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Myanmar - Land der Stupas PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Albert Karsai   
Sonntag, den 15. September 2013 um 16:15 Uhr
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Myanmar - Land der Stupas
Individualtourismus in Myanmar - ein Resumee
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Seit die ehemalige britische Kolonie Burma von der Landkarte verschwand, und an ihrer Stelle Myanmar auftauchte, herrscht eine gewisse Verwirrung darüber, ob denn nun beide Namen synonym verwendet werden, oder ob der eine durch den anderen ersetzt wurde (siehe auch Siam, das zu Thailand wurde). Selbst „Myanmar“ ist nur die Kurzfassung des eigentlichen Namens, der da lautet: „Republic of the Union of Myanmar“, also eine Republik von konföderierten Staaten. Tatsächlich ist das, was wir als Burma kennen, nur ein (wenngleich der größte) Staat von neun, aus denen sich die Republik zusammensetzt. Jeder dieser Staaten repräsentiert eine eigene Volksgruppe mit teils unterschiedlicher Geschichte, unterschiedlichen Trachten und Bräuchen. Myanmar vereint sie alle unter einem Hut.


Relativ neu sind auch zwei andere Dinge. Zum einen gab sich die international geächtete Militärdiktatur den Anstrich einer Demokratie mit freien Wahlen und einem Mehrparteiensystem, zum anderen wurde die Landesflagge geändert. Ersteres äußerte sich in der Aufhebung des langjährigen Hausarrests von Aung San Suu Kyi und der Zulassung ihrer Partei zu den Wahlen im Jahr 2012. Die Pressezensur wurde aufgehoben und internationale Beziehungen gefördert, auch mit dem Ziel, finanzkräftige Investoren (meist Chinesen) ins Land zu holen. Dass letzteres gelungen ist, bestätigt mir ein einheimischer Dolmetscher, der mich auf dem Zegyo-Markt in Mandalay anspricht und in ein Gespräch verwickelt. Er beklagt sich darüber, dass sich das Geld fest in chinesischer Hand befindet, ja, dass das Land förmlich an den mächtigen Nachbarn ausverkauft wird. Und er sorgt sich um eine Jugend, die frühzeitig arbeiten geht (obwohl Kinderarbeit an sich verboten ist), anstatt in die Ausbildung zu investieren. „Die Regierung mag sich nun demokratisch nennen“, meint er verächtlich, „aber wirklich geändert hat sich nicht viel. Es sind immer noch dieselben Leute an der Macht.“


Als Reisender bekommt man von alledem nichts mit. Nur, dass sich Smartphones hier mittlerweile ebenso durchgesetzt haben, wie im Rest der Welt. War es früher die Fernseh-Schüssel, die selbst auf der armseligsten Hütte thronte, so ist das Spielzeug der Moderne ein treuer Begleiter, dem sich selbst Mönche (oder wohl eher die jungen Novizen auf Zeit) nicht verschließen können (oder wollen). Darüber hinaus trifft man hier auf Südostasien, wie es leibt und lebt. Und das meine ich im positiven Sinn. Die Leute sind unglaublich freundlich, und das Land mit der Südostasien eigenen Schönheit begnadet. Von der Landschaft und vom Entwicklungsstand her, erinnert mich Myanmar stark an Kambodscha (mit Ausnahme vielleicht von Yangon, das ich über Phnom Penh stellen würde), während Vietnam doch schon ein gutes Stück weiter oben auf der Wohlstands-Skala rangiert. Dass man in den Straßen der ehemaligen Hauptstadt Yangon nur Autos, aber keine der ubiquitären, motorisierten Zweirädern sieht, liegt einzig und allein daran, dass sie in Yangon verboten sind. Angeblich verbannte sie ein ranghoher General aus der Stadt, nachdem er von einem solchen Fahrer bedroht worden war.


Doch zurück zum Reisen, wofür sich Yangon als vorzügliches Stichwort eignet, denn meine Reise durch Myanmar beginnt eben hier in Yangon. Es ist mein erstes Mal hier, nachdem ich in Thailand, Kambodscha, Laos, Vietnam und Malaysia schon beträchtliche Zeit verbracht habe. Doch Myanmar haftete eben immer dieser Geruch von Diktatur an, die die Einnahmen aus dem Tourismus für ihre eigenen Zwecke abschöpft, während dem Volk nur die Krümmel bleiben. Bis vor kurzem?


Von Yangon hörte ich, dass das koloniale, architektonische Erbe zunehmend verfällt, und dieser Eindruck bestätigt sich auch vor Ort. Die Gebäude rund um die Sule-Pagode, die das Stadtzentrum markiert, sind von Ranken bewachsen und vom Schimmel geschwärzt. Es ist offensichtlich, dass sie schon bessere Zeiten gesehen haben. Ob diese Gebäude von der Bevölkerung geschätzt werden, möchte ich wissen, oder ob man am Ende doch froh ist, die Erinnerung an die europäischen Besetzer los zu sein? „Man möchte sie bewahren“, meint ein Taxifahrer, doch offenbar fehlt es am Geld. Nichtsdestotrotz präsentiert sich Yangon als lebhafte Großstadt, deren Bewohner mit asiatischer Gelassenheit den Alltag bestreiten. Vom ersten Tag weg fühle ich mich wohl in diesem Land, denn die Menschen sind freundlich, doch nicht aufdringlich.


Mein erster Weg führt mich zu Fuß zur Sule-Pagode, deren goldene Stupa schon von weitem den Weg weist. Ein Mönch in der landestypischen weinroten Robe führt mich herum, erklärt mir die Bedeutung verschiedener Schreine und fragt am Ende nach einer (nicht unerheblichen) Spende, da er nach Indien wolle, um Sanskrit zu studieren.


Ich stürze mich wieder ins Straßengetümmel mit der berühmten Shwedagon-Pagode, dem Wahrzeichen der Stadt, als meinem Ziel. Rasch erkenne ich, dass die Distanzen innerhalb der Stadt teils beträchtlich sind (mehrere Kilometer), Taxis dafür relativ billig, und die Entscheidung ist klar. Vor der Pagode stauen wir noch ein wenig auf der zweispurigen Fahrbahn (die Straßen in Yangon sind erstaunlich großzügig angelegt), doch dann betrete ich staunend die Anlage mit seiner hohen und kostbaren, goldenen Stupa im Zentrum. Die gesamte Pagode ist atemberaubend und durchaus mit dem Tempel des Jade-Buddha im Bangkoker Königspalast zu vergleichen. Dass Myanmar ein Land der Stupas ist, werde ich noch früh genug bemerken. Überall sprießen sie aus dem Boden wie Pilze, in Gold, weiß oder ziegelrot, mit bauchiger oder schlanker Form, in manchen Pagoden gibt es tausende, auf manchen Hügeln hunderte Pagoden. Ein riesiger, spiritueller Kosmos von Galaxien.


Obwohl Yangon prinzipiell leicht zu Fuß erschließbar ist, spürt man doch bald die Distanzen, die zwischen einzelnen Orten zurückzulegen sind, wobei das Herumschlendern in den Straßen und Gassen rund um die Sule-Pagode zu Fuß am meisten Spaß macht. Der Regenschirm ist dabei jetzt in der Regenzeit ein sinnvoller Begleiter, denn wenngleich die Tage überwiegend trocken verlaufen, so kann es doch auch intensiver regnen. Es ist kühler als erwartet, nicht die brütende Hitze, die mich im trockeneren Norden erwartet.


Die Shwedagon-Pagode ist das Wahrzeichen Yangons.


Road to Mandalay


Von Yangon geht es per Expressbus auf dem neu erbauten Highway nach Mandalay, was trotz der menschenleeren Fahrbahn in der Nacht satte 8,5 Stunden dauert. Die Reisebusse haben gehobenen Standard, selbst VIP-Busse mit nur 27 Sitzen, wenigen Zwischenstopps und überambitionierter Klimatisierung sind mit denjenigen in Thailand vergleichbar. Das ist auch gut so, denn die Distanzen, die es zwischen den Klassikern Yangon, Mandalay, Bagan und Inle See zu überwinden gilt, sind beträchtlich, und Busfahrten von 10 Stunden Länge keine Seltenheit, wobei die neue Autobahn die Fahrzeiten spürbar verkürzt.


Um sechs früh komme ich in Mandalay an. Mandalay wirkt in allen Belangen provinzieller als Yangon, und der Umstand, dass kein wirkliches Stadtzentrum auszumachen ist, verstärkt diesen Eindruck. Kaum trifft man in einer Straße auf ein paar moderne Gebäude und Shops, steht man einmal um die Ecke in einer staubigen Straße, die eher Vorort-Charakter hat. Die Straßen selbst sind in Form eines Gitters angelegt und durchnummeriert, wodurch Adressangaben häufig so klingen: Nr. 110, 34. Straße, zwischen 77. und 78. Straße. Doch was Mandalay unbestritten auszeichnet, ist seine Geschichte als Königsstadt, die wiederum, in Folge wechselnder Vorlieben verschiedener Könige, von drei weiteren Königssitzen in unmittelbarer Nähe umgeben ist: Amarapura, In-Wa und Sagaing. Alle drei sind in Form einer Tagestour leicht erschließbar, sofern man ein schnelleres Fortbewegungsmittel besitzt als ein Fahrrad. Ich wähle das Motorradtaxi, auf dem man zwar nicht so komfortabel unterwegs ist, wie in einem Auto, doch näher am Leben dran, unmittelbarer im Geschehen drin, nicht getrennt durch eine Glasscheibe wie in einem Zoo. Meine Sorge, es könnte regnen, zerstreut das Wetter selbst: alle drei Tage, derer ich hier verweile, fällt kein Tropfen. Mandalay (und auch Bagan) liegt in einer Trockenzone, in der selbst während der Regenzeit deutlicher weniger Niederschlag fällt als im feuchteren Süden. Der Norden Myanmars ist daher nun die Region der Wahl.


Nachdem ich mich ein wenig frisch gemacht habe, schreite ich wohlgemut aus dem Hotel und muss auch hier erkennen, dass des Schusters Rappen den Distanzen in Myanmar nicht wirklich gerecht werden, zumal es heißer als in der ehemaligen Hauptstadt ist. Glücklicherweise gibt es überall Motorradtaxis, die – wie in Vietnam – leicht daran erkennbar sind, dass ein gelangweilter Mann auf oder bei einem Motorroller hockt, auf dem zwei dreckige, speckige Helme baumeln (auch in Myanmar gilt die Helmpflicht). In der Regel muss man sich aber erst gar nicht von selbst auf die Suche machen, denn als zu Fuß wandelnder Ausländer stellt man eine Aufforderung auf zwei Beinen für diese Berufsgruppe dar.


Solcherart motorisiert, lege ich rasch die paar Kilometer zum ehemaligen Königspalast zurück, der inmitten einer 8 km² großen Anlage (die heute eine eingeschränkte Militärzone ist und nur die Palastanlage selbst zugänglich lässt) liegt. Die Gebäude wurden aufwändig restauriert und vermitteln daher einen guten Einblick in das Leben zur damaligen Zeit. Auch an Orten wie diesem müssen Schuhe (und Socken) am Eingang zurückgelassen werden. Überhaupt komme ich mir in diesem Land wie ein Hobbit vor, da diese bekanntermaßen ja ständig barfuß unterwegs sind. Im Gegensatz zu deren behaarten, abgehärteten Füßen leiden meine, das Barfußgehen nicht gewohnten, unter den heißen Steinplatten und teilweise rauen Oberflächen, und das längere Gehen auf hartem Untergrund schmerzt meine Großstadt-Füße. Doch schon eine Woche später springe ich barfuß herum wie eine Antilope. Die Natur erobert sich verloren gegangenes Terrain stets wieder zurück.


Von den Vorzügen des Motorradtaxis überzeugt, lasse ich mich daraufhin zur zweiten großen Sehenswürdigkeit der Stadt bringen: dem Mandalay Hill, auf dessen Gipfel mehrere überdachte Aufgänge führen. Am Gipfel selbst und an den Flanken liegen Pagoden und buddhistische Motive, weswegen der gesamte Aufstieg barfuß zurückzulegen ist. Noch kein richtiger Hobbit, lasse ich mich per Motorrad auf einer asphaltierten Straße bis fast zum Gipfel bringen (ich gehe gern, aber bei gemäßigteren Temperaturen), lege das letzte Stück zu Fuß zurück und genieße von oben die tolle Aussicht. Den Abstieg lege ich dann per pedes zurück.


Die Tour zu den Königsstädten am nächsten Tag erweist sich als Volltreffer. Die Landschaft außerhalb Mandalays ist traumhaft und erinnert mich sehr an jene Kambodschas. Was den Unterschied ausmacht, sind die zahlreichen Stupas, die der Landschaft Myanmars ein so charakteristisches Aussehen verleihen. Auch die zahlreichen Palmyra-Palmen, die ich bislang in dieser Häufigkeit nur in Kambodscha gesehen habe, und die zur Herstellung von Palmsirup, -zucker und -alkohol genutzt werden, stellen eine Verbindung zum Land um den Tonle Sap her. Beeindruckend ist die Ausspeisung von über tausend Mönchen im Mahagandayon-Kloster, die sich um 11 Uhr Vormittag in ihren weinroten Roben und mit Opferschale in Zweierreihen anstellen, um ihre Essensration auszufassen. Mitglieder wohlhabender Familien verteilen den in riesigen Metalltöpfen gekochten Reis an die Mönche. Weitere Höhepunkte der Runde sind der Sagaing Hill mit seinen hunderten Pagoden (mehrere hundert Mönche leben dort) oder die Inselstadt In-Wa mit den Überresten einstiger Pagoden und Paläste, die man unter viel Gerüttel als Passagier einer urigen Pferdekutsche besucht.


Reisemäßig stellt die Regenzeit ganz eindeutig die touristische Nebensaison in Myanmar dar. Im Gegensatz zum kühleren und trockenen Winter laufen nur vergleichsweise wenige Touristen herum, was die Preise nach unten schnellen lässt und die Verfügbarkeit von Unterkunft und Transportmittel nach oben. Ein Nachteil ist jedoch, dass nicht alle Transportoptionen zur Verfügung stehen. So wäre ich sehr gerne mit dem Expressboot auf dem Ayeyarwady weiter nach Bagan gefahren, jedoch fuhren im besagten Zeitraum keine Expressboote aufgrund der schwachen Nachfrage. Um dennoch in den Genuss einer Bootsfahrt auf dem Ayeyarwady, dieser Lebensader Myanmars, zu kommen, kaufe ich ein Ticket für das Boot nach Mingun. Nach etwa einstündiger Fahrt legen wir auf der anderen Seite des Flusses in einem kleinen Dorf an, das eine Reihe von alten Artefakten beherbergt, darunter die weltgrößte, intakte Glocke oder eine unvollendete, gigantische Pagode, deren Stumpf wie eine mexikanische Pyramide aus dem Wald ragt. Keine Must-sees, aber ein guter Vorwand, um über den Ayeyarwady zu schiffen.


Weltkulturerbe Bagan


Die nächste Station ist Bagan. Dieser Ort ist weltberühmt für die tausenden Stupas, die im Laufe der Jahrhunderte auf einer trockenen und spärlich bewaldeten Ebene erbaut wurden. Die größte von ihnen, der Thatbinnyu-Tempel, weist beachtliche 64 m Höhe auf. Trotz der Regenzeit ist es heiß und sonnig, und die gelegentlichen Wolken, die sich vor die Sonne schieben, stellen eine willkommene Erfrischung dar. Besonders, wenn man wie ich mit dem Fahrrad von Stupa zu Stupa radelt, denn aufgrund des allgemeinen Fahrverbots motorisierter Gefährte für Ausländer bleibt mir die Wahl zwischen Pferdekutsche, Taxi oder eben Drahtesel. Da ich gerne autark und mein eigener Herr bin, entscheide ich mich für das Rad, das man gegen eine Leihgebühr von 1500 Kyat pro Tag fast geschenkt bekommt. Ein Fortbewegungsmittel, das jetzt in der Nebensaison nicht zur Verfügung steht, ist der Heißluftballon, der Touristen im Winter gegen nicht gerade wohlfeile 300 USD der Vogelperspektive entgegenträgt, doch auf den Rat eines Einheimischen hin erklimme ich die ansehnliche Shwesandaw-Pagode (eine der wenigen, die noch bestiegen werden dürfen) und erlebe eine ähnliche Aussicht. Es ist der beste Ausblick auf die zahllosen Stupas unterschiedlicher Größe, die unter mir verstreut liegen. 36 km² umfasst der gesamte archäologische Park.


Da ich nach eineinhalb Tagen herum strampeln die wichtigste Stupas gesehen habe (und ohnehin nicht jede einzelne gesehen haben muss), unternehme ich noch einen Ausflug zum Mount Popa, einem weiteren heiligen Ort der Myanmarer, auf dessen Spitze (es ist eigentlich ein hoher, alleine stehender Felsen) eine – wie könnte es anders sein? - Pagode steht. Auch dieser Aufstieg ist barfuß zu absolvieren, was angesichts der exzessiven Affenexkremente eine teilweise eklige Angelegenheit ist und so viel Aufmerksamkeit erfordert, dass es eigentlich mehr in Richtung Gehmeditation geht. Immerhin wird zwischendurch der Treppenaufgang aufgewaschen, wobei die bemühten Reinigungskräfte zwischen gelegentlichem Wischmopp schwingen mit einem Geldbündel in der Hand um eine Spende bitten. Selten habe ich so gerne für einen guten Zweck gespendet und mir gleich vorausblickend ein Bündel kleiner Geldnoten in die Brusttasche eingesteckt. Der Ausblick von oben ist übrigens großartig.



Nach Mandalay war Bagan der nunmehr zweite Ort, an dem ich keinen Tropfen Regen erlebt habe. Zusammen mit den beiden Tagen in Yangon, von denen der erste nur am Morgen verregnet war und am zweiten zwei kurze Schauer herniedergingen, ist das eine beachtliche Bilanz für eine Jahreszeit, die ich doch ein wenig gefürchtet habe, auch wenn ich mittlerweile weiß, dass man in Südostasien auch zu Monsunzeiten gutes Wetter haben kann. Doch wie sieht es am Inle See aus, diesem größten See Obermyanmars, der in einer bergigen Region liegt und auf dem es in den langen Booten mit Außenbordmotor kein Dach über dem Kopf gibt? Da dies meine vierte und letzte Station wird, werde ich es bald herausfinden.


Die Beinruderer vom Inle See


Schon die Anfahrt stellt alles bisherige in den Schatten. Zehn Stunden rollt der Bus auf schmalen Asphaltbändern durch die Landschaft, die letzten Stunden geht es in vielen Kehren in die Berge auf eine Hochebene hinauf. Zu meiner Freude hält der Bus direkt in Nyaungshwe und nicht, wie im Reiseführer beschrieben, an einer Kreuzung, die 11 km davon entfernt liegt. Wie jedes Mal, wenn wir eine neue Tourismuszone erreichen, werden wir zum Aussteigen und Erwerb eines Eintrittstickets aufgefordert, dass derzeit zwischen 5 (Inle See) und 15 (Bagan) US Dollar kostet und je nach Gebiet zwischen mehreren Tagen und einer Woche gültig ist und zur Besichtigung aller Sehenswürdigkeiten berechtigt. Nyaungshwe selbst ist ein ruhiger Ort und dient all jenen als Unterkunft, die sich die teuren Ressorts direkt am See nicht leisten können oder wollen.


Am nächsten Morgen marschiere ich zum nahe gelegenen Bootsanlegeplatz, um ein Langboot zu mieten. Da Nyaungshwe nicht direkt am See liegt, geht es zunächst einen breiten Kanal entlang, bis wir nach ca. 15 minütiger Fahrt auf den offenen See stoßen. Der Himmel ist wolkenverhangen und die Luft kühl am Morgen, sodass ich froh bin, eine Jacke mitgebracht zu haben. Bald schon sehe ich einen „Beinruderer“, eines der Wahrzeichen des Sees. Beinruderer stehen auf einem kanu-artigen Fischerboot und bedienen mit ihren Händen ihre Reusen oder Netze, während sie mit einem Bein das Ruder bewegen. Es ist jenes Motiv, dass sich zumeist auf den vielen Souvenirs findet, die die zahlreichen Händler anbieten. Die Märkte, die man an mehreren Stellen rund um den See findet, bieten das entsprechende Umfeld dazu. Im Gegensatz zu den bisherigen Orten, liegt der Inle Se im Shan-Staat, was sich unter anderem auch in den Trachten der einheimischen Händler bemerkbar macht, die diese Märkte bevölkern. Die wassergebundene Lebensweise der hiesigen Bevölkerung veranschaulichen weiters die Pfahlbauten am und im Wasser, sowie die schwimmenden Gärten, in denen sogar Tomaten in großen Mengen angebaut werden.


Da ich den Luxus genieße, über ein eigenes Boot zu verfügen, erlaube ich mir, die Tour nach meinen Interessen zusammenzustellen. Daher lasse ich die diversen Manufakturen mit angeschlossenem Verkauf links liegen (bis auf einen Silberschmied, der mit einfachen Mitteln bezaubernden Silberschmuck herstellt), und steuere neben einem wunderschön gelegenen, aus Teakholz gefertigten Kloster auch den Ort Indein an, der erst vor einigen Jahren für den Tourismus geöffnet wurde und auf dem Wasserweg durch einen schmalen Kanal erreichbar ist. Neben der großartigen Landschaft bietet Indein eine weitläufige Pagode mit hunderten Stupas. Zum Abschluss besuche ich eine bedeutende Pagode, die fünf kleine, aber sehr alte Buddha-Figuren in ihrem Zentrum beherbergt, die durch die vielen aufgeklebten Goldfolien gläubiger Buddhisten fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt sind. Jedes Jahr im Oktober werden sie in einer mehrwöchigen Prozession in einem prächtigen Boot über den See getragen, und die Beinruderer dürfen in Mannschaftswettkämpfen zeigen, was in ihnen steckt.


Am letzten Tag schwinge ich mich wieder aufs Rad und fahre an einer Seite des Sees (auf stellenweise herausfordernden Straßen) rund 11 km bis zu einem Dorf, wo man mein Fahrrad auf ein Langboot verlädt und mich mich knatterndem Motor auf die andere Seite bringt, von wo ich – nach einem einfachen Mittagessen - meine Fahrt zurück nach Nyaungshwe fortsetze.






Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 15. September 2013 um 19:07 Uhr
 



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