Zufall oder Schicksal? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Albert Karsai   
Mittwoch, den 17. Juni 2009 um 14:23 Uhr
Dies ist keine schrille Geschichte. Es ist eine Komposition aus leisen Tönen, gesponnen aus den kleinen Dingen des Alltags, die das Leben erst lebenswert machen. Begebenheiten und Begegnungen, die keinen Erdrutsch auslösen, aber eine Lawine ins Rollen bringen können. Und uns mit der Frage konfrontieren, wie vorherbestimmt unser Leben in Wirklichkeit eigentlich ist.

Es gibt Begegnungen, die einen schwer an Zufall glauben lassen. Dabei muss es sich nicht einmal um schicksalshafte Begegnungnen handeln, wenngleich sich die wahre Bedeutung eines Ereignisses oft erst Jahre später zeigt. Aber in manchen Situationen glaube ich einfach nicht an Zufall, ungeachtet aller statistischen Berechnungen, die diese Erklärung zu untermauern versuchen. Unser erstes Zusammentreffen ereignete sich in Kampot, einer verschlafenen Provinzhauptstadt im Süden Kambodschas. Ich sondierte das Tour-Angebot in der Umgebung, doch es wollte einfach keine organisierte Tour zustande kommen. Touristen gab es genug, aber wer zu zweit oder zu dritt unterwegs war, mietete sich einfach einen Tuk Tuk oder ein Boot. Ich als Einzelreisender schaute wieder einmal durch die Finger. Nach einigem Suchen fand ich dann einen Tour-Operator, der einen Auftrag von zwei Personen an Land gezogen hatte, und der mir die Möglichkeit in Aussicht stellte, mich ihnen anzuschließen. Am nächsten Tag brachte man mich zu einem kleinen Fischerboot, welches am Ufer des Kampot vor Anker lag und sanft auf den Wellen hin- und herschaukelte. Der Besitzer des Bootes, ein wettergegerbter Mann mittleren Alters, startete den Motor, und begleitet vom Hämmern des Dieselaggregates steuerten wir den Fluss stromaufwärts. Drei Brücken weiter näherten wir uns dem anderen Ufer, um die beiden anderen Fahrgäste an Bord zu nehmen. Sie bewohnten eine idyllische kleine Bungalow-Anlage, deren äußerste Hütten direkt auf dem Wasser schwammen. Wer mit dem falschen Fuß aufstand, hatte die Dusche schon erledigt.

In das Boot stiegen ein Mann um die Vierzig, mit kurzen schwarzen Haaren, Dreitagesbart und einem spitzbübischen Funkeln in den Augen. In seiner Begleitung kam eine Frau von ähnlichem Alter, mit einem erfrischend unkonventionellen Äußeren, denn ihre langen dunklen Haare waren zu schmalen Zöpfen geflochten. Ich wusste nicht, wie sie auf mein Erscheinen reagieren würden, denn sie hatten den Ausflug als Privattour gebucht, doch ich fühlte mich auf Anhieb willkommen. Sie hatten keine konkreten Pläne geschmiedet. Ein wenig den Fluss stromaufwärts fahren, vorbei an mangrovengesäumten Ufern, ein kleiner Zwischenstopp hier und da, nach Lust und Laune, bereit, sich durch den Tag treiben zu lassen. Beide befanden sich auf einer mehrmonatigen Reise. Yorron lebte in Amerika und unterrichtete Yoga, war aber gebührtiger Israeli. Melanie war aus Australien. Beide waren Reisende von jener Sorte, die die Dinge langsam angehen und sich die Zeit nehmen, ihre Umgebung zu entdecken, anstatt in klimatisierten Tourbussen von einer Attraktion zur nächsten zu hetzen. Und beide waren das erste Mal in Südostasien.

Speziell Yorron war hingerissen von der Landschaft, den Leuten, und dem gemächlichen Tempo, in dem die Uhren tickten. “Es ist wunderschön”, wurde er nicht müde zu betonen, und freute sich wie ein kleines Kind über jede neue Entdeckung. Die Menschen auf den vorbeikommenden Booten begrüßte er in der typischen Manier der Khmer, die Hände vor der Brust zusammengefaltet und eine leichte Verbeugung angedeutet. Die Erwachsenen erwiderten seinen Gruß, die Kinder winkten fröhlich und riefen “Hello”. Er war glücklich. Er erinnerte mich an meine ersten Tage und Wochen in Asien, als ich verzaubert war von all den neuen Eindrücken, der großartigen Landschaft, den exotisch anmutenden Bauwerken, dem chaotischen Treiben auf den Märkten, und der zurückhaltend freundlichen Art der Einheimischen. Man taucht in eine neue, fremdartige Welt ein und fragt sich, ob diese bunte Vielfalt nicht erstrebenswerter ist als der Alltag, der einen zu Hause gefangen hält. Man beginnt zu vergleichen und zu träumen. Und mit jedem neuen Land, in das man seinen Fuß setzt, beginnt das Spiel von vorne. Eine mehrstündige Busfahrt oder Flugreise genügt, um die Karten neu zu mischen. Die charmante Diversität innerhalb Europas findet man auch hier, man muss nur genau hinsehen. Allzuleicht wirft man Thais, Khmer, Laoten und Vietnamesen in einen Topf, ganz zu schweigen von den zahlreichen Minderheiten, die der durchschnittliche Tourist meist nur im Rahmen von “Freakshows” zu Gesicht bekommt.
    
Unser Gespräch kreiste zunehmend um das Thema Glück und Schicksal. Woraus bestand Glück? Wovon hing es ab? Wer war glücklicher, die Menschen hier, die unter teils sehr einfachen und zumeist sehr beschwerlichen Bedingungen ihr Dasein fristeten, dafür aber über Zeit, Beschaulichkeit und viel Familie verfügten, und für die zeitlicher Stress ein Fremdwort war? Oder die Menschen der westlichen Wohlstandsgesellschaften, von denen die meisten wirkliche materielle Sorgen kaum noch kannten, denen es dafür jedoch an jenen Dingen mangelte, die Leute woanders im Überfluss besaßen? Ließ sich diese Frage überhaupt so pauschal beantworten? Ich denke nein. Yorron war davon überzeugt, dass die Leute hier glücklicher waren. Ich konterte mit dem Argument, wonach die teils paradiesischen Lebensbedingungen leicht darüber hinwegtäuschten, dass viele Bewohner extrem arm waren und ganz sicher kein leichtes Leben hatten. Dass Glück und Zufriedenheit keine Frage des materiellen Wohlstands waren, darüber waren wir uns hingegen einig.

“Bist du glücklich?”, stellte mich Yorron auf die Probe. Nachdenklich starrte ich ins Wasser. “Manchmal”, erwiderte ich. “So wirklich glücklich fühle ich mich eigentlich selten, was nicht heißt, dass ich die meiste Zeit unglücklich bin. Ich denke, mir geht es da nicht anders als den meisten Menschen”. Yorron blickte mich an, und aus seinen Augen sprach Mitgefühl. “Es ist die alte Leier vom Glas, das die einen als halbvoll, und die anderen als halbleer ansehen. Du kannst dich dafür entscheiden glücklich zu sein, und du kannst dich dafür entscheiden unglücklich zu sein. Du hast die Wahl, jeden Moment deines Lebens”. Mir war dieses Denken vertraut, denn ich hatte mich schon seit Jahren mit dem Buddhismus beschäftigt, und den damit verbundenen Fragen wie das Erreichen von Glück und Zufriedenheit. Im Großen und Ganzen hatte ich das Gefühl Fortschritte zu machen, und mir war bewusst, dass sich vieles im Kopf abspielte, aber war es wirklich so einfach? Bloß eine Frage der Entscheidung? Insgeheim ahnte ich, dass dies der Wahrheit entsprach, aber diese Einstellung zu realisieren war eben das Schwierige. “Hadere nicht mir dir selbst. Es passt schon so, wie es ist. Denke nicht darüber nach, was sein könnte, sondern freue dich über das, was ist”, meinte er nur. Er hatte eine Ausstrahlung, die seinen Worten Gewicht verlieh, trotzdem wehrte ich mich innerlich wider besseren Wissens gegen diese simple Erkenntnis. Es bedeutete nichts anderes als zu hundert Prozent die Verantwortung zu übernehmen. Niemand war Schuld an deinem Unglück, nicht dein Aussehen, nicht deine Herkunft, nicht deine Erziehung, nicht deine Freunde und nicht dein Boss. Du selber bist es, doch du hast es in der Hand glücklich zu sein. Eine klare Botschaft. Schwer zu verdauen.
    
Es wurde ein schöner Tag. Einer, an dem man das Leben intensiver spürt als sonst. Wir stoppten das Boot an einer einladenden Stelle, um eine Runde zu schwimmen. Das Wasser war herrlich und spülte den Schweiß und die Sorgen hinfort. Kühlere Zonen wechselten mit warmen, an denen die Temperatur sprunghaft anstieg. Wie ein Wechselbad der Gefühle. Wie das Leben selbst. “Weißt du, wie herrlich es ist, in der Dunkelheit in diesem Fluss zu schwimmen?”, strahlte Yorron. “Es macht einen anderen Menschen aus dir. Besuch uns doch am Abend in der Bodhi-Villa und probier es selbst”. Ich tat es nicht. Am nächsten Tag fuhr ich zurück nach Phnom Penh, und die Normalität hatte mich wieder. So normal ein Aufenthalt in einem fernen Land wie Kambodscha eben sein kann. Ich verbrachtete eine weitere Woche in der Hauptstadt, den nächsten Monat in Siem Reap, und die Erinnerungen an Kampot begannen zu verblassen.

Sechs Wochen, nachdem ich Kampot verlassen hatte, befand ich mich wieder in Phnom Penh. Ich erledigte die letzten Dinge, bevor ich dem Land endgültig den Rücken kehren und nach Vietnam weiterziehen würde. Ich suchte einen Internet-Laden auf und bearbeitete meine Post. Nach einiger Zeit stand ich auf, kramte in meinem Rucksack und drehte mich um…und erblickte eine Gestalt, die mir merkwürdig vertraut vorkam. Es war Yorron, der in seine Arbeit vertieft auf seinen Bildschirm starrte. Was für ein Zufall! Er war umso bemerkenswerter, als auch er selbst erst seit einem Tag wieder in der Sadt weilte. Davor hatte er Kambodscha verlassen, und war durch Laos und Indien gereist. Die Freude war groß, währte aber nicht lange, da ich dringend ein Mail wegschicken musste und mir obendrein auch nicht viel Zeit zur Verfügung stand. Wir wendeten uns wieder unseren Bildschirmen zu und als ich ging, verabschiedeten wir uns herzlich. Das war es dann auch schon.
    
Ich traf Stacey vor dem FCC, dem Foreign Correspondents’ Club, einer der bekanntesten Adressen der Stadt. Wir hatten uns zwei Tage zuvor während der Fahrt von Siem Reap kennengelernt, und auch das war erst dadurch ermöglicht worden, weil sie ihren früheren Bus verpasst hatte. Stacey war aus San Francisco, und erst seit einigen Tagen in Kambodscha unterwegs. Das ständige Hupen des Busfahrers nervte sie noch gewaltig, dabei war es eine vergleichsweise ruhige Fahrt gewesen. Ich war Schlimmeres gewöhnt. Als wir in Phnom Penh ausstiegen, tauschten wir unsere Telefonnummern aus, da auch sie am gleichen Tag wie ich nach Vietnam weiterreisen wollte. An meinem letzten Tag in Phnom Penh rief ich sie an, um ein Treffen vorzuschlagen. Sie hatte bereits an mich gedacht und fragte mich, ob ich Lust hätte, sie und eine Bekannte zu einer kleinen Bootsfahrt auf dem Mekong zu begleiten. Danach stünden Yoga und Karaoke auf dem Programm. Meine Antwort lautete “Ja” zur Bootsfahrt, “Vielleicht” zum Yoga, und “Eher nein” zum Karaoke. Mein Verlangen, falsch singende Asiaten zu hören, hielt sich in Grenzen, und selbst wenn sie richtig sangen, hörte es sich komisch an.

Stacey kam in Begleitung einer jungen, blonden Frau mit einem ausgesprochen heiteren Naturell. Ihr Name war Heida, und sie betrieb einen kleinen Laden, in welchem sie Souvenirs verkaufte, die sie von diversen NGOs erwarb. Daneben bot sie einige weitere kleinere Dienstleistungen an, und vermietete auch ein Zimmer in ihrer Wohnung. Dort wohnte Stacey. Nach einem Drink im FCC gingen wir zum Pier und mieteten ein Boot. Die Fahrt dauerte rund eine Stunde und war nicht besonders aufregend, aber das hatte ich auch nicht erwartet. Es ging mir ohnehin mehr um die Gesellschaft. Wir besuchten eine schwimmende Siedlung am anderen Ufer des Mekong, die zu unserem Erstaunen eine Kirche ihr Eigen nannte. Weithin sichtbar stand sie auf einer Anhöhe. Natürlich machte ich einige Fotos. Diese Menschen waren das zweifelsohne gewohnt, denn ihr Leben spielte sich tagtäglich vor den Augen der Öffentlichkeit ab. Trotzdem fragte ich mich, wie die Laute bei uns wohl reagieren würden, wenn ein Tourbus nach dem anderen vor ihren Schrebergärten anhielte, und sie dutzende Touristen beim Essen, beim Schwimmen im Pool, und bei der Gartenarbeit fotografierten. Es würde Verwunderung hervorrufen, bei vielen auch Ärger. Waren diese Menschen anders?
    
Auf dem Rückweg sahen wir die Sonne hinter der Silhouette von Phnom Penh untergehen. “Kommst du jetzt mit zum Yoga”, wollte Stacey von mir wissen. “Ich weiß nicht, wo findet das Ganze statt”? “Bei uns”, erwiderte Heida. “Yorron gibt uns quasi eine Privatstunde. Es kostet auch nichts, aber er würde sich sicherlich über eine kleine Spende freuen”. Als sie den Namen des Yoga-Lehrers erwähnte, wurde ich hellhörig. “Yorron? Der Typ, der in Amerika lebt und eigentlich aus Israel stammt”, fragte ich ungläubig. “Ja, das stimmt. Kennst du ihn etwa”? Ich erzählte ihr die Geschichte von unserer ersten Begegnung in Kampot und unserem zufälligen Aufeinandertreffen im Internet-Laden. “Dann solltest du auf jeden Fall mit uns mitkommen. Das kann kein Zufall sein”, meinte Heida. Und damit war die Sache beschlossen.
   
Ich begleitete die beiden zu ihrem Domizil. Die Nacht war hereingebrochen und die Lokale entlang der Uferpromenade füllten sich mit Menschen. Heida führte uns durch ein paar Gässchen, die eine heimelige Atmosphäre ausstrahlten. Die Hitze des Tages war gewichen, und die Einheimischen saßen auf den Gehsteigen zusammen oder warteten in ihren Läden auf Kundschaft. Heidas Laden war nicht groß, aber er strahlte viel Gemütlichkeit aus. Sie hatte ihn liebevoll dekoriert, wie es zumeist nur Frauen können. Wir setzten uns an einen Tisch auf dem Gehsteig und Heida winkte einem jungen Mädchen im Restaurant auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Sie kam mit einer Speisekarte, nahm unsere Bestellungen auf und entschwand wieder über die Straße. “Wir machen das immer so”, lachte Heida. “Sie haben mich schon quasi adoptiert”. Ich lehnte mich zurück, schloss die Augen und atmete tief ein. In diesem Winkel der Stadt konnte ich das auch tun, entlang der großen Straßenzüge hätte ich aufgrund der bleihältigen Luft mit jedem Atemzug ein paar Gramm zugenommen. Ich spürte die Faszination, die davon ausging, sich für einige Zeit in einem fremden Land niederzulassen. In den vergangenen Jahren war ich wiederholt Reisenden begegnet, die ein halbes Jahr oder länger unterwegs waren, und sie imponierten mir. Bis auch ich meinen Job für ein Jahr unterbrach, die Wohnung kündigte und mein Auto verkaufte, um in Asien zu reisen. Nun interessierten mich jene, die für länger in der Ferne geblieben waren, und sich eine Existenz aufgebaut hatten. Würde ich es ihnen eines Tages gleich tun?

Nach dem Essen ging Stacey ihre Sachen packen, und ich machte es mir auf der Terrasse gemütlich. Eine Weile beobachtete ich so aus der Vogelperspektive das nächtliche Treiben auf der Straße. Dann war es an der Zeit für Yoga. Wir gingen in das Stockwerk darunter, wo Yorron bereits einem jungen Khmer eine anspruchsvolle Übung beibrachte. Ohne dass er mich kommen sah, lehnte ich mich gegen die Wand und schaute ihm zu. Als er sich zu mir umdrehte, stand ihm die Überraschung ins Gesicht geschrieben. “Wie kommst du hierher?”, begrüßte er mich mich einem breiten Grinsen. Ich begann, die Sache in groben Zügen aufzuklären, und er schüttelte verwundert den Kopf. “Ich glaube, wir müssen uns einmal unterhalten”, meinte er nur.
    
Dann begann der Unterricht. Ich hatte ihm erklärt, dass ich ein blutiger Anfänger war, aber das spielte keine Rolle. Beim Schein einer Kerze praktizierten wir unsere Übungen, und er kommentierte das Geschehen mit ruhiger, eindringlicher Stimme. Ich spürte, wie eine Welle der Freude durch meinen Körper strömte, und ich fühlte mich glücklich. Ich hatte den Tag erstmals mit dem Vorsatz begonnen, wie ein leeres Gefäß sein zu wollen, befreit von allen Vorsätzen, Plänen, Erwartungen, Wünschen und Begierden. Das Gefäß sollte mit dem gefüllt werden, was das Leben mir schenkte. Und es hatte mir reichlich gegeben. Wieder erklangen die mir schon wohlbekannten Worte durch den Raum: “Wenn ihr die Übungen nicht perfekt hinbekommt, dann macht das nichts. Verkrampft euch nicht in dem Bestreben, alles richtig machen zu wollen, sondern spürt mit eurem Körper und genießt es. Ihr könnt euch dafür entscheiden glücklich zu sein, und ihr könnt euch dafür entscheiden unglücklich zu sein. Es liegt ganz an euch, ihr habt die Wahl”. Ich entschied mich dafür glücklich zu sein, und ein entspanntes Lächeln legte sich über mein Gesicht.
    
Am Ende der Stunde spürte ich nicht nur Freude, sondern auch meine Muskeln. Ich wusste, was mir am nächsten Tag bevorstand. Ich ging mit Yorron nach unten und wir unterhielten uns eine Weile, während sich die Damen für Karaoke vorbereiteten. Er erzählte mir von seinen Plänen nach Hause zu fliegen, seine Wohnung aufzulösen, und nach Kambodscha zurückzukehren. Davor würde er aber noch eine Woche in Kampot verbringen. “Wieder in der Bodhi-Villa”, fragte ich ihn, doch ich kannte die Antwort. “Natürlich. Ich habe meinen Bungalow im Wasser bereits reserviert”, entgegnete er mit einem Augenzwinkern. Als die Mädels herunterkamen, löste sich die Runde auf. Stacey und Heida wollten singen, Yorron eine Travestie-Show besuchen, und ich zu meinem Quartier am Rande der Stadt zurückkehren. Es war bereits nach halb elf Uhr, und die Motofahrer auf den Straßen waren schon dünn gesät. Zum dritten Mal verabschiedete ich mich von Yorron, doch dieses Mal nahm ich seine Emailadresse mit. Vielleicht war es das gewesen, was ich bislang verabsäumt hatte. Ich verabschiedete mich auch von Heida und Stacey, und nahm letzterer das Versprechen ab, uns in Vietnam wiederzusehen. Dann stieg ich auf das Motorrad und entschwand in die Nacht.


(Drei Monate später traf ich in Vietnam eine Frau, was mein Leben in weiterer Folge auf den Kopf stellte. Ich beschloss in Vietnam zu bleiben, um unserer Beziehung eine Chance zu geben. Ich fand einen Job als Englischlehrer und mietete ein Haus in Hanoi, in welches wir gemeinsam einzogen. Die im Text angesprochene "Vorahnung" hatte sich eindrucksvoll bestätigt.)
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 25. Oktober 2010 um 21:48 Uhr
 



Die Geschichten schreibt das Leben selbst. Der Autor fasst sie nur in Worte.

  




 

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