand, dass es eine Zeit lang eine Burgherrin gab, eine wahre Rarität in diesem traditionellen Männerberuf. Eine Sonderausstellung erinnert an die „Blumenhexe“, die standesgemäß verbrannt wurde („Hexe“ war wiederum mehr die klassische Frauendomäne, wenngleich auch einige wenige Männer der Hexerei bezichtigt wurden, zB. wegen Schlechtwetters – die ersten Meteorologen, vermutlich).  Generell spielte die Burg eine Rolle in der düsteren Zeit der Hexenverfolgungen. Vermutlich hatte man im Mittelalter aber allgemeinhin nicht viel zu lachen.

Im Inneren der Burg geht es gepflegt zu. Keine Spur mehr der wilden Rittersleut'.

Im Inneren der Burg geht es gepflegt zu. Keine Spur mehr der wilden Rittersleut‘.

Vom Burghof gelangt man in die diversen Ausstellungen.

Vom Burghof gelangt man in die diversen Ausstellungen.

Zum Beispiel über die Gelage der Burgherren.

Zum Beispiel über die Gelage der Burgherren.

Oder die zahlreichen Prunkräume der Burg.

Oder die zahlreichen Prunkräume der Burg.

Blick ins Land.

Blick ins Land.

So soll die Anlage in ihrer Blütezeit ausgesehen haben.

So soll die Anlage in ihrer Blütezeit ausgesehen haben.

 

Es geht ins Burgenland

Von der Riegersburg fuhr ich Richtung Lockenhaus, wo eine weitere Burg wartet. Auf dem Weg dorthin nahm ich noch die Burg Bernstein mit (bitte nicht wörtlich verstehen, sie steht immer noch an ihrem Platz), die aber in Privatbesitz ist und als Hotel genutzt wird. Das Betreten ist nur für Hotelgäste gestattet, aber ein paar Fotos wird man ja noch machen dürfen? Es gibt auch ein kleines Café im Burghof. Ich bin mir sicher, dass die Nächtigung kein billiges Vergnügen ist, aber idyllisch ist die Lage, ich sag’s Ihnen! Wer Ruhe und Erholung sucht (und die nötige Marie sein Eigen nennt), hat es hier richtig gemütlich. Die massiven Burgmauern vermittelt in jedem Fall Geborgenheit.

Die mächtigen Außenmauern an der Seite täuschen darüber hinweg, dass die Burg Bernstein heute ein gemütliches Hotel ist.

Die mächtigen Außenmauern an der Seite täuschen darüber hinweg, dass die Burg Bernstein heute ein gemütliches Hotel ist.

Raue Schale, weicher Kern.

Raue Schale, weicher Kern.

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Nach Lockenhaus, welches nur ein paar Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt liegt, ist es nicht mehr weit. Man fährt im Prinzip nur mehr die Bundesstraße ein Stück weiter. Die Burg selbst liegt auf einer kleinen Anhöhe und überschaut einen kleinen See. Und ich muss schon sagen, es ist eine sehr schöne Burg, die im Inneren mit ihren dicken Ziegelmauern und düsteren Gewölben sehr mittelalterlich wirkt, dabei gut restauriert wurde (Danke des Wirkens von Prof. Paul Anton Keller). Historiker bringen sie auch mit dem Templer-Orden in Verbindung, weswegen den Templern auch eine kleine Ausstellung gewidmet ist. Die Idee, der Ort könnte ein Schauplatz in der Templer-Geschichte gewesen sein, wirkt faszinierend. Die Ausstellung ist daher interessanter als die ausgestellten Waffen und Rüstungen, die ich in ähnlicher Art dieses Jahr bereits gefühlte Dutzend Mal an ähnlichen Locations gesehen habe. Auch auf Burg Lockenhaus kann man übernachten. Hartgesottene Abenteurer wählen hierfür den Kerker. Fakire die Eiserne Jungfrau.

Burg Lockenhaus

Burg Lockenhaus

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Im Innenhof. Hier gibt es auch ein Restaurant.

Im Innenhof. Hier gibt es auch ein Restaurant.

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Im Inneren wirkt die Burg rustikal und düster.

Im Inneren wirkt die Burg rustikal und düster.

Der Speisesaal

Der Speisesaal

Templer-Rüstung

Templer-Rüstung

Darth Vaders Uniform? Nein, eine Eiserne Jungfrau.

Darth Vaders Uniform? Nein, eine Eiserne Jungfrau.

Ein Waldweg führt zum See hinunter, den man gemütlich umrunden kann. Wer möchte, kann von hier auf mehreren Wanderwegen folgen, zum Beispiel zur Margarethenwarte. Von den benachbarten Hügeln erhascht man auch den einen oder anderen Ausblick auf die Burg.

Der idyllische See hinter der Burg.

Der idyllische See hinter der Burg.

Die Margarethenwarte

Die Margarethenwarte

Die waldreiche Landschaft um Lockenhaus. Ein Naturpark.

Die waldreiche Landschaft um Lockenhaus. Ein Naturpark.

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Blick auf Burg Lockenhaus in der Abendsonne.

 

Weiter Richtung Norden gelangt man zur Burgruine Landsee, welche eine der größten Burgruinen Mitteleuropas ist. Sie lässt sich auch sehr gemütlich umwandern. Über die Ruine Landsee habe ich bereits auf diesem Blog berichtet.

Von hier erblickt man auch schon die Ruine Landsee auf dem Hügel rechts.

Ruine Landsee auf dem Hügel rechts

 

Bleibt noch die Burg Forchtenstein, wiederum weiter nördlich am Rosaliengebirge gelegen. Sie ist die wahrscheinlich bekannteste Burg des Burgenlands. Auch sie wirkt sehr gepflegt und fotogen. Im Gegensatz zur Burg Lockenhaus, die einstmals im Besitz der Familie Esterhazy war, gehört sie der Familie immer noch. Auch sie ist heute ein Museum, welches – Sie ahnen es bereits – Waffen, Rüstungen, prunkvolle Räume, Ahnengemälde, wertvolle Fresken und allerlei sonstigen Burgenkram zur Schau stellt. Aber so war das Leben auf den mittelalterlichen Burgen eben: man trotzte Klima und Feinden, schmiedete Ränken, vermied körperliche Hygiene, fürchtete sich vor Seuchen und Missernten, feierte rauschende Feste und fror sich im Winter den Arsch ab. Daran sollte man immer denken, wenn wir diese Zeit verklären.

Vorderansicht der Burg Forchtenstein

Vorderansicht der Burg Forchtenstein

Dicke Mauern galten als Patentrezept gegen unliebsame Besucher.

Dicke Mauern galten als Patentrezept gegen unliebsame Besucher.

Forchtenstein ist heute perfekt restauriert.

Forchtenstein ist heute perfekt restauriert.

Im farbenfroh ausgemalten Innenhof.

Im farbenfroh ausgemalten Innenhof.

Ein ebenso prächtiges Deckenfresko.

Ein ebenso prächtiges Deckenfresko.

Eine gut gefüllte Waffenkammer durfte hier ebenso wenig fehlen.

Eine gut gefüllte Waffenkammer durfte hier ebenso wenig fehlen.

Panoramaaufnahme von Burg Forchtenstein

Panoramaaufnahme von Burg Forchtenstein

Wenn man schon vor Ort ist, dann sollte man auch noch der kleinen Rosalienkapelle einen Besuch abstatten. Höher als die Burg gelegen, erblickt man von ihr (in der Ferne) die Burg aus der Vogelperspektive. Von der Straße aus ist es nur ein kurzer Fußmarsch zur Kapelle. In der warmen Jahreszeit sicher ein vortrefflicher Picknickplatz.

Die kleine Rosalienkapelle

Die kleine Rosalienkapelle

Von ihr hat man einen guten Ausblick auf die Burg und ihre Umgebung.

Von ihr hat man einen guten Ausblick auf die Burg und ihre Umgebung.

 

Ob man im Burgenland auch anderes zu sehen bekommt, als nur Burgen? Sicher. Den Neusiedlersee zum Beispiel, den Nationalpark Seewinkel-Lange Lacke oder den Römer-Steinbruch St. Margareten. Finden Sie alles auf diesem Blog. Viel Spaß!

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Mit der Draisine durchs Weinviertel

Eine Zugfahrt, die ist lustig. Oder gilt das nur für Seefahrten? Egal. Man kann eine Zugfahrt auf das Minimum reduzieren, und damit meine ich nicht per Anhalter unter dem Wagon. Es genügt eine viereckige Plattform mit schienentauglichen Rädern, auch bekannt als Draisine. Damit so ein Gefährt aber auch familientauglich wird, und einen gewissen Unterhaltungswert bietet, montiert man auf die Plattform einen Radantrieb wie bei einem Tretboot und zwei Sitzgelegenheiten für die Begleitung. Schafft dann in Summe Platz für vier Personen, und das ist schlau, schließlich weist ein Gelände ja sowohl Anstiege und Abfahrten auf, und die Anstiege können bisweilen kräftezehrend sein. Da ist es schon gut, über die nötigen personellen Reserven zu verfügen, um glühende Wadeln auskühlen zu lassen.

Ob und wo es das gibt? Im niederösterreichischen Weinviertel, genauer gesagt, auf der Strecke zwischen Ernstbrunn und Asparn an der Zaya. Dort lagen passenderweise bereits Schienen herum, und so wurde die Strecke für Brot und Spiele adaptiert. Wer das Brot nicht selbst mitbringt, findet selbiges (in Begleitung von Würsteln und anderen Snacks) unterwegs oder an den Endstationen in Form von Jausenstationen. Und die Strecke ist, bei einer Länge von 12,5 Kilometern, phasenweise richtig anstrengend. Dafür genießt man die Abfahrten dann umso mehr. Haben die Vorderleute zu wenig gefrühstückt oder generell zu wenig Schmalz in den Waden (dafür umso mehr in der Hüftregion), können die Draisinen unterwegs getauscht werden. An der Jausenstation Grafensulz am höchsten Punkt der Strecke ist dies sogar zwingend erforderlich, da auf jeden Fall mehr als fünfzig Prozent der Benutzer aussteigen, um der Völlerei zu frönen.

In Ernstbrunn geht's los, Ort auf Google Map gut anschauen, ist etwas versteckt.

In Ernstbrunn geht’s los, Abfahrtsort auf Google Map gut anschauen, ist etwas abseits gelegen.

Nach einer kurzen Einschulung kann es losgehen.

Nach einer kurzen Einschulung kann es losgehen.

Da die Strecke nur einspurig befahrbar ist, trotzdem in beiden Richtungen zurückgelegt werden kann, bedarf es natürlich einer gewissen Ordnung, damit der Verkehr nicht zum Erliegen kommt. Am Vormittag fährt man von Ernstbrunn nach Asparn, und am Nachmittag dann in die andere Richtung. Zu diesem Zweck gibt es festgelegte Zeitfenster, innerhalb derer man die Fahrt antreten kann. An den Endpunkten der Fahrt werden die Draisinen dann mittels eines Wagenhebers aufgebockt und um 180 Grad gedreht (das übernehmen die freundlichen Angestellten). Versehentlich in die tschechische Republik weiterfahren ist somit nicht möglich.

Natürlich habe ich es selbst ausprobiert. Und zwar das gesamte Paket, hin und retour. Als Unterstützung habe ich die Familie mitgebracht. Die Vorfreude ist groß, als wir vis-a-vis des Rübenplatzes in Ernstbrunn einchecken. Wir unterschreiben eine Art Verhaltenskodex, bekommen eine kurze Einschulung, und dann geht’s los. Wichtig sind vor allem die Sicherheitsbremsvorrichtungen vor Straßen- und Wegekreuzungen. Eine Person muss aussteigen und einen Handhebel umlegen, damit die Draisine die Stelle passieren kann. Dies soll zum einen verhindern, dass man zu schnell über die Kreuzung fährt, zum anderen, dass führerlose Draisinen den ganzen Weg alleine zurücklegen. Es ist auch eine hervorragende Gelegenheit, Ballast loszuwerden, indem man rasch weiterfährt, bevor der Bremshebellöser wieder zugestiegen ist.

Ein bisschen reintreten muss man schon, damit sich das Ding (schnell) bewegt.

Ein bisschen reintreten muss man schon, damit sich das Ding (schnell) bewegt.

Die Bremspunkte sind vorgegeben, damit man nicht etwa einen PKW überfährt.

Die Bremspunkte sind vorgegeben, damit man nicht etwa einen PKW überfährt.

Zu Beginn geht es relativ eben dahin, ein bisschen auf und ab, und das geht noch recht entspannt vonstatten. Bei der ersten gemäßigten Steigung merken wir dann, dass eine mit drei Personen beladene Draisine kein Leichtrad ist, zumal mir eine Gangschaltung schmerzlich abgeht. Da hilft nur kräftig in die Pedale treten. Doch wir kommen gut voran und erreichen bald die Labestation Grafensulz. Dort stellen wir unsere Draisine am Ende der Schlange ab, nehmen alle unsere Sachen (nicht vergessen!) und besteigen das erste Gefährt an der Spitze. Da es von hier an nur mehr bergab geht, nehmen wir rasch Fahrt auf und erreichen Asparn mit einem breiten Grinsen im Gesicht und zerzaustem Haar auf dem Haupt. Von ganz hinten im Denkstübchen breitet sich allerdings das unangenehme Gefühl aus, wonach es nach Adam Riese auf dem Rückweg zuerst einen langen, mühevollen Anstieg zu überwinden gilt.

Spaß für die ganze Familie!

Spaß für die ganze Familie!

Die Jausenstation Grafensulz in der Streckenmitte (und am höchsten Punkt).

Die Jausenstation Grafensulz in der Streckenmitte (und höchsten Punkt).

Vorrichtung zum Drehen der Draisinen an den Endstationen.

Vorrichtung zum Drehen der Draisinen an den Endstationen.

Und so ist es. Nach einer längeren Mittagspause (schließlich sind wir zu Beginn des Vormittags-Zeitfensters gestartet, und es müssen ja alle Teilnehmer abgewartet werden) erklimmen wir die Draisine und strampeln los. Jetzt wird unsere Kondition auf eine harte Probe gestellt. Da unsere Wadeln aber gut geölt sind, laufen wir schon bald auf unsere Vorderleute auf, denen wir im Schneckentempo folgen. Irgendwann einigen wir uns dann auf einen Wagenwechsel. Wir haben gut getauscht, denn das neue Modell ist sogar etwas leichtgängiger. Auch wenn die Draisinen gut gewartet werden, so können wir doch ein paar Unterschiede feststellen, zB. bei den Pedalen. Ist eines schon etwas „ausgenudelt“, dann sinkt die Effizienz. Rasch noch eine frische Ersatzkraft eingewechselt und weiterfahren. Als wir wieder in die Remise in Ernstbrunn einfahren, hätte die Fahrt ruhig noch eine Weile länger dauern können. Aber wer weiß, vielleicht kann man die Draisinen auch länger mieten. Dann fahren wir als nächstes von Wien nach Tulln. Irgendwann kommt dann Wien – Salzburg. Das wird ein Spaß!

–> Link zur Homepage der Weinvierteldraisine

Dieses Video soll einen kleinen Vorgeschmack bieten:

 

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Die Kittenberger Erlebnisgärten

An der Grenze zwischen Weinviertel und Waldviertel (eigentlich schon auf der Waldviertler Seite) liegen die Kittenberger Erlebnisgärten. Auf einer Gesamtfläche von 50.000 m2 wurden über 40 Themengärten errichtet, die man besichtigen kann. Für Kinder gibt es einen großen Spielplatz und verschiedene Spielestationen, an denen man seine Geschicklichkeit testen kann (zB. Dosenwerfen). Gleichzeitig sind diese Schaugärten aber auch ein riesiger Schauraum, was Gartengestaltung und Deko betrifft: Beetanlagen, Schwimmteiche und Garten- und Relax-Landschaften, aber auch Steinfiguren und Pflanzen kann man hier kaufen. Das ist vielleicht der einzige Kritikpunkt: dafür, dass hier viel Werbung für eine Firma gemacht wird, fallen die Eintrittspreise etwas hoch aus. Immerhin erhält man mit der Eintrittskarte auch Zutritt zum nahen Schaugarten der Organisation Arche Noah und der Loisium Weinerlebniswelt. Nicht weit liegt auch das Kamptal mit dem Naturpark Kamptal-Schönberg, wo es mehrere Naturlehrpfade gibt.

Die einzelnen Schaugärten gehen fließend ineinander über, weswegen man am besten dem durchnummerierten Pfad folgt, an dem die einzelnen Stationen wie Perlen auf einer Kette aufgefädelt liegen. Natürlich kann man auch kreuz und quer gehen, niemand wird einen daran hindern, man übersieht dann aber möglicherweise etwas (was auf der anderen Seite aber auch leicht passiert, wenn man den Stationen pflichtbewusst folgt). Rund um die Schwimmteiche lässt es sich in den Sitzmöbeln auch vortrefflich chillen. Das Schwimmen in den Teichen und Biotopen ist verboten, aber wenn Sie versehentlich hineinfallen … ? Das Angeln in dem kleinen Fischteich ziemlich zu Beginn ist ebenfalls nicht erlaubt, allerdings auch nicht nötig, denn die Karpfen stellen sich im Pulk an, wenn Sie der Wasserfläche nähertreten. Mit etwas Geschick landen Sie einen der Fische mit Ihrer Hand.

Die Kittenberger Schaugärten liegen abseits in den Weinbergen um Langenlois.

Die Kittenberger Schaugärten liegen abseits in den Weinbergen um Langenlois.

Den Übersichtsplan erhält man an der Kassa.

Den Übersichtsplan erhält man an der Kassa.

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Viele Stellen eignen sich zum Relaxen.

Viele Stellen eignen sich zum Relaxen.

Unterwasser-Streichelzoo

Unterwasser-Streichelzoo

Selbst Computer dienen hier einem anderen Zweck.

Selbst Computer dienen hier einem anderen Zweck.

In der Spielezone gibt es ebenfalls mehrere Aktivitäten zum ausprobieren. So wird auch den Kindern nicht langweilig.

In der Spielezone gibt es ebenfalls mehrere Aktivitäten zum ausprobieren. So wird auch den Kindern nicht langweilig.

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Der Wasserspielplatz ...

Der Wasserspielplatz …

... mit großen Rutschen, die man auf einem langen Sitzkissen hinunterrutscht.

… mit großen Rutschen, die man auf einem langen Sitzkissen hinunterrutscht.

Und ja, Blumen gibt es auch.

Und ja, Blumen gibt es auch.

Auf der großen Spirale findet man viele Kräuter und Heilpflanzen.

Auf der großen Spirale findet man viele Kräuter und Heilpflanzen.

Wer möchte da nicht sofort im Wasser plantschen?

Wer möchte da nicht sofort im Wasser plantschen?

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Auch spielerische und futuristisch anmutende Elemente werden präsentiert.

Auch spielerische und futuristisch anmutende Elemente werden präsentiert.

Oder das lauschige Plätzchen im Gartendschungel.

Oder das lauschige Plätzchen im Gartendschungel.

Auch ein japanischer Garten darf da nicht fehlen.

Auch ein japanischer Garten darf da nicht fehlen.

Mehr als ein Halbtagesausflug ist es allerdings nicht (es sei denn, Sie reisen von weit an). Die beiden oben genannten Aktivitäten habe ich nicht selbst ausprobiert, für eine Weinerlebniswelt fehlt mir schlicht und ergreifend das Interesse am Wein (selbst herumpiperln muss nicht sein). Dafür war ich im Kamptal, um mehr über den Naturpark Kamptal-Schönberg herauszufinden. Was soll ich sagen? Es ist ein Naturpark, kein Nationalpark, die Landschaft ist daher weit weniger spektakulär, als man sich das vielleicht erwartet, aber sie ist trotzdem schön. Die drei Naturlehrpfade wären: der Waldlehrpfad (inklusive dem kürzeren Walderlebnispfad), der Weinlehrpfad und der Flusslehrpfad. Ersterer führt durch den Wald, Zweiterer durch die Weinberge auf der anderen Seite des Flusses, und Letzterer führt wenig überraschend entlang des Kamps selbst. In der Alten Schmiede in Schönberg bekommen Sie kostenloses Kartenmaterial. Sie können Ihren Wagen dort auch gleich stehen lassen, denn alle drei Lehrpfade nehmen dort auch ihren Ausgang.

Das markante Gebäude der "Alten Schmiede".

Das markante Gebäude der „Alten Schmiede“ in Schönberg.

Schautafeln entlang des Waldlehrpfads.

Schautafeln entlang des Waldlehrpfads.

Blick über diesen Abschnitt des idyllischen Kamptals.

Blick über diesen Abschnitt des idyllischen Kamptals.

Der Waldlehrpfad endet als Passionsweg.

Der Waldlehrpfad endet als Passionsweg.

Den Wein- und Flusslehrpfad müssen Sie selbst begehen, denn ich hirschte nur durch den Wald. Aber wozu sollten Sie selbst hinfahren, wenn ich gleich alles zeige? Na, also.

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Hoch über Bratislava

Diese Seite entwickelt sich in letzter Zeit immer mehr zum Ausflugs-Blog, aber das liegt nur daran, dass meine Reisen familiär bedingt derzeit etwas kürzer ausfallen. Sogar der gemeinsame Familienurlaub fällt heuer ins Wasser. Was bleibt mir also anderes übrig, als die nähere, und zunehmend auch fernere Umgebung zu entdecken?

Als Wiener hat man zumindest die Nachbarländer Slowakei, Tschechien und Ungarn in unmittelbarer Nähe, und einige Beiträge über jene habe ich ja bereits gepostet. Und auch heute möchte ich eine Aktivität in der Slowakei vorstellen, nachdem ich im letzten Beitrag über eine schöne Wanderung in der tschechischen Republik berichtet habe. Es geht wieder einmal nach Bratislava. Doch war nicht die Stadt mein Ziel, sondern der Hügel Kamzik nördlich davon, der noch im Stadtgebiet seinen Anfang nimmt und doch bereits den Beginn der kleinen Karpaten darstellt, ein bewaldeter Hügelzug, der sich rund 100 Kilometer weit durch die Slowakei erstreckt (und den ich dieses Jahr auch noch ein Stück weit erkunden möchte). Wie die Wanderung im letzten Beitrag entdeckte ich den Kamzik beim Studium von Google Maps, und da dachte ich, das sieht nach einem interessanten Ausflugsziel aus. Viel wusste ich nicht darüber, aber den weithin sichtbaren Rundfunksender auf dem Gipfel hatte ich schon desöfteren von unterwegs gesehen. Gesagt, getan.

Mangels einer Wanderkarte musste ich mich auch hier mit dem begnügen, was ich auf Google Maps fand. Ich parkte mein Auto an der Stadtperipherie in der Stará Klenová, bzw. in der Vlarská einmal ums Eck, ganz in der Nähe des Krankenhauses. Von dort folgte ich einem (auf Maps gut sichtbaren) Wanderweg in Richtung der Cesta Mladeze, die an mehreren kleinen Seen vorbei zum Sender auf den Kamzik führt. Später merkte ich, dass es zum einen mehrere markierte Wanderwege und sogar Mountainbike-Strecken gab, und zum anderen, dass auch der Beginn dieser Straße einen brauchbaren Ausgangspunkt abgegeben hätte. Auf ihr waren nämlich viele einheimische Fußgänger und Radfahrer unterwegs. Viel leichter wurde es, als ich auf eine Infotafel stieß, auf der die Wander- und Radkarte des Gebiets gezeigt wurden. Generell sind die Wege gut markiert, bzw. in regelmäßigen Abständen Wegweiser angebracht.

Die Wege auf und um den Kamzik.

Die Wege auf und um den Kamzik.

Dieser Kartenausschnitt zeigt die Strecken des MTB-Parks, den Sessellift und Wanderwege. Den grün strichlierten Weg ging ich hinauf.

Dieser Kartenausschnitt zeigt die Strecken des MTB-Parks, den Sessellift und Wanderwege. Den grün strichlierten Weg ging ich hinauf.

Bei den oberen beiden Seen zweigte von der Ceta mladeze (nicht gut angezeigt) rechts ein Wanderpfad in Richtung Gipfel ab, der sich in Serpentinen bergaufwärts schlängelte. Schlussendlich gelangte ich auf das Plateau, wo auf einer weiten Lichtung (mit Sommer-Rodelbahn) mehrere kleine Imbissbuden für Verpflegung (Würstelstand-Niveau) sorgten. Wer anspruchsvoller ist, findet aber auch richtige Restaurants, nicht zuletzt im Rundfunkturm selbst. Hier offenbarte sich auch, dass der Kamzik ein beliebtes Ausflugsziel der Bewohner Bratislavas ist, denn es tummelten sich sehr viele von ihnen an diesem schönen Frühsommertag. Und ich genoss das Gefühl, dass eine Fahrt ins Blaue einmal mehr gelungen war.

Einer der beiden oberen Seen.

Einer der beiden oberen Seen. Ein Wanderpfad führt abseits der Straße an den Seen vorbei.

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Der Wanderweg kreuzt auch eine der MTB-Strecken.

Der Wanderweg kreuzt auch eine der MTB-Strecken.

Nur für Fußfaule. So hoch ist der Kamzik nicht.

Nur für Fußfaule. So hoch ist der Kamzik nicht. Und mit dem Auto kommt man auch hinauf.

Oben angekommen, lässt es sich gut rasten.

Oben angekommen, lässt es sich gut rasten.

Kulinarisch geben die Imbissbuden nicht viel her. Besser das kühle Bier.

Kulinarisch geben die Imbissbuden nicht viel her. Besser ist das kühle Bier.

Der Rundfunkturm ist ein markanter Blickfang der Region.

Der Rundfunkturm ist ein markanter Blickfang der Region.

Zurück nahm ich den rot markierten Wanderweg über den Picknickplatz Americke namestie (siehe Foto) und als ich auf die offene Lichtung danach traf (mit den Strommasten) wieder zurück den Weg, den ich gekommen war (Radroute C). Hätte ich das Auto am Beginn der Cesta mladeze gelassen, wäre ich dem roten Weg bis hinunter gefolgt.

Der Rastplatz Americke namestie. Im Hintergrund der Funkturm.

Der Rastplatz Americke namestie. Im Hintergrund der Funkturm.

Über diesen Weg verläuft die Radroute C, die bis zur Cesta Mladeze führt. Die Lichtung mit den Strommasten ist auf Google Maps gut sichtbar.

Über diesen Weg verläuft die Radroute C, die bis zur Cesta Mladeze führt. Die Lichtung mit den Strommasten ist auf Google Maps gut sichtbar.

Natürlich kann man diese Halbtagswanderung mit einem Besuch der (kompakten) Innenstadt Bratislavas kombinieren, dann allerdings sollte man früh kommen, damit es nicht in Stress ausartet.

Weitere Aktivitäten um Bratislava: ein Besuch der Burg Devin und eine Wanderung auf den Deviner Kogel.

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Von Mikulov nach Pavlov wandern

Über die südtschechische Stadt Mikulov habe ich auf diesem Blog bereits berichtet (auf Mikulov klicken, um zum Blogpost zu gelangen). Als ich heuer ein weiteres Mal auf dem „heiligen Berg“ (Svatý Kopecek) stand, da erspähte ich in der Ferne ein paar Hügel, auf denen ich sicher eine, vielleicht aber auch zwei Burgruinen ausmachte. Es musste doch irgendeine Art Weg dorthin geben. Die Idee zu einer Wanderung war geboren. Als ich am Abend Google Maps konsultierte, da nahm die Wanderung konkrete Ausmaße an.

Svaty kopecek - der heilige Berg

Svaty kopecek – der heilige Berg

Blick vom Svaty kopecek hinüber zu den Hügeln im Hintergrund. Ganz hinten sieht man die Ruine Divci hrady.

Blick vom Svaty kopecek hinüber zu den Hügeln im Hintergrund. Ganz hinten sieht man die Ruine Divci hrady.

Nordöstlich von Mikulov liegt der Turold, ein bewaldeter Kalksteinhügel, in dessen Inneren eine Karsthöhle – die Turold-Höhle – liegt. Diese Höhle kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Ein kurzes Stück nördlich davon, entlang der Straße nach Klentnice, liegt ein Felsen inmitten der Felder, der ob seines besonderen Ökosystems ein winziges Naturreservat darstellt. Sein Name ist Kocici skala. Weiter entlang der Straße gelangt man nach Klentnice, von wo man zur massiven Burgruine (Sirotci hradek) wandern kann. Von dort geht es über den Devin weiter zu jener Burgruine, die mir von Mikulov aus ins Auge gesprungen war: Divci hrady. Am Ende gelangt man in den Ort Pavlov, der an einem großen See gelegen ist. Die Rückwanderung ließ ich mir offen (selber Weg zurück oder entlang der Straße/Feldwegen). Eine Karte hatte ich nicht (auch keine Kenntnis über etwaige Wanderwege), aber auf den Satellitenaufnahmen konnte ich eindeutig Wege ausmachen, die sich durch die Landschaft zogen. Ich hatte einen Plan.

Der Hügel Turold in der Bildmitte, vom Syaty kopecek aus gesehen. Am südlichen Fuß liegt die Höhle.

Der Hügel Turold in der Bildmitte, vom Svaty kopecek aus gesehen. Am südlichen Fuß liegt die Höhle.

Pünktlich um 8.30 brach ich in der Früh von Wien auf. Ich staunte über die Unmengen an LKW und Sattelschlepper, die sich auf B7 durch das hügelige Weinviertel schlängelten. Sie erleichterten mein Fortkommen nicht gerade, aber es ging leidlich gut voran, so dass ich 1 h 15 min später meinen Wagen auf dem Parkplatz der Höhle abstellte. Er befand sich übrigens genau gegenüber des Amphitheaters, aber wer sich eine römische Ruine erwartet, wird enttäuscht. Es handelt sich lediglich um einen zeitgenössischen Aufbau, der für Veranstaltungen genutzt wird und daher abgesperrt war. Nach einem kurzen Fußmarsch stand ich vor dem Ticket Office, in dem eine Dame, die weder Deutsch, noch Englisch sprach, ihren Dienst verrichtete. Sie holte einen jungen Kollegen, der seine Sache nicht wesentlich besser machte. Generell schaut es mit den Englischkenntnissen der Tschechen ganz düster aus. Ich frage mich, was sie so genau im gleichnamigen Fach in der Schule machen?
Nach weiteren 300 m gelangte ich zum Eingang zur Höhle, wo ich mit einigen anderen Besuchern auf die nächste Führung wartete. Jetzt in den Sommermonaten dürfte es so alle 30 min eine Führung geben (womöglich sogar öfter), denn es waren mehrere Gruppen in der Höhle unterwegs. Außerdem finden Führungen täglich statt (Dauer ca. 50 min). Der Eintritt war mit umgerechnet 4 Euro günstig.

Weg zur Höhle. Davor gibt es ein paar geologische Informationen.

Weg zur Höhle. Davor gibt es ein paar geologische Informationen.

Erste Erwähnungen der Turold-Höhle stammen aus dem Jahr 1669. Sie ist die größte im Südmährischen Karst. Von dem rund 2 km langen Wegesystem sind ungefähr 300 Meter für Besucher zugänglich. Über Treppen gelangt man in die unterschiedlichen Kammern. Es handelt sich um keine Tropfsteinhöhle, die Wände sind mit korallen- bis knötchenartigen, kristallinen Formen bewachsen. Sie ist nicht wahnsinnig spektakulär (man wird nicht 10 Meter in die Dunkelheit abgeseilt), aber ganz interessant. Da die Führungen nur in tschechischer Sprache abgehalten werden, verstand ich nicht allzu viel davon, ich bekam mit meinem Ticket aber dankenswerter Weise ein zweiseitiges A4-Blatt in die Hand gedrückt, auf dem die einzelnen Bereiche auf Deutsch beschrieben waren. Es konnte mich allerdings auch nicht davor bewahren, dass ich stets alleine mit stoischer Miene da stand, während der Rest der Gruppe in heiteres Gelächter ausbrach.

Über Treppen geht es durch die Turold-Höhle.

Über Treppen geht es durch die Turold-Höhle.

Ungewöhnliche Steinskulpturen im "Märchenwald".

Ungewöhnliche Steinskulpturen im „Märchenwald“.

Als ich die Höhle verließ, war ich dankbar für die warmen Sonnenstrahlen, die mich im Freien empfingen. Ich beschloss, mit dem Auto direkt nach Klentnice zu fahren, und meine Wanderung von dort zu beginnen (auf dem Rückweg stellte sich heraus, dass es eine gute Idee gewesen war). Unterwegs hielt ich kurz am Kocici skala an. Es handelte sich um einen verloren in der Landschaft stehenden Felsen, der eine Art Trockenbiotop darstellte. Ringsherum lagen Felder und Weingärten. Ich folgte dem Weg auf die Spitze, inhalierte die Landschaft, glich die markanten Landschaftspunkte mit Google Maps ab und hakte diesen Besichtigungspunkt ab. Die gesamte Wanderung durch dieses Naturreservat hatte ganze 5 Minuten gedauert.

Plakat am Einganz zu Kocici skala.

Plakat am Einganz zu Kocici skala.

Blick vom Kocici skala zum weiteren Wegverlauf.

Blick vom Kocici skala zum weiteren Wegverlauf.

Kurz vor Klentnice bemerkte ich einen rot markierten Wanderweg, der von der Straße nach links abzweigte. Er passte gut mit den von mir auf der Satellitenkarte entdeckten Wegen zusammen. Nach der Ortseinfahrt parkte ich meinen Wagen in Sichtweite der Burgruine auf einem offiziellen, gebührenfreien Parkplatz und ging die Straße zurück zum Wegweiser. Der Weg führte zur Burgruine über den Hügelrücken, der mir eine landschaftlich reizvollere Variante versprach, als einfach nur den direkten Weg zur Ruine zu nehmen. Nach ca. einer halben Stunde unschwieriger, aber schöner Wanderung erreichte ich die Burgruine Sirotci hradek. Obwohl sie schon ziemlich verfallen ist, thront sie auf zwei mächtigen Felsen, die dazwischen eine schmale, tiefe Spalte bilden. Sie muss sehr schwierig einzunehmen gewesen sein. Von oben sieht man bereits in der Ferne auch den großen See und die Ruine bei Pavlov, und ahnt, dass es schon noch ein längerer Fußmarsch bis dorthin ist.

Weg entlang des Hügelrückens über Klentnice. Rechts Mitte liegt die Burgruine Sirotci hradek.

Weg entlang des Hügelrückens über Klentnice. Rechts Mitte liegt die Burgruine Sirotci hradek.

Sirotci hradek

Sirotci hradek

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Blick vom Burgfelsen zum See ...

Blick vom Burgfelsen zum See …

... und hinüber zum Devin (mit dem Sender) und der Ruine Divci hrady.

… und hinüber zum Devin (mit dem Sender) und der Ruine Divci hrady.

Fünf Kilometer sollten es laut Wegweise bis zur Ruine Divci hrady sein, und das klingt nach nicht viel, aber da lagen noch ein langgestreckter Hügelzug dazwischen, und die schweißtreibende Temperatur der Luft. Das Gute war, dass die Orientierung Dank der guten Wegbeschilderung und der topografischen Situation einfach war, und wenigstens das das Weiterkommen nicht erschwerte. Und so erreichte ich auch wohlbehalten den höchsten Punkt der Wanderung am Devin bei ca. 520 m Seehöhe, der durch einen weithin sichtbaren Fernsehturm markiert wird. Zum Sender sind es vom Weg weg nur ein paar hundert Meter.

Regelmäßig angebrachte Wegweiser helfen ungemein, wenn man ohne Wanderkarte unterwegs ist. Das machen die Tschechen sehr vorbildlich. Der gesamte Weg vom Svaty kopecek nach Pavlov ist derart ausgeschildert.

Regelmäßig angebrachte Wegweiser helfen ungemein, wenn man ohne Wanderkarte unterwegs ist. Das machen die Tschechen sehr vorbildlich. Der gesamte Weg vom Svaty kopecek nach Pavlov ist derart ausgeschildert.

Die typische Trockenlandschaft der Gegend.

Die typische Trockenlandschaft der Gegend.

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Der Sender am Devin.

Der Sender am Devin, der schon von weitem sichtbar ist.

Von dort an ging es fortwährend bergab in Richtung der Burgruine, zumeist durch eine trockene Steppen- oder Heidelandschaft. Immer wieder tauchte der See im Blickfeld auf, und zur Rechten auch der Ort Pavlov, der wunderschön am See gelegen war und von Weingärten und Sonnenblumenfeldern gesäumt wurde. Die Landschaft wirkte fast mediterran.

Blick hinunter auf Pavlov, den Endpunkt meiner Wanderung.

Blick hinunter auf Pavlov, den Endpunkt meiner Wanderung.

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Und endlich erreichte ich auch Divci hrady selbst. Die Fassade zur Seite nach Pavlov hin ist noch einigermaßen erhalten, daneben sind ein paar frühere Räume erkennbar, doch es ist fraglos eine Ruine, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Aber der Ausblick war grandios. Beide Burgruinen sind frei zugänglich, ein Eintritt ist nicht zu bezahlen. Man erreicht Divci hrady auf mehreren Wegen, von denen einer auch Kinderwagen-tauglich sein muss.

Divci hrady

Divci hrady

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Zufriedener Rückblick auf den zurückgelegten Weg.

Zufriedener Rückblick auf den zurückgelegten Weg.

Schön langsam knurrte mein Magen. Von Pavlov trennte mich noch ein zwei Kilometer langer Fußweg durch den Wald, den ich hurtig in Angriff nahm. Am Ortsrand passierte ich mehrere Weinschenken, bevor ich ums Eck der Kirche ein nettes Restaurant mit schattiger und luftiger Terrasse fand, wo ich mir ein verspätetes Mittagessen schmecken ließ.

Ich erreiche die Ortschaft Pavlov.

Ich erreiche die Ortschaft Pavlov.

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Kirchplatz in Pavlov.

Kirchplatz in Pavlov.

Nun blieb nur mehr die Rückkehr nach Klentnice, was einen Marsch von ca. 5 km bedeutete. Dazu gab es mehrere Möglichkeiten: Erstens zurück auf demselben Weg, den ich gekommen war. Dazu hatte ich keine Lust mehr. Zweitens, auf der Landesstraße entlang gehen. Dazu hatte ich auch keine Lust. Drittens, mit dem Bus fahren, der jedoch erst 45 min später abfuhr. Zum warten hatte ich auch keine Lust. Also trabte ich entlang der Straße zurück, in der Hoffnung, mit Auto stoppen erfolgreich zu sein. Was soll ich sagen? Dass Flüchtlinge (also Fremde) in den ehemaligen Ostblock-Staaten nicht besonders willkommen sind, wirkte sich auch auf mich insofern aus, als kein Schwein anhielt, obwohl ich durchaus als seriöser Wandersmann erkennbar war, und nicht etwa abgerissen, in Lumpen gehüllt und mit einem Doppler Wein in der Hand, neben der Fahrbahn herumtorkelte. Aber fünf Kilometer sind auch nicht die Welt, also erreichte ich nach einer Stunde in der drückenden Nachmittagshitze wieder mein Auto. Was war ich froh, nicht von Mikulov weg gegangen zu sein (dann hätte ich allerdings mit Sicherheit auf den Bus gewartet, der just in dem Moment an mir vorbeifuhr, als ich nur mehr ein paar hundert Meter von meinem Auto entfernt war).

Hier noch eine Karte der Gegend, die ich am Ende der Wanderung in Klentnice gefunden habe:

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Wandern um die Ruine Landsee

Ich habe letztes Jahr bereits über die Burgruine Landsee im Burgenland berichtet. Sie ist eine der größten Burgruinen Mitteleuropas, und eine wirklich imposante Anlage. Die Gegend eignet sich aber auch gut zum Wandern. Was die Gegend an Höhenmeter vermissen lässt, macht sie durch Streckenlänge wieder gut. Im Internet bin ich auf zwei Varianten gestoßen: Die eine verläuft zwischen Landsee und Neudorf (ca. 15 km), und die andere  zwischen Landsee, Neudorf und Kobersdorf über den Pauliberg, und ist mit 20 km Länge etwas anspruchsvoller. Man die kürzere der beiden Strecken aber auch um ein paar Kilometer abkürzen, wenn man vor Landsee zu den Fischteichen abzweigt (mehr dazu später).

Die von mir gewählte Streckenführung basiert auf dem Vorschlag unter diesem Link. Ich habe sie wie folgt modifiziert:

Die blaue Linie gibt meine Route wieder. Die blau strichlierte Linie ist die Abkürzung vor Landsee.

Die blaue Linie gibt meine Route wieder. Die blau strichlierte Linie ist die Abkürzung vor Landsee.

Von der Kirche in Neudorf aus (die gleich bei der Ortseinfahrt steht, wenn man von Markt St. Martin kommt) geht man die Straße in südlicher Richtung, die kurze Zeit später in eine Forststraße übergeht. Nachdem man den kleinen Bach überquert hat, folgt man ihr nach rechts, bei der nächsten Abzweigung nach links. Nachdem man linkerhand einen kleinen Löschteich passiert hat, nimmt man kurz danach die Forststraße nach rechts und folgt ihr durch das Steinerne Stückl (keine Ahnung, warum das so heißt; besonders felsig war es dort nicht, es hat nicht anders ausgesehen, als die übrige Umgebung), bis man auf eine rot markierte Forststraße trifft. Der roten Markierung folgt man nun über die Filzwiese bis nach Landsee (alternativ kann man an der Stelle, an der die rote Markierung nach rechts in einen Karrenweg abzweigt, auch am Schranken vorbei auf der Forststraße geradeaus weitergehen, man gelangt dann auch zur Filzwiese, wo auch die rote Markierung wieder einmündet). Von dort geht es weiter bis nach Landsee. Wenn man den Weg etwas abkürzen möchte, dann zweigt man im offenen Gelände nach rechts ab, wo man an den beiden Fischteichen vorbei zur Bundesstraße gelangt, der man nach links folgt, bis man den Wegweiser zur Ruine sieht.

Die Kirche am Ortsanfang von Neudorf (ehemalige Wallfahrtskirche) dient als (ein) Ausgangspunkt der Wanderung.

Die Kirche am Ortsanfang von Neudorf (ehemalige Wallfahrtskirche) dient als (ein) Ausgangspunkt der Wanderung.

Der kleine Löschteich mit Goldfischen.

Der kleine Löschteich mit Goldfischen.

Auf breiten Wegen geht es die meiste Zeit gemütlich dahin.

Auf breiten Wegen geht es die meiste Zeit gemütlich dahin.

Filzwiese

Filzwiese

Im offenen Gelände vor Landsee. Der markierte Weg dient auch als Reitweg.

Im offenen Gelände vor Landsee. Der markierte Weg dient auch als Reitweg.

Von hier erblickt man auch schon die Ruine Landsee auf dem Hügel rechts.

Von hier erblickt man auch schon die Ruine Landsee auf dem Hügel rechts. Links liegt Landsee.

landsee07

Der Fischteich, den man auf dem Abkürzer passiert.

Der Fischteich, den man auf dem Abkürzer passiert.

Von diesem Wegweiser sind es nur mehr ein paar Schritte zur Ruine.

Von diesem Wegweiser sind es nur mehr ein paar Schritte zur Ruine.

Wer will, kann das Auto auch hier vor der Ruine stehen lassen.

Wer will, kann das Auto auch hier vor der Ruine stehen lassen.

Eine kleine Erfrischung mit einem lokalen Gebräu.

Eine kleine Erfrischung mit einem lokalen Gebräu.

Vom Turm hat man eine großartige Aussicht auf die Umgebung.

Vom Turm hat man eine großartige Aussicht auf die Umgebung.

Die Besichtigung der Ruine ist nicht teuer und sollte man sich nicht entgehen lassen. Im Inneren des ehemaligen Wohnturms sieht man auch, welch mächtiges Bauwerk diese Ruine war. Eine detaillierte Beschreibung der Ruine Landsee finden Sie in meinem Beitrag von 2015. Ein paar Erfrischungen bekommt man dort auch.

Zurück nach Neudorf geht es über den Judensteig Richtung Kobersdorf (rot markiert, Beginn außerhalb der Ruine beim Parkplatz (Wegweiser)). Man folgt dem schmalen Fußweg durch den Wald, bis man auf eine Forststraße trifft, der man nach rechts bis nach Neudorf folgt.

Über den Judensteig geht es wieder zurück.

Über den Judensteig geht es wieder zurück.

Zuerst auf schmalem Pfad durch den Wald ...

Zuerst auf schmalem Pfad durch den Wald …

... dann wieder auf breiten Wegen zurück nach Neudorf.

… dann wieder auf breiten Wegen zurück nach Neudorf.

Eine Wanderkarte der Gegend finden Sie unter diesem Link. Sie zeigt die längere Route über Kobersdorf, hilft aber bei der Planung.

In Summe ist es eine leichte, aber trotzdem schöne Wanderung, mit dem Besuch der Burg als Höhepunkt.

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