Startseite Literatur-Ecke
Für Leseratten und Bücherwürmer... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Albert Karsai   
Dienstag, den 22. September 2009 um 16:54 Uhr
Während meiner Reisen habe ich viel Zeit zum Lesen, und mindestens ein Buch ist immer dabei. Das Thema dieser Bücher dreht sich häufig - wie sollte es auch anders sein? - ums Reisen und um die Länder, die ich jeweils besuche. Kaum betrete ich ein Land, möchte ich mehr wissen. Mehr über Land und Leute, deren Kultur und deren geschichtliche und politische Entwicklung. Die mehr als tausendjährige Geschichte Koreas hätte mich daheim wohl kaum vom warmen Ofen weggelockt, doch in Südkorea selbst, zwischen alten Kaiserpalästen und historischen Festungen, erwachte die Vergangenheit vor meinen Augen zu Leben, von der alten Fehde zwischen Baekje und Shilla bis hin zum zweigeteilten Korea im Atomzeitalter. Glücklicherweise halten viele Gästehäuser oder Geschäfte in Touristennähe gebrauchte Bücher bereit, die billig erworben oder auch getauscht werden können, ganz zu schweigen von den Buchhandlungen großer Städte, die eine gute Auswahl an englischsprachigen Titeln auf Lager haben. Dort lohnt es sich ganz besonders, den eigenen Lesevorrat aufzustocken, bevor man wieder im tropischen Regenwald oder im touristischen Niemandsland verschwindet.
 
Die folgende Auswahl umfasst Bücher, die ich selbst gelesen habe, und die sich in irgendeiner Form ums Thema Reisen bzw. andere Länder drehen.  Natürlich ist diese Auswahl nicht komplett, denn manche Bücher habe ich über die Jahre schlichtweg wieder vergessen. Die Reihenfolge der Bücher ist ohne Bedeutung. Viel Spaß beim Schmökern!

 
 
Neither here nor there (dt. Titel: Wo, bitte, geht's nach Domodossola?)/Autor: Bill Bryson (Europa)
 
Der US-Amerikaner Bill Bryson ist definitiv einer meiner Lieblingsautoren (und in gewisser Weise auch ein schriftstellerisches Vorbild), weil er es meisterlich versteht, relativ banale Unternehmungen auf seine typische, humorvolle Weise zu erzählen.  Bill Bryson liest man weniger wegen dem, worüber er schreibt (auch wenn man über die jeweiligen Länder in seinen gut recherchierten Büchern eine Menge erfährt), sondern wie er schreibt. In Neither here nor there (auf deutsch: Weder hier, noch dort) unternimmt der Familienvater eine Reise durch Europa auf den Spuren seiner ersten Reise auf diesem Kontinent als junger Rucksacktourist, und stellt dabei fest, dass sich seit damals eine Menge verändert hat (in Europa und bei ihm selbst). Seine Sprache ist direkt und wirklich komisch. Sehr unterhaltsam. zurück nach oben
 
A walk in the woods (dt. Titel: Picknick mit Bären)/Autor: Bill Bryson (USA)
 
Nachdem er zwanzig Jahre in England gelebt hat, kehrt Bryson mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten zurück und entdeckt dort den Appalachian Trail quasi vor seiner Haustüre. Der Appalachian Trail ist mit über 3000 km einer der längsten Fernwanderwege der Welt und führt durch neun US-Bundesstaaten. Völlig außer Form stürzt sich Bryson in dieses Abenteuer, begleitet von seinem alten Freund Stephen Katz, der schon in Neither here nor there an seiner Seite auftaucht. Seine Erlebnisse schildert er in diesem Buch, welches aber auch eine Fülle an interessanten Hintergrundinformationen über die Geschichte des Pfads selbst und über die besuchten Orte vermittelt. Wem Bryson gefällt, wird auch dieses Buch mögen. zurück nach oben
 
Down Under (dt. Titel: Frühstück mit Kängurus)/Autor: Bill Bryson (Australien)
 
Wieder ein Bryson. Auf unterhaltsame Weise erzählt der Autor von seinen Reisen durch den australischen Kontinent, die er mit Bahn, Flugzeug und Auto unternimmt. Wieder besticht das Buch neben seinem witzigen Erzählstil auch durch die Fülle an Hintergrundinformationen über diesen fernen und vielseitigen Kontinent. zurück nach oben
 
No Shitting in the Toilet/Autor: Peter Moore (Welt)
 
Der australische Reiseschriftsteller Peter Moore hat das erreicht, wovon viele andere nur träumen. Er reist (aktueller Länderstand: 99) und schreibt über seine Reisen, und kann davon auch noch leben. NSITT war sein Erstlingswerk, mit dem er den Durchbruch schaffte. Inspiriert durch die gleichnamige Homepage, behandelt Moore Themen aus der Welt des Rucksacktourismus im Frage-und-Antwort-Stil. Sehr komisch und ein Zeugnis eines wahren Globetrotters.
 
Zitat: "In der Welt von NSITT ist es wahrscheinlicher eine Kakkerlake auf seinem Kopfkissen vorzufinden, als ein Pfefferminzblättchen." zurück nach oben
 
Tiger fressen keine Yogis/Autor: Helge Timmerberg (Welt)
 
Der deutsche Autor Helge Timmerberg  fasst in diesem Buch verschiedene Reisegeschichten zusammen, die durch seinen großartigen Erzählstil und seine abenteurlichen Erlebnisse brillieren. Die Welt ist seine Heimat, und nur FlugbegleiterInnen sind nach eigenen Angaben mehr unterwegs als er. Seine Wohnung in Deutschland sieht er lediglich als Basiscamp für seine zahlreichen Unternehmungen. Ausgezeichnete Reiseliteratur, die meist den Weg in die großen Namen der Printmedien-Landschaft findet. zurück nach oben
 
The Quiet American (dt.: Der stille Amerikaner)/Autor: Graham Greene (Vietnam)
 
Dieser Roman ist vor dem Hintergrund der Kriegswirren des vietnamesischen Befreiungskriegs gegen die Franzosen angesiedelt. Er handelt von der Dreiecksbeziehung zwischen einem alternden britischen Korrespondenten, dessen junger vietnamesischen Geliebten und einem idealistischen, jedoch naiven amerikanischen  Gelehrten, der sich heimlich anschickt, das politische Kräfteverhältnis in Indochina zu verändern. Es beginnt mit dem Tod des jungen Amerikaners und arbeitet die Geschehnisse retrospektiv aus der Sicht des von der Polizei des Mordes verdächtigten Journalisten auf. Das Buch gibt einen guten Einblick in das Vietnam zur Mitte des vorigen Jahrhunderts, noch vor dem berühmt-berüchtigtem Vietnam-Krieg (der aus vietnamesischer Sicht der "Amerikanische Krieg" genannt wird. zurück nach oben
 
In Retrospect. The Tragedy and Lessons of Vietnam (dt. Titel: Vietnam - Das Trauma einer Weltmacht)/Autor: Robert McNamara (Vietnam)
 
In seinem Buch schildert der frühere Verteidungsminister der USA die Beweggründe und Motive, die die Vereinigten Staaten zu ihrem Engagement in Indochina veranlassten, und in weiterer Folge zum desaströsen Vietnam-Krieg führten.  Es war ein Krieg, den in dieser Dimension niemand wollte, und der dennoch passierte. McNamara beschreibt offen, wie die Supermacht USA aufgrund politischer Fehleinschätzungen und Irrtümer in dieses Deabakel schlitterte, das Millionen von Menschen das Leben kostete. All jenen, die sich eingehender für den Vietnamkrieg interessieren, kann ich dieses Buch sehr empfehlen. zurück nach oben

A Vietcong Memoir/Autor: Truong Nhu Tang (Vietnam)

In diesem interessanten Buch beschreibt der hochrangige Vietcong und Widerstandskämpfer sein Leben und seine politische Laufbahn während der Kriegswirren im Kampf gegen die französischen Kolonialherren, und später gegen die amerikanischen Besatzungstruppen und deren Verbündete in Saigon. Aus gutem Haus stammend, wird der junge Tang nach Paris geschickt, um Recht zu studieren. Statt in die Fußstapfen der Eltern zu treten, knüpft er erste Kontakte zur intellektuellen Widerstandsbewegung des Südens gegen die ausländischen Invasoren und lernt Ho Chi Minh persönlich kennen. Er verbringt die nächsten Jahrzehnte seines Lebens als (politischer) Untergrundkämpfer in Saigon, im Dschungel und im Gefängnis. Nach dem Ende des Kriegs, gezeichnet von den langen Kriegsjahren, Gefangenschaft und dem harten Leben im Dschungel, und verbittert von den politischen Entwicklungen im Land, flüchtet er in einer Nacht-und-Nebel Aktion aus seiner Heimat.
Wer sich schon ein bisschen mit der jüngeren vietnamesischen Geschichte auseinander gesetzt hat, wird die Ereignisse noch besser einordnen können, doch auch ohne diese Vorkenntnisse gibt das Buch tiefe Einblicke hinter die Kulissen des Vietnamkriegs und in die vietnamesische Gesellschaft der damaligen Zeit. zurück nach oben
 
Ashes of Vietnam: Australian Voices/Autor: Stuart Rintoul (Vietnam)
 
Für sein Buch interviewte der Autor zahlreiche australische  Vietnam-Veteranen, die ein erschütterndes Zeugnis dieses Kriegs abgeben. Manche von ihnen konnte er nur schwer dazu bewegen, über ihre traumatischen Erlebnisse zu berichten. Auf drastische Weise erzählen sie von ihren Erfahrungen in einem Krieg, der das Lebens eines jeden Soldaten für immer veränderte. Angefangen von der Rekrutierung in Australien, bis zum Eintreffen in Vietnam, den darauf folgenden Kriegseinsätzen und schlussendlich zur Rückkehr in die Heimat, in der ihnen kalte Verachtung und Desinteresse entgegenschlägt. Viele der Überlebenden sind heute gescheiterte Existenzen, die unter den physischen und psychischen Folgen leiden. Geht unter die Haut. zurück nach oben
 
A Fortune-Teller Told Me/Autor: Tiziano Terzani (Asien)
 
Als ihm eine Wahrsagerin warnt,  im Jahr 1993 Flugzeuge zu meiden, beschließt der Journalist und Asien-Korrespondent Terzani ein Jahr sämtliche Reisen per Bus, Schiff und Bahn zurückzulegen. Auf die uralte Tradition des Wahrsagens aufmerksam geworden, konsultiert er unterwegs Wahrsager und Hellseher aus verschiedenen Kulturen, die ihm auf unterschiedliche Weise seine Zukunft lesen. Verlangsamt durch die Verwendung konventioneller Verkehrsmittel, erlebt er den von ihm so geliebten asiatischen Kontinent auf eine neue, andere Weise und kommentiert einfühlsam und mit viel Hintergrundwissen ausgestattet die unaufhaltsame Veränderung dieser vielseitigen Weltregion. Liebhabern von Asien sehr zu empfehlen. zurück nach oben
 
Burmese Days (dt. Titel:Tage in Burma)/Autor: George Orwell (Burma)
 
George Orwell beschreibt in diesem Roman das Leben britischer Expats zur Zeit der englischen Kolonialherrschaft in Burma (Myanmar).  Aufbauend auf den Hauptcharakteren dieser Erzählung, beschreibt er das Verhältnis der europäischen "Herrenmenschen", die ausschließlich unter Ihresgleichen im Klubhaus verkehren, und den Einheimischen, die für die Weißen nur Menschen zweiter Klasse sind und unter erdrückender Armut, ausländischer Dominanz und lokaler Korruption leiden. Die Hauptfigur ist der englische Holzhändler John Flory, der das Verhalten seiner europäischen Gefährten verabscheut, und dessen bester Freund ein indischer Arzt ist, sehr zum Missfallen der übrigen Europäer. Das Auftauchen der hübschen Elisabeth bringt ein Drama ins Rollen. zurück nach oben
 
Sex Slaves: The Trafficking of Women in Asia/Autor: Louise Brown (Asien)
 
Louise Brown untersucht in ihrem Buch das Phänomen der Prostitution in asiatischen Ländern, und erläutert dessen Hintergründe und Mechanismen. Auf eindringliche Weise beschreibt sie das Leben der betroffenen Frauen, die großteils unter erschütternden Bedingungen ihr Leben fristen. Verachtet von der Gesellschaft, als Ware behandelt und mit Füßen getreten. Sie beleuchtet aber auch die Rolle von Familie, Drahtziehern und Kunden, und deckt schonungslos die Heuchelei einer männerdominierten Gesellschaft auf, die den Frauen Keuschheit auferlegt und ihren eigenen Sexualdrang in den Bordellen der Städte und Dörfer auslebt. Weiters widerlegt sie den weit verbreiteten Glauben, dass Prostitution in Asien ausschließlich auf das Konto von westlichen Sextouristen geht, denn in Wahrheit sind die größten "Abnehmer" der gehandelten Frauen asiatische Männer. Ein  erschütternde Reportage, die einem den Magen umdreht und bei der man sich wiederholt die Frage stellt, wie so etwas möglich ist. zurück nach oben
 
Matchball in Moldawien/Autor: Tony Hawks (Moldawien)
 
Kein Reisebuch im engeren Sinn, aber eine unterhaltsame und wirklich schräge Geschichte. Etwas angeheitert lässt sich der irische Komiker und leidenschaftliche Tennisspieler Tony auf eine folgenschwere Wette ein: er wettet, dass er das gesamte Fußball-Nationalteam Moldawiens im Tennis besiegen kann. Und so nimmt ein höchst eigenwilliges Unterfangen seinen Lauf. Über Moldawien weiß er nichts, die Fußballspieler kennt er auch nicht, und so scheint diese Wette verloren, noch ehe sie begonnen hat. Doch Tony lässt sich nicht entmutigen und bricht in dieses bitterarme  europäische Land auf, um seine Wette zu erfüllen. Ein Lesevergnügen, das auch viel Interessantes über dieses wenig bekannte Land enthält. zurück nach oben
 
Die absolut ehrlichen und völlig schamlosen Bekenntnisse eines professionellen Reiseführer-Autors/Autor: Thomas Kohnstamm (Welt)
 
Der Amerikaner Thomas Kohnstamm bekommt überraschend das Angebot, für die neue Auflage von LP Brasilien einen Teil des Buches zu überarbeiten. Er kündigt seinen gut dotierten, aber sterbenslangweiligen Bürojob in New York, erfährt das Ende seiner Beziehung zu seiner Freundin Sydney, die von seinen neuerlichen Eskapaden überhaupt nicht begeistert ist, und bricht voller Motivation nach Brasilien auf. Mit unterdurchschnittlich viel Zeit und Geld ausgestattet (und auch unterdurchschnittlich viel Disziplin) muss er bald erkennen, dass dieser Job kein Honiglecken ist, sondern beinharte Arbeit. Wie sollte auch ein einzelner Autor innerhalb des vorgegebenen Zeitraums alle relevanten Orte, Restaurants und Hotels erkunden, dann sich obendrein ins Nachtleben stürzen und anschließend die Zeit und Energie finden, über alles detailliert zu berichten? Und so beginnt er sich als LP-Autor zu outen und Informationen aus zweiter Hand zu verwerten, was sein Leben bedeutend erleichtert. Solange er weiterhin unabhängig berichtet, spricht doch nichts dagegen, oder? Bei aller Leidenschaft fürs Reisen offenbaren sich ihm aber auch die Schattenseiten seines Gewerbes. Kaum dass sie auf der LP-Landkarte auftauchen, verwandeln sich idyllische Orte innerhalb weniger Jahre in Rummelplätze, in denen Immobilienspekulation, Kleinkriminalität, Prostitution und ein globaler Einheitsbrei die letzten Reste kultureller Identität auslöschen und die eigentlichen Einheimischen entweder vereinnahmen oder sie an den Rand der Gesellschaft vertreiben. Touristenhorden mit Reiseführern unter dem Arm folgen den skizzierten Routen und beklagen sich über mangelnde Authentizität des Landes. Bis sich Kohnstamm angesichts seiner Entdeckung eines entzückenden Orts in den Dünen selbst die Gewissensfrage stellt: Soll ich darüber berichten oder nicht? Und wenn ja, in welchem Umfang?
 
Thomas Kohnstamm berichtet in diesem Buch, mit dem er einige Diskussionen innerhalb der Branche losgetreten hat, von seinen ersten Erfahrungen als LP-Autor. Er liefert damit ein realistischeres Bild von einem vermeintlichen Traumjob, doch muss man einschränkend anmerken, dass er sicherlich nicht die disziplinierteste Persönlichkeit ist. Drogen, Alkohol, Sex und fragwürdige Bekanntschaften kommen ihm immer wieder bei seinen Bemühungen in die Quere, und er lässt sich nur allzu leicht von seinem Vorhaben ablenken. Dennoch werden sich erfahrene Reisende in ihrer mehr oder weniger großen Skepsis gegenüber Reiseführern bestätigt sehen, und neue Individualreisende ihren Reiseführer mit etwas anderen Augen betrachten. zurück nach oben

Couch Surfing - Eine abenteuerliche Reise um die Welt/Autor: Brian Thacker (Welt)

"Was sind das für Menschen, die anderen via Internet eine Couch zum Schlafen anbieten? Und muss man ein Abenteurer oder grenzenloser Optimist sein, um in der Wohnung von Fremden entspannt zu schlafen?"

Als Brian Thacker von der Internet-Plattform "www.couchsurfing.com" hört, beschließt er einen abenteuerlichen Plan: zwei Monate lang reist er um die Welt und übernachtet dabei (fast) ausschließlich auf den privaten Lagern von fremden Menschen, die ihre "Couch" im Internet anbieten. Dies spart nicht nur Geld, sondern hat einen weiteren Vorteil: wo immer er hinkommt, schließt er rasch Freundschaft mit seinen GastgeberInnen und ist überrascht und überwältigt von deren Gastfreundschaft. Und so erschließen sich ihm andere Länder auf eine Weise, die viel intensiver und unmittelbarer ist, als bei normalen Reisen. Er erhält Einladungen zu Familienfeiern von Menschen, die er gerade erst einmal ein paar Stunden kennt. In seinem Buch berichtet er auf humorvolle Weise von diesen Begegnungen und seinen Erlebnissen.
Die Fotos zum Buch gibt es auf Brian Thackers Homepage. zurück nach oben

Triffst du Buddha, töte ihn/Autor: Andreas Altmann (Indien)

Andreas Altmann reist nach Indien, um Einkehr und Klarheit zu suchen. Mit den Praktiken der Meditation bereits vertraut, landet er in einem Vipassana-Camp eines indischen Gurus. Dort heißt es dann sitzen, sitzen und abermals sitzen, zehn Stunden pro Tag, in völliger Stille. Die körperlichen Qualen, die umherstiebenden Gedanken und die spartanischen Lebensbedingungen - eigentlich eine Zumutung. Doch er mutet es sich zu, und mit der Zeit macht es ihm Mut. Mut zu einem achtsameren Leben, zu mehr Lebensfreude, und zu der Selbsterkenntnis, dass nicht ein jeder zu einem Buddha geboren ist. Noch nicht?

Ein offenes, selbstkritisches Buch, das vermutlich viele Leser anspricht, die selber auf dem spirituellen Pfad wandeln, von der "Erleuchtung" aber - wie die meisten - noch sehr weit entfernt sind. Der Autor, angetrieben von einer unbändigen Sehnsucht nach Leben, setzt sich mit dem Buddhismus, aber auch anderen Weltreligionen, sehr kritisch auseinander, um sich am Ende einzugestehen, dass auch kleine Schritte einen Fortschritt bedeuten. Nebenbei erfährt man aber auch so manches über Indien selbst, diesem Land zwischen Zauber und Wahnsinn. zurück nach oben

Chinesische Heilküche/Autoren: Xiaoyan Zhang und Barbara Rias-Bucher (Ernährung)

Dieses Buch befasst sich mit ganzheitlicher Ernährung im Sinne der traditionellen chinesischen Medizin. Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen der chinesischen Ernährungsphilosophie bietet das Buch zahlreiche Rezepte, die in bestimmten Situationen besonders gut tun, und bietet auch eine Übersicht über die gebräuchlichsten Lebensmittel und deren Wirkung auf den Körper. Auch ein gutes Nachschlagewerk. zurück nach oben

Ernährung nach den fünf Elementen/Autor: Barbara Temelie (Ernährung)

Dieses Buch war mein Einstieg in die fernöstliche Ernährungsphilosophie, und hat mein Leben nachhaltig verändert. Zusammen mit meinem neu entflammten Interesse für das Kochen half es mir, die Wirkungen von Lebensmitteln auf unseren Körper besser einzuschätzen, und ein ganz neues Bewusstsein für die Funktionen des Körpers zu entwickeln. Auch mein Geschmackssinn hat sich völlig verändert, ist viel ausgeprägter und differenzierter geworden, und hat eine Abkehr vom modernen Zivilisationsfraß hin zu frischem, selbst gekochtem Essen ausgelöst. Sehr zu empfehlen für alle Körperbewussten und jene, die es noch werden wollen. zurück nach oben

Understanding Vietnam/Autor: Neil L. Jamieson (Vietnam)

Ein sehr interessantes Buch über die Psyche Vietnams und seiner Menschen. Der Amerikaner Jamieson hat viele Jahre in Vietnam verbracht, die Sprache gelernt und die Kultur studiert, und dabei mit vielen Leuten, die ihm begegnet sind, Gespräche geführt. Er erklärt die Geschichte des Landes, seiner Literatur und seine gesellschaftliche und politische Transformation, die es im Lauf der Jahrhunderte durchgemacht hat. Es ist ein Versuch, die Denkmuster, Werte und sozialen Modelle der Vietnamesen zu beleuchten und zu erklären, warum diese Menschen sich in vielen Dingen so anders verhalten, als wir es nach westlichen Maßstäben gewohnt sind. Warum das Aufeinandertreffen von Menschen des Westens und des Ostens so oft von (teils fatalen) Missverständnissen geprägt ist, sowohl in internationalen politischen, als auch wirtschaftlichen Beziehungen.
Obwohl sich das Buch ausschließlich mit Vietnam beschäftigt, so sind dessen Erkenntnisse im Wesentlichen auch auf Vietnams Nachbarn übertragbar. Es stellt eine wertvolle Hilfe für all jene dar, die sich während eines Besuchs dieser Länder wiederholt gefragt haben, warum sie gewisse Verhaltens- und Denkweisen einfach nicht verstehen. Jamieson gibt (nicht zuletzt an Hand vieler ausgewählter Gedichte und Textbeispiele vietnamesischer Literatur) eine umfassende und profunde Antwort darauf. zurück nach oben

Die Wette/Autoren: Steve Hely & Vali Chandrasekaran (Welt)

Die beiden in Los Angeles ansässigen Drehbuchautoren und langjährigen Freunde haben eines Tages eine schräge Idee: Spontan beschließen sie, ein Wettrennen rund um den Globus zu veranstalten. Ohne Flugzeuge zu Hilfe zu nehmen, jeder in eine entgegengesetzte Richtung. Start- und Zielpunkt: Los Angeles. Ihr Wetteinsatz: eine teure Flasche Scotch. Dabei erleben sie eine Menge witziger und teils auch haarsträubender Episoden. In ihrem Buch beschreiben sie abwechselnd ihre Erlebnisse auf eine sehr unterhaltsame und witzige Art und man erfährt manch kurioses Detail über die besuchten Länder und deren Bewohner. zurück nach oben

I love Dollars/Autor: Zhu Wen (China)

Eine Sammlung von sechs Kurzgeschichten des chinesischen Autors, die von verschiedenen jungen Männern handeln, die in skurrile Situationen geraten und dem Handeln ihrer Mitmenschen auf teils groteske Art und Weise ausgeliefert sind (oder sich so fühlen). Die Geschichten drehen sich um ganz alltägliche Situationen, die den gesellschaftlichen Wandel in China beleuchten und dem Leser auch einen Einblick in gesellschaftliche Konventionen und Zwänge dieses Landes vermitteln.
Die Erzählungen wirken zwar teils ziemlich überzeichnet, zeichnen aber erfolgreich das Bild von einer Gesellschaft, die sich eingezwängt zwischen kommunistischer Ideologie und materialistischen Exzessen neu finden muss.  zurück nach oben

Buddha hat Aua/Autor: Jörg von Rohland (Deutschland/Vietnam)

Der deutsche Journalist Jörg von Rohland hat in Vietnam ganz Ähnliches erlebt wie ich. Auch er hat in Vietnam seine jetzige Frau Cuc kennengelernt und sie geheiratet. Nach dem Umzug nach Deutschland leben sie nunmehr in Bayern mit ihren drei Kindern. Ich habe das Buch in zwei Tagen ausgelesen, wobei ich natürlich einen ganz besonderen Bezug zu der Geschichte habe. Viele Dinge und Begebenheiten in seiner Erzählung habe ich selbst erlebt, und seine Anekdoten haben bei mir und meiner Frau Ha viele Erinnerungen geweckt (siehe "Plötzlich in Vietnam"). Aber auch für den unvoreingenommenen Leser bietet die Lektüre gute Einblicke in die Schwierigkeiten, die sich im Zuge einer interkontinentalen Eheschließung ergeben, aber auch, wie man diese durch Beharrlichkeit und dem Glauben an eine gemeinsame Zukunft schlussendlich überwindet.  zurück nach oben

Balzac und die kleine chinesische Schneiderin/Autor: Dai Sijie (China)

Ein autobiografischer Roman, der den Leser in die Welt der chinesischen Kulturrevolution unter Mao entführt. Zwei junge Burschen, Söhne Intellektueller, werden zur Umerziehung in ein abgelegenes Dorf geschickt. Dort sollen sie sich dem harten Leben der Dorfbewohner unterwerfen und lernen, harte körperliche Arbeit zu verrichten. Im kommunistischen China unter Mao sind Bücher aus dem Westen streng verboten. Als sie bei einem Leidensgenossen aus der Stadt einen Koffer voller Bücher entdecken, stehlen sie den Inhalt und verschlingen gierig alles, was ihnen zwischen die Finger kommt. In einem benachtbarten Dorf lernen sie ein junges Mädchen kennen, welches wie ihr Vater, der Schneider der Gegend, in der Heim-Schneiderei arbeitet. Luo, der ganz besonders von ihr angetan ist, liest ihr aus den Büchern vor und entführt sie in eine neue, unbekannte Welt. Die entstehende Romanze endet aber anders, als er sich das vorgestellt hat.

Ein gutes Buch (Buch des Jahres der Aktion "Eine Stadt. Ein Buch" in Wien), das daran erinnert, dass persönliche Meinungs- und Redefreiheit nicht überall selbstverständlich sind.  zurück nach oben

Notes from a Small Island/Autor: Bill Bryson (Großbritannien)

Nach mehr als 20 Jahren, die der amerikanische Schriftsteller Bryson in seiner Wahlheimat England verbracht hat, beschließt er mit seiner Familie nach Amerika zu gehen. Zuvor unternimmt er noch eine mehrwöchige Rundfahrt durch Großbritannien, während derer er bekannte und für ihn neue Plätze besucht und in seiner typischen Manier kommentiert und mit teils interessanten, teils kuriosen Statistiken und Anekdoten illustriert.
Ein typischer Bryson. Obwohl es einer der schwächeren Bücher ist, die ich von ihm gelesen habe, nimmt es den Leser auf eine durchaus unterhaltsame Reise durch die britische Insel mit. Vielleicht hatte ich nach bereits mehreren Büchern, die ich von ihm gelesen habe, auch nur das Gefühl, alles schon in ähnlicher Form mal gelesen zu haben. Aber es ist dennoch eine empfehlenswerte Lektüre, wer launige Beobachtungen einer trockenen Reisebeschreibung vorzieht.  zurück nach oben

Escape from Camp 14/Autor: Blaine Harden (Nordkorea, Südkorea)

Shin Dong-Hyuk kommt in einem nordkoreanischen Gefangenenlager zur Welt und wächst dort völlig von der Welt abgeschottet unter fürchterlichen Bedingungen auf. Spitzeleien, Misstrauen, Prügel, Folter, Hinrichtungen und bedingungsloser Gehorsam bestimmen den Alltag der Insassen. Zu seinen leiblichen Eltern, die beide für das lagerinterne "Reproduktionsprogramm" zusammengebracht wurden, hat er ein distanziertes Verhältnis. Leben bedeutet freudloses Dahinvegetieren, der Gedanke an die nächste Mahlzeit tagesbestimmend. Als seine Mutter und sein älterer Bruder einen Fluchtversuch wagen, verrät er sie an den Schulwart und muss - nach Folter und Gefängnis - ihre Exekution beobachten, freilich ohne Schuldgefühle. Als jungem Mann gelingt ihm später eine unglaubliche (und auch unwahrscheinlich anmutende) Flucht durch ein ihm fremdes Nordkorea über die chinesische Grenze, bis er Jahre später nach Südkorea gebracht wird. In Amerika wird er schließlich zur Speerspitze der Anti-Nordkorea-Aktivisten mit dem Ziel der Abschaffung der Arbeitslager wie Camp 14.

Eine schonungslose Erzählung des Lebensalltags in einem der härtesten Arbeitslager Nordkoreas. Die Brutalität der Wärter, die Hoffnungslosigkeit, die Apathie, der Hunger - das alles geht verdammt unter die Haut. Desöfteren stellt man sich die Frage, wie es möglich ist, dass Menschen zu solchen Greueltaten fähig sind. Shin's Biografie ist ein Einzelschicksal. Die meisten kommen nicht annähernd so weit.  zurück nach oben

Emergency Sex/Autoren: Kenneth Cain, Heidi Postlewait and Andrew Thomson (Welt)

Drei junge Menschen kommen in den Neunziger-Jahren auf ganz unterschiedlichen Wegen zum UN-Dienst, der sie in die Zentren der größten humanitären Katastrophen führt. Angetrieben von ihrem Idealismus setzen sie sich für die Ziele der United Nations ein, müssen aber im Laufe der Jahre nicht nur abscheuliche Misshandlungen und Tötungen mitverfolgen, sondern auch brutal erkennen, dass die UN de facto eine zahnlose Maschinerie ist, deren krasse Fehleinschätzungen und Passivität den betroffenen Menschen in den Krisengebieten eine scheinbare Sicherheit vorgaukelt, sich aber sofort zurückzieht, sobald es ernst wird. Im Laufe der Seiten wird aus einem Buch, das den Alltag der UN-Mitarbeiter schildert, eine Anklage an eine Organisation, bei der das Ziel, Frieden zu schaffen, oft zu einem Lippenbekenntnis verkommt.
Jeder der drei AutorInnen schildert das Erlebte aus seiner/ihrer Perspektive, wobei ein chronologischer Zeitstrang eingehalten wird. Phasen höchster Anspannung bis an die Grenzen der Belastbarkeit wechseln sich mit süßem Partyleben in den jeweiligen Enklaven der UN-Angestellten. Dennoch wird klar, dass diese Art der Tätigkeit an psychologische Grenzen geht, wobei es meist die hohe Politik ist, die ein effektives Vorgehen verhindert.  zurück nach oben
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 04. August 2013 um 20:14 Uhr
 



Die Geschichten schreibt das Leben selbst. Der Autor fasst sie nur in Worte.

  




 

Fotogalerien

Schon gelesen?

Ich habe einen großen Schuldenberg angehäuft im letzten Leben. Sagte der buddhistische Mönch meiner Frau. Das ist auch der Grund für die Probleme, mit denen ich schon Zeit meines Lebens kämpfe.

Weiterlesen...