Der Osten um Larnaka

Zum Glück bin ich ein Mann. Denn sonst stünde ich jetzt nicht hier auf den Mauern des spektakulären Bergklosters (und jetzt die Dritten gut befestigen) Moni Stravrovouniou auf 688 m Seehöhe, mit einem herrlichen Ausblick über die umliegende Landschaft. Frauen dürfen das Klosterareal nicht betreten, seitdem 1982 wieder die alten, strengen Klosterregeln eingeführt wurden. Dafür sorgt ein Pförtner am Eingang, der aufpasst, dass kein Weibsvolk heimlich durchschlüpft. Ihre Verkleidung müsste also schon sehr überzeugend wirken, um ungehindert durchzukommen. Das ist nicht fair, aber so sind die Klosterregeln, und schon Buddha schotete seine Sangha von weiblichen Einflüssen ab, damit die Burschen ja nicht auf dumme Gedanken kämen. Ein ordinierter Mönch hatte sich seinem Geist zu widmen, und nicht der weiblichen Anatomie.

Alleine der Blick vom Parkplatz vor der hübschen „All saints of Cyprus“ – Kirche ist die Anreise wert. Einer alten Ritterburg gleich thront das Kloster auf einem mächtigen Felsen und blickt von dort stolz und ein wenig trotzig herab. Auf mit Steinen eingefassten Terrassen wird Gemüse angebaut. Die Klosterkirche wurde um 327 errichtet, sie ist also alt und ehrwürdig, und es ist verständlich, dass man nicht unbedingt heiß drauf ist, von der ganzen Welt besucht zu werden, wenn man sich schon solcherart in die Einöde zurückzieht. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass man in Ruhe und vollständig bekleidet eintreten soll. Ist man also in der Früh in aller Eile aufgebrochen, ohne sich fertig angezogen zu haben, so sollte man dies jetzt nachholen.

Das Kloster vom Parkplatz aus gesehen.

An diesem Tor beginnt die Männerwelt.

Die Kirche beim Parkplatz ist für jedermann zugänglich.

Innen präsentiert sie sich adrett und aufgeräumt.

Der bunt bemalte Himmel.

Über eine steinerne Stiege erreicht man das Kloster, wobei die kompakte Klosterkirche durch die umliegenden Wohngebäude betreten wird. Das Fotografieren ist in der Kirche streng verboten, was schade ist, aber wenn man schon seine Frau draußen lassen muss, dann den Fotoapparat erst recht (dabei ist es doch DER Fotoapparat; vielleicht benutzt man in Zypern aber auch eher DIE Kamera). Ich erinnere mich nur, dass man die Kirche über einen kleinen, offenen Vorhof erreicht, und sie in typisch orthodoxer Manier ausgestaltet ist. Unter den habichtsartigen Blicken des Wachmönchs gelang es nicht einmal mir, ein paar Bilder zu machen, denn mittlerweile hat es sich auch bis hierher herumgesprochen, dass man mit seinem Telefon teuflisch gute Bilder machen kann.

Über die Treppe steigt man zum Kloster hoch (Blick zurück auf den Parkplatz).

Die Eingangspforte zum eigentlichen Kloster.

Die Aussicht vom Kloster reicht weit in die Landschaft.

Von geistigen Höhen ging es zurück in die Tiefebene Richtung Larnaka, der größten Stadt im Osten Zyperns. Die Stadt liegt nicht nur am Meer, sondern auch an einem großen Salzsee, der ein ganz besonderes Ökosystem darstellt. Nördlich dieses Salzsees steht ein Aquädukt (Kamares-Aquädukt), welches im 18. Jh errichtet wurde und bis zum zweiten Weltkrieg die Stadt mit Wasser versorgt hat. Dort parkten wir nun unser Auto, da von diesem Ort ein 4 km langer Naturpfad am Salzsee entlang führt, der im südlichen Larnaka am Meer endet.

Das Kamares-Aquädukt

Um nicht den ganzen Weg wieder zurückgehen zu müssen, folgten wir dem Pfad nur bis zur Hälfte, aber dieser Abstecher lohnte bereits. Landschaftlich spektakuläre Eindrücke begleiteten uns, die Sonne war bereits jetzt, Anfang April, spürbar stark, und der nette Fußweg führte zwischen den Vororten Larnakas zu unserer Linken und dem vom Salz verkrusteten Ufer des Gewässers zu unserer Rechten hindurch.

Unterwegs auf dem Salzsee Trail

Auf der anderen Seite des Salzsees steht etwas abseits die Hala Sultan Teke Moschee. Man sieht es dem Gebäude nicht an, aber es handelt sich dabei um eine bedeutende Stätte des Islam. Die Moschee selbst wurde erst vor ca. 200 Jahren gebaut, doch der Ort galt schon lange davor als heilig. Der Legende nach soll hier die Ziehmutter des Propheten Mohammed im 7. Jh gestorben sein. Als wir dort eintrafen, war die Anlage leider geschlossen, vielleicht gab es deshalb nur wenige Besucher, die sich wie wir vergebens auf den Weg gemacht hatten.

Die Hala Sultan Teke Moschee am Ufer des Salzsees

Die Moschee von der anderen Seite. Leider war die Anlage geschlossen.

Etwas später stellten wir das Auto entlang der Meerpromenade in Larnaka ab. Hier empfing uns südliches Flair, denn die Straße entlang des Sandstrands war von Palmen gesäumt, und die Strandliegen schon vorbereitet, wenngleich die Schirme noch eingeklappt davon zeugten, dass die Badesaison erst bevorstand. Nach einer stärkenden Mahlzeit in einem der vielen Restaurants vis-a-vis erreichten wir das Fort (Kastell) mit seinen mächtigen, sandsteinfarbenen Mauern. Wie fast alle Bauwerke dieses Zweckes, war es mit dicken Kanonen bestückt. Von seinen Mauern sah man die benachbarte Al Kebir Moschee, wo wir einen Bekannten von Nicosia wieder trafen. Es war jener Mann, mit dem ich mich bereits in der Omeriye Moschee in der Hauptstadt unterhalten hatte. Offenbar waren er und seine Frau ebenfalls auf einer Sightseeing-Runde unterwegs. Vielleicht klapperte er aber auch nur die Moscheen des Landes ab. In Vietnam haben auch viele Pagoden eine spezielle Bestimmung, um z.B. für Fruchtbarkeit oder Geldsegen zu bitten. Vielleicht hatte er die richtige hier einfach noch nicht gefunden.

Meerpromenade in Larnaka

Die Strandliegen blieben noch unbenutzt.

Das Kastell

Natürlich kann man das Kastell auch besichtigen.

Der Innenhof wirkt gut restauriert.

Die Al Kebir Moschee neben dem Kastell.

Ein kurzes Stück stadteinwärts besichtigten wir die Lazarus-Kirche Agios Lazarus. Sie wissen schon, jener Lazarus, der von Jesus von den Toten auferweckt wurde. Der Legende nach soll er an Zyperns Küste angespült worden sein (sein Schutzengel hatte also offenbar Zeit seines Lebens alle Hände voll zu tun), danach das Christentum verbreitet haben und zum ersten Bischof des Landes geworden sein. Seine Grabstätte fand man 890 an der Stelle der heutigen Kirche, die Anfang des 10. Jh fertig errichtet wurde. Man sieht es der Kirche an, dass sie alt ist (wenngleich in hervorragendem Zustand), und doch gefallen mir diese in ihrer Einfachheit schlichten Gemäuer besser als viele europäische Kirchen. In ihrem Inneren fanden sich natürlich auch Goldornamente und eine angemessene Dekoration, doch fiel diese angesichts der Bedeutung des Ortes angenehm zurückhaltend aus.

Die Kirche Agios Lazarus

Die Kirche von der Seite

Wir hatten Glück, dass gerade eine Osterzeremonie im Gange war. Die Menschen standen in einer Schlange, die außerhalb der Kirche begann und durch diese hindurch zu einem gegenüber liegenden Ausgang führte. Die Security wurde von einer lokalen Pfadfindergruppe übernommen. Auch wir stellten uns an und empfingen unseren Segen in angemessener Zeit.

Ostern in Zypern

Danach schlenderten wir noch ein wenig durch die Umgebung, wobei diese eher unauffällig blieb. Also kehrten wir zum Auto zurück, um nach Lemesos (Limassol) zurückzukehren. Und um Lemesos und seine Umgebung geht es auch im nächsten und letzten Blogbeitrag über Zypern.

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Die geteilte Hauptstadt

Lefkosia. Oder waren wir in Nicosia? Lefkosa wird sie auch genannt, jenseits der Grenze, die quer durch die Stadt verläuft und sie damit zur letzten geteilten Hauptstadt Europas macht. Als Nicosia kennt man sie außerhalb Zyperns. In der Antike hieß sie Leukosia. Zur Zeit der Templer und König Löwenherz sprach man von ihr mit dem lateinischen Namen Nikosia. Die Briten machten aus dem „k“ ein „c“ und verwandelten sie kurzerhand in Nicosia. Und als die Briten schlussendlich das Land verlassen hatten, demonstrierten die Zyprioten Eigenständigkeit und kehrten wieder zu Lefkosia zurück, obwohl Leukosia die richtige Transkription gewesen wäre. Schwamm drüber. Aus Limassol machten sie ja auch Lemesos. Um sich im Land befindliche Touristen nicht vollends zu verwirren, fügen sie aber die alten Bezeichnungen auf Plänen und Straßenschildern dazu, damit alles gut wird.

Genau wie die maltesische Hauptstadt La Valetta ist die Altstadt Lefkosias von dicken Mauern umgeben. Die Gebäude sind aus gelbem Sandstein. Damit enden aber auch die Gemeinsamkeiten. Ich wage zu behaupten, dass Valetta die weitaus schönere Stadt ist, vollgestopft mit Kultur und Geschichte im Niemandsland zwischen Europa und Afrika. Lefkosia ist auch schön, aber unspektakulärer und weist auch nicht eine so hohe Dichte an wirklichen Sehenswürdigkeiten auf. Fairerweise gebe ich zu, den türkischen Teil nicht gesehen zu haben, da meine Frau in Zeiten politischer Anspannung zwischen der Türkei und Europa nicht über die Grenze schnuppern wollte. Der Kontrast wäre sicherlich interessant gewesen. Zwar habe ich in den Neunzigerjahren beträchtliche Zeit in der Türkei zugebracht, doch dies war Zypern und fünfundzwanzig Jahre eine lange Zeit, innerhalb der die Türkei viel von ihrem säkulären Charakter eingebüsst hat.

Dicke Mauern aus gelbem Sandstein sind typisch für die traditionelle zypriotische Architektur.

Wir betraten die Altstadt durch das Pafos-Tor und standen am Beginn der Ledra-Straße, die die wichtigste Einkaufsstraße ist und schnurstracks zum innerstädtischen Grenzübergang in den türkischen Stadtteil führt. Dort hatte sich auch schon eine kurze Schlange gebildet, die auf den Grenzübertritt wartete. Wir aber wendeten uns nach rechts, um die Sehenswürdigkeiten auf der griechischen Seite zu entdecken.

Die dicken Stadtmauern um die historische Altstadt.

Ledra-Straße: Moderne Einaufsstraße trifft auf …

… traditionelle, südländische Gemütlichkeit.

Innerstädtischer Grenzübergang Ledra-Straße

Da waren zum Beispiel die Kirche Panagia Phaneromeni, die inmitten eines hübschen Platzes stand und im Inneren das typische Aussehen griechisch-orthodoxer Kirchen aufwies. Sie ist die größte innerstädtische Kirche, was einiges über die Größe der Kirchen dieser Stadt aussagt. Aber Größe ist ja bekanntlich nicht alles.

Phaneromeni Kirche

Platz vor der Kirche

In den netten kleinen Gässchen ringsherum saßen Menschen vor kleinen Cafés und genossen die milde Frühlingssonne. Bunte Graffitis verzierten so manche Wand, und es waren keine Schmierereien, sondern kleine Kunstwerke, die man kostenlos bewundern durfte. Nicht unweit fanden wir die Tripiotis-Kirche, die auch etwas Besonderes ist und doch nur wie eine Kirche aussah.

Straßencafé

Ein bisschen Wäsche gehört im Süden zum Straßenbild einfach dazu.

Tripiotis Kirche

Einen netten Kontrast dazu bildete die Omeriye-Moschee,  eine der größten und ältesten Moscheen in Zypern, die Besuchern offen steht und die man, wenn man der Etikette folgt, auch betreten darf. Sogar meine Frau, sonst muslimischen Einrichtungen gegenüber ziemlich skeptisch eingestellt, umhüllte ihr Haupt mit einem Schal und ging hinein. Ich begann ein Gespräch mit einem gebürtigen Engländer mit zypriotischen Wurzeln, der zum Islam übergetreten war und hier betete. Interessanter Weise war dieses Gebäude ursprünglich eine Kirche gewesen, die im Laufe der Zeit in eine Moschee umgebaut worden war. Das gleiche „Schicksal“ hatte auch die Sophienkathedrale auf der türkischen Seite ereilt.

Omeriye Moschee

Türkisches Bad auf der gegenüber liegenden Seite

Auf dem Kyprianou Platz befand sich eine geballte Ansammlung an weltlichen und geistlichen Gebäuden, sowie einige Museen. Hier begegneten wir wieder Makarios III, dessen überlebensgroße Statue vor dem erzbischöflichen Palast stand, der von Makarios begründet wurde. Daneben stand die bedeutende Johanneskathedrale Agios Ioannis, die von außen her unscheinbar wirkte, im Inneren aber ihre ganze Pracht entfaltete. Die Wände waren über und über mit kräftigen Malereien bedeckt, und vergoldete Gegenstände und Ikonen füllten den Innenraum (Fotografieren leider verboten und ohne Blitz auch sinnlos).

Erzbischöflicher Palast

Agios Ioannis

Unweit des Famagusta-Tores fanden wir eine urige Taverne, die uns die nötige Stärkung für die weiteren Stunden verschaffte. Das Famagusta-Tor selbst wird in meinem Führer als „besterhaltenstes venezianisches Festungselement auf Zypern“ bezeichnet, was durchaus sein kann, mich aber trotzdem nicht restlos begeistern konnte.

Famagusta-Tor

Auch Zypern braut sein eigenes Bier.

Übersichtliche Speisekarte. Niemand kann sagen, man hätte ihn nicht gewarnt.

Durch verträumte Gassen schlenderten wir zurück zum Haupttor und weiter zu unserem Auto. Dank der modernen Navigationstechnologie hat das Autofahren an fremden Orten doch viel von seinem Schrecken eingebüsst.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Und damit kommen wir in weiterer Folge in den östlichen Teil Zyperns mit Larnaka und seiner Umgebung.

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Unterwegs im Troodos-Gebirge

Tags darauf ging es in das zypriotische Hinterland, mit dem mächtigen Troodos-Gebirge im Zentrum, welches bis auf knapp 2000 m Seehöhe empor ragt. Die Ski-Lifte, die wir dort vorfanden, zusammen mit den spärlichen Schneeresten, nähren die Vermutung, dass man zu gegebener Zeit dort auch Ski fahren kann. Es ist das Land der alten Klöster, Scheunendachkirchen und Wanderrouten, und es eignet sich vorzüglich zum Entdecken und Umherfahren. Ein eigenes Fahrzeug ist hier ein Muss, will man nicht von einem Touristenbus herumkutschiert werden (Gott behüte!). Man sollte sich die Route allerdings gut überlegen, denn der Klöster und Kirchen und netten Dörfer gibt es viele, und die Geschwindigkeit, mit der man sich entlang der kurvigen Bergstraßen vorwärts bewegt, ist begrenzt. Will man also möglichst viele der Sehenswürdigkeiten mitnehmen (im übertragenen Sinne, natürlich; dass Sie mir die Ikonen ja stehen lassen!), dann muss man entweder eine repräsentative Auswahl treffen oder zwei volle Tage einplanen. Da ich prinzipiell nicht zu jenen Leuten gehöre, die sich unbedingt in jeder Kirche oder jedem Kloster von Interesse umsehen möchten, beschränkten wir uns auf eine gute Auswahl an Zielen entlang der geplanten Tagesausfahrt.

Apres Ski um Troodos

Die Fahrt durchs Hinterland ist kurzweilig. Immer schön links halten!

Die Hauptattraktion ist zweifelsohne das Kykko-Kloster, das reichste und einflussreichste Zyperns. Mit seiner abgelegenen Lage auf 1140 m Seehöhe muss es einst wirklich eine Einsiedelei gewesen sein. Heute, mit den guten Straßen, die sich durch das Troodos-Gebirge schlängeln, ist es das meistbesuchte Kloster des Landes. Man kann es ruhigen Gewissens als Must-see Attraktion bezeichnen. Die Gründung des Klosters erfolgte angeblich im 11. Jhdt., wobei es in den darauf folgenden Epochen mehrmals durch Brände zerstört wurde (weswegen die Mönche offenbar dazu gelernt und mittlerweile auch Feuerlöscher angeschafft haben). Es lohnt sich, schon früher am Vormittag zu kommen, denn später füllt sich die Anlage rasch mit Busladungen an Touristen.

Die Klostermauern bestehen aus Stein, die Dächer sind mit roten Ziegeln gedeckt. So weit, so schlicht. Was hervorsticht, sind die bunten und farbintensiven Wandgemälde, bei denen die Farben Gold, Blau, Rot und Grün dominieren. Es sind Heiligenbilder, so weit ich das als Laie beurteilen kann (ist mir an sich auch egal; sie sehen trotzdem sehr schön aus). Die Klosterkirche selbst ist vollgestopft mit Gold und Prunk, und weist die typischen Merkmale einer orthodoxen Kirche auf. In einigen Räumen werden wertvolle Ikonen und Kirchenreliquien ausgestellt, was schon sehr anschaulich verdeutlicht, dass die Protagonisten von Kykko vielleicht „arm im Geiste“, aber sicher nicht in der Portokasse waren und sind. Damit das Geld nicht am Ende doch ausgeht, gibt es vorsichtshalber – neben den Eintrittsgeldern – auch ein kleines Souvenirgeschäft im Arkadenhof.

Haupttor zum Kykko-Kloster

Von außen wirkt das Kloster sogar recht schlicht.

Doch fallen schon im Innenhof die großzügigen Gemälde auf.

Im Inneren der Klosterkirche geht es jedoch prunkvoll zu.

Die Museumsräume

Das Kloster von oberen Glockenturm

Fährt man die Straße ein kurzes Stück am etwas oberhalb des Klosters stehenden Glockenturm vorbei (und es gibt als Fahrzeughalter wirklich keinen Grund, es nicht zu tun), erreicht man die Gedenkstätte Throni, die dem Staatsgründer Makarios III gewidmet ist. Eine überlebensgroße Statue Makarios begrüßt einen gleich zu Beginn. Über mehrere Treppen und Aufgänge gelangt man zu einem bunten Pavillion, der aber verschlossen war. Der Rundumblick über das umliegende Bergland war aber gewaltig. Makarios begegnet dem Besucher nicht bloß in seiner metallenen Form, auch seine sterblichen Überreste sind hier bestattet (sofern der Sarkophag nicht leer ist).

Statue von Makarios III

Walkway zum Pavillion

Panorama-Blick von Throni

Von Kykko ging es nun auf engen Bergstraßen ein wenig durch die Umgebung. Damit kommen wir auch zu den (neben Kykko) wahrscheinlich bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Region, nämlich den sogenannten Scheunendachkirchen, die allesamt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Eine Scheunendachkirche ist architektonisch schlicht gehalten, sehr alt und im Inneren bunt bemalt. Den Namen erhalten sie von den einfachen Giebeldächern, die sie wie ganz normale Häuser wirken lassen. Einen Kirchenturm gibt es nicht (zumindest in der ursprünglichen Bauform). Sie sind daher ganz nach meinem Geschmack, und die eine oder andere davon sollte man unbedingt gesehen haben. Man muss sie nur finden. Gut versteckt in kleinen Ortschaften warten sie darauf, vom pfadfindenden Touristen entdeckt zu werden. Dem gelegentlichen Informationsaustausch mit anderen Suchenden kommt dabei eine gewisse, nicht zu unterschätzende Bedeutung zu, da man andernfalls zuerst einen Einheimischen finden muss, der ausreichend Englisch spricht.

Ein zypriotisches Bergdorf im Hinterland.

Die erste auf unserem Weg war Panagia tou Moutoulla. Nach einem guten Mittagessen in einer landestypischen Taverne unterwegs, fanden wir die Kirche im gleichnamigen Ort Moutoulla (vielleicht war es auch Kalopanagiotis, beide Dörfer gehen nahtlos ineinander über). Über eine steile Rampe erreichten wir das Gebäude. Nichts deutete von außen darauf hin, dass es sich um eine Kirche handelte. Es hätte genau so gut ein altes Lagergebäude sein können. Aufgrund eines Fotos in meinem Reiseführer konnte ich sie allerdings eindeutig identifizieren. Die Kirche war geöffnet und einfach so zu betreten. Zuerst war im Inneren nicht viel zu erkennen, doch dann entdeckte ich einen verborgenen Lichtschalter und brachte so Licht ins Dunkel. Ich stand in einem kleinen, schlichten Raum mit dicken Wänden, an denen die Reste sehr alter Fresken zu sehen waren. In Farbe und Gestaltung ähnelten sie denjenigen, die ich bereits in anderen orthodoxen Kirchen und Klöstern gesehen hatte. In einer halbrundförmigen Nische stand ein einfacher, kleiner Altar. Kirche und Wandmalereien stammten aus dem 13. Jhdt., und der Umstand, dass man diesen kulturellen Schatz ohne jede Einschränkungen oder Aufsicht betreten konnte, war schon verwunderlich. Vielleicht vertrauten die Verantwortlichen aber darauf, dass sie ohnehin niemand finden würde.

Scheunendachkirche Panagia tou Moutoulla

Alte Fresken im Inneren

Im selben Ortsgebiet, aber etwas weiter die Straße hinunter, durch enge Gässchen hinunter zu und über einen Fluss (und das klingt alles einfacher, als es tatsächlich war, denn ausgeschildert war nichts mit Ausnahme eines simplen Wegweisers an der Hauptstraße, der leicht zu übersehen war), gelangten wir zum verlassenen Kloster Agios Ioannis Lampadistis, welches aufgrund einer architektonischen Besonderheit sehenswert ist. An diesem Ort wurden nämlich gleich drei Scheunendachkirchen an- und übereinander gebaut, was die Konstruktion zur einzigen Triplex-Scheunendachkirche Zyperns macht. Die Kirchen selbst reichen dabei bis ins 11. Jhdt. zurück, das Kloster wurde erst später angebaut. Die alten Teile ähneln der Kirche in Moutoullas, die neueren sind dann schon etwas prunkvoller ausgestattet. Die Gemäuer wirken richtig mittelalterlich, wie man sie bei uns auf einer alten Ritterburg vorfinden würde (allerdings mit weniger dicken Mauern).

Mittelalterliche Gemäuer im Agios Ioannis Lampadistis

Innenhof des Klosters

Auch hier finden sich die typischen, farbenfrohen Wandgemälde.

Geht man unten dem kleinen Fluss ein paar Minuten entlang, kommt man zu frei zugänglichen Schwefelquellen, wovon man allerdings wenig hat. Mehr als ein kleiner Abstecher ist es nicht.

Schwefelquelle

Auf der Rückfahrt machten wir noch im Ort Pedoulas halt, weil mir schon von weitem die leuchtend weiße Hauptkirche aufgefallen war. Die eigentliche Attraktion dieses Ortes ist aber – Sie werden’s nicht erraten! – eine alte Scheunendachkirche, die man von dort über eine schmale, steingepflasterte Straße zu Fuß bergabwärts erreicht. Agios Archangelos Michail lautet ihr klingender Name (den man sich auch ohne Griechischkenntnisse ganz gut übersetzen kann). Unscheinbar stand sie neben einem weiß blühenden Baum, und ebenso unauffällig verschmolz ihr Äußeres mit den benachbarten Häusern. Im Inneren sah sie im Prinzip ähnlich aus wie Panagia tou Moutoulla. Sie stammt aus dem 15. Jhdt. und steht angeblich heute noch so da, wie man sie errichtet hatte.

Agios Archangelos Michail

Im Inneren

Wenn man schon vor Ort ist, sollte man auch der Hauptkirche einen kurzen Besuch abstatten, denn sie ist im Inneren durchaus sehenwert. Wer wie wir in der Osterwoche anreist, bekommt auch verschiedene Ostermotive zu sehen (und zwar an sehr vielen Orten), wie z.B. riesengroße Hennen und natürlich überdimensionale Ostereier, die vielerorts aufgestellt sind. Wo sie diese großzügigen Dekorationen den Rest des Jahres über aufbewahren, wäre noch zu hinterfragen.

Das Jahr der Henne, oder was?

Typisches Interieur einer orthodoxen Kirche.

Prunkvolle Altarwand

Im nächsten Beitrag machen wir uns dann auf in die Hauptstadt Lefkosia.

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Aphrodites Insel

Willkommen auf Zypern. Jene sonnige Insel im Mittelmeer, an deren Küste die Göttin Aphrodite dem Meer entstiegen sein soll (dieser Spot gilt als Sehenswürdigkeit, selbst wenn man nicht viel sieht) und der in Folge etliche Tempel und Locations zugeschrieben werden (so z.B. Aphrodites Bad, ein unscheinbarer Steinpool, dessen historische Authentizität nicht belegt ist, aber was kümmert das die Tourismusverantwortlichen? Seien wir doch ehrlich, ist doch überall so. Die Fußabdrücke Buddhas in Südostasien passen von der Größe her doch auch weit besser zu Bigfoot.). Doch auch ohne den Mythos Aphrodite ist Zypern sehr schön und reich an landschaftlichen und archäologischen Attraktionen.

Zypriotische Kirche im typischen Landesdesign

Wie allgemein bekannt, ist Zypern eine geteilte Insel. Der südliche Teil ist griechisch und Teil der EU. Der Norden wurde von der Türkei besetzt und gehört nicht zur EU. Die Grenze verläuft durch die Hauptstadt Nicosia, die von den Zyprioten aber Lefkosia genannt wird, zumindest von den Südzyprioten. Die türkischen Zyprioten im Norden nennen alle Orte anders, aber das ist zu erwarten, auch wenn es die Dinge nicht einfacher macht. Nicht einfacher haben es auch die Briten gemacht, zu deren Hinterlassenschaften – wie so oft, wo sie kolonial umtriebig waren – auch der Linksverkehr auf den Straßen gehört, so wie auf Malta. War das dort noch sehr gewöhnungsbedürftig für mich, so ging die Umgewöhnung diesmal erstaunlich schnell vor sich. Irgendwo in meinem Gedächtnis müssen damals die entsprechenden neuronalen Verbindungen geknüpft und abgelegt worden sein, und waren jetzt sofort wieder abrufbar. Nach einer Stunde kurvte ich bereits herum wie ein alter Zypriote (das kann man jetzt so oder so verstehen).

Ich kann einen Mietwagen nur wärmstens empfehlen. Die Insel hat genau die richtige Größe, um sie im Laufe einer Woche in Form von Tagesausflügen zu erkunden, zumindest wenn man die Ausgangsbasis strategisch klug wählt. Wir wählten einen Vorort von Limassol (in der Landessprache Lemesos) dafür, und von dort waren alle Teile der Insel in akzeptabler Reichweite. Wer ein oder zwei Tage in den nördlichen Teil Zyperns fahren möchte (wofür der Mietwagen aber zugelassen sein muss, sonst erlischt die Versicherung), der wählt vielleicht besser die Gegend um Nicosia. Es ist allerdings möglich, den Grenzübergang in Nicosia selbst zu Fuß zu überqueren, um den nördlichen Teil der geteilten Stadt zu erkunden. Den Linksverkehr auf den Straßen muss man sich zutrauen. Dann aber wird man zum freudigen Entdecker.

Schon wieder das Lenkrad auf der falschen Seite!

Ich werde in den folgenden Beiträgen einzelne Regionen der Insel zeigen. Den Osten um Pafos, den Westen um Larnaka, den Süden um Limassol, das Trodos-Gebirge mit seinen berühmten Klöstern und natürlich die Hauptstadt Nicosia selbst. Den Norden haben wir nicht besucht.

Beginnen wir mit der Gegend um Pafos. Die Stadt selbst ist nicht außergewöhnlich, hat aber einen netten Hafen und eine einladende Uferpromenade. Doch in ihrer Umgebung liegen mehrere bedeutende Attraktionen. Von Limassol kann man der Autobahn folgen (wenn man es eilig hat) oder aber der parallel verlaufenden Landstraße, die landschaftlich interessanter ist. Sie führt auch an der sehenswerten archäologischen Ausgrabungsstätte Kourion vorbei (mehr dazu, wenn es um Limassol und Umgebung geht), sowie einer Stelle an der Küste (Petra tou Romiou), die auf der Karte als Aphrodites Geburtsstätte markiert ist, also jene Stelle, an der Aphrodite an Land gekommen ist. Das kann man glauben oder nicht, man tut es aber besser, denn sonst ist der Besuch dieses Ortes eher enttäuschend. Etwas weiter der Straße folgend kann man ein weiteres Heiligtum der Göttin besichtigen, was aber vermutlich nur Hardcore-Anbetern Aphrodites zu empfehlen ist.

Petra tou Romiou. Hier soll Aphrodite (Venus) an Land gekommen sein.

Das Highlight von Pafos ist zweifelsohne die archäologische Stätte in Kato Pafos, der Altstadt. Mehrere Kulturen haben dort ihre Spuren hinterlassen, angefangen bei den Römern, über frühchristliche Epochen bis hin zu den Franken und Osmanen. Keine Ahnung, was diesen Ort so besonders gemacht hat, vielleicht war es aber der prachtvolle Blumenteppich im Frühling, der den Boden mit roten, gelben und blauen Blüten zudeckt. Es ist eine Freude, über das weitläufige Areal zwischen antiken Ruinen zu spazieren, mit stetem Blick aufs Meer, und diese Farbenpracht aufzusaugen. Herausragend sind auch die teilweise sehr gut erhaltenen Mosaike in mehreren Gebäuden.

Übersicht über das weitläufige Gelände

Die antiken Ruinen liegen über ein weites Areal verstreut.

Die gut erhaltenen Bodenmosaike zählen zu den Highlights.

Die Ruinen stammen aus unterschiedlichen Epochen, was dem durchschnittlichen Besucher aber nicht weiter auffallen wird.

Ein weiteres Highlight im Norden von Pafos sind die als Königsgräber bezeichneten antiken Grabanlagen, die man über die Straße in Richtung Coral Bay erreicht. Laut meinem Reiseführer wurden hier keine Könige begraben, sondern hochrangige Staatsführer, die sich aber verdammt großzügige Gräber leisten konnten. Sie waren entweder ausgesprochen fähig gewesen, oder aber ausgesprochen korrupt. In jedem Fall sind die Peristylgräber, wie sie bezeichnet werden, sehr gut erhalten und architektonisch durchaus sehenswert. Sie wurden nämlich in den Erdboden gegraben und die Grabkammern rund um ein Atrium angeordnet, welches durch Säulen gestützt wurde. Bei der Besichtigung passierte mir ein kleines Missgeschick. Da das Gedränge im  schönsten dieser Gräber erheblich war, zwängte ich mich an anderen Touristen vorbei durch eine unbeleuchtete Öffnung, und unterschätzte beim Heruntersteigen die Tiefe des Schachts vor mir, worauf es mich der Länge nach hinstreute und ich mir Schürfwunden an einem Bein zuzog. Immerhin war ich vermutlich der Erste, der aus eigener Kraft aus einer Grabkammer herausstieg, in der er zuvor gelegen hatte.

Auch das Gelände der „Königsgräber“ ist weitläufig und lädt zum Entdecken ein.

Unteridisches Atrium eines typischen Peristylgrabs

Die Grabkammern wurden in den Stein geschlagen.

In Pafos selbst gibt es noch einige kleinere Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Da wäre zum einen das antike Hafenkastell, eine einfache Festung mit dicken Mauern, bestückt mit Kanonen. Wenn sie die Kanonen nicht benutzt haben, um auf Spatzen zu schießen, so haben sie damit vermutlich feindliche Schiffe ins Visier genommen. Dann gibt es die Reste einer frühchristlichen Basilika, neben der die Kirche Chrysopolitissa steht. Die gesamte Stätte ist frei zugänglich. Die Reste fränkischer Bäder stehen ein paar Gassen weiter, sind aber nicht zugänglich und nur für ausgewiesene Experten fränkischer Bäderkunde als solche erkennbar. Noch weiter die Straße hinauf erreicht man die Katakomben Agia Solomoni, ein System von mehreren geräumigen Höhlen, die einmal als spirituelle Stätte gedient hatten. Darüber auf dem Fabrika-Hügel finden sich weitere antike Ruinen.

Pafos Hafen

Während man sich gemütlich sein Essen schmecken lässt …

… kann man den Fischern bei der Abend zuschauen.

Das Angebot an frischen Meeresfrüchten ist jedenfalls vielfältig.

Das kleine Hafenkastell

Die Kirche Chrysopolitissa mit Ruinen

Fränkisches Bad

Wer es etwas spiritueller möchte, dem sei das Bergkloster Agios Neofytos empfohlen. Das sehr schön gelegene Kloster beherbergt eine alte Höhlenkapelle, die auf den Eremiten Neofytos selbst zurückgeht und mit schönen und noch immer kräftigen Farben bemalten Innenwänden beindruckt. Ein kleines Museum zeigt Ikonen, theologische Schriften und andere sakrale Schätze aus der Klostergeschichte.

Neofytos-Kloster (Agios Neofytos) (Zugang zur ursprünglichen Eremitenklause)

Ikonenmalereien im Inneren der Klause (Aufnahme ohne Blitz)

Klosterkirche

Die Überreste des Neofytos werden in der Kirche aufbewahrt und als Reliquie verehrt.

Schattiger Klostergarten

Auch Priester müssen einmal entspannen.

Wer schon in der Gegend ist, sollte ein weiteres Naturspektakel nicht versäumen. Folgt man der Straße nach Coral Bay und weiter Richtung Lara Bay, so erreicht man auf einer Schotterpiste den Zugang zur Avakas-Schlucht. Obwohl die komplette Wanderung nur in der warmen Jahreszeit zu empfehlen ist (wir kamen Anfang April), wenn der Wasserstand am niedrigsten ist, kann man auch so eine Stunde in die Schlucht hineinwandern. Hat der Weg zu Beginn noch den Charakter einer gemütlichen Wanderung, so ändert sich dies schlagartig, sobald man die eigentliche Schlucht erreicht. Nun folgt man einem schmalen Pfad durch steile Felswände, und muss immer wieder über Steine klettern und Wasserstellen überwinden. Ab einem gewissen Punkt wird das Gelände unzugänglicher, und da das Wasser zum waten noch zu kalt war, kehrten wir wieder um. Das bis dahin gesehene war den Trip aber alle Mal wert.

Küste entlang der Akamas-Halbinsel

Avakas-Schlucht: Was als normaler Wanderweg beginnt …

… setzt sich als spektakuläre Schluchtbegehung fort.

Avakas-Schlucht

Natürlich kann man entlang der Küste weiter nördlich fahren und die Akamas-Halbinsel erkunden, dazu fehlte uns aber die Zeit. Man könnte nach Polis an der Nordküste fahren und von dort auf einem anderen Weg zurück. Oder die Schildkröten-Station in der Lara Bay besuchen und ein paar Schildkröteneier ausbrüten (dazu brauchen Sie aber Zeit). Oder einen Bauchfleck ins Meer machen. Man könnte immer noch mehr tun, so ist das eben beim Reisen. Im nächsten Beitrag geht es jedenfalls weiter.

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Ausflug ins Salzkammergut

Das Salzkammergut, das sich über Teile von Oberösterreich und Salzburg erstreckt, und ob seines Seenreichtums eher Seekammergut heißen sollte, ist sicherlich eines der landschaftlich schönsten Regionen Österreichs. Dutzende größere und kleinere Seen liegen zwischen Bergen und Tälern verteilt, wie überdimensionale Pfützen nach einem heftigen Regenguss. Von vielen Berggipfeln sieht man gleichzeitig mehrere davon. Da es mir nicht möglich war, alle Seen des Salzkammerguts zu besuchen (obwohl das ein reizvolles Projekt wäre, wenn ich es so recht überlege), stelle ich heute zwei Locations vor, die sich im Charakter deutlich unterscheiden.

Die erste liegt nur rund 17 km von der Stadt Salzburg entfernt und besteht aus dem Seen-Triplett Obertrumer See, Mattsee und dem kleineren Grabensee. Mit dem Obertrumer See verbinde ich viele Kindheitserinnerungen, verbrachten wir doch jedes Jahr einen zweiwöchigen Sommerurlaub an seinen Ufern. Kaum Erinnerungen verband ich jedoch mit dem Mattsee. Die süßen Bäckereien aus der Mattseer Konditorei waren alles, womit ich je in Berührung kam, und damit konnte ich als Kind ganz gut leben. Dieses Jahr jedoch kehrte ich nach längerer Absenz wieder einmal an diesen Ort zurück und wollte – meiner Entdeckerlust entsprechend – einmal mehr von der Gegend kennenlernen. Da der Obertrumer See relativ schlecht ufernah zu umwandern ist, fiel die Wahl auf den Mattsee, den man auf einem circa 14 km langen Rundwanderweg – inklusive eines kurzen Abstechers zum Grabensee – mit Start und Ziel im Ort Mattsee umkreist.

Ausschnitt aus der Wanderkarte. Links unten ein Teil des Obertrummer Sees.

Am nördlichen Rand von Mattsee, knapp außerhalb, gibt es einen großen Parkplatz , dort, wo die drei Seen aneinanderstoßen und beiderseits der Bundesstraße nur wenig Land zu sehen ist. Hier beginnen wir unsere Wanderung, um am Ende der Runde nach Mattsee zu gelangen. Die Wanderung ist leicht und familienfreundlich, allerdings ziehen sich 14 oder 15 km gegen Ende doch etwas in die Länge, vor allem, wenn man anfänglich zu viel gebummelt hat. Der Rundweg ist ausgeschildert, doch empfiehlt es sich, die kostenlose Wanderkarte des Tourismusbüros einzustecken. Wer möchte, zweigt nach kurzer Gehzeit links zum kleinen Grabensee ab, den man auf ein paar Kilometern Umweg durch eine Moorlandschaft erreicht. Dort, wo man ans Ufer gelangt, steht man vor einem sehr flachen Wasser, in dem man noch einige Zeit weiter wandert könnte, aber irgendwann wird er doch tiefer und über Wasser ist bislang nur einer gewandelt.

Moorlandschaft beim Grabensee

Der Grabensee

An den Rändern ist der Mattsee ziemlich flach.

Mattsee

Am nördlichen Ende des Mattsee

Gegen Ende der Wanderung fühlt man sich dann schon ein wenig matt …

Gut, dass im Ort Mattsee für das leibliche Wohl gesorgt ist.

Insgesamt ist es eine landschaftlich sehr schöne Tour. In Mattsee findet man dann reichlich Gelegenheit vor, sich kulinarisch zu stärken. Bootfahren ist möglich und Schwimmen auch, aber letzteres ist auch unterwegs möglich. Allzu warm ist der See nicht, aber es gibt ja genügend Leute, die das nicht weiter stört. Ich gehöre nicht dazu. Trotzdem springe ich anschließend noch kurz in den (ebenfalls kalten) Obertrumer See, da die Übernachtung in einer Hütte am See ohne Dusche bevorsteht. Und kalt ist auch diese Augustnacht. Dafür erwachen und frühstücken wir bei strahlendem Sonnenschein nur wenige Meter vom Seeufer entfernt.

Kurz darauf brechen wir zum Wolfgangsee auf. Unser Ziel heißt St. Gilgen, wo wir unser Auto stehen lassen und mit der Seilbahn auf das Zwölferhorn hinauf fahren möchten. Die Fahrt dauert nicht lang und führt uns am Fuschlsee vorbei, und eine knappe Stunde später erreichen wir St. Gilgen. Wie an einem solch prächtigen Wochenend-Sommertag nicht anders zu erwarten, ist der Ort randvoll mit Touristen und Einheimischen, die dasselbe Ziel vereint: aufi auf’n Berg. Folglich finden wir uns in einer langen Schlange vor der Seilbahn vereint wieder. Wanderer stehen neben Paraglidern und warten geduldig auf die Auffahrt. Die Geduld wird nur kurz in Form einer koreanischen Reisegruppe strapaziert, deren Reiseleiterin ernsthaft erwartet, dass eine Reisebusladung Touristen sofort die Seilbahn besteigen darf. Dem Ansuchen wird (seitens des Seilbahnpersonals) nicht standgegeben. Dafür höre ich erstaunt, wie die Dame an der Kassa dem koreanischen Gast auf koreanisch „Auf Wiedersehen“ wünscht. Es dürften nicht die ersten koreanischen Gäste in St. Gilgen gewesen sein.

Oben angekommen, streift unser Blick über eine prachtvolle Landschaft. Unter uns der Wolfgangsee, im Hintergrund der Mondsee, über uns die bunten Schirme der Paragleiter und um uns herum sehenswerte Berge. Die Sonne strahlt und ich strahle mit ihr. Gemütlich machen wir uns auf den Abstieg. Ich wäre lieber bergauf gegangen und dann hinunter gefahren, doch mit Kindern ist das so eine Sache. Auch eine Plateau-Wanderung wäre möglich. Damit es auch nicht zu anstrengend wird, kehren wir auf halbem Weg in die Sausteigalm auf eine Jause ein, die weit besser mundet, als es der Name vermuten lässt.

Oben auf dem Zwölferhorn

Paragleiter über dem Schafberg

Fantastische Bergwelt

Die Seilbahn aufs Zwölferhorn ist heuer 60 Jahre alt geworden.

Ein Paradies auch für Paragleiter

Mit sauren Muskeln erreichen wir St. Gilgen und unser Auto. Noch am gleichen Tag fahren wir zum Traunsee, da ich gerne am folgenden Tag die Langbathseen besucht hätte, doch – man sollte es nicht für möglich halten – ein (erschwingliches) Quartier für 4 Personen ist nicht zu finden, noch nicht einmal in einem weiteren Umkreis, und noch nicht einmal auf einem Bauernhof (obwohl ich zugegebenermaßen nicht nach einem Schlafplatz im Kuhstall gefragt habe). Das ist die Kehrseite von langen Wochenenden. Ich war so was von naiv. Es liegt wahrscheinlich daran, dass ich auf diversen Rucksackreisen mir meine Unterkünfte immer unterwegs gesucht  – und gefunden – habe. Auch bezahlt man in vielen Ländern zumeist fürs Zimmer und nicht pro Person, wie in Österreich, was für Familien alles ein wenig teurer macht. In Kroatien beispielsweise, fanden wir selbst im Sommer kurzfristig günstige Quartiere übers Internet. Doch diese Erkenntnis half nichts. Wenn doch Südostasien nicht so weit weg wäre. Scotty, einmal beamen bitte!

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Nachtrag zum Waldviertel

Im Juni des letzten Jahres habe ich ja eine kleine Tour durchs niederösterreichische Waldviertel unternommen, und wie das halt beim Reisen so immer ist, reicht die Zeit nie, um alle Orte, die einen interessieren, auch wirklich zu besichtigen. Manchmal ist es auch so, dass man nicht noch ein Schloss oder noch eine Burg – so sehenswert sie auch sein mögen – braucht und sie einfach auslässt (nicht zuletzt, weil die diversen Eintritte ins Geld gehen). Doch sie bleiben im Hinterkopf, und wenn sich die Gelegenheit bietet, Versäumtes nachzuholen, dann nimmt man sie gerne wahr.

Daher habe ich einen Tagesausflug unternommen, um zwei Schlösser nördlich der Wachau zu besuchen, nicht zuletzt deshalb, weil sie beide interessante Ausstellungen zeigen. Im Schloss Artstetten beschäftigt sich sie sich mit dem Leben des ehemaligen Thronfolgers des Hauses Habsburg, Erzherzog Franz Ferdinand, und dessen tragischem Ableben in Sarajevo, was bekanntlich den ersten Weltkrieg auslöste. Und im Schloss Pöggstall ist noch bis 12. November die Landesausstellung „Alles, was Recht ist“ zu sehen. Beides sind keine 1A-Sehenswürdigkeiten, also „Must-see“-Attraktionen, aber da sie nur 15 km entfernt auseinander liegen, kann man sie leicht gemeinsam besichtigen. Ist das Wetter schön, gibt es auch Möglichkeiten, ein paar Stunden zu wandern.

Schloss Artstetten erreicht man am besten über Melk bzw. Pöchlarn. Hat man die Donau überquert, so beginnt nördlich von ihr das südliche Waldviertel. Sofort kurvt man wieder auf gewundenen Straßen durch die typische Waldviertler Landschaft, so dass selbst das Fahren schon Erleben bedeutet. Bald erreicht man das Schloss, welches schon aus der Ferne sichtbar ist, ganz besonders die charakteristischen Zwiebeltürmchen. Parkplätze sind um das Schloss vorhanden. Es beherbergt die Ausstellung, weil es ein Sitz des Erzherzogs und seiner Familie war, und er zusammen mit seiner Frau in einer Gruft vor Ort bestattet sind.

Die typische weite Waldviertler Landschaft.

Schloss Artstetten ist von Weitem sichtbar.

Hier in Großaufnahme mit den typischen Zwiebeltürmen.

Schloss mitsamt Austellung(en) erfordern ein Ticket, und ein Spaziergang durch den Schlosspark ein weiteres (5 €). Da da Park speziell in dieser Jahreszeit (Anfang Oktober) nicht mehr allzu viel bietet (das man woanders nicht auch kostenlos haben kann), verzichtete ich auf diesen. Die Ausstellung selbst beschäftigt sich mit der Person Franz Ferdinands, einem Neffen Kaiser Franz Josephs I., und seinem Leben als Familienmensch und als designierter Thronfolger der österreichisch-ungarischen Monarchie. Da dieses Thema im Internet umfassend erschlossen ist, habe ich dem nichts hinzuzufügen. Die Ausstellung zeigt neben einer Kopie des Fahrzeugs, in dem Franz Ferdinand und seine Frau unterwegs waren, als sich das Attentat ereignete, noch eine Vielzahl an Fotos, persönlichen Gegenständen und Dokumenten aus seinem Leben. Am interessantesten fand ich die persönlichen Gegenstände und die Fotos. Erstere, weil es immer faszinierend ist, vor Gegenständen zu stehen, die bekannte historische Persönlichkeiten selbst benutzt haben, und letzteres, weil man so selbst zu einer Art Zeitzeuge wird. Man erblickt die Personen (und auch Orte), als wäre man dabei gewesen. Insofern ist die Fotografie eine der aufregendsten Erfindungen der Menschheit.

Das Schloss von der rückwärtigen Seite.

Vom Schlosscafé überblickt man den Schlossgarten.

Ausstellungsraum

Modelle der K&K-Marine, die Franz Ferdinand unterstellt war.

Blick auf den Schlosspark

In dieser Gruft sind Franz Ferdinand und seine Frau zur letzten Ruhe gebettet.

Wirkt Schloss Artstetten elegant-verspielt, so macht das Schloss Pöggstall den Eindruck einer mächtigen Festung mit dicken Mauern. Und dieser Eindruck täuscht nicht, war es doch einst eine befestigte Wasserburg mit Burggraben. Offenbar wurde das Wasser in einen neben dem Schloss angelegten Teich verbracht, denn der Burggraben ist so trocken wie ein Alkoholiker auf Entzug.

Die Ausstellung „Alles, was Recht ist“ widmet sich der Geschichte der Rechtssprechung bis in die heutige Zeit. Mit Hilfe interaktiver Stationen, Schautafeln und Exponaten wird der Bogen über eine doch recht archaische und physisch gewalttätige Rechtssprechung und Exekution bis hin zu modernen Ansätzen der heutigen Zeit gespannt. Dass auch in der Moderne manche Länder und Kulturen auf eher steinzeitliche Methoden setzen, wird ebenfalls thematisiert. Alles in allem fand ich aber wenig Neues. Exekutionswerkzeuge und „an den Pranger stellen“, das gab es alles schon woanders zu sehen. Für Kinder und Jugendliche mag es eine interessante Einführung bieten, ich persönlich hatte mir etwas mehr erwartet. Dafür verwöhnte mich das Schlosscafé mit einer sensationellen Schoko-Bananen-Schnitte, über die ich das Urteil „hervorragend“ fälle. So macht Rechtssprechung Spaß.

Vor den wuchtigen Mauern von Schloss Pöggstall.

Das Schloss lässt sich auf einem kurzen Fußweg umrunden, und präsentiert sich dabei von allen Seiten sehr fotogen.

Rückseite. Schön zu sehen der ehemalige Wassergraben.

Der daneben liegende Teich

Das Schlossrestaurant im Vorhof

Über den Innenhof betritt man die Ausstellungsräume.

Die Ausstellung ist um Interaktivität bemüht, bleibt aber eher oberflächlich.

Die Räder des Schicksals vergleichen die Rechtsprechung von heute und gestern in verschiedenen Weltregionen.

Besonders im Mittelalter ging man sehr rustikal zur Sache.

Formen des Diskurses im Wandel der Zeit.

Vom Schloss weg führen auch mehrere Wanderrouten durch die Umgebung, falls es ein bisschen mehr Bewegung sein darf (z.B. um die Bananenschnitte abzutrainieren).

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Neben der Bahn wandern

… klingt ein wenig seltsam. So ein bisschen nach Dagobert Duck, der sich die Taler für den Zug sparen möchte und daher lieber den Schienen entlang watschelt. Oder nach „Ich möchte wandern, kann aber nicht Karten lesen und wähle daher die narrensichere Route“. Oder nach absoluten Bahnliebhabern, die gerne eine Modelleisenbahn in Lebensgröße abgehen. Aber in der Semmering-Region wird genau das angeboten, und zwar für jeden.

Genauer gesagt, geht es um den Bahnwanderweg am Semmering, der entlang der historisch bedeutsamen Semmeringbahn (die sogar als UNESCO Weltkulturerbe geführt wird) zwischen der Ortschaft Semmering und den Bahnhöfen Gloggnitz und Payerbach durch die Landschaft führt, und im Zuge dessen die wichtigsten Bauwerke der Ghega-Bahn (benannt nach dem Erbauer Carl Ritter von Ghega) erwandert werden. Dabei kann die Strecke beliebig erweitert oder abgekürzt werden, ganz nach Lust und Laune, oder aber körperlicher Verfassung und Wetter. Da eine Bahnstrecke naturgemäß nicht steil bergauf oder bergab führt, handelt es sich um eine leichte Wanderung auf Waldwegen, Forststraßen oder Asphalt, die besonders familienfreundlich ist und für die man nicht einmal richtige Wanderschuhe benötigt. Die Landschaft ist schön und der Bahnverlauf stellenweise spektakulär. Der Kernbereich ist sicherlich jener zwischen Semmering und Breitenstein oder Klamm. Die Route beginnend vom Bahnhof Semmering ist die leichtere, weil nur wenige Höhenmeter zu bewältigen sind. Aber wer möchte, kann natürlich auch in die umgekehrte Richtung gehen. Der höchste Punkt liegt dabei auf ca. 930 Metern. Die Beschilderung ist ausgezeichnet und macht Verlaufen nahezu unmöglich. Pläne und Infomaterial erhält man zum Beispiel am Bahnhof Semmering und am Gemeindeamt in Breitenstein (der Bahnhof dort ist eigentlich nur ein Bahnsteig), aber sicherlich auch an anderen Knotenpunkten.

Start am Bahnhof Semmering, welcher etwas unterhalb der Ortschaft liegt.

Auf leichten Wegen geht es der Bahn entlang, mal unmittelbat daneben, mal in etwas Abstand zu den Gleisen.

Die Ausblicke sind dabei stets vom Feinsten. Im Hintergrund liegt Semmering.

Das historisch Bedeutsame an dieser Bahnstrecke sind die technischen Meisterleistungen, die Mitte des 19. Jahrhunderts erbracht werden mussten. Schon damals wurde der Semmering zur Sommerfrische genutzt, und um die Anreise zu erleichtern, und andererseits die Regionen vor und hinter dem Semmering reisetechnisch zu verbinden, entstand der Plan zu diesem Bahnprojekt. Aufgrund der örtlichen Begebenheiten mussten eigene Lösungen gefunden werden, um eine Bahntrasse durch die bergige Landschaft zu legen. Es mussten Tunnel gebaut und Viadukte (Brücken) errichtet werden, um das Gebiet zu erschließen. Aus diesem Grund wurde diese Bahnstrecke so spektakulär, wie sie ist. Beauftragt mit dem Projekt wurde der Architekt Carl Ghega, dessen Antlitz einst die österreichische Zwanzigschilling-Note zierte (zusammen mit einem Abschnitt der Bahnstrecke auf der Rückseite). Jenen Ausblick auf der Rückseit des Geldscheines kann man selbst nachempfinden, an einem Aussichtsplatz namens „20-Schilling-Blick„. An den Viadukten spaziert man ebenfalls vorbei.

„20-Schilling-Blick“ auf die Polleroswand.

Die Bahntrasse ist äußerst spektakulär in die Landschaft gesetzt.

Unterwegs nach Breitenstein

Auch am Ghega-Museum kommt man auf dem Bahnwanderweg vorbei.

Der Beweis, dass auf dieser Strecke auch wirklich noch Züge verkehren.

Das Bequeme an diesem Wanderweg ist die Möglichkeit, die Wanderung an mehreren Stellen der Strecke abzubrechen und mit dem Zug oder dem Taxi zurück zum Ausgangspunkt zu gelangen (sofern man nicht mit zwei Autos angereist ist). Immerhin beträgt die Distanz zwischen den Bahnhöfen Semmering und Payerbach 21 km, bzw. Gloggnitz 23 km. Semmering – Breitenstein kann man um 9,5 km haben, während man nach Klamm bereits 15,5 km unterwegs ist. Derzeit wird an der Bahnstrecke gebaut, weswegen Teilabschnitte abwechselnd gesperrt sind. Dann gibt es aber Mini-Busse als Schienenersatzverkehr, die an den Bahnhöfen halten.

Einen sehr guten Ausblick auf die Ghega-Bahn erhält man auch vom Eselstein, zu dem man im Zuge einer leichten Wanderung vom Bärenwirt unterhalb von Semmering gelangt.

Für das leibliche Wohl unterwegs ist ebenfalls gesorgt. An mehreren Stellen entlang des Weges gibt es Einkehrmöglichkeiten (die innere Einkehr ist sogar überall möglich). Ich wählte den Gasthof Blunzenwirt in Breitenstein, dessen Spezialität – nomen est omen – Variationen der Blutwurst (österreichisch: „Blunzen“) sind. Ich hätte den Namen „Gasthof Blunzenfett“ zwar origineller gefunden, doch ist dieser Wortwitz sicherlich nicht jedermanns Sache (und wäre wohl unverständlich für ausländische Gäste).

Ankunft in Breitenstein

Obwohl bis nach Klamm geplant, endete unsere Wanderung in Breitenstein, da die jüngere Generation mit der älteren noch nicht ganz so mithalten kann. Doch die Fortsetzung von Breitenstein nach Klamm oder gar Payerbach/Gloggnitz ist bereits fix eingeplant. Wenn Sie bis dahin nicht warten möchten, heißt es selbst die Wanderschuhe schnüren und nach Semmering fahren. Vielleicht sogar mit dem Zug?

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Drei Schlösser in NÖ

Nein, wir beschäftigen uns heute nicht mit Sicherheitstechnik der Eingangstür. Heute erzähle ich von drei Schlössern, die in Niederösterreich liegen und eines gemeinsam haben: sie zählen nicht unbedingt nicht zu den Top-Attraktionen der Region, mit Ausnahme vielleicht des Schloss Mayerling, in dem sich der tragische Selbstmord des Kronprinzen Rudolf ereignete, und welches sogar (oder vorwiegend?) von ausländischen Touristen besucht wird, wie ich selbst feststellen konnte. Sie spielen nicht in derselben Liga wie ein Schloss Schönbrunn, Schloss Belvedere oder Schloss Hof, aber sie sind alle Mal einen Abstecher wert: Schloss Kittsee an der Grenze zur Slowakei, Schloss Wilfersdorf im Weinviertel und Schloss Mayerling bei Alland im Wienerwald. Es ist bezeichnend, dass ich selbst schon an Schloss Mayerling öfters vorbeigefahren bin, ohne jemals Notiz genommen zu haben, weil man es von der Straße aus im Vorbeifahren nicht unmittelbar sieht. Ähnliches passierte mir auch mit Stift Heiligenkreuz, über welches ich erst unlängst berichtet habe.

Schloss Mayerling (oder Karmel Mayerling, wie es heute auch genannt wird) war ein Jagdschloss des Kronprinzen Rudolph, Sohn von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth. Es ist deswegen historisch bedeutsam, weil sich der Selbstmord vom Kronprinzen und seiner Geliebten Mary Vetsera dort ereignete. Das Jagdschloss wurde daraufhin umgebaut und als Frauenkloster fortgeführt. Und ein solches ist es bis heute geblieben. Es wäre gewiss nicht der Publikumsmagnet, ohne jenes tragische Ereignis. Aber die Habsburger ziehen immer noch die Menschen in ihren Bann, wie auch das Sisi-Museum in der Hofburg und zahlreiche Filme zeigen. In Mayerling gibt es an sich nicht viel zu sehen: ein kleines Museum mit historischen Ausstellungsstücken, darunter der Sarg von Mary, der von Plünderern aufgebrochen wurde. Dokumente und Bildmaterial erzählen die dramatischen Ereignisse jener Tage, die vom Kaiserhaus vertuscht werden mussten, angesichts der unstandesgemäßen Liebschaft. An der damaligen Stelle der Leichenfunde steht heute eine kleine Kapelle mit Altar. Das ist es eigentlich auch schon. Mehr als eine Stunde ist damit nicht zu füllen. Aber der geschichtliche Kontext gibt schon etwas her, verleiht dem Ort eine gewisse Magie. Und wer will, findet noch einige andere lohnende Ausflugsziele in der näheren Umgebung, von der Allander Höhle, bis zur Seegrotte Hinterbrühl, dem Naturpark Sparbach und dem bereits eingangs erwähnten Stift Heiligenkreuz. Und wandern lässt es sich natürlich auch vortrefflich im Wienerwald.

Schloss Mayerling

Zuerst geht es durch einen Schauraum über Kronprinz Rudolf.

Den Tatort des Doppelselbstmords ließ Kaiser Franz Josef zu einer Kapelle umbauen.

Nachstellung des Kaisers, wie er um seinen Sohn trauert.

Der Altar steht angeblich an jener Stelle, an der Rudolf und Mary gefunden wurden.

Der aufgebrochene Sarg Marys.

Schloss Wilfersdorf selbst kann sich nicht solch berühmter Protagonisten rühmen, und doch ist es im Besitz eines einflussreichen Geschlechts. Die Liechtensteiner ziehen ihre Spur durch die Jahrhunderte, ihre Spuren finden sich neben dem gleichnamigen Fürstentum nicht nur in Wilfersdorf, sondern auch in der Burg Liechtenstein bei Mödling, und in der benachbarten Tschechei mit den Schlössern Valtice und Lednice. Angesichts seiner prachtvollen Architektur ist es schon unglaublich, dass es sich beim Schloss in Lednice nur um den Sommersitz der Herren vom nur wenige Kilometer weit entfernten Valtice gehandelt hat. In Schloss Wilfersdorf gibt es neben einer Ausstellung über das Geschlecht der Liechtensteiner auch ein kleines Heimatmuseum mit regionalen Exponaten aus der jüngeren Vergangenheit aus den Bereichen Wohnen, Landwirtschaft und Gewerbe.

Schloss Wilfersdorf

Ausstellung über die Liechtensteiner

Heimatmuseum

Das Schloss Kittsee kann mit weniger beeindruckenden Eckdaten aufwarten, es ist auch erst ein paar hundert Jahre alt. Es stand im Besitz des Fürsten Ladislaus Batthyány, der aus reicher Familie stammte und in der Region Bedeutung als „Arzt der Armen“ erlangt hatte, da er seine Paienten kostenlos behandelte. Heute dient das Schloss als Kultur Location und für Hochzeiten etc. Ich würde es nicht als Ausflugsziel per se bezeichnen, aber wer durch Kittsee kommt, kann es sich ja mal ansehen. Ein Restaurant gibt es nämlich auch, mit Blick auf den Schlossgarten und recht normalen Preisen. Man muss also kein Adeliger sein, um sich das Essen leisten zu können.

Schloss Kittsee

Schlossrestaurant mit Blick auf den Schlosspark

Rückseite des Schlosses

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Ruine Neuhäusel im Thayatal

Als ich vor drei Jahren den Thayatalweg durch den Nationalpark Thayatal entlang ging, da erspähte ich auf einem Hügel am gegenüber liegenden Ufer eine Burgruine. Da sie von dieser Seite aus nicht zugänglich schien, merkte ich sie mir für spätere Recherchen vor.

„Novy hradek“, zu Deutsch Ruine Neuhäusel, hieß sie und lag im tschechischen Teil des Nationalparks. Zugänglich war sie gut von der tschechischen Seite. Man kann allerdings auch von Hardegg über die Grenzbrücke auf die tschechische Seite gelangen (Route C), allerdings ist der Weg dann deutlich länger. Im Internet fand ich neben der tschechischen Nationalparkseite, die, was eine Wegbeschreibung betraf, sich nur wenig hilfreich erwies, eine gute Wegbeschreibung auf dem Blog www. bergnews.com. Es gab also einen Wanderweg dorthin. Um die Beschilderung machte ich mir keine Sorgen, denn Wanderwege in der Tschechei und Slowakei sind vorzüglich ausgeschildert und markiert.

Wie auf bergnews.com beschrieben, eignet sich Podmoli weitaus besser als Ausgangspunkt als das benachbarte Lukov, in dem das tschechische Besucherzentrum beiheimatet ist. Man erreicht den kleinen Ort über Znaim, womit sich die Halbtageswanderung gut mit einem Besuch der schönen Stadt Znaim kombinieren lässt (wie bereits auf diesem Blog beschrieben). Knapp hinter der österreichischen Grenze kommt man auch an der Excalibur City vorbei, wo es außer Shopping und plumpem Entertainment nicht allzu viel zu sehen gibt. Im Ort selbst trifft man an der Straße auf die grüne Markierung und folgt ihr bis zum ersten Wegweiser, wo man das Auto auch gut am Trailanfang abstellen kann.

An diesem markanten Punkt in Podmoli beginnt der Weg in den Wald.

Der Weg ist von Beginn an gut ausgeschildert.

Es geht auf guten Wegen zum Teich Zlebsky potok, der mit seinem blaugrün schillernden klaren Wasser idyllisch im Wald liegt. Auch hier steht ein Wegweiser. Es geht weiter zum Ort Pricky, an dem man auf den asphaltierten Güterweg von Lukov trifft. Nun folgt man der grünen Markierung weiter bis zur Ruine Neuhäusel. Diese kann man nur im Rahmen einer Führung betreten, was aber gut angelegtes Geld ist (der Eintritt kostet nur ein paar Euro), denn von außen bekommt man fast nichts zu Gesicht, nicht einmal die Thaya, die sich tief unterhalb durch den Wald windet.

Eintritt in den Nationalpark

Der Teich Zlebsky Potok

Der Wegweiser beim Teich samt Rastplatz.

Die Stelle, die als Pricky bezeichnet ist. Im Wartehaus im HIntergrund findet man Informationen zur Ruine (nächstes Bild).

Nach ca. 1,5 Stunden gemütlichen Marsches hat man die Ruine erreicht. Mehr als auf diesem Foto sieht man von außen nicht.

Die Führung selbst ist auf Tschechisch, weshalb man auch nicht allzu viel vom Gesagten mitbekommt. Es gibt aber Mappen mit deutsch- oder englischsprachigen Informationen, und unsere Führerin war so bemüht, uns immer wieder zu erklären, wo genau wir uns innerhalb der Burganlage befanden. Grob gesagt, besteht sie aus einem alten und einem neuen Teil. Sehr schön ist auch die Aussichtsplattform, von der man aus auf den Kernnationalpark mit seiner markanten Thaya-Schlinge blickt.

Der alte Burgteil …

… den man nur durch ein mit einem schweren Metallgitter gesichertes Tor erreicht.

Der neue Burgtrakt sieht auch wesentlich moderner aus.

Er ist auch noch besser erhalten.

Über den neuen Burgteil erreicht man auch die Aussichtsplattform …

… die einen schönen Ausblick auf einen Kernbereich des NP ermöglicht.

Blick auf den Thayatalweg 1 (roter Weg).

Blick von oben auf den massiven Burgneubau.

Im Nationalpark selbst kann man ruhig ein paar Tage verweilen, denn es gibt sehr schöne Wanderungen und Ziele, auf österreichischer wie auf tschechischer Seite. Neben Hardegg mit seiner Burg ist auch die tschechische Stadt Vranov (Frein) einen Abstecher wert, denn das Schloss hoch oben auf dem Felsen ist durchaus sehenwert.

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Durch die Wüste

Nein, hierbei handelt es sich um keine Neuauflage von Karl May. Die Wüste ist auch gar nicht soweit weg, wie Sie vielleicht meinen. Genauer gesagt, fährt man nur ca. 45 min hin. Von Wien aus. Sie liegt beim burgenländischen Ort Mannersdorf an der Leitha, und ist das Kernstück des gleichnamigen Naturpark Mannersdorf Wüste. Klima und Vegetation sind dementsprechend gemäßigt, es müssen also keine Kamele für diese Unternehmung angemietet werden (wenngleich, wenn Sie unbedingt möchten …  dazu die neu erworbene Tropenausrüstung ausführen … können Sie!).

Wie schon die Bezeichnung „Naturpark“ suggeriert, handelt es sich nicht um einen spektakulären Nationalpark, aber das Gebiet kann mit einer gewissen Geschichte und einigen interessanten Besichtigungspunkten aufwarten. Gelegenheit für eine nette Familienwanderung bietet es alle Mal. Die Wege sind gut ausgeschildert und leicht zu begehen, wobei man die Wahl zwischen einer kleinen Runde (die wiederum in zwei Varianten kommt und die interessantesten Punkte beinhaltet) und einer großen Runde, die dann wirklich alle sehenswerten Orte inkludiert, allerdings doch fünf Stunden Gehen erfordert, da fast 15 km zurückgelegt werden. Man hat allerdings durchaus die Möglichkeit, auch die große Runde bei Bedarf abzukürzen, bzw. die kleine zu erweitern, sodass man seine ganz persönliche Route zusammenstellen kann.

Diese Übersichtskarte steht am geschotterten Parkplatz bei der Arbachmühle.

Im Zentrum des Naturparks steht das ehemalige Karmeliterkloster St. Anna, welches auf das 17. Jhdt zurückgeht. Daher kommt auch der Name „Wüste“, da es auf das griechische Wort „eremos“ zurückgeht, was auch „Einsiedelei“ bedeutet. Und eine Einsiedelei war es damals auch noch, umgeben von einer 4,5 km langen Mauer, die heute noch steht. Das ursprüngliche Kloster wurde von den Osmanen niedergebrannt, danach aber wieder aufgebaut. 1783 wurde es endgültig aufgelöst. Seit 1982 wieder renoviert. Es ist derzeit der Öffentlichkeit allerdings nicht zugänglich (zumindest stand ich an zwei Wochenendtagen im Mai vor verschlossenen Türen; es gab auch keinen Hinweis auf Öffnungszeiten). Die Lage am Rande einer großen Wiese ist aber idyllisch, auf jener Wiese grasen Wildrinder und Ziegen friedlich vor sich hin, und einen Spielplatz für Wildkinder gibt es auch. Ein hervorragender Picknick-Platz also.

Zumeist geht auf auf breiten Wegen durch den Naturpark.

Das St. Anna Kloster

Vom Kloster aus kann man auch die kleine oder große Runde in Angriff nehmen. Man kann seine Route zusammenstellen bzw. gehen, wie man möchte, denn die Wege sind markiert und (zumeist) gut ausgeschildert. Einzig beim Scheiterberg gibt es Wegschild-mäßig ein Problem, denn wenn man (vom Kloster kommend, gegen den Uhrzeigersinn die kleine Runde gehend) von seinem Gipfel nicht zur Hochfilzerhütte hinab gehen möchte (die ohnehin nur sporadisch geöffnet hat; ich habe sie an besagten Wochenendtagen nur geschlossen zu Gesicht bekommen), sondern weiter zum Steinbruch, dann fehlt dort schlicht und ergreifend ein Wegweiser. Nur von der anderen Richtung kommend, wurde ein solcher aufgestellt. Wenn Sie also den Weg vom Rastplatz (mit Gipfelkreuz) Richtung Hochfilzerhütte hinab gehen, dann gelangen Sie nach ein paar Minuten auf eine kleine Lichtung, an der rechterhand eine kleine schroffe Felswand emporragt. Dort zweigt links ein (kurzer) Forstweg ab, und wenn Sie den gehen, gelangen Sie auf den richtigen Weg zu besagtem Wegweiser. Wenn Sie ganz sicher gehen möchten, dann müssen die den kurzen Anstieg zum Scheiterberg einfach nur zurückgehen und den Weg auf der Forststraße, auf der Sie gekommen sind, fortsetzen.

Wenn man also die kleine Runde geschickt anlegt, kommt man an den folgenden Points of interest vorbei: die Leopoldkapelle am Eingang; das Kloster; die Ruine Scharfeneck, die man auf einem kleinen Umweg mitnehmen kann, und die man auch besichtigen kann (die Aussicht vom verfallenen Bergfried reicht weit); der Scheiterberg; die Hochfilzerhütte; der Kalksteinbruch und den alten Kalkofen Baxa. Um letzteren zu sehen, dürfen Sie aber nicht der roten Markierung folgen, die vom Steinbruch links hinab führt, sondern gerade um den Steinbruch herum weitergehen. Oder, wenn man den Weg anders herum geht, dann zweigt an der Stelle, wo man vom Parkplatz danach rechts durch die Allee zum Kloster geht, nach links die Runde zum Baxa-Kalkofen ab. Glauben Sie aber ja nicht dem Wegweiser, wonach es nur 15 min bis dorthin wären. Das würde man – wenn überhaupt – nur im Dauerlauf schaffen, zumal der Weg von der Forststraße durch den Wald abzweigt, der Ofen also nicht einmal direkt auf dem Hauptweg liegt. Wahrscheinlich hat Haile Gebrselassie die Zeit genommen. Kalkulieren Sie lieber mal großzügig 20-30 min ein (je nach Gehgeschwindigkeit), dann kommt das der Realität schon näher.

Die Leopoldkapelle, die man nach wenigen Gehminuten vom Parkplatz aus erreicht.

Die Ruine Scharfeneck liegt verfallen und überwachsen im Wald.

Ausblick vom Bergfried

Rastplatz auf dem Scheiterberg („Monte Scheiter“)

Hochfilzerhütte

„Wetterstation“ bei der Hochfilzerhütte

Der flächenmäßig riesige Steinbruch

Historischer Kalkofen Baxa

Wer die große Runde in Angriff nimmt, kommt darüber hinaus noch an folgenden Punkten vorbei: die Kaiser-Franz-Josef-Warte bei der Kaisereiche, die ebenfalls einen guten Rastplatz darstellt; das Sieben-Linden-Kreuz, ein schattiger Platz, an dem mir aber nur eine Linde (bzw. ein großer Baum) aufgefallen ist; und die Rundwanderweghütte, die aber nur ein einfacher Unterstand ist. Wer nicht so viel gehen möchte, der ist mit der kleinen Runde sicherlich gut beraten, denn die große zieht sich schon ein bisschen in die Länge. Sie ist halt mehr für den ausdauernden Wanderer geeignet. Wie immer man sich entscheidet, man wird mit interessanten Stunden belohnt.

Für üppiges Grün ist im Frühjahr stets gesorgt.

Kaiser-Franz-Josef-Warte

Bunte Gesellen am Wegesrand

Sieben-Linden-Kreuz

Ein letzter Hinweis: aufgrund der schwachen Infrastruktur entlang der Route, was Essen und Trinken angeht, ist es empfehlenswert, genügend Proviant einzupacken (vor allem für die große Runde). Wenn man Glück hat, ist die Hochfilzerhütte geöffnet. Ansonsten bleibt nur noch der Gasthof Arbachmühle beim Parkplatz an der Bundesstraße für eine kulinarische Stärkung.

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