Startseite Bücher und Artikel Statischer Inhalt Vorwort zu "Tuk Tuk, Sir?"
Vorwort zu "Tuk Tuk, Sir?" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Albert Karsai   
Montag, den 30. März 2009 um 04:26 Uhr

Reisen Sie gerne? Lieben Sie den Geruch exotischer Märkte, den Geschmack fremdartiger Speisen, den Duft von Räucherstäbchen und Gewürzen, und die Aufregung angesichts einer Fülle neuartiger Eindrücke? Lieben Sie das Sprachenwirrwarr in fernen Destinationen, und die Hilflosigkeit, die einen speziell in asiatischen Ländern angesichts unverständlicher Schriftzeichen und noch unverständlicherer Verhaltensmuster der Bewohner regelmäßig überkommt? Geraten Sie in Ekstase angesichts überbelegter und unterbelüfteter Schlafsäle, und genießen Sie den Nervenkitzel auf den Straßen sogenannter Entwicklungsländer? Bereitet es Ihnen diabolisches Vergnügen, mit einem viel zu schweren Rucksack beladen planlos durch die Gegend zu irren, auf der Suche nach jener Unterkunft, die in Ihrem Reiseführer besonders angepriesen wird, seit mehreren Monaten aber leider geschlossen hat? Wenn Sie mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, dann gehören Sie mit Sicherheit zu jener Sorte Reisende, die lieber auf eigene Faust ferne Länder erkunden, anstatt im All-inclusive – Klub mit dem Nachbarn von daheim zu plaudern, um anschließend beim Abendessen ein Wiener Schnitzel oder Grammelknödel mit Sauerkraut zu verdrücken. In diesem Fall werden Sie dieses Buch wahrscheinlich lieben, und sich mit Sicherheit in der einen oder anderen Situation wiedererkennen. Wenn Sie eher zu letzterer Art Urlaub tendieren, dann ist auch für Ihr Lesevergnügen gesorgt, denn dann wird Sie das Buch davon überzeugen, wie gut Sie es an Ihrem Urlaubsziel haben, und können sich königlich über Touristen wie mich amüsieren, die die Hälfte ihrer Urlaubszeit damit vergeuden, unleserliche Hinweisschilder oder Speisekarten zu entziffern, oder den richtigen Weg oder eben auch eine preiswerte, und dennoch gesundheitlich unbedenkliche Unterkunft zu finden. Sie müssen sich auch nicht bei jeder Reise überlegen, ob Sie sich auch wirklich gegen jede erdenkliche Art von Tropenkrankheit geschützt haben, und ob die Mücke, die Sie gerade gestochen hat, neben quälendem Juckreiz auch noch Malaria, Dengue-Fieber oder eine andere Form viraler Bösartigkeit verursacht. Auch ist mit Speiseunverträglichkeiten angesichts ungewohnter Nahrungsmittel und Zutaten eher nicht zu rechnen, auch wenn ich mit Schaudern an die Pizza zurückdenke, die ich während meiner ersten Reise als Rucksacktourist in Italien verspeist habe. Der verbrannte, hauchdünne Boden war sicherlich eine Delikatesse, aber meine Begeisterung hielt sich dennoch in Grenzen.

Sie sehen schon an diesen einleitenden Worten, dass ich meine Erlebnisse nicht tierisch ernst nehme, sondern mehr mit einem „Augenzwinkern“ betrachte. Es sind Geschichten zum Schmunzeln, die einerseits unterhalten sollen, andererseits aber auch eine Fülle an Eindrücken und Informationen vermitteln, wie sie konventionelle Reiseführer nicht bieten. Sie beschreiben mehr, wie es sich anfühlt, in diesen Ländern unterwegs zu sein, als den effizientesten Weg, möglichst viele Sehenswürdigkeiten innerhalb kurzer Zeit abzuhaken. Erwarten Sie aber bitte keine „Extremaktivitäten“ von mir. Ich habe nicht das Himalaya-Gebirge ohne Sauerstoffgerät bestiegen und dabei den Yeti gesehen, ich bin nicht durch den Pazifik geschwommen, ich habe nicht die Wüste Gobi auf dem Fahrrad durchquert, und ich habe auch nicht versucht, während der Mittagspause in Vietnam in ein Museum eingelassen zu werden. Wenn Sie zu dieser Art Lektüre neigen, dann muss ich Sie vielleicht enttäuschen. Ich hatte mit den ganz normalen Problemen eines einzelreisenden Touristen zu kämpfen, der sich alle Ausflüge, Transportmittel und Unterkünfte selbst organisiert, in Ländern, die selber so desorganisiert sind, dass es sich lohnt, jede erhaltene Information mindestens zweifach gegenzuprüfen. Aus der Summe der erhaltenen Auskünfte kalkulieren Sie dann einen Mittelwert, oder verlassen sich doch lieber auf Ihre Intuition. Mit zweiterer Vorgangsweise bin ich in der Regel am besten gefahren.

Apropos fahren. Mit dem Buchtitel spreche ich nicht zufällig eine Transportart an, die besonders in Thailand, Laos und Kambodscha ausgesprochen populär ist. Mit der Wahl geeigneter Transportmittel ist man als Individualtourist nahezu tagtäglich konfrontiert, und speziell das Reisen in Asien greift auf tiefschürfende Weise in den persönlichen Hormonhaushalt ein. Ist die Fahrt selber durch eine Überdosis an Stresshormonen wie beispielsweise Adrenalin gekennzeichnet, so sorgen die Endorphine danach für unbeschreibliche Glücksgefühle, die Fahrt auch unbeschadet überstanden zu haben. Gut, manchmal übertreibe ich auch ein wenig. Aber wenn Sie schon einmal auf dem Rücksitz eines Motorradtaxis in Phnom Penh oder Hanoi während der Rush Hour unterwegs gewesen sind, dann wissen Sie, was ich meine. Und sofern Sie noch nicht mit dem Rucksack auf eigene Faust in fremden Ländern unterwegs waren, so macht Ihnen diese Buch vielleicht Appetit, sich einen solchen zuzulegen, einen passenden Reiseführer zu erwerben, und sich in den nächsten Flieger zu setzen. Wählen Sie den Rucksack nicht zu groß (denn meistens nimmt man zuviel mit), und das Flugzeug nicht zu klein (sofern sie nicht in der Business-Klasse reisen), dann sollte eigentlich nicht allzu viel schiefgehen. Und dann wünsche ich Ihnen noch genauso viel Freude und aufregende (und auch lehrreiche) Erlebnisse, wie ich sie während meiner Reisen durch diesen faszinierenden Kontinent erfahren habe. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Aber passen Sie auf, dass Sie in die richtige Richtung gehen!

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 24. Oktober 2010 um 21:08 Uhr
 



Die Geschichten schreibt das Leben selbst. Der Autor fasst sie nur in Worte.

  




 

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