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Asien in Superlativen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Albert Karsai   
Sonntag, den 02. Januar 2011 um 17:35 Uhr

Auf jeder Reise stellt man Vergleiche an und denkt an beglückende und weniger beglückende Momente zurück. Hier sind ein paar meiner persönlichen Superlative.


Was war dein schlimmstes Erlebnis in Asien?

Die Fahrt von O Smach (kleiner Grenzübergang im Norden Kambodschas) nach Siem Reap. Durch die Regenzeit war die durch den Urwald verlaufende Straße völlig aufgeweicht, ich wurde im Wagen durchgeschüttelt wie ein Cocktail, der Fahrer hustete und spuckte fortwährend, was in mir den Wunsch hochkommen ließ, ich hätte die Krankenversicherung doch noch aufstocken lassen, ich wusste nicht, ob die Straße durchgehend befahrbar war, und zwei Mal blieben wir beinahe im Schlamm hängen.


Was war dein größtes Glücksgefühl?

Als ich nach oben beschriebener Fahrt in Siem Reap heil aus dem Auto stieg.


Was war das höchste Gebäude, das du betreten hast?

Das Gebäude 101 in Taipeh, Taiwan. Mit seinen 508 m war es das höchste Gebäude zum damaligen Zeitpunkt. Unfassbar, dass man das noch um 300 m übertreffen konnte.


Welches war das Älteste?

Naja, historisch gesehen, wahrscheinlich die Tempel von Angkor Wat. Aber es gab Gästehäuser, die waren vom Aussehen her älter.


Was war das beste Essen, das du dort je gegessen hast?

Muss wohl ein grünes Thai-Curry gewesen sein. Qualität und Geschmack variieren beträchtlich, doch manchmal findet man ein echtes Juwel . . .


Und das schlechteste?

Überall dort, wo Reisebusse zwecks Essenspause anhalten. Ich weiß schon, dass die Fahrer (bzw. die Busgesellschaften) eine Provision kassieren, aber so tief muss man doch wirklich nicht sinken. Zusammen mit dem schlechtesten Essen gibt es auch die erbärmlichsten Wcs, sodass man weder Nahrung zu sich nehmen, noch von sich geben möchte.


Wo hast du die freundlichsten Leute getroffen?

Die freundlichsten sind meist jene, die einem aus professionellen Gründen an den Geldsack wollen. Oder sprechen Sie mit einem breiten Grinsen unaufhörlich Fremde in Ihrer Stadt an, um Ihnen aus purem Altruismus eine Stadtrundfahrt anzubieten? Natürlich nicht. Sie zeigen ihnen den Handwerksbetrieb Ihres Schwagers, den Massagesalon Ihrer Frau  und die Brauerei Ihres Onkels. In Asien entspräche dies eben einer Edelstein-Manufaktur, einer Töpferei oder dem Sauna-Club im Rotlichtviertel.

Ganz im Ernst, ich habe dort überall freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen. Es gibt halt überall solche und solche, wie immer. Nur in Kairo bin ich wirklich niemanden auf der Straße begegnet, der mir nicht ein paar Teppiche, Duftwässer oder das Restaurant seines Bruders zeigen wollte.

Was war die längste Flugreise, die du unternommen hast?

Von Wien nach Seoul (eigentlich Incheon). Acht Stunden Zeitverschiebung bescherten mir einen formidablen Jetlag. In diesem Zustand hätte ich mich bedenkenlos als Freiwilliger für ein wissenschaftliches Experiment zum Beamen von Menschen gemeldet. Auch wenn man es als Tierversuch konzipiert hätte.

Deine längste Reisestrecke in einem überhaupt?

Von Wien nach Izmir. Zuerst 40 Stunden im Zug nach Istanbul, danach noch rund 10 Stunden mit dem Nachtbus. Diese Strecke habe ich mehrere Male zurückgelegt, bevor ich auf die Idee kam, es mit dem Flugzeug zu versuchen. Was soll ich sagen? Beides probiert, kein Vergleich . . .


Wo gibt es die besten Reisebusse?

In Korea. Vielleicht sollte ich etwas konkreter werden, und die Antwort auf »Südkorea« einschränken. Breite, bequeme Reisebusse mit breiten, bequemen Sitzen, die noch dazu pünktlich abfahren. Zwar sprechen die Fahrer kein Englisch, die Ticketverkäufer sprechen kein Englisch, die Fahrpläne (außerhalb Seouls) sind nur auf koreanisch angeschrieben, die Aufteilung auf Regional-Busbahnhöfe und Express-Busbahnhöfe schwer nachvollziehbar, und überhaupt . . . aber wenn man seinen Bus findet, ist der Arsch während der Fahrt sanft gebettet.


Und die schlechtesten?

Ich fürchte, wo es die schlechtesten gibt, war ich noch nicht. In Indien soll manch schreckliches Gefährt unterwegs sein, und in Ländern wie Burma oder Nordkorea würden sie den TÜV wohl auch nur schwer passieren. Aber auch in Kambodscha, Laos oder im Hinterland von Malaysien oder Vietnam bin ich in Bussen gesessen, wo man es besser nicht eilig hat. Wäre da bloß nicht diese Luftfeuchtigkeit!


Wo gibt es das wärmste Meer?

Nun, ich habe noch nicht die sieben Weltmeere durchschwommen (und werde es auch nie tun), aber die Andamant See vor der Küste Thailands ist schon sehr warm. So warm, dass selbst einen Warmduscher wie mich ekstatische Gefühle überkommen.


Wo gab es das kälteste Wasser?

In meinen Zimmern in Kambodscha.


Wo war es am heißesten?

An vielen Orten. Hanoi bei knapp 40°C, oder Penang, oder auf den Sanddünen bei Mui Ne, oder . . .  Es ist ganz allgemein erstaunlich, wie produktiv meine Schweißdrüsen sind, wenn sie von subtropischem Klima herausgefordert werden.


Wo war es am kältesten?

In meinem Haus in Hanoi. Aufgrund der großzügig dimensionierten Belüftungsschlitze, der nicht vorhandenen Heizung und den mageren 10-15 Grad, auf die es im Winter während der Nacht abkühlte, legte ich großen Wert auf warme Bekleidung. Besonders lachen musste ich, als mir Ha »warme« Wintersocken besorgte . . . (naja, sie hatte eben noch keinen europäischen Winter erlebt).


Bist du wilden Tiere begegnet?

Das kann man wohl sagen. Die Motorradtaxi-Fahrer, die einem auf Busbahnhöfen auflauern, sind furchterregend. Gelegentlich begegnete ich auch Skorpionen. Die Tiger im Tiger Temple in Thailand waren zum Glück schon satt. Im Gegensatz zu den Blutegeln, die mir in Malaysien auflauerten. Im Allgemeinen war der Regenwald meist tierisch leer, wenn ich hindurch pirschte. Von wegen artenreichster Lebensraum und so.


Dein romantischster Moment?

Als ich meine Frau das erste Mal in die Arme schloss, auf einem Felsen oberhalb einer Pagode mit schönem Ausblick. Liebe macht wirklich blind, denn auf dem Rückweg verfuhr ich mich dann prompt.


Die größte Überraschung?

Das war unbestritten der Moment, an mir mir meine Frau eröffnete, dass sie eine Tochter hätte. Aber das war eigentlich nur die Spitze eines Eisbergs von Überraschungen, die mir der asiatische Kontinent beschert hat.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 02. Januar 2011 um 18:41 Uhr
 



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