Startseite Aus fremder Feder Über das Reisen in Zentralamerika
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Geschrieben von: Administrator   
Montag, den 25. April 2016 um 18:38 Uhr

¡Hola! Schon als wir am Flughafen in Nicaraguas Hauptstadt Managua landen, wird uns schnell klar, dass hier einiges anders laufen wird. Spanisch spricht hier jeder, Englisch niemand. Gleiches gilt für unseren Taxifahrer Ricardo, der neben uns und unseren riesigen Rucksäcken auch noch einen Bekannten mit in seinem winzigen, in die Jahre gekommenem Toyota stopft. Im Stockfinsteren fahren wir also mit diesem rostigen Gefährt, das ordentlich schnäppert, nach Granada. Als wir zum ersten mal mitten auf der Straße etwas abrupt stehen bleiben, tun wir dies, damit das kleine weiße Auto nicht in einem immensen Loch im Asphalt verschwindet. Wir blicken zum Fenster hinaus uns sehen in der Ferne etwas rötlich schimmern. Wir glauben zuerst an ein Feuer oder eine mehr als üppige Beleuchtung. In Wahrheit handelt es sich um einen aktiven Vulkan, dessen Glut man in der Nacht besonders gut sehen kann. Zentralamerika, wir können es kaum erwarten, dich näher kennen zu lernen.


Warum es Einheimische „loco“ finden, dass du hier bist

In den ersten beiden Wochen in Zentralamerika machen wir einen Spanischkurs. Schließlich möchten wir uns ja mit den Menschen hier unterhalten können. Vier Stunden täglich werden wir im Einzelunterricht von eifrigen Lehrerinnen bei 35°C ausschließlich auf Spanisch befeuert. Dass uns nach jedem Tag sprichwörtlich der Kopf raucht, muss ich wohl nicht extra aufführen. Neben der Sprache lernen wir auch einiges über die Lebensweise der Frauen, die es im übrigen absolut verrückt (span. loco) finden, dass wir durch Zentralamerika reisen. Bandenkriminalität ist ein echtes Problem, genauso wie Armut und der damit einhergehende Hang zum Alkoholismus. So kommt es also, dass mir meine Spanischlehrerin am ersten Tag (!) auf diesem für mich neuen Kontinent eindringlich davon abrät, mich an den Strand zu begeben, da dort regelmäßig Menschen das Zeitliche segnen. Sie erklärt mir zwar, dass die meisten „Nicas“ (Kurzform für Nicaraguaner) dort aufgrund einer Mischung aus exzessivem Alkoholkonsum und nicht vorhandenen Schwimmkenntnissen ertrinken, dennoch würden Touristen ja ohnehin ständig ausgeraubt und/oder bedroht. Das Gesprächsthema blieb den ganzen Vormittag dasselbe, was dazu geführt hat, dass ich beim Mittagessen bereits mit dem Gedanken gespielt habe, dieses Land fluchtartig zu verlassen. Aber wie ist es nun wirklich?




Städte, die einen schlechten Ruf haben

Klar gibt es sie. Die Städte, die bis auf einen schlechten Ruf und überteuerte Hotels nichts zu bieten haben, weshalb sie meist nur als Transporthub Verwendung finden. Zu den wohl gefährlichsten Pflastern in Zentralamerika zählen San Pedro Sula in Honduras sowie El Salvadors Hauptstadt San Salvador, die allerdings aufgrund hoher Bandenkriminalität, der sog. „Maras“, für Einheimische gefährlicher sind als für Touristen.


Zentralamerika ist sicher, doch Gelegenheit macht Diebe

Doch nicht jedes Land in Zentralamerika hat einen schlechten Ruf. So gelten beispielsweise Mexiko, Costa Rica oder auch Nicaragua als sicher und sind zudem wundervolle Reiseziele. Wir wurden bisher weder bestohlen noch wurden wir auf irgend eine Weise bedroht. Auch unsere großen Rucksäcke sind schon mehrmals am Dach eines „Chicken-Buses“ mitgefahren, ohne das danach etwas gefehlt hätte. Natürlich wird dir am Markt ein höherer Preis verrechnet und auch für Busfahrten zahlst du schnell mal Touristensteuer. Doch all das ist für Vielreisende nichts Neues und solange es dir und deinem Reisebudget nicht weh tut, auch vollkommen in Ordnung. Dennoch sind wir hier weitaus wachsamer als im super-sicheren Asien und ich gebe zu, dass wir unser Glück nicht sonderlich herausfordern.

Die Distanzen sind nicht weit und du solltest hier auf renommierte Unternehmen vertrauen, um deine langersehnte Rundreise durch Zentralamerika auch wirklich genießen zu können. Zudem kann es sich gerade bei Langstrecken wirklich lohnen etwas mehr Geld für den Transport zu zahlen. Besonders Honduras hat sich mit Horrorgeschichten zu Busüberfällen eine gewisse negative Publicity erarbeitet, weshalb es hier auf Teilstrecken sogar Busunternehmen gibt, die mit bewaffneter Security reisen. In Zentralamerika musst du einfach manchmal öfter deinen Kopf einschalten und auf deine Wertgegenstände aufpassen. Sei also vorsichtig, lasse dir aber bitte nicht den Spaß an diesem wundervollem Ort verderben, der es in jedem Fall wert ist bereist zu werden.

Shuttle Bus


Was du besser lassen solltest

In Zentralamerika kannst du es dir nicht leisten leichtsinnig mit deinen Wertgegenständen umzugehen. Lässt du dein Handy am Tisch kurz unbeobachtet liegen, musst du damit rechnen, dass es weg ist. Gleiches gilt für deinen Rucksack, wenn du ihn unbeobachtet im Überkopffach im Bus verstaust. Gerade dann, wenn du deine neue Kamera oder auch dein Bargeld darin deponiert hast. Eine Geldkatze, die wirklich nicht stört und auffällt, ist für Reisepass und Geld immer eine gute Idee. Wer nachts betrunken am Strand spazieren geht, der ist selbst schuld und wem sein prall gefülltes Portmonee halb aus der Hosentasche fällt, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen. Wedle am besten nicht mit dem neuesten I-Phone Modell vor der Nase deines an der Armutsgrenze existierenden Taxifahrers herum und gehe bitte nicht betrunken alleine nach Hause.

Du hörst hoffentlich den Tenor, der bei all diesen gängigen Diebstählen mitschwingt. Und ja, uns haben andere Reisende von Diebstählen berichtet. Dennoch war hier immer der Bestohlene selbst Teil des Problems. Wie schon gesagt, einfach Kopf einschalten, dann bist du auf der sicheren Seite.


„Semana Santa“ oder die Woche der Betrunkenen

In der Osterwoche beginnend ab Palmsonntag bis Ostersonntag herrscht wohl überall in Zentralamerika der Ausnahmezustand. Jeder bekommt Urlaub und nutzt die Gelegenheit, um bei der vorherrschenden Hitze an den Strand zu fahren. Preise für Unterkünfte können sich in dieser Zeit ganz leicht verdoppeln und auch dein Feierabendbier wird empfindlich teurer werden. Besonders Busverbindungen werden ab Gründonnerstag – neben Karfreitag der wichtigste Feiertag hier – nicht oder nur spärlich verkehren. Als Backpacker kann die Fahrt in einem „Chicken-Bus“ schnell mal auf dem Dach des Busses enden. Obwohl die Menschen in Zentralamerika generell sehr katholisch erzogen werden, werden Mittel und Wege gesucht, dem verordneten Verzicht auf Alkohol am Karfreitag zu umgehen. So beobachten wir am Gründonnerstag wie Männer mit Taxis vor Geschäften Schlange stehen und eine Bierkiste nach der anderen in und auf das viel zu kleine Auto laden. Die Shops werden am Gründonnerstag also geplündert, da die meisten Geschäfte am Karfreitag geschlossen haben.



Hast du vor dich in der Osterwoche am Strand aufzuhalten, rate ich dir zur Vorsicht, da du auf viele Betrunkene treffen wirst. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass du dich vollkommen vom Strand fernhalten sollst. Dennoch musst du mit vielen Einheimischen rechnen, was hier oft mit einem erhöhten Lärmpegel einhergeht.


Sprich Spanisch

Auch wenn du in deinem Reiseführer etwas von "soliden Englischkenntnissen in touristischen Orten" lesen wirst, kannst du nicht immer damit rechnen, dass du dich in einer anderen Sprache als in Spanisch verständigen kannst. Zumindest das gängige Reisevokabular solltest du griffbereit haben, um bei Busfahrten oder am Markt bestehen zu können. Reist du ausschließlich mit Reisegruppe und steigst in Hotels ab, wirst du hingegen immer einen Ansprechpartner finden.


Die Mentalität

Persönlich finde ich, machen die Menschen eines Reiseziels einen großen Teil des Reiseerlebnisses aus. Wir finden die Menschen hier nach einer kurzen Akklimatisierungsphase sogar sehr sympathisch und durchaus hilfsbereit. Spazierst du mit einem freundlichen Gesichtsausdruck durch die Straßen wirst du gegrüßt und stehst du orientierungslos am Straßenrand, kannst du dir sicher sein, dass bald jemand neben dir steht und dir helfen will. Lateinamerikanische Klänge, lautes Gelächter und temperamentvolle Gespräche sind allgegenwärtig, versprühen dennoch einen entspannten Flair, von dem du dich in deinem Urlaub anstecken lassen solltest. Per Anhalter durch das Land zu reisen ist mancherorts sogar sehr gängig und viele Einheimische stoppen für Wildfremde und bieten ihnen an, sie mitzunehmen. Hier wird es sogar als Unart angesehen, jemandem der zu Fuß unterwegs ist keine Mitfahrt anzubieten. Uns gefällt`s.

Doch nach all den Warnhinweisen möchte ich Entwarnung geben. Zentralamerika ist eine wundervolle Reisedestination, die aufgrund ihrer landschaftlichen Schönheit und immenser Naturschätze, der Gastfreundschaft der Bewohner und ihres erstaunlichen kulturellen Erbes seinesgleichen sucht. Ich fühle mich hier wohl und sicher und kann kaum erwarten, was ich als nächstes entdecken darf.






Auf ihrem Blog www.reiseerfahrungen-blog.de schreibt Sandra über ihre Erfahrungen – die guten und auch über die weniger guten – auf ihrer Weltreise. Ihre Reiseziele erkundet sie abseits von Touristenpfaden und lernt gerne die Menschen und Kulturen des Landes kennen. Sie kocht (und isst) leidenschaftlich gerne, genießt die Ruhe am Strand oder ist aktiv beim Wandern, Klettern oder Tauchen. Und natürlich schreibt sie gerne.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 25. April 2016 um 19:07 Uhr
 



Die Geschichten schreibt das Leben selbst. Der Autor fasst sie nur in Worte.

  




 

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