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Länder und Sitten Asien PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Albert Karsai   
Montag, den 29. Juni 2009 um 16:05 Uhr
Stimmt es, dass…

…man sich in Thailand schnell Ärger einhandelt, wenn man das Königshaus beleidigt?

Und ob. Den König zu beleidigen wird mit einer Gefängnisstrafe geahndet, da sind die Thais gar nicht zimperlich. Einige Aufsehen erregende Fälle ausländischer Übeltäter hat es schon gegeben. Was genau unter Majestätsbeleidigung fällt, da gehen die Meinungen wahrscheinlich auseinander (zwischen Thailand und dem Rest der Welt), aber einen Geldschein zu zerreißen oder darauf herumzutreten kann ins Auge gehen. Auch sollten provokante Gesten in Richtung Portraits der Königsfamilie oder beleidigende Aussagen tunlichst vermieden werden. Niemand erwartet, dass Sie dem König huldigen, aber erweisen Sie ihm den gebührenden Respekt.

…buddhistische Mönche nach Mittag nichts mehr essen?

Prinzipiell ja. Die Mönche nehmen in der Früh ein einfaches Frühstück ein und gehen am Vormittag mit ihren Opferschalen auf Almosengang, die von den Einheimischen bereitwillig mit Lebensmitteln gefüllt werden. Zu Mittag nehmen Sie dann im Tempel die letzte feste Nahrung des Tages ein. Allerdings ist es den Mönchen danach noch gestattet, Tee, Fruchtsäfte oder auch Obst zu sich zu nehmen.
Dies wird allerdings in verschienen Ländern unterschiedlich gehandhabt und wird in dieser Form meines Wissens nur in Südostasien (mit Ausnahme Vietnams) praktiziert. In Korea verbrachte ich zwei Tage in einem Tempel (nachzulesen in „Die größten Maulwurfshügel der Welt“), und dort wurden die Mönche dreimal täglich in Form eines vegetarischen Essensbuffet versorgt.

…buddhistische Mönche nicht um Geld betteln?

Üblicherweise „betteln“ Mönche nicht um Geld, es ist Ihnen sogar untersagt (eine der vielen Regeln), aber das gilt streng genommen wieder nur für die buddhistischen „Kernländer“ Südostasiens. In Vietnam bin ich wiederholt von Mönchen (?) um Geld gebeten worden, was ich stets ablehnte (aus obigen Gründen). Bedenken Sie: Mönche betteln nicht am Abend, und schon gar nicht um Geld, und für gewöhnlich auch nicht in Touristengegenden. Sie gehen frühmorgens auf Almosengang, zu einer Zeit also, zu der der durchschnittliche Tourist noch nicht aus seinem Koma erwacht ist. Auch sollten Ihnen Mönche mit schulterlangem Haar oder Designeranzug verdächtig vorkommen. In solchen Fällen handelt es sich um Gauner, die die Gutgläubigkeit der Touristen ausnutzen. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und eine Robe keinen Mönch.

…buddhistische Mönche über 200 Regeln lernen und befolgen müssen?

Das ist richtig. 227, um genau zu sein. Allerdings trifft das nur auf ordinierte Mönche zu, die sich auf Lebenszeit dem Mönchsleben verpflichten. Das ist auch verständlich, denn um alle Regeln auswendig zu lernen, braucht es halt ein wenig Zeit. Auf die zahlreichen „Kurzzeit-Mönche“ trifft das nicht zu. In Thailand, Kambodscha und Laos ist es beispielsweise üblich, dass männliche Familienmitglieder (Kinder und Erwachsene) für einige Wochen oder Monaten einem Orden beitreten, um „Verdienste“ für die Familie zu sammeln. Ihr Ordensleben ist weniger strikt als jenes der ordinierten Mönche.

Auf den folgenden Internetseiten können die Regeln nachgelesen werden:

http://www.palikanon.com/vinaya/patimokkha/index.htm (deutsch)
http://www.accesstoinsight.org/tipitaka/vin/sv/bhikkhu-pati-intro.html (englisch)

…du selber aus obengenannten Gründen keinem Tempel beitreten möchtest?

Darauf können Sie Gift nehmen! Die Kombination aus (1) Aufstehen um vier Uhr morgens, (2) kein Essen nach Mittag, (3) kein körperlicher Kontakt zu Frauen und (4) ein Leben nach 227 Regeln ist in meinen Augen das schlechteste Verkaufsargument, das ich jemals gehört habe. Es lässt sogar die Lockangebote der katholischen Kirche blass aussehen.

…man in Singapur verhaftet wird, wenn man auf der Straße einen Kaugummi ausspuckt?

Ganz so schlimm ist es nicht. Aber man muss mit einer saftigen Strafe rechnen. Außerdem müssen Sie dann erklären, wo Sie den Kaugummi herhaben, denn Einfuhr und Verkauf sind untersagt (siehe dem Link weiter unten). Tatsache ist, dass die Stadt fast schon unwirklich sauber ist. Kein Wunder, sieht man sich die Verbotsliste an. So ist zB. Essen und Trinken in der U-Bahn strikt untersagt. Sofern Sie sich nicht vor Reiseantritt genauestens informiert haben, würde ich an Ihrer Stelle überhaupt nicht zu sich nehmen oder von sich geben. Es kann im schlimmsten Fall gegen Sie verwendet werden.

http://www.singapur-reiseinfo.de/Gebote_-_Verbote/gebote_-_verbote.html

…die Vietnamesen die diszipliniertesten Verkehrsteilnehmer der Welt sind?

Vergessen Sie diesen Unsinn, aber rasch! Das glauben ja noch nicht einmal die Vietnamesen selbst.

…Zeit in Asien relativ ist?

Nicht nur in Asien, aber ganz besonders dort. So haben die Thailänder beispielsweise eine eigene Zeitrechnung, die sie parallel zum weltweit üblichen System verwenden. Sie sind uns quasi ein paar hundert Jahre voraus. Auch sonst ist im Alltag vieles relativ. So dauert es etwa in manchen Ländern relativ lange, um hundert Straßenkilometer zurückzulegen. Um von Hanoi ins 93 km entfernte Ninh Binh zu gelangen (auf einem Highway, wohlgemerkt), benötigt man in einem Minibus knapp zwei Stunden. Die nicht einmal vierhundert Kilometer lange Strecke von der laotischen Hauptstadt Vientiane hinauf in die Berge zur alten Königsstadt Luang Prabang erfordert viel Durchhaltevermögen, ist man doch satte zwölf Stunden unterwegs. „Eine Ewigkeit“, was in unseren Breitengraden soviel bedeutet wie, dass etwas sehr lange dauert oder überhaupt nie stattfindet, ist in Südostasien eine durchaus übliche Zeiteinheit. Dafür geschehen Dinge in Japan oder Südkorea relativ schnell. In der Zeit, in der ein Koreaner seine kochendheiße Suppe gelöffelt hat, ist Ihr Gericht gerade auf Esstemperatur angekühlt.

…alle asiatischen Länder eigene Schriftzeichen haben?

Viele, aber nicht alle. In Indonesien, Malaysia und Vietnam beispielsweise benutzt man das lateinische Alphabet. Damit es aber nicht zu einfach wird, fügen die Vietnamesen etwa eine Reihe verschiedener Lautzeichen dazu, welche die genaue Aussprache festlegen und den Ausländer endgültig in ein verbales Vakuum stoßen. Glücklicherweise sind für alle asiatischen Sprachen auch romanisierte Schreibweisen verfügbar. Das erleichtert dem Touristen die Orientierung geringfügig, bloß verstehen Sie die meisten Einheimischen nicht.


…Nordkorea das skurrilste Land der Welt ist?

Ich weiß nicht, ob es das skurrilste ist, aber skurril ist es, soviel steht fest. Oder ist es normal, dass Kim Il-Sung, der Vater des „geliebten Führers“ Kim Jong-Il, noch immer Präsident ist, obwohl bereits seit 1994 verstorben. Dass das Land nun von seinem Sohn regiert wird, der in seiner Freizeit gerne mit Atomwaffen spielt und auch ansonsten wenig rationales, vernunftgesteuertes Verhalten zeigt, macht es auch nicht gerade umgänglicher.
Trotzdem sind Reisen nach Nordkorea möglich. Sie können sich zwar nicht frei bewegen und werden stets von zwei Aufpassern (Tourguides) begleitet, dennoch dürfen Sie im Vorhinein genehmigte Ziele besuchen, der vorgetragenen Propaganda lauschen und in teuren, staatlichen Hotels nächtigen. Na, ist das ein Deal?

…die thailändische Küche die beste der Welt ist?

Wenn Sie mich fragen: JA. Diese Vielfalt an Gewürzen und die Ausgewogenheit der Geschmacksrichtungen sind ein Fest für die Sinne. Wem allerdings schon beim Anblick einer Chilischote die Luft wegbleibt, sollte vielleicht lieber doch bei den herkömmlichen Gerichten bleiben oder bei McDonald’s essen.

…Asiaten eine Sonnenallergie haben?

Die Beobachtung asiatischer Mitbürger in Asien legt dies nahe. Speziell Frauen unternehmen alles Menschenmögliche, ihre Haut nicht dem direkten Sonnenlicht auszusetzen. Schließlich gilt eine dunkle Hautfarbe als unschick. Sonnenschirme, armlange Handschuhe im Sommer und bis zur Unkenntlichkeit maskierte Gestalten sind auf den Straßen ein alltäglicher Anblick. Sonnencreme unter Faktor 30 ist in Vietnam kaum erhältlich. Bei meiner besseren Hälfte ist das nicht anders. Eher überrede ich Graf Dracula dazu, ein Sonnenbad zu nehmen, als dass sie im Sommer zur Mittagszeit die Nasenspitze ins Sonnenlicht hält. Der Kontrast ist besonders frappierend beim Besuch eines öffentlichen Pools. Während sich unter Tags fast ausschließlich westliche Touristen am und im Pool vergnügen, kommen die Vietnamesen meist erst nach vier Uhr nachmittags. Dann aber in Massen.

…Asiaten kein Milcheiweiß vertragen?

Angeblich verträgt die Mehrheit der Weltbevölkerung kein Milcheiweiß. Ich kann dazu keine wissenschaftliche Studie vorlegen, aber in Vietnam findet man Milch und Milchprodukte wie Joghurt fast überall, selbst in Gegenden, wo kaum Ausländer hinkommen. Folglich müssen die Einheimischen eine gewisse Menge selbst konsumieren. Würden sie es nicht vertragen, so würden sie es wohl nicht tun (auch diese Behauptung kann ich leider durch keine wissenschaftlich approbierte Studie untermauern). Es spielt aber auch keine Rolle. Oder sind Sie der Marketing-Manager einer Molkerei mit weltweiten Exportgelüsten?
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 11. Januar 2011 um 21:51 Uhr
 



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