Zu den Waffen!

Museen sind Orte, an denen sich Zeitreisen sehr komfortabel bewerkstelligen lassen. Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien gehts dabei – wie nicht anders zu erwarten – um die Kriegsführung. Dass man ein Museum braucht, um diese Vergangenheit zu bewahren, erscheint auf den ersten Blick widersinnig, denn Kriege sind bis in unsere Zeit so omnipräsent, dass man jedes beliebige Nachrichtenformat aufschlagen kann, um sogleich fündig zu werden. Doch was sich mit der Zeit geändert hat, sind die Waffen, die Uniformen, und die allgemeine Ausrüstung (ja, auch die Kommunikation). Was ziemlich gleich geblieben ist, sind das Sterben (Tote sahen damals auch nicht wirklich anders aus, als heute) und die Propaganda (Besuchte damals der Kaiser oder Thronfolger seine Streitkräfte, so sind es heute Präsidenten und Minister. Die Botschaft ist dieselbe: Bin ich froh, dass ich mir im Gegensatz zu euch den Krieg aus der Ferne anschauen kann, anstatt im Schützengraben zu krepieren. Weiter so!).

Im Zentrum der kriegerischen Auseinandersetzungen stehen, damals wie heute, Menschen, die sich unterschiedlicher Waffen bedienen, um ihr Gegenüber abzumurksen. Und in dieser Disziplin hat die menschliche Rasse in den letzten Jahrzehnten schon beeindruckende Fortschritte gemacht. Mit einer Atombombe geht halt alles viel schneller und effizienter als noch im Mittelalter, als sich Hunderttausende, mit Schwertern und Äxten bewaffnet, im Kampf Mann gegen Mann stundenlang niedermetzelten. Das bei letzterem mehr dahintersteckte, als bloßes aufeinander eindreschen, zeigte die Laienfechtgruppe “Klingenspiel” am Sonntag in ihrem rund einstündigen Showprogramm.

Schwert, Degen, Säbel, Rapier, Hellebarde, Flegel, Bajonett, Messer, Schild und Buckler gehören zum Repertoire der Gruppe, und jedes dieser “Geräte” bedarf einer eigenen Kampftechnik. Wer mit einem Rapier so kämpft wie mit einem Säbel, wird rasch darüber aufgeklärt, dass dieser Fehler tödlich ist. Interessanterweise waren manche Geräte, wie zB. die Rapiere der Musketiere oder der einfache Degen nur Standeswaffen der Offiziere, die als reine Stichwaffen ihre Nachteile hatten, und in erster Linie als Duellierwaffen gebraucht wurden. “Die bringen es in der Schlacht nicht” ist ein Blickwinkel, der einleuchtet, sofern man nicht selber in die Schlacht involviert ist. Eine Gefechtswaffe soll schnell töten oder kampfunfähig machen, nicht den Gegner “kitzeln”. Oftmals genügte es bloß, den Kampfarm des Gegners zu verletzen.

Zum Schluss wurde gezeigt, wie chancenlos man gegen einen professionellen Messerkämpfer ist. Auf welche Art man gemeuchelt wird, ist in so einem Fall beinahe zweitrangig, denn es geht so schnell, dass man es ohnehin kaum mitbekommt. Wenigstens ein kleiner Trost.

Wo und wann die Gruppe auftritt (es gibt auch noch andere), ist ihrer Homepage zu entnehmen (siehe oben).

  

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Smarte Phonie

“Hallo, Schatz!” – “Ja, hallo. Was gibt’s?” – “Eigentlich eh nix. Ich wart’ nur grad in der U-Bahn und mir is fad. Du, ich hör die U-Bahn kommen. Tschau!”

Wer kennt diese Dialoge nicht? Dabei ist einer der Vorteile der Smartphones, dass sich deren Butzer meist still und leise damit beschäftigen. Zum Telefonieren sind diese Dinger auch viel zu schade. Keine Haltestelle, an der niemand auf den flachen Bildschirmen herumdrückt und -zieht, um im Internet zu surfen, zu spielen oder Musik zu hören. Manche halten offensichtlich keine fünf Minuten mehr ohne Aktivität aus, eigentlich eine bedenkliche Entwicklung.

Anderseits sind Smartphones ja wirklich sehr praktisch. Ich habe mir vor einen Monat auch eines zugelegt und möchte es nicht mehr missen, auch wenn ich Klagen, eine Akkuladung halte kaum einen Tag, nicht nachvollziehen kann. Ich habe es nicht ständig in den Fingern und ich bin mir durchaus bewusst, dass es einen Ausschaltknopf hat. Mir geht es in erster Linie um die Möglichkeit, jederzeit ins Internet zu können, wenn ich es benötige, ich halte viel auf Flexibiltät und bin ein bekennender Internet-Fan.

Trotzdem ist es witzig, an jeder Ecke Smartphone-Nutzer in der Öffentlichkeit zu beobachten. Wie stellt man einen Erwachsenen ruhig? Man wirft ihm ein Smartphone zu. Aber da steh ich drüber. Moment … da kommt grad ein Email …

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Diese Nachricht wurde von meinem Android Smartphone abgeschickt.

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Habemus Papam!

Ich bin kein Fan der katholischen Kirche, das können Sie mir glauben, doch für einen Ausspruch liebe ich sie: Habemus Papam! (“Wir haben einen Papst!” für alle, die in der Schule kein Latein gehabt, oder es nicht verstanden haben). Dass das Oberhaupt der katholischen Kirche “Papa” genannt wird, zeigt angesichts zölibatärer Enthaltsamkeit von einer gehörigen Portion Selbstironie, die ich der Kirche gar nicht zugetraut hätte. Zum Einsatz kommt dieser Satz, wenn sich die Kardinäle nach langen, zähen Beratungen zur Wahl eines neuen Papstes entschlossen haben. “Es ist ein Sohn!” oder “Es ist ein Mädchen!” heißt es im Volksmund, und eben “Wir haben einen Papa!” in Urbi et Orbi. Da die Frauen in dieser erzkonservativen Männergesellschaft wenig zu reden haben, ist der Satz “Habemus Mamam!” nicht überliefert. Dafür steckt das Wort “Vati” selbst im Namen des Kirchenstaates.

Nun eignet sich dieser Satz vortrefflich für eine Vielzahl an Alltagssituationen. Knurrt der Magen, können wir das mit “Habemus Hunger” kundtun. Nach “Habemus Tagesmenü” schaufeln wir dasselbe, doch überfressen sollten wir uns nicht. Sonst: Habemus Durchfall.

Wäre Apollo 13 vom Vatikan ins All geschickt worden, hätte es nicht “Houston, wir haben ein Problem” geheißen, sondern “Vatikan City, habemus problem”. Allerdings wäre die Mission dann gescheitert, denn es wäre höchstens ein “Dann betet drei Vater Unser” als Ratschlag gekommen.

“Mama, was gibt es heute zu essen?” – “Habemus Nudelauflauf.” – “Nee, nicht schon wieder. Habemus Schnauze voll.” – “Dann müsst ihr selber kochen. Habemus wenig Zeit, denn es ist schon halb acht. Ora et labora!”

Das wäre die Wiederauferstehung der lateinischen Sprache. Jahrhunderte lang lernten Schüler eine tote Sprache, zu nichts zu gebrauchen, außer für Séancen mit den Geistern alter Römer. Der österreichische Popstar Falco sang von den “jungen Römern”, und die konnten bereits Deutsch. Also wozu das Ganze? Es gibt Tausende Sprachen weltweit, die auch wirklich von echten Menschen gesprochen werden (es sei denn, man gerät an eine linguistische Kleingruppe, die in weniger als einer Lebensspanne ausgestorben sein wird) da wird doch wohl für jeden Geschmack etwas dabei sein. Habemus Vielfalt! Nutzen wir sie doch.

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Auf nach Deutschland!

Wer hätte das gedacht? Wir Österreicher lieben Deutschland als Reiseland, wie Laszlo Dernovic, Leiter der Österreich-Niederlassung der “Deutschen Zentrale für Tourismus” in einer Pressekonferenz im Palais Todesco in Wien diese Woche verkündete. In der Statistik der Länder, die die meisten Touristen entsenden (relativ gesehen), scheint Österreich an der zweiten Stelle auf, was ob seiner Größe doch erstaunt. Es liegt wohl auch an der Tatsache, dass wir eine Sprache teilen und sich niemand ob seiner mangelhaften Englischkenntnisse genieren braucht. Dass die Alpenrepublik dabei unter Südosteuropa subsummiert wird, lässt sich nur dadurch erklären, dass sich Deutschland als Mitteleuropa betrachtet (was auf Bayern allenfalls gerade noch zutrifft), dessen Südgrenze durch den Beginn Österreichs markiert wird. Darüber wird man noch diskutieren müssen. Vielleicht haben unsere deutschen Nachbarn aber auch nur das geflügelte Wort übel meinender Zungen übernommen, wonach der Balkan bereits in Österreich seinen Anfang nimmt.

Folglich lieben uns die Deutschen. Vergessen ist die blamable Niederlage in Cordoba, gelobt seien die Reisenden aus dem dem kleinen und so sonderbaren Nachbarland hinter den Bergen (nein, liebe Schweizer, euch meine ich nicht). Wozu sie unsere Euros brauchen (denn darum geht es ja schließlich) ist mir ein Rätsel, denn in der Bundesrepublik muss es eine ganze Menge davon geben, aber kleine (Gast)Geschenke erhalten bekanntlich die Freundschaft. Dabei machen ausländische Touristen nur etwa ein Fünftel aller Nächtigungen aus, denn die meisten Nächtigungen gehen auf die Kappe der Einheimischen selbst, was – nebenbei bemerkt – ein wenig unklug ist, denn ihnen gebührt der Tadel, wenn wieder einmal kein Bett frei ist.

Was gibt es zu sehen? Nun, wer sich die einschlägigen Broschüren ansieht (wie von der DZT herausgegeben), wird feststellen, eine ganze Menge. Es gibt Schlösser, Museen, Denkmäler, Strände, Leuchttürme, Großstädte und jede Menge Landschaft … wie überall, eigentlich. Doch das muss nicht schlecht sein. Nur wer das Exotische sucht, sollte sich vielleicht doch lieber woanders umsehen. Zur Not lässt sich aber gewiss ein China-Restaurant auftreiben.

Bleibt zuletzt nur die Frage, ob die Geschäftsreisenden auch zu zählen sind, denn die müssen schließlich dorthin reisen. Aber darüber sollen sich andere den Kopf zerbrechen …


Bildquelle: Deutsche Zentrale für Tourismus

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Die umgebuchte Schwangerschaft

Vor einigen Monaten schrieb ich davon, mit einer Buchidee schwanger zu gehen (“Scheinschwanger“). Nun schreibe ich tatsächlich wieder an einem Buch, es dreht sich aber um etwas ganz anderes. Das wäre in etwa so, als wäre ich (in meiner Yin-Form als Frau selbstverständlich) in freudiger Erwartung eines Mädchens, nur um im 5. Monat zu beschließen, doch einen Sohn zur Welt zu bringen (bitte daraus keine Präferenz abzuleiten; ich fühle mich dem Gender mainstreaming streng verpflichtet). Als Schriftsteller hat man diese Freiheit eben. Das Mädchen gebäre ich dann ein ander Mal, wenn die Zeit dafür reif ist.

Im Fokus meines Interesses steht nunmehr Siddharta Gautama, oder “der Buddha”, wie er besser bekannt ist, dessen Lebensgeschichte ich mir vorgeknöpft habe. Mein Interesse für den Buddhismus mit einer humorvollen Geschichte zu verbinden, was liegt näher für einen Comedian Traveller? Im Folgenden bringe ich eine kurze Kostprobe:

[...] Wie üblich in Indien, war die Wegbeschreibung des Mannes mit einer gehörigen Portion Unschärfe behaftet, und so erreichte Siddharta erst nach einer Woche den Ashram von Meister Yoga. An der Pforte stand ein Mann mit langem, weißem Bart und bunten Symbolen im Gesicht.
»Hallo Fremder. Willst du zu Meister Yoga?«
»Ja, ich möchte bei ihm lernen. Ich suche nach der Erlösung von Alter, Krankheit und Tod.«
»Alter, Krankheit und Tod?« Der Wächter beäugte ihn neugierig. »So verzweifelt siehst du noch gar nicht aus. Ich bin mir nicht sicher, ob der Meister diese Symptome behandeln kann, aber schreib dich doch einmal ein. Möchtest du Raja Yoga, Jnana Yoga, Karma Yoga oder Bhakti Yoga?«
»Wie bitte?«
»Wenn dir das nicht reicht, haben wir noch Hatha Yoga, Iyengar Yoga, Sivananda Yoga, Kundalini Yoga, Marma Yoga, Yantra Yoga oder Kriya Yoga.« Langsam beugte sich der Mann zu Siddharta und flüsterte ihm ins Ohr. »Unter uns, die neueste Entwicklung ist Power Yoga, doch halte ich nicht viel von diesem neumodischen Kram.«
Als er Siddhartas ratloses Gesicht sah, seufzte er tief und zückte seine Feder.
»Wie ist dein Name? Ich gebe dir einen Termin für eine kostenlose Erstberatung. Danach kannst du immer noch entscheiden.«
»Das wäre sehr freundlich«, erwiderte Siddharta.

In einem halboffenen Zelt saß ein hagerer Mann, der kurz zu Siddharta aufblickte, als dieser eintrat.
»Ich komme zur Erstberatung. Bin ich hier richtig?«, wandte sich Siddharta an ihn.
»Das bist du. Wie kann ich dir helfen? Suchst du Erkenntnis oder körperliche Ertüchtigung? Bist du Asket oder Genießer? Hast du viel oder wenig Zeit?«
»Ich suche Erkenntnis. Ich suche einen Ausweg aus Alter, Krankheit und Tod. Die Zeit spielt keine Rolle.«
»Da hast du dir aber einiges vorgenommen.« Langsam strich er durch seinen langen Bart, als würde er die Antwort irgend wo da drin vermuten. »Du musst göttlich werden. Hast du schon jemals einen alten oder kranken Gott gesehen? Hast du jemals von einem Gott gehört, der gestorben wäre?«
Siddharta dachte kurz nach. »Nicht, dass ich wüsste. Ich habe allerdings auch noch nie einen persönlich kennengelernt. Kann man denn gottgleich werden?«
»Natürlich. Meister Yoga ist das beste Beispiel dafür. Trotz seines hohen Alters ist er fit wie ein Turnschuh und biegsam wie ein Gummibaum. Natürlich ist das nicht billig. Aber er ist jedes Geldstück wert.«
»Ich habe kein Geld. Ich besitze nichts außer dem, was ich bei mir trage. Außerdem suche ich nach einem Weg, der jedermann offensteht, nicht nur den Reichen. Ich möchte alle lebenden Wesen erlösen.«
»Nicht nur arm, sondern auch größenwahnsinnig«, dachte der alte Mann. Zu Siddharta gewandt klang er versöhnlicher. »Mach doch einmal bei einem Probetraining mit. Hier ist ein Gutschein für eine Schnupperstunde. Vielleicht überzeugt dich das?« Zufrieden schob er Siddharta ein Stück Papier über den Tisch.
»Ich danke dir. Wann kann ich beginnen?« Probieren ging über studieren, und wenn er schon hier war, dann konnte er sich die ganze Sache ja einmal ansehen.
»In einer Stunde. Geh zu Zelt D, es befindet sich schräg vis-a-vis. Und bring bequemes Gewand und eine Unterlage mit.« Zerstreut hielt er inne. »Ach ja, ich vergaß, dass du nichts besitzt. Nun denn. Der Nächste, bitte!«

Siddharta verließ das Zelt und schlenderte über das Gelände. Vereinzelt saßen Menschen mit gekreuzten Beinen in stiller Andacht auf dem Boden oder verrenkten ihren Körper zu gar sonderlichen Posen. Nachdem er einem Schüler bei einer besonders ambitionierten Übung eine Zeit lang zugesehen hatte, sprach er diesen an:
»Tut das nicht weh? Mich schmerzt das Kreuz schon vom Hinsehen.«
»In der Tat«, keuchte der Andere. »Es schmerzt wahnsinnig.«
»Wozu tust du dir das an? Sie doch, wie friedlich die beiden Männer dort drüben sitzen. Sie scheinen dem Glück näher zu sein als du.«
»Beides ist notwendig, das Sitzen und das Dehnen. Die körperlichen Übungen dienen der Vorbereitung auf das Sitzen. Beim Sitzen meditieren wir, um unseren Geist zu disziplinieren und gottgleich zu werden.«
»Dann übst du wohl noch nicht sehr lange«, fragte Siddharta mit einem Lächeln. »Wann hast du angefangen?«
»Vorgestern.«

Als die Stunde verstrichen war, begab sich Siddharta zu Zelt D, in dem die Schnupperstunde stattfinden sollte. Eine Gruppe von etwa zwei Dutzend Personen jedes Alters waren bereits versammelt und saßen erwartungsvoll auf dem Boden. Siddharta setzte sich zu ihnen.
In Indien sind Zeitangaben mit einer gehörigen Portion Unschärfe behaftet, daher verging noch eine halbe Stunde, bis ein kleiner, hagerer Mann das Zelt betrat. Als Gewand trug er lediglich ein Tuch, welches er um die Hüften geschlungen hatte. Sein drahtiger Körper zeugte davon, dass er bereits eine gewisse Stufe der Körperbeherrschung erreicht haben musste.
»Willkommen im Ashram von Meister Yoga. Mein Name ist Sunita. Ich bin euer Yoga-Lehrer.« Dabei strahlte er sie mit einem Grinsen an, welches von einem Ohrläppchen zum andern reichte.
»Wie ihr wisst, ist unser Körper nur die Wohnung von Geist und Seele. Deshalb konzentrieren wir uns bei unseren Bemühungen, das Göttliche in uns zu finden, in die Disziplinierung unseren unruhigen Geistes. Meditation ist der beste Weg dorthin. Dennoch dürfen wir den Körper nicht vernachlässigen, denn ohne ihn zerstreuen sich Geist und Seele in alle Winde. Nur dem, der seinen Körper beherrscht, gelingt dies auch mit seinem Geist. Daher will ich euch nicht länger aufhalten, sondern gleich mit der ersten Übung beginnen. Steht auf!« Mit diesen Worten nahm er eine stabile, aufrechte Haltung ein.
»Streckt beide Arme in die Höhe und faltet die Handflächen über eurem Kopf. Sehr gut. Nun winkelt das rechte Bein an und hebt es in die Höhe. Nun streckt ihr es ganz nach hinten durch und beugt den Oberkörper nach vorne, bis euer Körper in der Waagrechten liegt. Wie fühlt sich das an?«
»Wie soll sich das schon anfühlen«, flüsterte ein Mann hinter Siddharta. »Schlecht!«
»Ich hatte erst letzten Monat einen Bandscheiben-Vorfall«, murmelte ein anderer. »Ich hör den Wirbel jetzt schon krachen.«
»Spürt in euren Körper hinein«, fuhr Sunita fort. »Registriert alle Gefühle, die angenehmen wie die unangenehmen, ohne sie zu bewerten. Jetzt beugt euch weiter vor und versucht den Boden mit eurer Nasenspitze zu berühren.« Er hielt inne, denn von weiter hinten rumpelte es. Ein Mann hatte das Gleichgewicht verloren und seinen Nachbarn dabei mitgerissen. Einige andere kicherten leise.
»Ruhe! Stellt euch wieder hin. So, jetzt setzt euch auf den Boden. Nehmt euren linken Fuß und legt ihn auf eurem rechten Oberschenkel ab. Nun tut ihr das Gleiche mit dem anderen Fuß.« Über die Köpfe der vorderen Reihe hinweg spähte er prüfend in die Gruppe. »Haben das alle?« Alle beeilten sich eifrig zu nicken, selbst wenn sie die Aufgabe noch nicht einmal mit dem ersten Bein geschafft hatten.
»Nun stützt euch mit den Armen ab und rollt euren Oberkörper nach hinten, bis ihr auf dem Kopf steht. Anschließend verschränkt ihr die Arme hinter dem Nacken und atmet ruhig und gleichmäßig.«
Selbst diejenigen, die den Lotus-Sitz gemeistert hatten, blickten nun ungläubig zu ihrem Lehrer. Doch dieser hatte eben jene Position eingenommen, die er zuvor beschrieben hatte, und atmete vollkommen entspannt.
»Ihr seht also, dass ihr noch viel zu lernen habt. Doch seid unbesorgt, in unseren Kursen werdet ihr lernen, euren Körper auf verblüffende Weise zu beherrschen.«

Siddharta, der den Lotus-Sitz schon seit seiner Jugend praktizierte, kamen Zweifel an der Notwendigkeit, den Körper bis zur Unkenntlichkeit zu verdrehen. Er hatte schon viele Stunden in stiller Meditation verbracht. Also stellte er Sunita zur Rede.
»Seid Ihr euch sicher, dass ein so hoher Grad an Körperbeherrschung notwendig ist, um in Stille zu meditieren? Warum sollte der einfache Lotus-Sitz nicht genügen?«
»Weil dich der Schmerz an dein Leid erinnert, das es zu überwinden gilt. Durch konsequentes Üben meistert du deinen Körper, und damit Schmerz und Leid. Frag Meister Yoga, wenn du mir nicht glaubst.«
Nachdenklich zog Siddharta zwischen den Zelten seine Kreise. Er hatte kein Geld, um einen der Kurse zu besuchen. Also spähte er in die Zelte, um einen Blick auf möglichst viele Übungen zu erheischen. Als er den Ashram verließ, hatte er genug gesehen, um eine Weile selbst zu üben. Er wollte es zumindest versuchen. [... ]

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An der Elbe

Ich hätte den Rucksack nicht in der Schnellbahn stehen lassen sollen.

Da der Konjunktiv grammatikalisch anspruchsvoll ist, faktisch aber wenig bringt, ist es dennoch geschehen.

Ich könnte jetzt eine Geschichte erzählen, wie ich mich an den Stoßdämpfer des abfahrenden Waggons geklammert habe, dann in Indiana Jones-Manier über das Dach durchs Zugfenster geklettert bin und schlussendlich den Dieb, der soeben mit dem Rucksack abhauen wollte, mit einem gezielten Haken außer Gefecht gesetzt habe. Aber das würde mir niemand glauben. Außerdem waren auch die tatsächlichen Ereignisse aufregend genug, um ebenfalls einen gewissen Unterhaltungswert zu bieten.

Warum ich das erzähle? Ach ja, das Ganze trug sich in Hamburg zu. Und auch nur deswegen, weil unsere Geschäftsführung zu knausrig war, für fünf Leute mit Gepäck ein Taxi zu bestellen. Damit wäre der “schwarze Peter” nun verteilt, und ich kann mich dem eigentlichen Thema zuwenden.

Hamburg. Was soll ich sagen? Es ist eine feuchte Stadt. Südlich die Elbe, mitten drin die Alster, Kanäle ohne Ende und von oben her regnet es. In Hamburg scheitert der Reisanbau wirklich nur an der Temperatur. Von den drei Tagen, die ich in der Stadt verweilte, vergingen die ersten beiden dienstlich, sodass ich am letzten Tag alles unterbringen musste, was diese Stadt so an Sehenswertem bot. Dass dieses Unterfangen zum Scheitern verurteilt ist, weiß jeder, der schon einmal versucht hat, eine Großstadt in einem Tag vollständig zu erkunden. Der Geist war willig, doch das Fleisch war schwach.

Sonntag früh ist Fischmarkt in St. Pauli, und der dauert nur bis 9 Uhr 30. Das bedeutet zeitig aufstehen und kein Frühstück. Doch im Bett war es warm und schön, draußen hingegen kalt, windig und feucht. Daher fiel die Wahl leicht. Um 11 Uhr 30 erreichten wir schließlich den Fischmarkt. Der Wind peitschte die Elbe auf und verblies die Möwen und den Abfall, der auf dem (noch nicht) leergefegten Areal lag. Die Verladekräne des Hafens, der größte Deutschlands und einer der größten der Welt, ragten bedrohlich in den Himmel, und wirkten zudem recht arbeitslos. Stimmung gab es in der Fischauktionshalle. Es waren weder die Fischer, die ihren Fang begossen, noch jene Fische, die dem Gemetzel entkommen waren, sondern Frühschwärmer, die die Live-Band bei einem Frühstück genossen oder menschliche Relikte der vergangenen Nacht, die von der Reeperbahn heruntergepurzelt waren.

Apropos Reeperbahn. Deren Hauptbestimmung konnte man unschwer an den zahlreichen einschlägigen Etablissements erkennen, dennoch waren ein paar sehr originelle Läden darunter. Die Condomerie zum Beispiel – nomen est omen – oder ein Laden, der Plastikbrüste und -penise feilbot, was eine wunderbare Gelegenheit für all jene darstellt, die für eine operative Geschlechtsumwandlung zu unentschlossen sind.

Um dem Regen zu entgehen, bieten sich geschlossene Räume an, wie zB. Museen oder Kirchen, also flüchteten wir uns in den “Michel”, wie die St. Michaelis-Kirche von den Einheimischen liebevoll genannt wird. Es passte zum Wetter, dass es im Inneren auch nass zuging, zelebrierte man doch gerade eine Taufe. Auf der Aussichtsplattform regnete es waagrecht, so dass ich die viel gepriesene Aussicht in 10 Sekunden in mich aufnahm und dennoch feststellte, dass all die Postkartenmotive tatsächlich anwesend waren. Wieder zurück auf dem Boden der Realität, war die Taufe vorüber, das Baby also aus dem Wasser ins Wasser entlassen, beziehungsweise kam es, um eine beliebte Redensart abzuwandeln, von der T(r)aufe in den Regen.

Nachdem wir auch noch einmal die Binnen-Alster umkreist hatten, meldete sich der Magen. Wer mich kennt, weiß, dass ich jetzt nicht über die Vorzüge von Hamburgs Küche referieren kann, denn ich habe sie nicht betreten. Einmal speisten wir vorzüglich in einem persischen Restaurant, beim zweiten Mal labte ich mich an einem grünen Curry in einem vietnamesischen Lokal. Sollten Sie jetzt “unverbesserlich” denken, gebe ich Ihnen Recht. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass man in den zahlreichen Fischrestaurants am Hafen wirklich exzellenten Fisch serviert bekommt. Teuer genug war er jedenfalls.

Wem ich nicht begegnete, war Stoertebecker. Dies mag daran liegen, dass er schon eine Weile tot ist. Da man sich aber ob dessen wahrer Identität ohnehin nicht ganz sicher ist, hat man unweit der Michaelis-Kirche eine riesige Statue von Bismarck aufgestellt. Da weiß man wenigstens, dass es sich um eine historisch verbürgte Person handelt. Wahrscheinlich wollte man seitens der Stadtverwaltung auf Nummer sicher gehen. Mir ist nur soviel bekannt, dass Bismarck die Österreicher mit seinem Team bei Königgrätz im Fußball schlug und zweitens den Hering erfand. Aber selbst das ist historisch nicht gesichert.

 

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2012 – Das Ende naht ?

Nun hat also ein neues Kalenderjahr begonnen. Meine Aufregung hält sich ehrlich gesagt in Grenzen, ist mir dies im Leben doch schon des Öfteren passiert. Es sei denn, man hält sich an den Maya-Kalender, denn dieser prophezeit für 2012 nichts Geringeres als das Ende der Welt. Aber brauchen wir wirklich die Maya dafür? Naturkatastrophen, Reaktorunglücke und Börsencrash halten die Welt in Atem, und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis wir uns selbst den “goldenen Schuss” setzen.

Tut man das Maya-Szenario als Hirngespinst einer Zivilisation ab, die genau wegen solcher Weissagungen unterging (Vielleicht haben die Maya aus Panik ihre blühenden Städte verlassen und nicht mehr zurückgefunden? Vielleicht brach die Wirtschaft aufgrund der Hamsterkäufe in sich zusammen? Vielleicht war es die Geburt der “No Future”-Generation?), dann stellt sich dennoch die Frage, was uns in den kommenden 12 Monaten alles erwartet? Manche glauben die Antworten zu kennen (Trendforscher, zB.), andere sehen in die Kristallkugel oder lesen im Kaffeesud. Mir ist es egal, denn am Ende des Jahres weiß ich es spätestens. Und solange kann ich warten.

Aber ein bisschen spekulieren wird man wohl dürfen … ?

  • Setzen die schmelzenden Polkappen die schönsten Strände unter Wasser (und ein paar Städte nebenbei)?
  • Welcher Atommeiler fliegt uns als nächster um die Ohren?
  • Ist der Euro noch zu retten? Und wenn JA, wozu?
  • Findet Hugh Hefner doch noch ein Häschen, das mit diesem klapprigen Kahn in den Hafen der Ehe segelt?
  • Kann eine braunhaarige Paris Hilton über Blondinenwitze lachen? Versteht sie sie überhaupt?
  • Gibt es weiterhin billige Flugtickets, um die schönsten Plätze dieser Erde zu besuchen, oder wird das Reisen eine Angelegenheit für Triathleten (Schwimmen, Radfahren, Laufen)?
  • Wird das Mausoleum von Kim Jong-Il gewaltiger als die Cheops-Pyramide?

Fragen über Fragen. Wahrscheinlich kommt alles ohnehin ganz anders. Vielleicht kommen Außerirdische und beweisen uns, dass die grundlegenden Annahmen und Gleichungen der Wissenschaft völliger Humbug sind, und die Erde zudem eine Scheibe? Dass niemand mit uns Kontakt aufnimmt, weil sie fürchten, dass wir unseren Sondermüll dann bei ihnen deponieren? Oder haben sie sich unsere Reality Soaps angesehen (wie Big Brother) und sind zu dem Schluss gekommen, dass sich intelligentes Leben erst entwickeln muss? Waren die Maya selber Außerirdische (Immerhin sind sie schon sehr sang- und klanglos verschwunden)?

Wenn Sie die Wahrheit wissen möchten, können Sie mich gegen einen Unkostenbeitrag von 100 € gerne kontaktieren. Aber bitte erst am 31.12.2012. Wenn wir dann noch leben …

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Zu scharf ist nicht gesund

Ich würde meinen, das kommt darauf an. Geht es um Sex, beispielsweise, dann kann man das überleben. Bei einem Samurai-Schwert in den Händen eines geübten Gegners sieht die Sache anders aus, und ich würde obiges Statement ohne zu zögern unterschreiben. Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters.

Eigentlich geht es ja um etwas ganz anderes. Und dieses “Andere” wäre für das Auge des Betrachters absolut ungesund, käme es zu physischem Kontakt (was für ein Samurai-Schwert unbestritten auch zutrifft). Auch wenn es im Auge nichts zu suchen hat. Neugierig geworden?

Ich zitiere: “Das Institut kommt zu dem Schluss, dass die orale Aufnahme von” … (ja, wovon denn?) in normalen Mengen nicht zu gesundheitlichen Beinträchtigungen führt. Drei Mal dürfen Sie raten. Ich warte …

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Ich frage mich nun, woran Sie gedacht haben, und wie ein Psychiater dies interpretieren würde. Kommen wir zur Auflösung:

Das Institut kommt zu dem Schluss, dass die orale Aufnahme von Chilifrüchten, ihren Zubereitungen und entsprechenden scharf bis sehr scharf gewürzten Speisen etwa der traditionellen afrikanischen, arabischen, südamerikanischen oder asiatischen Küche im Rahmen des international üblichen Verzehrs nicht mit akut gesundheitsschädigenden Wirkungen verbunden ist. [Bundesinstitut für Risikobewertung in einer Stellungnahme vom 18.10.2011].

Dies trifft NICHT auf extrem scharfe Würzsaucen zu, wie sie vermehrt im Handel angeboten werden. “Extrem scharf” oder “höllisch scharf” halten auch, was sie versprechen. Unlängst wurde so ein Produkt in Österreich aus dem Handel entfernt, weil seine Konsumation gesundheitliche Beschwerden zumindest erwarten ließ. Die Schärfe von solchen Produkten wird gerne in “Scoville-Einheiten” angegeben, die sich über einen Faktor in den Gehalt an Capsaicin (dem scharfen Bestandteil von Chilischoten) bequem umrechnen lassen. Wirbt das Etikett mit einer Million Scoville, so lassen Sie am besten die Finger davon, es sei denn, Sie sind lebensmüde, oder im Begriff eine Hautwarze wegzubrennen.

Das BfR warnt nun vor dem Genuss größerer Mengen dieser Produkte, wie er entweder aus Unwissenheit, oder aus nacktem Wahnsinn (im Rahmen von Scharfess-Wettbewerben) erfolgt. Wer sich zu letzterem hinreißen lässt, findet wahrscheinlich auch nichts dabei, sich am Sylvesterabend einen Chili in den Allerwertesten zu stecken und feurige Spuren am dunklen Nachthimmel zu ziehen.

Unter uns gesagt, geht doch nichts über eine prickelnd feurige Chilischote in einem harmonisch ausbalancierten Wokgericht. Doch die Dosis macht das Gift, wie schon Paracelsus sagte. Im Zweifelsfall fragen Sie halt Ihren Arzt oder Apotheker …

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Künstliches Glutamat?

Es stimmt ja wirklich: Man lernt niemals aus. Über manche Wissensbrocken stolpert man quasi im Vorbeigehen. Und zwar geht es ums Essen. Nun heißt meine Seite Comedian Traveller, und nicht etwa Happy Meal, doch da nur die wenigsten Reisenden ohne Essen auskommen, und eine Reise in andere Länder immer auch Geschmackssache ist, passt es trotzdem. Umso mehr, als eine der asiatischen Zutaten schlechthin in diesem Zusammenhang eine Hauptrolle spielt.

Der Geschmacksverstärker E 621 ist Ihnen sicherlich bekannt, wenn auch vermutlich mehr unter seinem bürgerlichen Namen Mono-Natrium-Glutamat (MSG). In der modernen, gehobenen und gesundheitsorientierten Küche ist diese weiße, kristalline Substanz ja eher verpönt. Der Geschmack soll nur von den einzelnen Zutaten kommen, und nicht etwa künstlich verstärkt werden. Irgendwie sind diese Zusatzstoffe mit dem teuflischen “E” ja doch alle giftig, oder zumindest gesundheitsgefährdend, oder? (unter uns: stimmt nicht). Doch jetzt kommt die Überraschung!

Haben Sie gewusst, dass Glutaminsäure eine Aminosäure ist, die in Ihrem Körper natürlich vorkommt? Dass Ihr Körper diese sogar selbst produziert, weil Sie sonst den Löffel abgeben? Dass diese daher auch in allen Tieren und Pflanzen ebenso vorkommt? Dass es daher auch fast keine Speisen gibt, die kein Glutamat (das Natriumsalz der Glutaminsäure) natürlich enthält, ohne dass Sie es zugeben. Da Aminosäuren nur gebildet werden, wenn in der Zelle Gene (also DNA, dieses “Teufelszeug”) vorliegen, essen wir also auch jeden Tag Gene, und zwar nicht zu knapp (ca. 1 Gramm, inklusive Pflanzen-, Tier-, Bakterien- und andere Fremd-DNA). Aber daran haben Sie sich hoffentlich schon gewöhnt, oder?

Nun stolpere ich während einer Recherche über folgende Tatsache: Fischsauce, diese Mutter aller Würzsaucen in Thailand und Vietnam, enthält große Mengen an Glutamat. Diese Eigenschaft teilt sie sich mit Sojasauce, Austernsauce, aber auch einem sehr heimischen Lebensmittel: gereiftem Käse. Selbst Tomaten enthalten, wenn sie reif sind, eine beträchtliche Menge davon. Und, man höre und staune: selbst die Alten Griechen und Römer verwendeten bis ins siebente Jahrhundert vor Christus Fischsauce als Speisewürze, während man in Kleinasien noch bis 1000 Jahre A.D. damit würzte. Und das war mir neu, denn ich dachte immer, dass Fischsauce eine rein asiatische Angelegenheit ist.

>> Lust auf eine heiße Poker Party? <<

Eifrigen Lesern wird nicht entgangen sein, dass ich eine große Vorliebe für Fischsauce hege. Glutamat verwende ich dagegen nicht. Trotzdem enthält mein Essen aus obigen Gründen genug davon. Ist das nicht Ironie?

Verzichten werde ich auf meine Saucen aber nicht. Glutamat kann (dies trifft auf unser gewöhnliches Speisesalz genau so zu) ohnehin nur gut gewürzte Speisen “verbessern” (auch das ist Geschmackssache). Fade und ausdruckslose Gerichte, wie man sie in der heimischen Küche zu oft antrifft, kann auch das nicht retten. Mit dem Salz (oder der Würzsauce) justiert man nur die Geschmacksintensität. Fad zu kochen und dann Salz und Pfeffer auf den Tisch zu stellen, hilft da gar nichts. Trotzdem wird es überall praktiziert. O tempora, o mores!

 
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Hobby-Indianer

Unlängst zappte ich durch die Kanäle und schnappte einen Kommentar eines Stammesangehörigen der Hopi-Indianer (nicht zu verwechseln mit den Hobby-Indianern wie Pierre Price oder Michael Herbig) auf. Er führt Touristen durch deren Reservat, um die Geschichte seines Volkes weiter zu geben, damit sie nicht in Vergessenheit gerät. Immerhin machten seine Vorfahren kaum schriftliche Aufzeichnungen, sondern bevorzugten die mündliche Überlieferung der Familiengeschichte (“Nein, Mutti, nicht schon wieder die Geschichte wie Opa den Bären im Tomahawk-Werfen besiegt hat”). Aus seinen Worten sprach ein gewisser Stolz auf seine Vorfahren.

Da stellt sich unweigerlich die Frage, worauf unsere Generation stolz sein kann? Was möchten wir von unseren Errungenschaften (vor allem in kultureller und ethischer Hinsicht) weitergeben, damit kommende Generationen stolz auf uns sind? Es folgt betretenes Schweigen.

Möchten wir wirklich, dass die Paris Hiltons, DJ Ötzis, Dieter Bohlens, DSDS und wie sie alle heißen zu unseren kulturellen Erbe werden? Schwanken wir ausschließlich zwischen Kampftrinken und Konsumrausch? Müsste man nicht angesichts von nichts sagenden bis peinlichen TV Soaps, Castingshows und Talk Shows vor Scham sein Geburtsdatum fälschen? Die Werke bedeutender Künstler vergangener Epochen werden immer noch ausgestellt, aber wenn die Exponate moderner Kunst auf öffentlichen Flächen erscheinen, fragt man sich unwillkürlich, wer diesen Ramsch dort vergessen hat oder ob die Müllabfuhr streikt?

Was wir obendrein an kulturellen Exkrementen hinterlassen, sind Berge von Abfall, verpestete Ozeane und andere Umweltgifte. Nicht einmal im Weltall wäre man sicher, denn verließe man die Erdoberfläche per Rakete, würde man mit hoher Wahrscheinlichkeit von Weltraum-Müll abgeschossen. Nicht zu vergessen die entbehrlichen verbalen Ausscheidungen mehr oder weniger prominenter Mitbürger dieser Erde (die mittlerweile aber dank Internet und EDV minutiös gespeichert werden). Wir trennen Müll und sammeln Datenmist. Es reicht!

Dabei ist nicht alles schlecht. Natürlich nicht. Nur wie meistens verschaffen sich Dummheit und Einfältigkeit am lautesten Gehör. Das traurige daran ist, dass sich der Inhalt an den Bedürfnissen der Masse orientiert. Und das gibt zu denken.

Ich weiß, was ich weitergeben möchte. Doch wird es im Info-Müll untergehen?

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